Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Miami – Triple Piastri, Ferrari hinter Williams

Formel Eins: Analyse GP von Miami – Triple Piastri, Ferrari hinter Williams

von DonDahlmann
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McLaren fuhr in Miami die Konkurrenz in Grund und Boden, Ferrari versank im Nirgendwo und Red Bull ist eingeschnappt.

Oscar Piastri entwickelt sich langsam aber sehr sicher zu einem echten Kandidaten für die Weltmeisterschaft in diesem Jahr. Seine Performance ist in diesem Jahr so gut wie makellos und er stellt Lando Norris klar in den Schatten. Dass Norris in Miami den Sprint gewinnen konnte, lag weniger an Norris, sondern daran, dass er mit seinem Stopp und dem anschließenden Safety Car Glück hatte. Allerdings muss man Norris auch zugestehen, dass er im Rennen wiederum Pech hatte. Der Tumult in der ersten Kurve sorgte dafür, dass er, obwohl vor Piastri gestartet, etwas zurückfiel. Doch selbst, als er die Konkurrenz mit seinem überlegenen McLaren hinter sich gelassen hatte, konnte er im Rennen das Tempo seines Teamkollegen nicht ganz mitgehen. Der führt jetzt die WM mit 16 Punkten vor Norris an. Verstappen hat schon 32 Punkte Rückstand.

Stand jetzt wird es schwer für die Konkurrenz. Ein Blick auf die Race Pace zeigt den enormen Vorsprung, den McLaren im Rennen hatte.

Noch mehr verdeutlicht wird das durch die Abstände am Ende des Rennens, das nur einmal durch ein VSC unterbrochen wurde. Russell fehlten 37 Sekunden, Verstappen 39, Albon 48 und Leclerc 57 Sekunden. Und dies bei nur 57 Runden. Warum die McLaren so dominant sind lässt sich nicht leicht beantworten. Auffallend ist aber, dass die McLaren im Bereich der aerodynamischen Effizienz weit vor allen anderen Chassis liegen. Sie können es sich erlauben, etwas mehr Flügel zu fahren ohne nachhaltig beim Topspeed ins Hintertreffen zu geraten. Das Wiederum hilft dabei, die Reifen schonender zu behandeln.

Der Reifenverschleiß selbst wird aber mehr darüber geregelt, wie konstant die Reifentemperaturen sind. Schafft man es sie im optimalen Arbeitsbereich zu halten, sinkt der Verschleiß. Die Konkurrenz fragt sich allerdings, wie McLaren das so gut schafft. Die Temperatur des Reifens wird nicht nur über den Grip geregelt, sondern auch über die Bremsen. Deren Wärmeabstrahlung sorgt dafür, dass die Reifen von Innen heraus aufgeheizt werden. Wie man also die Bremsanlage kühlt, ist extrem wichtig und eine Wissenschaft für sich. Red Bull vermutete, dass McLaren unerlaubterweise eine Wasserkühlung einsetzt, was man seitens McLaren verneinte. Was Red Bull nicht glaubt und man sich eingeschnappt gab. Aber weder die FIA noch Pirelli konnten dafür auch irgendwelche Belege finden. Die Konkurrenz wird also weiter suchen müssen.

Seit dem Start der Saison weiß man aber auch, dass die McLaren auf eine Runde nicht mehr so schnell sind, wie noch im vergangenen Jahr. Was sich in den engen Ergebnissen in der Quali und der Pole von Verstappen in Miami zeigt. Aber im Rennen sieht die Sache anders aus, vor allem auf Strecken, wo die Dirty Air keine so große Rolle spielt. Was wiederum in Miami der Fall war. Steckt der McLaren im DRS-Zug, hat er ähnliche Probleme, wie andere Chassis. Und auch der Reifenverschleiss ist nicht so gut. Diese aerodynamische Fragilität steckt also auch im McLaren und wir werden das bei einigen Rennen in diesem Jahr noch sehen. Aber in Miami spielte das keine Rolle, also konnte man die Vorteile ausnutzen.

Red Bull dagegen musste sich sogar Mercedes geschlagen geben. Es ist bekannt, dass dem Auto die Strecke in Miami nicht gut liegt, während die Mercedes mit den Stop ’n Go Kursen besser zurechtkommt. Das zeigte sich in der sensationellen Pole von Antonelli im Sprint, aber auch im Rennen, durch den dritten Platz von George Russell. Viel fehlt den Mercedes nach vorn nicht, vor allem nicht in der Quali und auch die Rennpace ist in Ordnung, wenn man die McLaren mal weg lässt. Die Chance, dass die Mercedes in diesem Jahr weiter nach vorne kommen, ist relativ groß.

Antonelli hatte sein erstes richtig gutes Wochenende bei Mercedes. Er schlug Russell in beiden Qualifikationen, verlor seine guten Ausgangsposition aber dann in beiden Rennen durch seine Unerfahrenheit und etwas Pech. Aber er ist ja auch erst 18 Jahre alt und man kann die ersten Anzeichen seiner Fähigkeiten sehen. Sollte er den Kurs fortsetzen können, dürfte Russell in diesem Jahr noch einiges zu tun bekommen.

Der heimliche Star des Rennens war aber Alex Albon, seinen Williams hinter Verstappen auf Platz 5 bewegen konnte. Beide Williams waren in Miami stark unterwegs und schafften es leicht in den letzten Teil der Qualifikation. Dabei hatte Sainz dort sogar die bessere Zeit auf der Uhr, im Rennen lief es allerdings dann nicht sonderlich gut, auch danke eines schlechten Stopps. Albon hatte dagegen seinen Spaß mit den Ferrari, die er vor sich her jagte. Dass der Williams in diesem Jahr einen guten Sprung nach vorne gemacht hat, ist klar ersichtlich. Aber es gibt auch noch jede Menge Formschwankungen, da das Chassis sich nicht mit jeder Strecke anfreunden kann. Aber James Vowles ist zufrieden, scheint sein Langzeitplan doch aufzugehen. Das Albon vor allem im Rennen bisher ein besseres Bild als Sainz abgibt, dürfte auch nicht unbemerkt geblieben sein.

Die Ferrari hatten ein extrem schlechtes Wochenende. Der Abstand zur Spitze betrug rund eine Sekunde und beide Fahrer beschwerten sich über das Auto. Hamilton gelang mit etwas Glück ein dritter Patz im Sprintrennen, aber im Hauptrennen ging gar nichts. Der Brite verpasste zum ersten Mal in diesem Jahr Q3, wobei er nicht mal eine Zehntel hinter Leclerc gelegen hatte. Im Rennen lief es besser für ihn und er lag hinter Leclerc. Der Ferrari-Kommandstand winkte ihn mit Hoffnung am Monegassen vorbei, dass Hamilton sich an Antonelli ranfahren würde. Als das nicht eintrat, musste Hamilton auf Anweisung Leclerc wieder vorbeilassen. Der Brite war „not amused“. Allerdings schien Leclerc gegen Ende des Rennens auch das schnellere Auto zu haben.

Aber die Krise bei Ferrari vertieft sich. Man bekommt das Auto nicht in das Fenster, in dem man es haben will. Kleinigkeiten summieren sich beim Ferrari-Chassis schnell zu einem erheblichen Problem. Leclerc gab an, dass er das Auto so extrem abstimmen müsse, dass es kurz vor der Unfahrbeikeit enden würde. Hamilton hadert weiter damit die richtige Abstimmung zu finden, war aber nach den enttäuschenden Wochenenden in Bahrain und Jeddah zumindest wieder etwas näher an seinem Teamkollegen dran. Angesichts der Tatsache, dass es für die Italiener im Moment nicht nach vorne geht, muss man sich fragen, wie es um die Entwicklungsqualitäten in Maranello bestellt ist. Carlos Sainz landete hinter beiden Ferrari, hatte aber das klar schnellere Auto.

Auf dem letzten Punkteplatz landete Yuki Tsunoda. Der fiel am gesamten Wochenende auch nicht weiter auf. Sein Abstand in der Quali zu Verstappen betrug sieben Zehntel. Im Rennen steckte er dann im DRS-Zug und konnte dort nur wenig Akzente setzen. Man muss dem Japaner aber auch zugute halten, dass er noch in der Lernphase ist. Ihm fehlt die wichtige Testzeit im Auto aus dem Winter und die einzige Chance, das Auto richtig kennenzulernen, findet sich im Rennen. Er schlägt sich wacker, aber der Abstand ist noch zu groß.

Der Rest hatte mit dem Ausgang des Rennens nur wenig zu tun. Hadjar, Ocon und Gasly trugen ein Privatduell um P11 aus, was aber auch schon alles war. Positiv fiel am Wochenende aber Gabriele Bartoletto auf, der Nico Hülkenberg klar im Griff hatte. Auch im Rennen lag er bis zu seinem Ausfall zumindest in der Reichweite von Punkten, während der Deutsche nicht aus dem hinteren Mittelfeld rauskam. Aber insgesamt gibt es einen ganz leichten Anstieg der Formkurve von Sauber zu verzeichnen.

Audi hat am Wochenende auch den Laden noch mal umgebaut. Mattia Binotto ist nun der gesamte Chef von Audi F1 und hat damit auch mehr Einfluss auf die Entwicklung der Motoren. Das bedeutet auch, dass sich weniger um Tagesgeschäft kümmert, was jetzt komplett bei Wheately liegt. Die Neuorganisation war überfällig und kommt für 2026 eigentlich zu spät. Der politische Schachzug deutet aber auch daraufhin, dass sich Audi nicht allzuviel für das kommende Jahr ausrechnet.

Langsamtes Auto auf der Strecke im Rennen: Aston Martin. Bei all den Möglichkeiten, die Aston hat, ist es mehr als verwunderlich, dass beim Team nichts nach vorne geht. Die hatten schon immer Schwierigkeiten mit den Updates über das Jahr und das Adrian Newey erst einmal damit zu tun hat, die internen Strukturen beim Team zu verändern, hilft dabei nicht. Man hat das Chassis noch mal in den eigenen Windkanal gesteckt, was darauf hindeutet, dass man das Jahr noch nicht komplett abgeschrieben hat. Newey wird sich um das diesjährige Auto aber nicht kümmern, wie Aston immer wieder betont. Vielleicht hat er sich das Auto auch angesehen und abgewunken.

Das Rennen war zu Beginn durchaus gut, verlor aber dann zusehend an Dramatik. Die Spannung war auch deswegen übersichtlich, weil alle Teams wieder nur einmal an die Box mussten. Und das, obwohl Pirelli dieses Jahr eine Runde softer unterwegs war. Dennoch reichte es auf dem wenig aggressiven Asphalt auf dem Parkplatz in Florida, wenn man nur einmal an die Box musste. Die mangelnden strategischen Spiele im Rennen erfreuen weder Fans noch Liberty Media. Im Moment kursieren zwei Idee, wie man die Show verbessern kann. Zum einen überlegt Pirelli, ob man bei einigen Rennen eine Mischung überspringt. Also C2 und C4 und C5, zum Beispiel. Die andere Idee ist, dass man das Tempolimit in der Boxengasse von 80 auf 100 km/h erhöht. Laut Prognosen würde dies die Gesamtzeit in der Box um circa drei Sekunden reduzieren. Ob das dann allerdings auch ausreicht, um zumindest eine Zwei-Stopp-Strategie zu ermöglichen? Ich sehe das eher skeptisch und denke, dass der Schlüssel weiterhin bei den Mischungen selbst liegt. Eine große Spreizung (C2 -> C4) und das Weglassen der dritten Mischung sollte mehr bringen.

Bilder: F1 Data Analysis, Pirelli

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