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Formel Eins: Analyse GP von Großbritannien – Endlich!

von DonDahlmann
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Ein Rennen, an das man noch lange denken wird. Es passierte so viel, dass man kaum hinterherkam. Am Ende gab es zwei sehr glückliche, aber auch jede Menge sehr unglückliche Fahrer.

Es gab in der Formel Eins immer wieder Fahrer, die das Pech hatten, immer wieder im falschen Team zu falschen Zeit zu sein. Und es gab die Fahrer, die im richtigen Moment immer wieder vom Pech verfolgt wurden. Carlos Reutemann war so einer, René Arnoux ein anderer. Und Jenson Button hätte sich fast in diese Riege begeben. Nico Hülkenberg gehört auch dazu. Mit enormem Talent ausgestattet, gelang ihm nie der Durchbruch in der Formel Eins. Geschätzt, aber nie hochgehandelt, erfolgreich, aber nie auf dem Podium.

Der Deutsche hatte vor 15 Jahren einen fulminanten Start in die Königsklasse, als er seinen Williams in Brasilien auf die Pole stellte. Es folgten respektable Ergebnisse, aber keine Highlights. Hängengeblieben sind vor allem seine Fehler. Wie der ein paar Jahre später in Brasilien, als er ein Podium versäumte, weil er mit Lewis Hamilton kollidierte. Oder als er in Hockenheim, auf P3 liegenden, seinen Renault auf der extrem nassen Strecke in die Reifenstapel setzte. Hülkenberg, so dachten viele, ist ein guter Fahrer, ein sehr guter Entwickler, aber einer, der unter Druck Fehler macht.

Vielleicht brauchte es die Reifezeit bei ihm, damit es dann beim Rennen in Silverstone endlich mit Podium klappte. Sein Rennen war fehlerlos und das unter Bedingungen, die nicht gerade einfach waren. Dabei spielten zwei Dinge eine Hauptrolle: ein guter Start und ein perfekt getimter Boxenstopp.

Von P19 gestartet, nutzte er seine Erfahrung in den ersten beiden Runden voll aus. Nach zwei Runden lag er schon auf P11, eine Runde später auf P10, da Antonelli vor ihm zum Reifenwechsel an die Box kam. Es folgte dann eine gute Entscheidung von Sauber. In der zehnten Runde holte man ihn an die Box und zog frische Intermediates auf.

Zu Beginn des Rennens war die Strecke zu 60 Prozent trocken, was dazu führte, dass die Intermediates schnell an Profil verloren. Aber es war für die kommenden Runden neuer Regen vorhergesagt. Der frühe Stopp hatte zwar den Nachteil, dass er ins hintere Mittelfeld zurückfiel, aber mit frischen Intermediates war er teilweise mehr als fünf Sekunden schneller als die Konkurrenz. Das sorgte unter anderem dafür, dass er Hamilton hinter sich lassen konnte. Der kam zwar eine Runde später an die Box, fiel aber aufgrund der engen Abstände auf P8 zurück.

Eine Runde nach seinem Stopp setzte dann schwerer Regen ein. Die Konkurrenz hatte die guten Sektorenzeiten von Hülkenberg gesehen und reagierte ebenfalls. Doch einige blieben auch draußen, darunter Albon, Antonelli und Ocon. Das führte dazu, dass der Sauber weiter nach vorn rutschte. Zwei SC-Phasen zwischen den Runden 14 und 22 sorgten dafür, dass sich das Feld sortierte und am Ende lang Hülkenberg auf dem vierten Platz lag.

Den vierten Platz erbte er dann, weil sich Verstappen am Ende der SC-Phase drehte und auf den zehnten Platz zurückfiel. Hülkenberg hatte in dieser Phase Lance Stroll vor sich, der auch ein sehr interessantes Rennen hatte.

Der Kanadier wurde von seinem Team in der kurzen Phase nach dem Start des Rennens kurzzeitig auf Slicks gesetzt. Er kam in der siebten Runde zum Stopp und war auf der fast trockenen Strecke plötzlich bis zu 10 Sekunden pro Runde schneller. Stroll nutzte diesen kurzen Vorteil, um aus dem hinteren Mittelfeld nach vorn zu stürmen.

Die Entscheidung fiel dann aber beim letzten Stopp. Um Runde 38 stellte man sich nach einem weiteren Schauer die Frage, wann die Strecke so trocken sein würde, dass man die Slicks aufziehen konnte. Als Erster probierte es Fernando Alonso in Runde 38, doch das war zu früh. Der Spanier verlor in der ersten Runde auf Slicks rund 10 Sekunden, in der zweiten Runde waren es immer noch 6 Sekunden. Aber gegen Runde 41 war der Punkt erreicht, als die Slicks langsam schneller wurden.

In Runde 42 lag Hülkenberg so zwar auf P3, hatte aber Lewis Hamilton im Genick, dessen Ferrari dem Sauber deutlich überlegen sein musste. Ferrari entschied sich dann aber in Runde 42 den Briten an die Box zu holen, was nach einer guten Entscheidung aussah. Immerhin kam auch Verstappen zum Stopp. Doch es war eine Runde zu früh.

Vor dem Stopp lag Hamilton rund 1,5 Sekunden hinter dem Sauber. Nachdem Hülkenberg aber eine Runde länger mit den Intermediates auf der Strecke blieb und erst in Runde 43 reinkam, betrug der Vorsprung des Deutschen plötzlich sieben Sekunden. Ein paar kleine Fehler von Hamilton sorgten dann dafür, dass der Sauber den Vorsprung konservieren konnte. Am Ende rückte der Ferrari zwar wieder näher, aber Lewis ging die Zeit aus. Und so konnte Hülkenberg sein erstes Podium und Sauber das erste Podium seit 2012 (Kobayashi, Japan 2012) feiern. Der erste Gratulant war im Übrigen Max Verstappen.

Der Niederländer hatte in der Quali etwas überraschend beide McLaren geschlagen, weil Red Bull bei der Abstimmung volles Risiko eingegangen war und dem Red Bull einen Heckflügel aus Abteilung „Monza“ verpasst. Das passte auf die trockene Strecke am Samstag, aber nicht auf das überflutete Silverstone am Sonntag. Zwar konnte Verstappen den Start gewinnen, sich aber aufgrund diverser Unterbrechungen nicht absetzen. Piastri nutze den Speed seines überlegenen McLaren aus, um die Führung zu übernehmen.

Die hatte der Australier bis Runde 44 auch inne, aber er hatte sich am Ende der letzten SC-Phase in Runde 22 eine Strafe eingefangen, weil er auf der Hangar Straight eine Vollbremsung hingelegt hatte. die den hinter ihm liegenden Verstappen überraschte. Die FIA untersuchte den Vorfall und fand, dass Piastri innerhalb von Sekunden von 215 km/h auf 52 km/h abgebremst hatte. Das Problem dabei war aber der platzierte Bremsdruck von 60 psi, der der FIA mitteilte, dass Piastri wirklich voll auf der Bremse gestanden hatte. Ein No-Go unter SC-Bedingungen und man verhängte eine 10-Sekunden-Strafe.

Was Lando Norris freute. Der Brite erbte die Führung und brachte sie auch ins Ziel. Norris hatte ein gutes Wochenende und seinen Teamkollegen auch gut im Griff. Aber ausgerechnet in der Qualifikation war Piastri dann ein paar Tausendstel schnell und sicherte sich die erste Startreihe. Auch im Rennen schien der WM-Führende besser unterwegs zu sein, denn teilweise betrug sein Vorsprung 13 Sekunden, was dann durch die SC-Phasen wieder zunichte gemacht wurde.

Auf der anderen Seite hatte Norris in der letzten Phase das Rennen voll unter Kontrolle. Piastri saß seine Strafe beim Boxenstopp ab und kam dann rund 5 Sekunden hinter seinem Teamkollegen auf die Strecke. Aber es gelang ihm auch nicht, diesen Rückstand in den letzten acht Runden des Rennens zu verkürzen. Und so segelte Norris als Sieger durchs Ziel und erfüllte sich damit den Traum vom Gewinn des Heim-GP.

Hinter dem Trio kam Hamilton ins Ziel, der ein sehr gutes Wochenende hatte. Die Upgrades am Auto scheinen in seinem Sinn zu funktionieren, denn über das gesamte Wochenende lag er vor seinem Teamkollegen. Leclerc haderte mit der Balance des Autos und konnte die Rundenzeiten von Hamilton nicht wie gewohnt kontern.

Aber Ferrari leistete sich mal wieder ein paar strategische Fehlentscheidungen. Die erste betraf Charles Leclerc, den man nach der Einführungsrunde an die Box beorderte, um dort Slicks zu nehmen. Der Zeitverlust auf der Strecke war enorm, weil der Kurs vor allem im letzten Sektor viel zu nass war. Den gleichen Fehler machte zwar auch Mercedes mit Russell, aber das half Leclerc auch nicht. Man verlor mehr als 5 Sekunden allein im letzten Sektor.

Danach steckte der Monegasse im Verkehr im Hinterfeld und kam da erstaunlicherweise nicht raus. Er tauchte zwar kurz mal auf P10 auf, verlor mögliche Punkte aber, weil er in Runde 43 nach seinem Wechsel auf Slicks gleich zwei Ausflüge in die englische Botanik hatte. Ein Wochenende zum Vergessen.

Verstappen rettete sich nach seinem Dreher auf den fünften Platz, aber das war nicht mal das Bemerkenswerte an diesem Wochenende. Diese Medaille ging mal wieder an Yuki Tsunoda, der mit dem sehr schwierig zu fahrenden Red Bull überhaupt nicht zurechtkam. Weder in der Quali, noch auf der nassen Strecke konnte der Japaner irgendwelche Akzente setzen.

Sechster wurde Pierre Gasly, was ein an sich erstaunliches Ergebnis war. Der Franzose hatte den Alpine irgendwie in die letzte Quali-Runde bekommen und nutzte dann geschickt das schlechte Wetter zu seinem Vorteil. Dem Alpine kam das schlechte Wetter entgegen und Gasly zeigte bei den Bedingungen auch seine fahrerische Klasse. So hielt er runden lang den eigentlich deutlich schnelleren Lewis Hamilton hinter sich. Pech dagegen für Colapinto. Nicht nur, dass er in der Quali einen Unfall hatte, im Rennen versagte seine Kupplung schon in der Einführungsrunde.

Lance Stroll holte P7, aber da hätte mehr drin sein können. Immerhin lag er nach der Runde der letzten Stopps auf P4, aber Aston hatte ihn auf die Soft gesetzt, die gegenüber den Medium der Konkurrenz aber unterlegen waren. Aber endlich mal wieder ein gutes Ergebnis für Stroll, der das dringend benötigte.

Alex Albon sicherte Williams den achten Platz, aber insgesamt war das eine enttäuschende Leistung von Williams. Wenn Sauber auf P3 und Alpine auf P6 liegen, dann hat man was falsch gemacht. Ein Problem war, dass man Albon in der Frühphase des Rennens zu spät zum Stopp beordert hatte. Als er in Runde 13 endlich an die Box kam, hatte die Konkurrenz schon gewechselt und teilweise verlor Albon acht Sekunden pro Runde. Da wäre am Ende also auch deutlich mehr drin gewesen. Sainz kam gar nicht in die Punkte.

Alonso sicherte Aston den neunten Platz. Und der letzte Punkt ging an George Russell und Mercedes. Die hatten ein rabenschwarzes Wochenende. In der Quali sah es noch recht gut aus. Russell startete auf P4 und es fehlten ihm nur 0,137 Sekunden auf die Pole. Doch sein Rennen fiel schon nach der Einführungsrunde auseinander, als Mercedes den gleichen Fehler wie Ferrari machte und Russell auf die Slicks setzte. Danach war es dann nur ein Kampf mit dem Rücken zur Wand.

Kimi Antonelli tat sich in Silverstone schwer. In der Quali fehlten ihm drei Zehntel auf Russell, was dann P7 bedeutete. Mercedes leistete sich beim Italiener dann gleichen Fehler wie bei Russell, als man ihn in der zweiten Runden auch auf die Slicks setzte. Später rauschte ihm Hadjar ins Heck, was den Diffusor des Mercedes zerstörte. Danach war das Rennen dann für ihn vorbei.

Es war ein bemerkenswertes Rennen, nicht nur, weil ein Sauber am Ende auf P3 lag. McLaren war im gesamten Rennen absolut dominant. Auf nasser Strecke war teilweise bis zwei Sekunden pro Runde schneller als die Konkurrenz. Dass man in den letzten 30 Runden nach der letzten SC-Phase 34 Sekunden vor dem Sauber lag, mag jetzt nicht überraschen. Aber dass Hamilton im Ferrari fast 40 Sekunden fehlten, dann doch. Es zeigt, wie gut der McLaren bei diesen Witterungsbedingungen ist und wie hoch der mechanische Grip des Autos ist.

Es folgen nun drei Wochen Pause. Ende Juli steht dann Spa auf dem Programm.

Bilder: Pirelli

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1 Kommentare

Motorsport-Wochenende: Hülkenberg auf dem Podium, Preining doppelt stark • Kettenritzel.cc 7 Juli, 2025 - 21:49

[…] Den ausführlichen Rennbericht findet ihr wie immer im Racingblog. […]

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