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Formel Eins: Zusammenfassung Test 2024

von DonDahlmann
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Eine kurze Testwoche lieferte zumindest an der Spitze ein klares Bild. Dahinter ist es diffus.

Die Formel Eins ist zurück und testete diese Woche in Bahrain. Endlich konnte man die Autos dann im Race-Spec sehen und die ersten Runden machten schon mal eins klar: Red Bull hat weiter einen enormen Vorsprung. Adrian Newey hat den RB20 deutlich weiterentwickelt und dabei, mal wieder, neue und scheinbar sehr geniale Lösungen gefunden. Dabei hat er sich allerdings auch von der Konkurrenz inspirieren lassen. Der viel diskutierte seitliche Lufteinlass, den Mercedes im Jahr 2022 eingeführt hatte, ist eine Sache. Die breite, runde Luftführung in der Motorhaube stammt zumindest zu Teilen von Mercedes und Ferrari. Newey hat da allerdings komplett neue Lösungen gefunden.

Dass das Auto schnell ist, konnte man in den letzten drei Tagen gut sehen. Auch wenn man die Zeiten mit großer Vorsicht genießen muss, es gilt, was bei den Tests immer gilt. Irgendwann fahren alle mal mit einer ähnlichen Spritladung und mit den gleichen Reifen. Und ein schnelles Auto ist halt schnell, dass lässt sich schwer verbergen. Über die Zeit des Tests bekommt man also ein einigermaßen brauchbares Bild. Red Bull hatte während der Tests kaum mit Problemen zu kämpfen und vor allem Verstappen war immer auf Anhieb schnell. Am Freitag fuhr er nach nicht mal neun Runden eine 1.30er-Zeit. Das schafften manch andere die ganze Woche nicht.

Newey sagte in einem Interview, dass man Mitte letzten Jahres schon wusste, dass man das Konzept des RB19 deutlich würde überarbeiten müssen. Die Konkurrenz würde das Konzept früher oder später kopieren und neue Elemente hinzufügen. Was dazu führen würde, dass der Vorsprung aus dem letzten Jahr verschwinden würde. Daher entschloss man sich dazu den RB20 in etlichen Bereichen komplett neu aufzusetzen und neue Wege zu gehen.

Abgesehen von den wurstförmigen Ausbuchtungen in der Motorhaube ist das Auto aber nicht komplett neu. Newey hat das Konzept seiner Seitenkästen aber extrem weitergedacht. Die Idee der seitlich angebrachten Lufteinlässe ist ja auch bekannt, neu ist aber, dass man den Weg, den die Luft zum Motor nehmen soll, aufteilt. In den seitlichen Einlass und in einen extrem kleinen Einlass am oberen Rand der Seitenkästen. Das hat den Vorteil, dass man weniger Turbulenzen rund um den Lufteinlass hat und mehr Luft über die extrem eingeschnittenen Seitenkästen nach hinten geleitet werden kann.

Red Bull ist also vorn, aber wer liegt dahinter oder kann die Red Bull unter Druck setzen? Glaubt man den Testzeiten, wird das in diesem Jahr wieder Ferrari sein. Das relativ unspektakuläre Auto zeigte sich in Bahrain zuverlässig und schnell. Auch die Long Runs wirkten sehr gut und offenbar hat man die Probleme mit dem Reifenverschleiß aus den letzten Jahren in den Griff bekommen. Das Auto scheint weicher abgestimmt zu sein und damit auch besser zu fahren. Wenn die Basis des Ferrari stimmt, kann man davon ausgehen, dass die Italiener vor allem über das Jahr gesehen sehr stark sein werden. Bekanntermaßen passt die Weiterentwicklung bei Ferrari meist.

Aston Martin sah bei den Tests allerdings auch hervorragend aus und man war offenbar sehr konservativ unterwegs. Die Spritladung dürfte bei den Aston relativ hoch gewesen sein. Am Freitag konnte Alonso im ersten und zweiten Sektor die Zeiten von Red Bull halten. Man verlor aber im zweiten, kurvenreichen Sektor. Das deutet an, dass der Aston relativ schwer unterwegs war. Die Frage ist halt: wie schwer? Hatte er mehr Gewicht als der Red Bull? Oder weniger?

Aber Aston sah insgesamt sehr stark aus. Dan Fellows von Aston Martin meinte im Interview, dass man hoffen würde, die Pace aus dem den ersten Rennen im letzten Jahr auch in diesem Jahr zu haben und über das Jahr konservieren zu können. Mit anderen Worten: man peilt Podien an und hofft hier und da auch um einen Sieg zu fahren. Wie nahe Aston Martin da dran ist, wird man nach den ersten drei Rennen sagen können. Aber es ist nicht auszuschließen, dass sie auf Augenhöhe mit Ferrari liegen.

Da möchte McLaren auch gerne sein, aber das Team hatte ein paar technische Probleme während der Tests, was einiges an Zeit kostete. Dennoch war das neue Auto, dass, wie viele andere, eine gute Kopie des RB18 ist, sehr schnell unterwegs. McLaren blieb wie Aston etwas unter dem Radar, was eine Einschätzung schwer macht. Aber es scheint so zu sein, dass man ungefähr da ist, wo man im letzten Jahr war. Also mit Chancen auf ein Podium, wenn ein Rennen mal für sie läuft, aber hinter Ferrari und Red Bull. Das ist allerdings auch kein schlechter Ausgangspunkt für die Saison.

Mercedes sah bei den Tests nicht besonders schnell aus, legte aber am letzten Tag deutlich zu. Russell war in der Lage die schnellste Runde von Leclerc zu erreichen, was ein erstes Lebenszeichen von Mercedes während der drei Tage war. Das von außen auch eher konservative Chassis ließ sich laut den Fahrern besser bewegen und ist auch leichter abzustimmen. Aber das Aero-Konzept ist für Mercedes einigermaßen neu und man kann davon ausgehen, dass sich das Auto über das Jahr noch stark verändern wird. Der umstrittene Frontflügel ist aber ein Hinweis darauf, dass Mercedes noch einiges in der Pipeline hat und ausgefallene Ideen hinter dem Konzept stecken. Ich habe sie hier nur auf P5, aber auch nur, weil sie abgesehen von den letzten zwei Stunden des Tests keine besonderen Zeiten vorlegten und auch die Long Runs eher mäßig aussahen. Doch es kann sein, dass Mercedes aufgrund des für sie komplett neuen Konzepts einfach nur Runden abgespult haben um mehr Daten zu bekommen. Immerhin scheint einiges an Speed im Chassis zu stecken, von daher können sie durchaus auf P3 nach vorne rücken.

Die schnellste Zeit von Hamilton und Russell war auf den C5, die wiederum sieben Zehntel schneller als die C4 sind. Damit lag in der Tabelle auf dem Niveau von McLaren und Aston, aber die waren ihre Runde auf den C4 gefahren. Entweder, der Mercedes war sehr schwer unterwegs oder man hat ein größeres Problem. Ich würde das nicht ausschließen, denn Mercedes hat einen Entwicklungsrückstand bei Auto im Vergleich zu Aston oder McLaren.

Dahinter wird es dann sehr diffus. Alpine ist mit Sicherheit nicht im Rennen um die Spitze involviert. Das sehr unspektakuläre Auto mit einer breiten Nase war in der Testwoche nicht sehr beeindruckend. Dass man am letzten Testtag noch mal die Aero-Racks ans Auto schnallte, spricht auch dafür, dass man bisher nicht verstanden hat, wo die Probleme liegen. Das Auto liegt unruhig, neigt zum Untersteuern und wirkt unrund. Ich hatte schnell den Eindruck, dass das Chassis mal wieder verbockt wurde.

Und Alpine muss aufpassen, dass man von hinten nicht eingeholt wird. Williams und auch Sauber machten teilweise einen sehr guten Eindruck. Von den Autos aus dem Hinterfeld scheint Williams den größten Sprung nach vorn gemacht zu haben. Das Chassis ist mit hohem Risiko entwickelt worden, wie Teamchef James Vowles sagte. Die sehr stark ausgeprägten Seitenkästen geben einen Hinweis darauf, dass man bei Williams neue Wege geht und auch gewillt ist, mal etwas zu falsch zu machen. Aber das Auto sah bei den Tests gut aus, war allerdings nicht einfach zu fahren, wie man in den Onboards sehen konnte.

Vcarb/RB war am ersten Tag schnell, fiel danach aber nicht weiter auf. Zwar hat man in diesem Jahr mehr Teile von Red Bull übernommen, aber ist offensichtlich, dass man nicht das gesamte Konzept des RB20 übernommen hat. Dennoch waren die Rundenzeiten des Teams nicht schlecht und nah jenen von Alpine dran. Bei Sauber hat man den Eindruck, dass es etwas besser läuft. Das Chassis wirkt etwas etwas besser, als noch im letzten Jahr, ohne allerdings wirklich komplett überzeugen zu können.

Für Sauber dürfte es dieses Jahr wichtig sein, gute Ergebnisse zu erzielen und sich oft in den Punkten zu platzieren. Es ist kein Geheimnis, dass das Engagement von Audi auf wackeligen Beinen steht. Der Konzern steckt in einer Krise und der Einstieg in die Formel Eins ist alles andere als unumstritten. Sauber muss beweisen, dass sie in der Lage sind, sich nach vorn zu arbeiten. Liegen sie wieder weit hinten, werden die internen Diskussionen bei Audi noch lauter werden.

Haas hatte schon angekündigt, dass man zum Start der Saison am Ende des Feldes liegen wird. Und die Tests scheinen das auch zu bestätigen. Die schnelle Runde von Hülkenberg am Freitag spülte den Haas zwar in die Top Ten, aber ich vermute mal, dass da wenig Sprit im Auto war. Die kurzen Statements von Magnussen und Hülkenberg scheinen auch zu bestätigen, dass Haas noch viel Arbeit vor sich hat.

Aber generell wird in diesem Jahr das Hinterfeld enger zusammenliegen als noch im letzten Jahr. Der Haas war ja auch eine Runde nicht schlecht, wie Hülkenberg mehrfach gezeigt hat. Die Rennen fielen auf den Long Runs auseinander, weil der Reifenverschleiß zu hoch war. Hätte man das im Griff gehabt, wäre der Haas öfter in den Punkten gewesen. Der Haas war also nicht schlecht und wenn es dem Team gelungen ist, die Probleme in den Griff zu bekommen, ohne den Speed zu verlieren, könnten sie auch weiter vorn zu finden sein.

Am kommenden Freitag werden wir mehr wissen, denn dann ist Quali für das Rennen in Bahrain.

Bilder: Pirelli

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