Die Sommerpause dauert noch ein wenig, Zeit mal zu schauen, wie die Teams sich in diesem Jahr bisher geschlagen haben.
McLaren
Der klare Branchenprimus in diesem Jahr. Das Auto ist (fast) perfekt, Probleme gibt es wenig. Die Zuverlässigkeit stimmt, bei der Strategie macht man selten bis wenig Fehler und beim Reifenverschleiß liegt man klar vorne. Der Erfolg schafft das Luxusproblem, dass man sich irgendwann entscheiden muss, welcher Fahrer denn jetzt die größten Chancen auf den WM-Titel haben wird. Wobei sich diese Frage auch erledigen kann, denn Verstappen liegt schon jetzt knapp 100 Punkte zurück. Wenn McLaren weiter Doppelsiege einfährt, wird man Ende September auch die Entscheidung fällen können, einfach beide Piloten gegeneinander fahren zu lassen.
Ob jetzt Piastri oder Norris Weltmeister wird, kann McLaren dabei egal sein. Für die Fahrer sieht das natürlich anders aus. Ich neige weiterhin dazu, Norris die minimal besseren Chancen einzuräumen, weil er dann doch ein bisschen mehr Erfahrung mitbringt. Für Piastri spricht allerdings, dass er den kühleren Charakter hat und unter Druck belastbarer scheint. Wird ein enges Finale, so viel ist klar.
Ferrari
Dass die Italiener auf dem zweiten Platz der Konstrukteurs-WM liegen, mag etwas überraschen. Gefühlt sind sie langsamer und hinter Red Bull. Aber meist punkten beide Autos und vor allem Leclerc kann den SF-25 oft genug auf P3 stellen. Der schlechte Eindruck kommt vermutlich auch daher, dass man seinen Blick oft zu sehr auf Hamilton beschränkt. Dessen Saison ist eher mau, aber so schlecht dann wiederum auch nicht. Er liegt 41 Punkte hinter Leclerc. Das ist nicht wenig, aber nicht übermäßig viel.
Aber Hamilton steht natürlich unter der Lupe. Seine schlechten Ergebnisse haben viel mit dem Abstand in der Quali zu tun. Er ist weiter weg, als ich dachte, aber er hat auch Rückstand aufgeholt. Halt nicht so schnell, wie man es erwartet hatte. Es wird interessant zu beobachten sein, ob er den Trend im Herbst umkehren kann. Wenn die Autos keine Updates mehr bekommen, geht es vor allem ums Setup und da hat der Brite offenbar noch erhebliche Mehrarbeit zu leisten. Ich würde ihn nicht abschreiben.
Aber Ferrari wird dieses Jahr zu Recht enttäuscht sein. Dass man es mit den Möglichkeiten, die man hat, nicht geschafft hat, McLaren zumindest auch mal unter Druck setzen zu können, dürfte in Maranello nicht gut ankommen.
Mercedes
Das gilt auch für Mercedes. Wobei man sagen muss, dass die Deutschen rund anderthalb Jahre Entwicklung durch das „Zero-Pod“ Auto verloren haben. Paradoxerweise war der „Zero-Pod“ aber erfolgreicher, als seine Nachfolger. 515 Punkte gab es 2022, 468 Punkte sammelte man letztes Jahr mit dem Auto ein, das dem allgemeinen Designtrend folgte. Aber ein schwerwiegender Nachteil des „Zero-Pod“ war seine Fahrbarkeit und das Setup Fenster. Das ist beim neuen Auto deutlich besser.
Dass man in der WM nicht besser dasteht, hat auch mit Kimi Antonelli zu tun. Dem fehlen 108 Punkte auf George Russell, was schon recht viel ist. Das war einerseits zu erwarten, andererseits fehlen Antonelli ein wenig die Highlights in der Saison. Sieht man von der Pole um Sprintrennen von Miami und P3 in Kanada ab, gab es wenig, das den Speed des Italieners zeigte. Es fehlten die „Banger“ in der Quali oder im Rennen, die sein zweifelsohne vorhandenes Talent zeigen. Meiner Meinung nach bremst Mercedes ihn zu sehr ein. Er wirkt oft übervorsichtig. Auf der anderen Seite kann ich Mercedes verstehen, denn jeder Unfall kostet Geld, was man aber für die Entwicklung des Autos für das nächste Jahr benötigt.
Red Bull
Selten hat man die Gelegenheit, einem Team beim Zerfall zuzuschauen, aber Red Bull bietet die erste Chance seit dem Untergang von McLaren in den 2010er-Jahren. Große Teile des wichtigen Personals sind gegangen, dieses Jahr hat man erst den zweiten Fahrer, dann den Teamchef entlassen. Der Nachfolger bringt wenig Erfahrung mit und mittlerweile scheint der ganze Laden kopflos. Die Entlassung von Horner zog den Weggang weiterer Personen aus dem Team nach sich. Und warum Horner gehen musste, hat man auch nie kommuniziert. Was sehr für interne Machtkämpfe spricht.
Zusammengehalten wird das Team von Verstappen, der es irgendwie schafft, aus dem Auto mehr herauszuholen, als drinsteckt. Lawson hat man verhungern lassen, Tsunoda, der seine F1-Karriere verschwinden sieht, deutet immer öfter an, dass seine unterdurchschnittlichen Leistungen eventuell etwas damit zu tun haben könnten, dass er nicht das gleiche Material bekommt. Vermutlich wird er nächstes Jahr dann durch Hadjar ausgetauscht. Die Nachwuchsförderung von Red Bull zur F2 ist sehr gut, nur in der F1 bricht es dann ab. Vielleicht hat Red Bull den falschen Verantwortlichen entlassen.
Williams
Zur Halbzeit „best of the rest“ zu sein, ist ja durchaus aller Ehren wert. Und wer hätte vor drei Jahren gedacht, dass Williams noch mal auferstehen kann? James Vowles hat hier erstaunlich gute und schnelle Arbeit geleistet, aber gerade diese Saison deckt einige Schwächen im Team auf. Das Chassis ist weiter eine Baustelle, aber hier sei erwähnt, dass es sich nur um eine Evolution des letztjährigen Autos handelt, das schon kein großer Wurf war.
Schwerwiegender sind da die vielen kleinen Fehler. Sei es bei der Zuverlässigkeit, sei es bei der Strategie, sei es bei den Boxenstopps. Es hakt hier und da, was bessere Ergebnisse verhindert. Sainz hat sich schnell im Team eingefunden (schneller, als das Hamilton bei Ferrari gelungen ist) und Albon stellt dieses Jahr erneut unter Beweis, dass er sauschnell ist.
Man hat bei Williams sicher nicht damit gerechnet, dass man die Top 4 angreifen kann, aber schon damit, dass man sich stärker aus dem Mittelfeld lösen kann, bzw. dass man den Abstand zu diesem vergrößert. Das ist nicht gelungen.
Aston-Martin
Dass die Briten auf P6 liegen, hat einen Grund: Das letzte Update hat mal funktioniert, was ein Novum in den letzten Jahr darstellt. Überraschenderweise ist es aber nicht Alonso, der hier den Löwenanteil der Punkte eingefahren hat. Stroll hat wie Alonso ebenfalls 26 Punkte. Sicherlich ist Alonso in der Quali oft der bessere Fahrer, aber im Rennen ist Stroll nicht weit weg, vor allem, wenn er es zumindest die zweite Quali-Session schafft.
Es war aber seit letztem Jahr klar, dass 2025 nur ein Übergang für das Team darstellen soll. Adrian Newey ist der eine Grund dafür, der andere ist, dass man die Fabrik samt Windtunnel einarbeiten muss. Der Fokus liegt auf 2026 und da will man dann den großen Sprung nach vorne schaffen.
Im Hintergrund gab es auch Bewegung. Herstellerseitig hat Aston Martin intern seine Anteile an Teaminhaber Lawrence Stroll verkauft, da Aston finanziell weiter in der Klemme steckt und Verluste macht. Das hat aber den Vorteil, dass bei einer möglichen Insolvenz des Herstellers, das Team nicht betroffen wäre.
Sauber
Schwach gestartet, stark aufgeholt. Ich nehme zumindest teilweise meine Kritik an James Key vom Anfang des Jahres zurück. Immerhin ist es seinem Team gelungen, aus dem weitestgehend unfahrbaren Chassis ein Auto zu machen, das in den letzten Rennen regelmäßig Punkte geholt hat. Der Aufschwung scheint aber auch viel damit zu tun zu haben, dass die Neuorganisation durch Mattia Binotto und Jonathan Wheatly greift. Das Team wirkt vor allem bei den Renneinsätzen straffer und sortierter. Was der dritte Platz von Hülkenberg in Silverstone unter Beweis gestellt hat.
Viel Aufwind wird es dieses Jahr aber nicht mehr geben, dass man sich auf das Jahr 2026 vorbereitet. Aber der siebte Platz in der WM scheint machbar. Auch weil Gabriele Bortoletto erstaunlich schnell in Fahrt kommt. Der von Binotto ins Team gedrückte Brasilianer setzt auch in der Quali Nico Hülkenberg unter Druck und liefert gute Rennen ab. Der Rookie ist eine Überraschung in diesem Jahr.
Racing Bulls
Das Team leidet in diesem Jahr unter den Querelen, die im Hauptteam abgehen. Tsunoda wurde durch Lawson ersetzt und mitten in der Saison hat man den Teamchef an den Mutterkonzern abgeben müssen. Aber auch bei der Entwicklung des eigenen Autos macht man keine großen Fortschritte. Hier fehlen Geld und technische Möglichkeiten, auch wenn man große Teile des Chassis von Red Bull bezieht. Es kamen in diesem Jahr aber auch Schwächen in der Strategie hinzu. Mehr startete Hadjar aussichtsreich ins Rennen, um dann mit einer merkwürdigen Strategieentscheidung im Mittelfeld zu versinken.
Hadjar ist neben Bortoletto auch sicher ein Kandidat für „Rookie of the Year“. Der Franzose hat mich ein wenig überrascht. Vor allem durch die Tatsache, dass er so schnell in Tritt gekommen ist. Allerdings zeigte Lawson, nachdem er seinen Schock über die Entlassung überwunden hatte, dann in den letzten Rennen ähnliche Ergebnisse.
So richtig erschließt sich mir im Moment auch nicht der Sinn, warum das Team in der F1 unterwegs ist. Als Nachwuchsschmiede für Red Bull scheint es nicht zu funktionieren, als eigenständiges Team aber auch nicht. Vielleicht sollte man auch aufhören, den Namen alle 12 Monate zu wechseln.
Haas
Die Privatveranstaltung von Gene Haas ist auch so eine Nummer. Zu wenig Geld, um was aus dem Team zu machen, gleichzeitig verdient man offenbar weiterhin zu viel Geld damit, um es vielleicht an jemanden zu verkaufen, der mehr daraus machen will. So dümpelt das Team vor sich her, da hilft auch die Unterstützung durch Toyota nicht. Dem Team fehlt ein „feel good“ Ergebnis, wie es Sauber in Silverstone hatte.
Das Potenzial dazu hat man eigentlich, allerdings ist das Konstrukt des Teams auch komplex. Das Chassis baut Dallara, Motor und Getriebe kommen von Ferrari, Teile der Weiterentwicklung kommen von Toyota aus Köln, aber auch vom Stammsitz in den USA. Zusammengebastelt wird alles in England.
An den Fahrern liegt es in diesem Jahr nicht, Bearman zeigte ein Highlights in der Quali, im Rennen merkt man ihm oft noch die fehlende Erfahrung an. Aber anders als Antonelli scheint er weniger Angst zu haben, einen Fehler zu machen. Ocon zeigt seine übliche Leistung. An manchen Wochenenden irre schnell, an anderen am Schluss des Feldes zu finden. Das kennt man von ihm seit Jahren.
Alpine
Das interne Chaos von Red Bull ist nichts gegen das, was bei Alpine abgeht. Teamchef nach ein paar Monaten weg, CEO von Renault weg, Fahrertausch nach wenigen Rennen, Motorentwicklung abgeschafft. Immerhin – das Chassis aus Enstone ist nicht schlecht. Dort scheint man vom Chaos in Frankreich nicht allzu betroffen zu sein. Ob man das Team noch mal auf Vordermann bekommt? Ich habe da meine Zweifel.
Leid tut mir bei der ganzen Sache Pierre Gasly. Der Franzose leistet an manchen Wochenenden mehr, als Team und Auto eigentlich zulassen. Die 20 Punkte, die Alpine hat, gehen alle auf sein Konto. Ich würde Gasly wünschen, dass er es mal zu einem anderen Arbeitgeber schafft, wo er sein Talent mehr unter Beweis stellen kann.
Die zweiten Piloten Doohan und Colapinto tun mir auch wenig leid. Aber in beiden Fällen bin ich, was deren Eignung für die F1 angeht, auch etwas skeptisch. Doohan hatte mich auch in seiner F2-Zeit nie überzeugt. Colapinto kam mit großen Vorschusslorbeeren, enttäuscht bei Alpine aber auch. Ob das jetzt an ihm oder am Auto liegt? Oder daran, dass er Updates auch erst nach Gasly bekommt? Ich hoffe, dass er sich im Verlauf des Jahres noch steigern kann.










