Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Bahrain 2024 – Alles wie gehabt

Formel Eins: Analyse GP von Bahrain 2024 – Alles wie gehabt

von DonDahlmann
0 Kommentare 8 minutes read

Die Saison startet, wie die alte geendet hat. Verstappen gewinnt so mühelos, dass man schon wieder Angst für den Rest der Saison haben muss.

Acht Zehntel. Das war die Zeit, die Verstappen pro Runde schneller war, als der Rest der Welt. War die Qualifikation noch erstaunlich eng, zeigte das Rennen erneut, das die Red Bull nicht zu schlagen waren. Nach der Hälfte des Rennens hatte Verstappen 13 Sekunden Vorsprung auf den Teamkollegen Perez, der wiederum 3 Sekunden vor Sainz lag. Das Rennen lief also an der Spitze so, wie man es erwartet hatte. Oder befürchtet, je nachdem wie man es sehen will. Aber ein paar positive Signale gab es von der Konkurrenz schon.

In der Qualifikation waren die Ferrari wieder schnell und Leclerc hätte die Pole holen können, wenn er die Zeit aus Q2 in Q3 gefahren wäre. Die Ferrari waren schnell und zum ersten Mal zeigten sie auch auf den Long Runs eine sehr gute Pace. Sie waren klar die Nummer Zwei im Feld. Dabei war Carlos Sainz in Bahrain der schnellere Mann im Rennen, weil Charles Leclerc mit Bremsproblemen kämpfte und die Pace nicht mit gehen konnte. Aber insgesamt zeigte Ferrari, dass sie deutlich besser geworden sind. Dass sie auf einer Strecke mit hohem Verschleiß konstant gute Rundenzeiten auf den Long Runs hatten, zeigt, dass sie in die richtige Richtung entwickeln.

Aber das reicht natürlich nicht für die Red Bull. Dabei startete das Weltmeister-Team mit ein paar kleineren Problemen ins Wochenende. Die Feinabstimmung stimmte noch nicht und es gab Probleme mit dem Getriebe, die das Team aber bis zum Rennen am Samstag lösen konnte. Danach gab es dann keine Sorgen mehr. Die Rennpace war schon fast angsteinflößend. Die acht Zehntel, die Verstappen pro Runde schneller war, sind ein deutliches Zeugnis. Und dabei war der Niederländer nicht mal unter Druck. Dazu kam auch noch, dass der Red Bull die Soft länger fahren konnte, als jeder andere im Feld. Deutlicher kann man seine Dominanz kaum zeigen.

Auch Sergio Perez hatte ein gutes Rennen, auch wenn er Verstappen nie gefährden konnte. Dass er nach einer wie gewohnt schwachen Quali (P5) am Ende den zweiten Platz holen konnte, zeigt, wie gut der RB 20 ist. Er holte sich den Platz relativ schnell innerhalb des ersten Stints und war nicht auf die Strategie angewiesen. Er hatte zwar Sainz im Genick, schien den Abstand aber kontrollieren zu können. Die Leistung des Mexikaners war also wie immer solide und wenn er das über die Saison durchzieht, dürfte er sein Cockpit behalten können.

Die Mercedes sahen am Wochenende zeitweise nicht schlecht aus. Der dritte Platz von Russell in der Quali war eine kleine, aber willkommene Überraschung. Man war zuversichtlich, dass man auf einem guten Weg ist und die Ferrari unter Druck setzen konnte. Beide Fahrer bestätigten nach der Quali, dass man ein konservatives Setup gewählt hatte, um eine bessere Rennpace zu haben.

Die war zunächst auch vorhanden, denn Russell setzte sich auf den zweiten Platz vor beide Ferrari. Doch im Verlauf des Stint sah es dann nicht mehr so gut. Der Reifenverschleiß schien am Ende des Stints beim Mercedes etwas höher als beim Ferrari. Dennoch war man sich bei Mercedes ziemlich sicher, dass die Reifen im letzten Stint durchhalten würden. Man entschied sich für einen Undercut und kam in Runde 33 an die Box. Ferrari wartete noch drei Runden. Der Undercut brachte Russell wieder zwischen die Ferrari, aber Sainz lag auch nach seinem späteren Stopp auf P3. In den letzten Runden lieferte er sich mit Leclerc einen schönen Kampf um P4, aber der Ferrari war dann am Ende etwas besser beim Reifenverschleiß.

Lewis Hamilton hatte ein eher moderates Wochenende. In der Quali musste er sich Russell geschlagen geben, weil er sich bei der Abstimmung verhauen hatte. Im Rennen lief es wenig besser. Hamilton lieferte sich mit Alonso und beiden McLaren ein spannendes Rennen. Am Ende kam aber nur Platz 7 raus, zwischen beiden McLaren. Bei Mercedes wird man nicht ganz unzufrieden sein, auch wenn die Positionen am Ende des Rennens nicht gerade gut aussahen. Aber das Auto und das Aero-Konzept ist neu, sodass man nicht erwarten kann, dass das Auto sofort an der Spitze fährt.

Mercedes findet sich hinter Ferrari wieder und dürfte mit McLaren ungefähr auf Augenhöhe sein. Norris und Piastri zeigten sich vor dem Rennen nicht sonderlich optimistisch, was dann auch bestätigte. Man hat einen Schritt nach vorn gemacht, aber nicht so sehr, wie man sich das erhofft hatte. Klar ist aber auch, dass man nicht schlechter geworden ist. Man steckt im Kampf um ein Podium mit drin, wenn die Rennen mal für McLaren etwas besser laufen. Die Basis stimmt, wie man so schön sagt, und es wird zwischen Mercedes, McLaren und Aston einige gute Rennen geben.

Wenn man einen Verlierer aus der Spitzengruppe festmachen will, dann ist das Aston Martin. Alonso hatte Mühe in den Punkten zu bleiben und auf der Strecke waren Mercedes und McLaren ein gutes Stück schneller. Sicherlich hat man ebenfalls einen Schritt nach vorn gemacht, aber man ist weit von der Leistung entfernt, die man in den ersten Rennen im letzten Jahr gezeigt hatte. Alonso zeigte sich das ganze Wochenende etwas pessimistisch, sprach aber auch davon, dass man noch nicht das richtige Setup gefunden habe. Es ist zu vermuten, dass Aston noch etwas nachlegen kann bevor die ersten Updates kommen und vielleicht können sie damit dann an McLaren und Mercedes herankommen.

Damit waren die Punkteplätze belegt, aber wie sieht es dahinter aus? Das ist etwas schwerer zu beantworten. Sauber war zum Beispiel in der Quali sehr schlecht und beide Autos verpassten Q2. Aber im Rennen lief es zumindest für Zhou besser, der sogar eine Zeit lang auf P10 lag. Die Rennpace des neuen Sauber sah gut aus und Zhou konnte den elften Platz auch sicher verteidigen. Ein Hoffnungsschimmer für Sauber, den das Team auch dringend gebraucht hat.

Aber die Abstände weiter hinten sind so eng, dass man kaum sagen kann, wer hier mehr Pace hat. Die Haas waren zum Beispiel auch besser, als man erwartet hatte. Hülkenberg erreichte erneut Q3, hatte aber beim Start Pech, als er im Getümmel seinen Frontflügel beschädigte. Das ruinierte dann sein Rennen. Magnussen war von P15 gestartet und kam auf P12 ins Ziel. Das klingt nicht berauschend, war für Haas aber ein kleiner Erfolg. Denn es scheint so, dass die Probleme mit dem Reifenverschleiß aus der letzten Saison sich nun erledigt haben. Der Haas hat eine gute Pace und kann auch Druck auf die Konkurrenz ausüben.

Die RBs hatte ich dagegen stärker erwartet. Tsunoda zeigte zwischendurch eine gute Pace und lag auch in den Punkten. Aber im Verlauf des Rennens rutschten beide Autos weiter nach hinten und mussten sich hinter den Haas einordnen. In den Tests sahen die RBs deutlich besser aus, aber da sieht man wieder, wie viel die Tankladung im Test ausmacht. Wobei auch gesagt werden muss, dass sich die Hackordnung vermutlich von Rennen zu Rennen verändern wird.

Auch die Williams enttäuschten etwas. Das neue Chassis war allerdings auch erst ein paar Tage vor den Tests fertig geworden und man hat während der Tests viel Zeit verloren, weil man technische Probleme hatte. Aber richtig überzeugen konnte das neue Auto bisher nicht. Albon landete am Ende hinter den RBs nur auf P15. Ich vermute mal, dass man sich da mehr erhofft hatte, aber im Rennen vermeldete Albon etliche kleine Probleme. Das könnte also in den kommenden Rennen etwas besser laufen.

Ganz hinten findet sich Alpine. Und zwar mit gehörigem Abstand. Zwar lagen am Ende beide Alpine vor Bottas und Sergeant, aber die hatten beide technische Probleme. Schaut man sich den Abstand an, den Ocon zu Hülkenberg auf P16 hatte, ist das erschreckend. Obwohl der Deutsche in der ersten Runde seinen Frontflügel beschädigte und sogar hinter den Alpine lag, als er an die Box kam, lag Ocon im Ziel 14 Sekunden hinter dem Haas. Zu Albon waren es 20 Sekunden. Das ist erschreckend, kommt aber nicht überraschend. Schon in der Quali lag Alpine rund 1,6 Sekunden hinter der Pole-Zeit. Zu P10 waren es „nur“ acht Zehntel, aber im Rennen lag der Rückstand deutlich höher im Bereich von 2,2 Sekunden pro Runde.

Schon bei den Tests zeigte sich der Alpine schwerfällig und nicht zuverlässig. Das Auto ist zu schwer, die Aerodynamik funktioniert nicht. Man hat grundsätzlich zu wenig Grip und zwar in allen Bereichen einer Kurve. Durch die fehlende Traktion ist der Reifenverschleiß hoch, weswegen man Kompromisse bei der Abstimmung machen muss. Ocon und Gasly taten sich schwer ihre Enttäuschung zu verbergen und mehr als „Wir müssen weiterkämpfen“ sagen sie auch nicht. Es ist allerdings schon merkwürdig, dass das Werksteam mit all seinen Möglichkeiten nicht mal in der Lage ist ein Chassis zu bauen, mit dem man die Haas angreifen kann. Alpine/Renault ist ein komplettes Chaos. Die Entlassung des Führungsteams im Sommer hat das nur verstärkt. Jetzt sind wohl auch noch Technik-Chef Matt Harman und der Kopf der Aero-Abteilung Dick de Beer gegangen.

Hier die Abstände in der Rennpace.

TeamAbstand zum vorderen TeamAbstand zu P1
Red Bull--
Ferrari-0,5-0,5
Mercedes-0,3-0,8
McLaren-0,0-0,8
Aston Martin-0,4-1,2
Sauber-0,4-1,6
Haas-0,1-1,7
RB-0,1-1,8
Williams-0,1-1,9
Alpine-0,3-2,2

Bahrain ist zwar kein schlechter Gradmesser für die Leistung der Teams, aber überbewerten sollte man es nicht. Der Reifenverschleiß ist hier so hoch wie bei keinem anderen Kurs. Das bedeutet, dass Teams, die etwas konservativer bei der Abstimmung sein mussten, auf anderen Strecken plötzlich einen Sprung nach vorn können. Zudem war es in Bahrain relativ frisch. Die Reihenfolge kann sich ändern, wenn die Streckentemperaturen anders sind. Zwischen Ferrari, Mercedes und McLaren kann sich einiges verschieben, aber vor allem im Hinterfeld dürfte es je nach Strecke eine andere Reihenfolge geben.

Nächste Woche ist das Rennen in Jeddah. Das ist, schon mal als Warnung, wieder ein Samstagrennen.

Bilder: Pirelli

Das könnte Dir auch gefallen

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.