Am vergangenen Wochenende startete der Sprint Cup traditionell im britischen Brands Hatch. Aufgrund der Streckenkapazität waren die Bronze-Wagen zum Auftakt nicht am Start. Die anspruchsvolle Strecke in der Grafschaft Kent bot zwei Rennen, die in gewohnter Manier durch die Qualifikation und Stopps entschieden wurden.
Der Zeitplan war in Brands Hatch wie jedes Jahr etwas unüblich. Die Qualifikation für beide Läufe wurde am Samstag ausgetragen, während beide Rennen am Sonntag gefahren wurden. Sonst wird die entsprechende Qualifikation am Tag des Rennens separat ausgetragen. Übersichtshalber werde ich abschnittsweise das passende Qualifying-Segment mit dem dazugehörigen Rennen zusammenfassen.
Rennen 1
Schon im Pre-Qualifying zeichnete sich eine Ferrari-Dominanz ab, die sich vor allem in der ersten zehnminütigen Qualifikationseinheit bewahrheiten sollte. Vier Ferrari landeten unter den besten Sieben der Startaufstellung. Mit Thierry Vermeulen im Emil Frey Ferrari
konnte sogar ein Auto aus dem Gold Cup die Pole einfahren. Nur Marvin Kirchhöfer im McLaren (Dritter), Luca Engstler im Grasser Lamborghini (Vierter) und Lucas Auer im Winward Mercedes (Sechster) konnten die Ferrari-Falance hinter Thierry Vermeulen in Form von Alessio Rovera (AF Corse), Arthur Leclerc (AF Corse) und Ben Green (Emil Frey) ärgern. Der Grasser Lamborghini wurde nach einem BOP-Vergehen nach beiden Qualifyings ans Ende des Feldes gesetzt, wodurch dieser keine Rolle spielte. Andere namenhafte Teams wie WRT und Rutronik waren im Mittelfeld gefangen, aus dem sie auf der höchst überholunfreundlichen Strecke nicht mehr nach vorne kommen sollten.
Hinter Vermeulen konnte Kirchhöfer die zweite Position von Rovera am Start übernehmen, während dahinter Lucas Auer zwei
Positionen verlor. Hartog wurde der Gewinner des Starts und fuhr bis in die Top10 im zweiten Rutronik Porsche vor, was den Grundstein für einen möglichen Sieg im Silver Cup legen sollte.
Vorne legte Vermeulen einen blitzsauberen ersten Stint hin, während sich dahinter die typische Perlenkette in Brands Hatch bildete. Aus meiner Sicht sind die Onboards in Brands Hatch immer das Interessanteste an dieser Veranstaltung. Vor allem im hinteren Streckenteil sieht man visuell, was Geschwindigkeit auf einer sehr schmalen Strecke bedeutet. Überholen ist im Grunde nur in der Druids-Haarnadel nach der Paddock-Hill-Band möglich und auch dort nur mit absoluter Brechstange. Wie üblich wurde das Rennen durch die Stopps entschieden. Dennoch überrascht es jedes Jahr, wie wenige Fahrfehler auf dieser äußerst anspruchsvollen Strecke in den Rennen passieren.
Der Stopp der Emil Frey Truppe dauerte etwas länger, wodurch Vincent Abril nach seiner Übernahme von Rovera die Führung übernahm. Es war die heißeste Szene des Rennens, als er Chris Lulham, der von Vermeulen übernahm, kurz vor der Haarnadel leicht auf die Wiese drängte, was die Rennleitung durchgehen ließ. Der erste Stint von Chris Lulham, der aus dem Sim-Racing kommt, war die große Unbekannte für den zweiten Stint. Er machte seinen Job herausragend, was er auch in der zweiten Qualifikationssession am Samstagnachmittag zeigen sollte. Er verlor lediglich den zweiten Platz gegen Benjamin Goethe nach seinem Überholversuch um die Führung.
Vorne passierte nach dem Stoppfenster nichts mehr und Abril konnte vor Goethe und Lulham den Sieg einfahren. Das Duo Green/Lappalainen und Leclerc/Neubauer komplettierten das ideale Ferrari-Ergebnis. Man könnte fasst behaupten, dass eine
Kurzzusammenfassung der Quali und Stopps ausreichen würde, um das Rennergebnis zu skizzieren :D.
Während im Gold Cup selbstredend der Emil Frey Ferrari als Gesamtdritter gewann, ging es im Silver Cup weitaus enger her. Entscheidend war hier eine Strafe gegen den Rutronik Porsche für ein Vergehen beim Stopp, der mit Hartog wie erwähnt einen exzellenten Rennstart hatte. Dadurch gewann auch hier ein Ferrari von AF Corse mit Marcos Siebert und Jeff Machiels, der nur knapp vorm BMW von Paradine Competition (Jansen/Oosten) und dem Boutsen VDS Mercedes (Panis/Gazeau) ins Ziel kam.
Rennen 2
Im zweiten zehnminütigen Qualifikationssegment wählten einige Teams eine andere Taktik und gingen erst nach drei oder vier
Minuten raus, bevor der Winward Mercedes mit Lucas Auer gar erst nach sechs von zehn Minuten rausging. Offenbar konnten die neuen Pirelli-Reifen perfekt ihren Peak erreichen und Maro Engel fuhr auf Pole, während hinter ihm die Ferrari-Falance gebrochen wurde. Hinter Chris Lulham war der Barwell Lamborghini von Sandy Mitchell, der ursprünglich hinter dem Grasser Lamborghini von Jordan Pepper landete. Die starke Pace von Lulham lässt den Verdacht zu, dass dieses Jahr erstmals ein Duo außerhalb des Pro Cups um den Gesamttitel fahren könnte. Anpassungen der BOP gab es für das zweite Rennen aufgrund des kurzen Zeitabstands keine. Die Ferrari-Dominanz lies etwas nach, was sich im Rennen bemerkbar machte.
Nachdem am Start Sandy Mitchell kurz an Lulham vorbeikam, konnte er nach der Haarnadel wieder vorbeiziehen, wodurch es in der Spitzengruppe zunächst keine Verschiebungen gab. Hinter Engel und dem erneut stark fahrenden Chris Lulham konnte sich Mitchell eine recht große Lücke auf den Rest mit Thomas Neubauer und Konsta Lappalainen herausfahren.
Nach 20 Minuten kam etwas Unruhe auf, da der Grasser Lamborghini im alten Streckenteil im Kies steckte. Kurz vor dem Fahrerwechsel wurde eine Full-Course-Yellow ausgerufen. Vom neuen Rennleiter Nils Wittich kannte man in Le Castellet den Ablauf, dass bei solchen Zwischenfällen nur eine FCY ohne anschließendes Safety-Car ausgerufen wurde. Doch beim Sprint Auftakt war es nun das gewohnte Prozedere aus den letzten Jahren. Mal sehen, ob diese Zweiteilung der Neutralisationsverfahren zwischen Endurance und Sprint weiter Bestand haben wird. Erstmals konnte man das neue Safety-Car aus dem Hause Maserati im Renneinsatz bewundern. Das Boxenstoppfenster wurde verschoben.
Die engen Abstände sorgten nach Öffnung des Boxenstoppfensters für ungeahnte Platzwechsel. Die Winward-Mamba konnte die Führung behalten und wurde nun von Charles
Weerts verfolgt, der mit einem blitzschnellen Stopp von Kelvin van der Linde übernahm. Katastrophal lief es für Emil Frey Racing mit Thierry Vermeulen und dem AF Corse Ferrari von Alessio Rovera, die durch die Stopps gar aus den Top10 zurückfielen. Ohne Ben Green im zweiten Emil Frey 296 wäre sogar ein Rennen ohne Ferrari-Podium möglich gewesen.
Kurz nach dem Stoppfenster wurde erneut mit FCY und anschließend SC neutralisiert, da der zweite Rutronik Porsche mit Hartog/Pieris aus dem Kies geborgen wurde. Zunächst sah es erneut danach aus, dass sich keine Platzwechsel mehr entwickeln würden, aber: Ben Green kam in der vorletzten Runde leicht auf die Wiese und verlor seinen dritten Platz an Sven Müller im Rutronik Porsche, dem Arthur Leclerc auch noch folgen konnte. Nach dem ersten Rennen wäre ein Podium unter Beteiligung von BMW und Porsche und ohne Ferrari undenkbar gewesen! Engel/Auer konnten damit nach 2024 erneut das zweite Rennen in Brands Hatch gewinnen.
Noch nicht mal für Klassensiege sollte es für die Ferrari nach einem zunächst dominanten Wochenende reichen. Im Gold Cup konnte der WRT BMW mit AlManar Racing vor
Vermeulen/gewinnen. Im Silver Cup machte die Rennleitung keine gute Figur. Zunächst wurde nach dem Rennen aufgrund einer Strafe gegen Boutsen VDS, der Attempto Audi von Perez Companc/Aka zum Sieger erklärt, bevor dies unmittelbar vor der Siegerehrung wieder annulliert wurde, womit Panis/Gazeau im Bouten VDS Mercedes entsprechend dem Zieleinlauf die Sieger wurden.
Weiter geht es mit dem Sprint Cup schon in zehn Tagen in Zandvoort, was das erste von zwei größeren GT3-Wochenenden vor dem darauffolgenden DTM-Wochenende Anfang Juni auf dem Dünenkurs sein wird. Dort wird es mit der GT2 und GT4 European Series wieder das komplette Rahmenprogramm geben.
Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=25&filter_meeting_id=231)
