Christian Rasmussen hat am Sonntag sein erstes IndyCar-Rennen gewonnen. Die letzten 28 Runden waren mit das Spektakulärste, was es in diesem Rennsportjahr zu sehen gab.
David Malukas hatte in der Qualifikation eine Zeit gesetzt, an der sich viele Favoriten die Zähne ausbissen: Pato O’Ward, Scott McLaughlin, Will Power und Josef Newgarden. Erst der letzte Fahrer konnte Malukas von der Poleposition verdrängen. Das war der Champion, und so führte Alex Palou das Feld zum Start an. Diese Position hielt er auch vor David Malukas. Scott McLaughlin verbesserte sich auf Platz drei, Conor Daly sogar von Startplatz acht auf vier. Ende der ersten Runde kam Nolan Siegel in Kurve 4 zu weit nach unten und verlor dort die Kontrolle über seinen Wagen. Damit endete sein Rennen schon vor dem Ende der ersten Runde in der Mauer. Direkt nach dem Restart verlor Graham Rahal in Kurve 1 fast seinen Wagen, doch mit Glück und Können verhinderte er einen Dreher oder gar einen Einschlag in die Mauer. Trotzdem gab es mehr Runden unter Gelb.
Beim nächsten Restart konnte David Malukas auf der äußeren Linie schlagen und die Führung übernehmen. In den folgenden Runden war Malukas der schnellere Pilot und hatte schnell 2 Sekunden Vorsprung. Im weiteren Feld gab es in den Runden nach dem Restart einige schöne Zweikämpfe. Besonders Christian Rasmussen und Christian Lundgaard kämpften über mehrere Runden hinweg um Platz 11. Den größten Sprung nach vorne vom Start legte jedoch Colton Herta hin. In Runde 30 fuhr er bereits auf Platz 13. Die Führung von Malukas hielt jedoch nicht lange. Bereits in Runde 41 übernahm Alex Palou wieder die Spitze des Feldes.
Ab der 50. Runde kamen die ersten Fahrer zum ersten Stopp. Zu den frühen Stoppern gehörten Alexander Rossi, Christian Lundgaard und Scott McLaughlin. In Runde 58 kamen schließlich auch Alex Palou und David Malukas an die Box. Palou behielt locker die Führung, aber McLaughlin hatte sich auf Platz zwei nach vorne geschoben. Er geriet jedoch direkt unter Druck von David Malukas. Alexander Rossi verbesserte sich auf Platz 4 vor Will Power und Pato O’Ward. Auf Platz sieben folgte Christian Lundgaard vor Conor Daly, dem Verlierer der ersten Stopps, und Colton Herta. Ein weiterer Verlierer war Josef Newgarden, der aus den Top 10 gefallen war.
Bei den nächsten Boxenstopps brach kurzzeitig Chaos aus. Zunächst versagte bei David Malukas der Schlagschrauber am rechten Vorderrad. Alex Palou überholte ihn in der Box, wodurch Malukas eine Runde verlor. Gleichzeitig verlor Will Power seinen Penske-Dallara auf der hohen Linie und löste so die nächste Caution aus. Scott Dixon, Marcus Armstrong, Devlin DeFrancesco und Felix Rosenqvist waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht an der Box gewesen. Zum Restart fuhr Malukas direkt hinter Alex Palou. Er lag aber nur auf Platz 17 mit einer Runde Rückstand. Scott McLaughlin hingegen lag auf Platz 2 vor Pato O’Ward. Dahinter folgten Alexander Rossi, Christian Lundgaard und Josef Newgarden. Beim Stopp hat Penske bei ihm einen Schalter umgelegt. Denn nach dem Restart fuhr Newgarden schnell auf Platz drei nach vorne.
Passend für die nächsten Boxenstopps löste der Motor von Callum Ilott eine Caution aus. Bis auf Marcus Armstrong, der die Führung übernahm, fuhren alle Wagen an die Box. Dadurch kam David Malukas wieder in die Führungsrunde. Bis Runde 160 hatte er sich wieder auf Platz 13 nach vorne gefahren. Währenddessen fiel Marcus Armstrong mit seinen alten Reifen wie ein Stein durch das Feld. An der Spitze setzte sich Alex Palou kontinuierlich von den beiden Penskes ab. Auch die letzten Boxenstopps änderten nichts an der Situation an der Spitze. Durch den Under-Cut verkürzte Scott McLaughlin den Rückstand auf Alex Palou auf weniger als eine Sekunde. Doch mit seinen Reifen auf Arbeitstemperatur konnte sich Palou wieder absetzen. Währenddessen wurde Newgarden von Kyffin Simpson aufgehalten, der schon eine Runde Rückstand auf seinen Teamkollegen Palou hatte, und verlor so viel Zeit auf Palou und McLaughlin. In Runde 209 wurde das Feld jedoch noch einmal zusammengebremst. Bei Sonnenschein fielen Regentropfen auf die Strecke. Da es nur leicht regnete, war keine Unterbrechung nötig. Die Wagen hielten die Strecke selbst trocken.
Bis auf Alex Palou, Scott McLaughlin und Josef Newgarden kamen alle Fahrer an die Box. Im Zielsprint mussten sie sich nun mit alten Reifen gegen das restliche Feld durchsetzen. Die besten Aussichten hatten die beiden McLaren-Chevrolets mit Pato O’Ward und Christian Lundgaard auf den Plätzen 4 und 6, dicht gefolgt von den beiden ECR-Chevrolets mit Alexander Rossi und Christian Rasmussen auf den Plätzen 5 und 7. Dahinter reihten sich Scott Dixon und David Malukas ein.
Nach dem Restart in Runde 222 war Christian Rasmussen der aggressivste Pilot. Er machte mit beiden McLaren kurzen Prozess und auch Alexander Rossi war chancenlos. Auf der äußeren Linie zog Rasmussen an seinen Kontrahenten vorbei. Dabei lag sein ECR-Dallara noch nicht einmal sonderlich gut auf der Strecke. Dank seines Fahrgefühls und seines Risikosinns quetschte er sich durch die kleinsten Lücken zwischen Kontrahent und Mauer. In Runde 226 klebte er bereits am Heck von Josef Newgarden. Mit den alten Reifen waren auch beide Penskes keine Gegner für ihn und so machte er sich ab Runde 230 auf die Verfolgung von Alex Palou.
Palou war der erste Fahrer, der sich halbwegs gegen Rasmussen verteidigen konnte. Immerhin konnte er auf der inneren Linie fast zwei Runden lang dagegenhalten. Als Rasmussen vorbei war, konnte er sich auch von Palou absetzen. Auf ihn wartete jedoch noch der Überrundungsverkehr, sodass das Rennen noch nicht entschieden war. Doch auch die Hinterbänkler konnten ihn nicht aufhalten. Teilweise hatte das aber JR-Hildebrand-Indy499-Vibes. Christian Rasmussen zog seine Linie durch und fuhr mit fast zwei Sekunden Vorsprung auf Alex Palou seinen ersten Sieg ein. Scott McLaughlin folgte mit 10,7 Sekunden Rückstand auf Platz drei.
Alexander Rossi konnte beide McLaren hinter sich lassen und sorgte so für ein fantastisches Teamergebnis von Ed Carpenter Racing. Josef Newgarden fiel hingegen auf Platz 7 hinter Pato O’Ward und Christian Lundgaard zurück. Es war ein großer Fehler des Teams, bei der Regencaution keine neuen Reifen zu nehmen. David Malukas fuhr Platz 8 vor Scott Dixon ein. Nach Startplatz 2 und der Führung zu Rennbeginn ist das sicher eine kleine Enttäuschung. Mit dem defekten Schlagschrauber hätte es aber noch viel bitterer kommen können. Da wären wir dann bei Andretti Global. Bei ihnen ging an diesem Wochenende nicht viel zusammen. Colton Herta, Kyle Kirkwood und Marcus Ericsson wurden auf den Plätzen 11, 12 und 19 gewertet.
Das komplette Ergebnis ist auf der Homepage der IndyCar-Serie (pdf) nachzulesen.
Vorschau: Borchetta Bourbon Music City Grand Prix
Am nächsten Wochenende geht die IndyCar-Saison zu Ende. Das ist auch nötig, da die Cowboys und Eagles schon bereitstehen, um am 4. September die NFL-Saison zu beginnen. Eine ausführliche Vorschau ist für das Finale nicht nötig. Für die Favoriten verweise ich auf die Vorschau für Milwaukee und das dortige Ergebnis. Auch in der Meisterschaft gibt es kaum noch spannende Fragen. Alex Palou steht als Meister und Pato O’Ward als sein Vize fest. Ob Scott Dixon nun Dritter bleibt oder noch von Christian Lundgaard überholt wird, ist ihm wahrscheinlich relativ egal. Zwischen Colton Herta auf Platz 6 und Felix Rosenqvist auf Platz 9 liegen nicht nur Marcus Armstrong und Will Power, sondern auch nur sechs Punkte. Da liegt also noch ein wenig Spannung begraben.
Strecke
Der Nashville Superspeedway ist ein klassisches US-Oval. Die Streckenlänge beträgt nicht ganz die üblichen 1,5 Meilen, sondern nur 1,33 Meilen (2,14 Kilometer). Die Kurven haben eine Überhöhung von 14 Grad. Das ist deutlich mehr als beispielsweise im Gateway Motorsports Park mit 9 bzw. 11 Grad. Damit ist es das Oval mit den steilsten Kurven im aktuellen IndyCar-Kalender. Der Start-Ziel-Knick besitzt ein Banking von 9 Grad und die Gegengerade immerhin noch von 6 Grad.
Zeitplan (eastern time, MEZ)
Samstag, 30. August
10:30 a.m. (16:30) – NTT IndyCar Series practice #1
2:00 (20:00) – Qualifying for the NTT P1 Award
4:30 (22:30) – NTT IndyCar Series practice (high-line session & final practice)
Sonntag, 31. August
2:00 p.m. (20:00) – Fox on air
2:45 p.m. (20:45) – Big Machine Music City Grand Prix (225 laps/299,25 miles), Fox, Sky live














