Endlich auch mal so lange Renntitel wie in der NASCAR. Hoffentlich wird das Rennen in Imola nicht so langatmig.
Es könnte der letzte Auftritt der Formel Eins in Imola sein. Obwohl alle die Strecke und die Atmosphäre mögen und die italienischen Fans massenweise anreisen, steht das Rennen vor dem Aus. Schuld ist das weiterhin wachsende Interesse anderer Länder, auch mal einen Grand Prix austragen zu dürfen. Bekannt ist, dass Südafrika, Thailand und Argentinien Interesse gezeigt haben. Auch Deutschland und Frankreich stehen im Moment ohne Rennen da. Allerdings ist die wirtschaftliche Situation in beiden Ländern gerade angespannt und mit staatlichen Unterstützungsgeldern darf man nicht rechnen. Was eine Rückkehr eher unwahrscheinlich macht. Sicher ist das Aus für Imola noch nicht, aber da mit dem Rennen in Spa ein weiteres Rennen auf der Kippe steht, dürfte die Zukunft von Imola besiegelt sein.
Die Formel Eins internationalisiert sich immer weiter und entfernt sich damit auch ein Stück von Europa. Was nachvollziehbar ist, denn der Markt hier ist gesättigt. Der Markt in Deutschland ist ein gutes Beispiel. Das Interesse hier ist zwar weiter vorhanden, und Audi kommt ja ein weiterer Hersteller in die Serie. Aber es gibt, abgesehen von Nico Hülkenberg keinen weiteren Fahrer in der Königsklasse. Und wer die Zusammenfassungen von Stefan hier über Nachwuchsklassen verfolgt, wird feststellen, dass im Moment kein neuer Fahrer nachrückt. Beide Schumacher-Söhne (Mick und David) haben keine Chance auf einen Platz in der F1, weitere Fahrer, die die unteren Klassen dominieren, sind nicht in Sicht. Nur Tim Tramnitz könnte es, wenn die Saison gut läuft, vielleicht auf die erweiterten Listen der F1-Scouts schaffen.
Aber auch viele Fahrer aus einer Nation helfen nicht, ein Rennen ins Land zu bekommen. Immerhin sind gerade drei Franzosen in der Serie unterwegs, aber dennoch gibt es keinen Versuch, den GP von Frankreich zu reaktivieren. Allerdings ist auch die Frage: auf welcher Strecke? Magny-Cours lieben alle Fahrer, ist aber ungünstig gelegen. Paul Ricard kann keiner leiden, auch wegen des Verkehrschaos, das regelmäßig entsteht.
Imola hatte sich in den vergangenen Jahren, nachdem es als Notlösung für den während der Corona-Pandemie dauerhaft abgesagten Rennen in China, gut etabliert. Der EU-Auftakt der Formel Eins hat ein paar gute Rennen produziert, auch wenn die Strecke eigentlich nur zwei echte Überholstellen bietet. Aber mit der Brechstange geht es auch an anderen Stellen (oder auch nicht). Für die Teams ist Imola die erste Chance, die Updates auf einer brauchbaren Strecke auszuprobieren. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass man in Miami Updates auffahren wird, aber außer Red Bull zeigte kein Team etwas.
Das mag damit zusammenhängen, dass die Entwicklung der Teams in diesem Jahr einen etwas anderen Rhythmus hat, da sich ja alle schon auf das Jahr 2026 vorbereiten. Updates werden in geringerer Zahl produziert und kommen dann auch etwas später. Die gesamte Weiterentwicklung der diesjährigen Chassis dürfte im Juli abgeschlossen sein und die letzten Updates werden dann bis Oktober eintrudeln.
Dabei könnte die WM aber noch spannend werden. McLaren sieht im Moment, vorwiegend im Rennen, sehr dominant aus. Aber das kann sich bekanntermaßen schnell ändern. Ab dem Rennen in Spanien Anfang Juni gelten die neuen Regeln für den Belastungstest der Endplatten des Heckflügels. Davon verspricht sich vor allem Red Bull einiges, die weiterhin vermuten, dass McLaren hier weiter trickst. Interessante Nebenbemerkung: komischerweise „betrügen“ andere Teams immer nur dann, wenn sie schneller als die Red Bull sind. Nun ja…
Aber man darf Red Bull und Max Verstappen in diesem Jahr weiterhin nicht abschreiben. Die Poles von Verstappen zeigen, dass Red Bull auf einer Runde nicht viel fehlt. Es ist die Rennpace, die dem Weltmeisterteam zu schaffen macht. Und hier verliert man nicht nur gegen McLaren, sondern auch gegen Mercedes. Die hat man allerdings bis jetzt nicht unter dem Verdacht, etwas Krummes zu machen. Kommt bestimmt noch.
Die Mercedes sehe ich daher in Imola auch wieder in einer guten Position. Andrea Kimi Antonelli dürfte das Interesse der Tifosi geweckt haben, auch wenn deren Herz weiterhin an Ferrari hängt. Doch die stecken mit einem sehr spitz zu fahrenden Auto weiter in einer Krise. Das Rennen in Miami hat gezeigt, dass es nicht ein Problem von Hamilton mit dem Auto ist, sondern dass das Problem beim Chassis selbst liegt. Weder die Quali- noch die Rennpace passen. In der Quali kann Leclerc manchmal das Team besser aussehen lassen, als es tatsächlich ist, aber mehr auch nicht. Eine Lösung für die Probleme hat bisher auch nicht präsentiert, aber das kann am Wochenende passieren.
Williams etabliert sich langsam als „best of the rest“ Team. Sicher ist, dass man die alten Probleme bei der Chassis-Entwicklung ad acta gelegt hat und nun imstande ist, ein brauchbares Auto auf die Strecke zu bringen. Auch die Weiterentwicklung (zumindest in diesem Jahr) passt. Unebenheiten gibt es aber noch einige. Die Strategie passt oft weiterhin nicht völlig und insgesamt merkt man, dass das Team sich gerade in einer neuen Rolle wiederfindet und man sich daran erst noch gewöhnen muss. Aber der langfristige Plan von James Vowles scheint so zu laufen, wie man sich das vorgestellt hat.
Dahinter ist es eng. Haas, Alpine und RB haben je nach Strecke ihre Stärken, verlieren aber auf anderen Strecken den Anschluss. Bei Alpine gab es in der kurzen Pause auch ein wenig Bewegung. Jack Doohan wurde auf die Reservebank gesetzt, Colapinto darf dafür aufrücken. Seitdem Briatore den Argentinier recht spät im Winter als „Ersatz“ verpflichtet hatte, gab es Gerüchte, dass Doohan das Ende der Saison nicht erleben würde. Nun darf Colapinto für ein paar Rennen zeigen, ob er im Auto von Alpine bleiben darf. Sein Speed ist unbestritten, allerdings kann man die Unfälle letztes Jahr bei Williams auch nicht wegdiskutieren.
Und dann ist auch noch der Abgang von Oliver Oakes bei Alpine. Da gibt es viele Gerüchte rund um seinen Bruder, der neulich verhaftet wurde. Die wurden von Briatore zwar nicht angeheizt, aber die Bemerkung, dass der Weggang von Oliver Oakes nichts mit der Leistung des Teams zu tun haben würde, hat auch nicht geholfen. Sicher ist, dass das Team nicht von Oakes oder sonst wen geführt wird, sondern von Briatore. Man wird sicher jemanden finden, der die Rolle von Oakes unterhalb von Briatore übernehmen kann. Aber hilfreich sind so Wechsel nicht.
Strategie:
C4, C5 und zum ersten Mal der C6 stehen auf dem Programm. Der C6 ist für den Einsatz auf Strecken homologiert, die die Reifen am wenigsten belasten, und könnte über eine fliegende Runde noch mehr Grip bieten, insbesondere da die Imola-Oberfläche weniger abrasiv als der Durchschnitt ist. Es ist schwer vorstellbar, dass es für einen Renneinsatz genutzt wird, aber die in Imola und dann in Monaco und Montreal gesammelten Daten werden es den Pirelli-Ingenieuren ermöglichen, es für andere Grands Prix in der zweiten Saisonhälfte zu bewerten.
Aber auch so dürfte das Rennen interessant werden, denn der C3 fehlt ja als Einsatzreifen. Letztes Jahr erwies sich die One-Stop-Strategie als die wettbewerbsfähigste. 15 Fahrer starteten das Rennen auf dem Medium (C4), drei auf dem Hard (C3) und zwei auf dem Soft (C5). Die härteren Verbindungen funktionierten am besten und boten trotz hoher Temperaturen eine sehr konstante Leistung mit begrenztem Abbau.
Diejenigen, die auf der Soft starteten, mussten zwei Stopps einlegen. Es wird interessant sein zu sehen, ob es Auswirkungen haben wird, im Vergleich zum letzten Jahr hinsichtlich der Verbindungen noch einen Schritt weicher zu werden. Es gibt nur eine DRS-Zone mit begrenzten Überholmöglichkeiten an anderer Stelle, zu der die Boxengasse zeitlich gesehen die längste im Kalender ist. All diese Faktoren machen einen One-Stop zur obligatorischen Tradition auf dieser Rennstrecke. Aber mit den C4 als die härteste Variante könnte es schwierig werden.
Die meisten werden den C4 zum Start bevorzugen, da er die größte Flexibilität bei der Strategie bietet. Die eher altmodische Strecke in Imola hat wenig Auslaufzonen und ein Safety Car ist jederzeit möglich. Da die Rennen in der zweiten Hälfte meist ruhiger laufen, wird man hoffen, da die weicheren Mischungen auf einem leichteren Auto fahren zu können. Aber der Einsatz des C6 bietet auf jeden Fall eine interessante Komponente am Wochenende.
Bilder: Pirelli



1 Kommentare
@Don Bitte mal die Chatuhr auf Sommerzeit stellen.
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