Neben Namensproblemen hatte RB vor allem mit sich selbst zu kämpfen. Der Neustart nach dem Abgang von Franz Tost lief schlechter als erwartet.
Ich verzichte mal auf Namenswitze, aber wenn ein Team nicht mal einen vernünftigen Namen zu Saisonbeginn finden kann, ist das auch ein schlechtes Zeichen. Dabei hatte RB in diesem Jahr sogar noch mehr Unterstützung von Red Bull, als in den Jahren zuvor. Denn man kopierte das System, das Haas seit Jahren mit Ferrari hat. Der Unterschied ist nur, dass man das Chassis nicht bei Dallara fertigen lässt, sondern im eigenen Haus. Aber so richtig lief es für RB in diesem Jahr nicht. Die einzige Konstante war am Ende Yuki Tsunoda.
Der Japaner hatte ein gutes Jahr. Nachdem er zwei Saisons hatte, in dem er sich eher schwertat und sein Talent nur selten zeigte, war 2024 deutlich konstanter. Man merkte Tsunoda an, dass er an Erfahrung gewonnen hat, was sich auch in den Ergebnissen widerspiegelte. Das galt vor allem für seine Performance in der Qualifikation. Er war eigentlich immer ein Kandidat für Q3 und dass er schon in Q1 ausschied, hatte Seltenheitswert. Seine guten Startpositionen sicherten RB dann auch die nötigen Punkte, um in der Team-WM im Rennen um P6 zu bleiben. Dass am Ende nicht klappte, lag nicht an Tsunoda, sondern daran, dass die Performance des Teams abflachte, während Haas und Alpine deutlich zulegten. Da wäre für das Team mehr drin gewesen.
Überschattet wurde die Saison vom Drama rund um Daniel Ricciardo. Um es klar zu sagen: Ich konnte die Entscheidung von Red Bull, den Australier zu ersetzten, absolut nachvollziehen. Zu keiner Zeit hatte man den Eindruck, dass Ricciardo seinen Teamkollegen im Griff hatte. Nur selten war er schneller, nur selten lieferte er eine bessere Performance im Rennen ab.
Da das Mutterteam mit Perez ein Problem hat und diesen ersetzen will, war es nur logisch, dass man Liam Lawson eine Chance gibt. Ricciardo hatte seine gehabt, aber nicht so abgeliefert, wie man das gerne gesehen hätte. Einem Nachwuchsfahrer dann eine Chance zu geben, ergibt aus Sicht von Red Bull also Sinn. Auch um zu schauen, wie gut Tsunoda am Ende ist. Allerdings scheint es auch so, dass wir Ricciardo nicht das letzte Mal in der F1 gesehen haben könnten. Angeblich soll Cadillac an ihm dran sein.
Lawson konnte mich aber auch nicht überzeugen. Das mag mit der limitierten Erfahrung von ihm zu tun haben. Er sitzt seit Längerem auf der Reservebank und hat wenig Fahrerfahrung. Aber über die letzten Rennen der Saison hatte Tsunoda ihn locker im Griff. Als Beispiel dient auch das letzte Rennen in Abu Dhabi, wo Lawson gegenüber Tsunoda komplett unterging. Wirklich gebracht hat die Entlassung von Ricciardo also nicht.
Das mag alles mit den sehr limitierten Möglichkeiten zu tun haben, die RB nun mal hat. Die Fabrik in Faenza ist nicht auf dem technisch neustem Stand, dazu kommt ein eher schmales Budget, das wenig Spielraum lässt. Die notorisch seltenen Updates bei RB brachten aber immerhin meist einen deutlichen Performance-Schub, der dann ein paar Rennen hielt. Gut war das Chassis auf Strecken mit schnellen, fließenden Kurven und auf sehr engen Strecken. Aber ausgerechnet auf den mittel schnellen Strecken hatte man Probleme. Die Balance stimmte hier nicht, ebenso wenig der Reifenverschleiß. Oft sah man die RB recht früh an der Box.
Mit einem allenfalls mittelmäßigen Chassis und ohne permanente Updates war es für RB schwer, im Mittelfeld Akzente zu setzten oder sich nach vorn zu arbeiten. Daran konnten die Fahrer am Ende nur wenig ändern. Aber das ist eigentlich bei RB in jedem Jahr der Fall und eine Änderung ist da nicht in Sicht. Man muss mit den Limitierungen leben und das Beste daraus machen.
Spannend wird dann, was mit den Fahrern im nächsten Jahr passiert. Eigentlich hatte sich Red Bull erhofft, dass Ricciardo zu alter Form findet. Als der ausfiel, setzte man die Hoffnung auf Lawson, was aber zumindest bisher nichts brachte. Aber wen will man nächstes Jahr neben Verstappen im Auto haben? Und warum ist das nicht Tsunoda? Der hat eigentlich alles richtig gemacht. Zwei Jahre lang alle Teamkollegen dominiert, die meisten Punkte geholt und verbessert hat er sich auch. Es wäre fair ihm eine Chance zu geben.
Doch Tsunoda hat zwei Probleme: Sein Temperament und etwa wechselhafte Leistungen. Es gibt diese Wochenenden, an denen man dem Japaner anmerkt, dass er nicht ganz auf der Höhe ist. Damit ist er nicht allein im Feld (Ocon ist auch so ein Beispiel), aber Red Bull reicht das nicht. Man will die Team-WM und dafür braucht man zwei Fahrer, die immer volle Leistung bringen. Das oft etwas überschäumende Temperament von Tusnoda stellt ein weiteres Hindernis dar. Er ist schnell frustriert und sagt das auch. Aber wie schnell ist er frustriert, wenn Verstappen ihm um die Ohren fährt? Wie kann er dann mit dem Druck umgehen?
Wer auch immer zu RB befördert wird, Ersatz hat man schon gefunden. Red Bull Academy Fahrer Isack Hadjar soll ins RB-Team aufrücken. Hadjar war dieses Jahr durchaus erfolgreich in der F2 unterwegs, was ihn natürlich zum Kandidaten macht. Allerdings hat Red Bull auch sonst niemanden im Kader, den man in die F1 befördern kann. Eine andere Variante wäre, dass man sich Colapinto von Williams ausleiht.
Colapinto wäre für Red Bull auch durchaus interessant. Der Argentinier hat schon eine große Fan-Gemeinde in seinem Heimatland, ist er doch der erste ernst zu nehmende F1-Fahrer, den die Nation seit Jahrzehnten hervorgebracht hat. Zudem ist der Markt in Argentinien für Red Bull auch interessant. Wie immer hat die RB-Teamführung bei all diesen Fragen eher nur eine beratende Rolle.
Quali-Duell
Tsunoda -Ricciardo 12:6
Tsunoda – Lawson 6:0
Renn-Duell
Tsunoda – Ricciardo 9:9
Tsunoda – Lawson 4:2



