Nach dem langweiligen Rennen in Spa sollte man sich nicht allzu sehr auf das Rennen in Ungarn freuen. Überholgelegenheiten sind hier Mangelware.
Bevor die Formel Eins in eine weitere dreiwöchige Pause geht, dreht man noch ein paar Runden auf dem Hungaroring. Die 1986 eingeweihte Strecke gehört mittlerweile zu den Traditionsstrecken im Kalender, auch wenn der Kurs jetzt nicht gerade zu den Klassikern gehört. Zu eng, zu kurze Geraden und wenig Stellen, an denen man überholen kann. Die Rennen waren in der Vergangenheit nur dann spannend, wenn das Wetter umschlug oder es ungewöhnliche Vorkommnisse gab.
Aufs Wetter braucht man am Wochenende schon mal nicht zu hoffen, es soll trocken und sommerlich warm werden. Die Action auf der Strecke muss also woanders herkommen. Die Frage stellt sich: Wer hat eine Chance gegen die McLaren? Gerne vergleicht man den Kurs mit dem Rennen in Monaco, und das hat in diesem Jahr relativ deutlich auch McLaren gewonnen. Daher steht außer Frage, dass Norris und Piastri in Ungarn die Favoriten sind. Wer von den beiden dann die Nase vorn haben wird, ist wohl abhängig von der Tagesform. Aber für Norris wäre es wichtig, dass er im Rennen vor Piastri ins Ziel kommt, da sonst der Abstand in der WM erneut größer wird.
Die McLaren-Suppe versalzen könnte Max Verstappen. Dem Red Bull sollte der Wechsel aus langsamen Passagen und ein paar schnelleren Kurven liegen, vor allem nach dem letzten Update, das Red Bull in Spa präsentierte. Der neue Unterboden soll dafür sorgen, dass das Auto fahrbarer wird und ein breiteres Abstimmungsfenster hat. Ob sich das dann schon Ungarn zeigen wird? In Monaco reichte es nur zu P4. Aber dann ist dann halt Max Verstappen, der mehr aus dem Auto rausholen kann, als eigentlich drinsteckt.
Ferrari könnte sich ebenfalls als starker Gegner erweisen. Die überraschend gute Leistung in Spa spricht dafür, aber auch der zweite Platz von Leclerc beim Rennen in Monaco, der nur drei Sekunden hinter Norris lag. Das letzte Update der Hinterachse gibt dem Auto mehr Stabilität und man kann den Ferrari nun auch tiefer abstimmen. Das kommt offenbar auch Lewis Hamilton zugute. Er flog zwar in Q1 in Spa raus, aber seine Zeit (bevor sie gestrichen wurde) lag nur ein paar Tausendstel hinter der von Leclerc. Ungarn ist eine Strecke, die er mag, und eventuell ist es die Chance für ihn, endlich mal wieder vorn zu landen.
Von Mercedes erwarte ich mir in Ungarn nicht viel. Das Team scheint mit dem letzten Update daneben gelegen zu haben, jedenfalls sind die Abstände seit Kanada eher angestiegen. Dazu kommt eine gewisse Unruhe im Team. Die Gerüchte um einen möglichen Wechsel von Max Verstappen zum Team sind die eine Sache, eine andere Sache ist, dass Kimi Antonelli im Moment nicht die Leistungen erbringen kann, die man sich erhofft hatte. Sein Abstand zu George Russell in der Quali beträgt meist zwischen 2 und 3 Zehntel. Was Kritiker auf den Plan ruft, ist die Tatsache, dass sich im Verlauf der Saison am Abstand nichts verändert hat.
Man darf aber nicht vergessen, dass Antonelli gerade erst 18 Jahre alt ist. Auch Verstappen war mit 18 nicht auf dem Niveau, auf dem er heute ist. Ich wiederhole aber meine Kritik an Mercedes, die den Eindruck erwecken, dass sie Antonelli zu sehr auf eine vorsichtige Fahrweise getrimmt haben. Er soll schnell sein und nichts kaputtmachen. Ich kann, angesichts der strikten Budgetgrenzen, verstehen, dass man sich wenig Schrott erlauben kann, aber das zwingt einen jungen Fahrer auch in eine schwierige Lage. Ob es nun besser ist, Antonelli im nächsten Jahr bei Alpine zu parken, wo er von Gasly einiges lernen könnte? Ich fände das auch eher kontraproduktiv.
Und wer wird „best of the rest“ in Ungarn? Meine beiden Favoriten sind hier die RBs und die Williams. Das sehr gute Rennen von Albon in Spa hat gezeigt, dass Williams, wenn sie mal alles zusammenbekommen, das schnellste Mittelfeld-Team ist. Auf der anderen Seite hat genau das gleiche Rennen mit Sainz gezeigt, dass sie immer noch Fehler in der Ausführung des Wochenendes machen. Das Team ist bisher nicht so erwachsen, dass sie einen entscheidenden Schritt nach vorn machen können. Die Wochenenden scheinen manchmal eher ein Glücksspiel zu sein.
Dahinter wird es eng. Sauber muss man nennen, die in den letzten Rennen regelmäßig in die Punkte kamen. Ob das Update, das das Setup-Fenster des Saubers verbessert hat, dann auch in Ungarn funktioniert, wird eine interessante Beobachtung werden. Denn sollte das Auto hier auch gut sein, dann kann man sicher sein, dass es James Key und seinem Team gelungen ist, ein sehr solides Auto zu bauen. Vielleicht sein bestes Chassis seit einigen Jahren. Zu wünschen wäre es dem Team.
Ebensolche Fortschritte würde man auch von Aston Martin erwarten, die in Spa mit einer neuen Nase am Auto auftauchten. Das Rennen lief aber eher bescheiden, weil das Auto viel zu langsam war. Aber ich gehe davon aus, dass Alonso in Ungarn stärker unterwegs ist, weil die Strecke die fahrerischen Qualitäten herausfordert. Und davon hat der Spanier auch mit 44 Jahren immer noch genug.
Strategie:
Es gibt C3, C4 und C5 in Ungarn. Dass man nicht zu den C6 gegriffen hat, liegt daran, dass der Asphalt in Ungarn etwas aggressiver ist, als in Monaco oder Kanada. Die lateralen Belastungen, vor allem im letzten Sektor, liegen deutlich höher, als auf den vorgenannten Strecken. Allerdings hat die Strecke teilweise einen neuen Asphalt, den man Zuge einer Generalsanierung der gesamten Strecke und aller Anlagen aufgebracht hat. Bisher gab es aber nur ein paar GT-Rennen, es fehlen also Daten. Da auf der Strecke generell nicht viel gefahren wird, entwickelt sich der Kurs vor allem am Samstag dann deutlich und wird zunehmend schneller.
Die beliebteste Strategie im vergangenen Jahr war die Zweistopp-Strategie, bei der verschiedene Kombinationen aus C3 und C4 ausgeführt wurden. Das Medium schnitt am besten ab und wurde von 13 Fahrern für den Start ausgewählt. Von den restlichen sieben entschieden sich vier für die Soft und drei für die Hard.
Yuki Tsunoda bei den Racing Bulls war der einzige Fahrer, der nur einen Stopp eingelegt hatte, während einige dreimal an die Box gingen und einen kurzen letzten Stint auf dem Soft absolvierten. Das Aston Martin-Paar Fernando Alonso und Lance Stroll machte zwei Stopps und nutzte alle drei Compounds, nachdem es im freien Training seinen eigenen Weg im Reifenmanagement gegangen war. Den längsten Stint (14 Runden) fuhr der Kanadier auf dem Soft. Was auch die Grenzen des C5 aufzeigt.


