Gemischte Wetterverhältnisse sorgen normalweise für eine abwechslungsreiche Rennen. Doch das war in Spa nicht der Fall. Das lag auch an McLaren.
Die Geschichte des Rennens ist schnell erzählt. Ein Überholmanöver nach dem Start, ein verspäteter Boxenstopp – das war es schon, was das Rennen entschieden hat. Dabei versprachen die Wetterbedingungen in Spa einiges an Abwechslung. Doch eine übervorsichtige Entscheidung der Rennleitung brachte Fans und Fahrer um mehr Spannung.
Zur anvisierten Startzeit um 15.00 Uhr goss es aus Kübeln. Die Einführungsrunde zeigte, dass man bei diesen Bedingungen nicht würde fahren können. Die Entscheidung den Start des Rennens zu verschieben, war daher gerechtfertigt. Aber der Regen verschwand schnell und nach rund 30 Minuten hätte man eigentlich loslegen können. Doch man wartete lieber ab und vor allem auf die Sonne, die bald herauskam.
Als man dann endlich gegen 16:10 Uhr das Feld auf die Reise schickte, war das meiste Wasser auf der Strecke verschwunden. Die Sonne sorgte dafür, dass schon ab Runde 12 die ersten Autos auf Slicks wechselten. Vorsicht ist in Spa sicher immer geboten, vor allem, weil das aufgewirbelte Wasser die Fahrer in der Blindflug schickt. Aber so lange zu warten, bis die Strecke abtrocknet, kann auch nicht die Lösung sein.
Und warum man auf den stehenden Start verzichtet hat, ist mir auch nicht so ganz klar. Der Weg zu ersten Kurve ist kurz und auch beim rollenden Start in der fünften Runde war noch genug Wasser auf der Strecke, dass die Sicht eingeschränkt war. So konnte sich Pole-Sitter Lando Norris über eine freie Sicht freuen. Allerdings auch nur kurz.
Denn wie so oft erweist sich die Pole in Spa als Nachteil. Wer auf P2 startet und sich bis La Source gedulden kann, bekommt dann einen schönen Windschatten die gesamte Kemmel Gerade rauf und muss eigentlich nicht viel machen. Verteidigen kann man sich da nicht wirklich und so zog Piastri, der am Samstag von Norris geschlagen wurden, problemlos vorbei.
Norris fand dann allerdings auch keinen Weg an seinem Teamkollegen vorbei und sortierte sich in den ersten Runden mit etwas Abstand hinter dem WM-Führenden ein. Wie überhaupt das Feld eher abwartend unterwegs war. Russell zeigte das einzige (!) Überholmanöver im gesamten Rennen in den Top 5, als er sich Albon schnappte. Nur weiter hinten gab es Bewegung, vor allem durch Lewis Hamilton, der nach einem Fehler in der Quali nur von P16 starten konnte. Er schnappte sich nach und nach die Hinterbänkler und sorgte für etwas Abwechslung.
Der Rest wartete auf den Moment, an dem die Strecke trocken genug für die Slicks war. Der war dann in Runde 12 gekommen und die ersten Fahrer, die an die Box kamen, waren Hamilton, Hülkenberg, Gasly und Alonso. Vor allem der Ferrari und der Sauber profitierten stark vom frühen Stopp. Nachdem die Stopps aller Fahrer durch waren, fand sich Hamilton auf P7 wieder. Wo er dann allerdings den Rest des Rennen feststeckte.
Doch der Stopp sollte auch entscheidend für die Spitze sein. Die Teams sahen schnell, dass die Frühstopper schon im ersten Sektor massiv schneller waren und man rief die Fahrer zum Reifenwechsel. Piastri, Leclerc, Verstappen und Albon kamen in Runde 13. Als einziger Fahrer blieb Norris noch eine weitere Runde auf der Strecke. Eine Fehlentscheidung.
Ein Doppel-Stopp wäre für McLaren möglich gewesen, wenn Norris sich um fünf Sekunden hätte zurückfallen lassen. Norris entschied sich für eine weitere Runde auf den Intermediates und verlor dadurch knapp sieben Sekunde in einer Runde. Er entschied sich beim Stopp für die harte Mischung, was ihn weitere 1,5 Sekunden in der Outlap kostete. Nach der Runde der Stopps lag er dann nicht mehr 1,5 sondern 10 Sekunden hinter Piastri.
Die einzige Frage war dann nur noch, ob Piastri mit dem Medium würde durchfahren können, was dieser allerdings schnell bejahte. Zwar gelang es Norris den Abstand zu verkürzen, doch auf den etwas störrischen harten Reifen leistete er sich zwei drei kleine Fehler, die sich auf einen Zeitverlust von drei Sekunden summierten. Aber selbst ohne diese Fehler wäre es für Norris schwierig geworden. Er wäre zwar ran gekommen, aber überholen ist dann wieder eine andere Sache.
McLaren war an diesem Wochenende klar überlegen. Am Ende hatte Piastri 20 Sekunden Vorsprung auf Charles Leclerc, der den Ferrari etwas überraschend auf P3 stellen konnte. Red Bull hatte keine Chance. Im ersten Rennen nach Entlassung von Christian Horner gab das Team trotz eines umfangreichen Upgrade am Auto eine schwache Vorstellung. Verstappen startete das Rennen auf P4 und beendete es auch dort. Ohne eine Chance darauf Leclerc unter Druck setzen zu können.
Eine interessante Randbemerkung: Es kam am Wochenende raus, dass Tsunoda seit Miami keine neuen Upgrades erhalten hatte. Die landeten alle bei Verstappen und offenbar hatte Red Bull von allen Updates immer nur eine Ausgabe gefertigt. Kostengründe sollen der Grund gewesen sein. Der neue Teamchef Mekies orderte jedenfalls an, dass der Reserve-Unterboden von Verstappen an das Auto von Tsunoda geschraubt wurde. Der zeigte sich dann in der Quali auch leicht verbessert und wäre auch in die Punkte gekommen, wenn Red Bull ihn nicht bis Runde 14 auf den Intermediates gelassen hätte.
Hinter Hamilton brachte Liam Lawson den RB auf den achten Platz und holte damit Punkte. Er hatte ein gutes Wochenende, immer auf Augenhöhe mit Hadjar und im Rennen hatte er das nötige Glück beim Reifenpoker. Auf P9 landete Bortoleto, der über die gesamte Zeit in Spa besser unterwegs war als Hülkenberg. Der Deutsche haderte mit der Abstimmung und kam das gesamte Wochenende nicht in Schwung. Er lag allerdings auf P10, als ihn das Team zu einem erneuten Wechsel der Reifen an die Box holte. Ob das daran lag, dass er zuvor angefahrene Medium genutzt hatte, war nicht klar.
Der letzte Punkt ging an Pierre Gasly, der den Alpine, auch dank des frühen Stopps, tatsächlich in die Punkte bekam. Was angesichts der Motorleistung des Alpine eine Überraschung war. Sein Kampf im letzten Drittel des Rennens gegen die ihm liegenden Bearman, Hülkenberg und Tsunoda wäre eigentlich ein „Driver of the day“ Wert gewesen.
Kimi Antonelli ging am Wochenende komplett unter. Die Quali versemmelte er, aber im Rennen ging auch nichts zusammen. Er kämpfte mit Ocon und Alonso um P16. Langsam muss man schon die Frage stellen, wie es mit dem 18-Jährigen weitergehen soll.
Das Problem sind nicht mal die Ergebnisse. Die kann man in seiner ersten Saison eh vergessen. Aber es fehlen die fahrerischen Highlights. Nach einem halben Jahr im Mercedes sollte er zumindest in der Lage sein, hier und da etwas zu zeigen, das seinem kolportierten Talent entspricht. Bisher hat man da nur die Pole in Miami gesehen. Es fehlt ein wenig das Gefühl, dass Antonelli der Rohdiamant ist, der nur etwas Zeit benötigt, um zu reifen. Aber sein Abstand zu Russell in der Quali ist bisher nicht kleiner geworden. Was kein gutes Zeichen ist.
Nächste Woche geht es in Ungarn weiter, bevor die Formel Eins erneut in eine dreiwöchige Pause geht.





















