Der deutsche Motorsport hat am vergangenen Wochenende in Hockenheim seinen Schlusspunkt für das Jahr 2023 gefunden – darunter auch das ADAC GT Masters. Der ein oder andere Fahrfehler sollte uns noch ein unerwartet spannendes Finale liefern.
Es ist das Ende der sicherlich bislang schwierigsten Saison für die Rennserie. Die Umstrukturierungen im deutschen Motorsport durch die DTM-Übernahme des ADAC und damit verbundenen Unsicherheiten für das zuvor boomende ADAC GT Masters, brachte einen riesigen Einschnitt im Starterfeld mit sich. An den sechs Wochenenden gab es permanent unterschiedliche Starterfelder. Es war von 15 Autos durch etliche Gaststarter am Nürburgring bis zu acht Autos am Sachsenring alles dabei. Teams wie Huber Racing oder Juta Racing beendeten die Saison und Teams wie FK Performance tauchten hin und wieder mal auf. Dennoch bot das Saisonfinale mit vier realistischen Titelanwärtern nochmal ein spannendes Wochenende, was am Sonntag in einem denkwürdigen Finale mündete.
Die Chancen für ein besseres Starterfeld im kommenden Jahr stehen allerdings gut. Der ADAC hat dem GT Masters nun die Struktur gegeben, die nach der DTM-Übernahme folgerichtig erscheint. Das Masters wird sich in Zukunft nicht mehr als reine Profi-Rennserie sehen, was es in den stärksten Jahren 2017 bis 2022 zweifelsohne war. Im Nachhinein hätte man bereits im letzten Winter nach der Übernahme der DTM dieses Konzept stärker unterstreichen sollen. Man wird dem Charakter einer Nachwuchsrennserie gerecht, um zusammen mit der GT4 Germany eine „Road to DTM“ zu bilden. Platin-Fahrer wird es somit ab dem nächsten Jahr nicht mehr geben. Somit dürfte sich die Serie ideal für Fahrer eignen, die in der GT World Challenge im
dortigen Silber- und Bronze-Cup teilnehmen. Darüber hinaus bekommt der beste Nachwuchsfahrer eine finanzielle Unterstützung für einen Aufstieg in die DTM. Mit dem neuen Konzept darf man ein Feld von mindestens 15 Fahrzeugen erwarten. Selbstverständlich wird es beim Format mit zwei Fahrern bleiben. Für Fahrer wie Sven Müller, Maxi Götz oder Marco Mapelli wird das GT Masters dann wegfallen aufgrund der Platin-Einstufung.
Der Kalender sieht im nächsten Jahr erneut sechs Wochenenden mit dem Auftakt in Oschersleben Ende April vor. Ein Wochenende wird erneut im Rahmen des zuschauerstarken Truck GP am Nürburgring stattfinden, während ein Wochenende im Rahmen der Youngtimer Trophy in Spa gefahren wird. Da dieses Wochenende Teil eines ADAC Racing Weekends werden soll, bei dem u.a. das GTC Race unterwegs ist, darf man hier mit etlichen Gaststartern rechnen.
Beim Wochenende in Hockenheim waren zum Abschluss elf Autos am Start. Schnitzelalm Racing war als Gaststarter wie schon am Nürburgring mit zwei Mercedes AMG dabei. Die #99 pilotierten Luca Arnold und Christer Jöns, währen die #11 von Marcel Marchewicz und Moritz Wiskirchen gefahren wurde. Für genau diese Fahrergeneration wird die Rennserie zunehmend interessanter. Das Team ist ansonsten mit GT3 und GT4 Modellen von Mercedes in der NLS und im GTC Race unterwegs. Ein Einstieg auf die DTM-Plattform ist im nächsten Jahr geplant. Dazu brachte Joos by Racemotion erneut einen zweiten Porsche mit dem Vorgängermodell an den Start. Teamchef Michael Joos, der in Spielberg noch mit Christian Engelhart siegreich war, fuhr dieses Mal mit Nico Bastian, der nach dem Weggang aus dem AMG-Pool als Freelancer im Motorsport unterwegs ist. Zuletzt fuhr er z.B. für PROSport einen Aston Martin in der NLS.
Samstag
Die Qualifikation deutete bereits eine Zuspitzung des Meisterschaftsduells an. Tabellenführer Salman Owega kam nicht über den fünften Startplatz hinaus, während der Grasser Lamborghini von Benjamin Hites erneut auf Pole fuhr. Die drei Extrapunkte für die Pole konnten Hites/Mapelli schon einige Mal erringen. Finn Gehrsitz als Tabellenzweiter tat sich ebenfalls schwer und fuhr nur auf den sechsten Platz mit dem Stammauto der Joos Mannschaft.
Rennen 1
Das Rennen startete erst nach der Formel Regional und damit um 16:15 Uhr ungewohnt spät, was das Rennen in die
untergehende Sonne hineinführte. Vorne gab es mit Benjamin Hites, Alain Valente und Jannis Fittje eine ruhige Startphase, während sich die Titelkandidaten Gehrsitz und Owega ein hartes Duell lieferten. Man konnte früh erahnen, dass die Mercedes von Schnitzalm Racing als Gaststarter ihr eigenes Rennen fuhren und kein Interesse hatten, dem Landgraf Mercedes unter die Arme zu greifen. Grasser Racing befand sich mit der Führung von Benjamin Hites zu diesem Zeitpunkt in der Lage, für den Sonntag noch in den Titelkampf eingreifen zu können, was man nach der Disqualifikation in Spielberg nicht mehr geahnt hätte. Im
weiteren Verlauf des Stints zeigte Salman Owega Nerven und fiel nach zwei Ausritten von P5 auf P9 zurück. Einen solchen Einbruch war beim immer cool wirkenden Fahrerduo Seppänen/Owega nicht zu erwarten. Das Feld war zu diesem Zeitpunkt recht weit auseinandergezogen.
Durch einen frühen und schnelleren Stopp konnte nach dem Boxenstoppfenster Ralf Aron im HRT Mercedes die Führung vor Marco Mapelli übernehmen. Dahinter konnte Nico Menzel im Huber Porsche seine theoretischen Meisterschaftschancen ebenfalls noch wahren. Wer hätte am Saisonstart bei diesem überschaubaren Feld mit so einer engen Meisterschaft gerechnet? Ausgerechnet das GT
Masters sollte an diesem Wochenende von allen Meisterschaften auf der Plattform für das spannendste Finale sorgen.
Nach den Stopps entstand ein hartes Duell um den Sieg zwischen Aron und Mapelli mit einigen Berührungen, u.a. mit Kontakt in der schnellen Rechtskurve vor der Mercedes Tribüne nach einem angeordneten Platztausch. Dahinter passierte im Feld nicht mehr fiel und Elias Seppänen sollte tatsächlich über den neunten Platz nicht hinauskommen. Die Gaststarter von Schnitzalm waren wie am Nürburgring absolut konkurrenzfähig und selbst Sven Müller kam nur mit Mühe vor Christer Jöns und Moritz Wiskirchen
auf P4 hinter Nico Menzel. Vorne siegte am Ende die Erfahrung und Marco Mapelli konnte durch den Sieg den zweiten Tabellenplatz übernehmen.
Der Rückstand betrug für Grasser nun zehn Punkte, für Huber Motorsport 13 und für Joos 14 Punkte vor dem finalen Sonntag! Nach dem Landgraf-Doppelsieg am Sachsenring sah alles nach einem weitaus deutlicheren Finale aus. Schon in Spielberg hatten Owega/Seppänen einen ersten Matchball gehabt.
Sonntag
Die Sonntagsqualifikation sah ein starkes HRT-Resultat mit der Pole für Ralf Aron und Maxi Götz neben den Joos Porsche von Bastian in der zweiten Startreihe. Grasser konnte mit Mapelli die starken Leistungen in der Qualifikation bestätigen und kam auf die zweite Position. Wer an die Haupt Mercedes nicht herankam, war ausgerechnet Elias Seppänen, der mit P7 die Ausgangslage nicht verbessern konnte. Es wäre zu diesem Zeitpunkt keine Überraschung gewesen, wenn die Titelverteidigung für Landgraf scheitern gescheitert wäre. Nur Zehnter wurde Nico Menzel nach einem starken dritten Platz am Samstag. Für Huber Motorsport war es eine Zusammenfassung der bisherigen Saison, dass das Team durch viele Leistungsschwankungen, vor allem in der Qualifikation auffiel. Hier mag eine Rolle spielen, dass es für das Team die erste Saison in einer Sprintrennserie war.
Rennen 2
Im gesamten Jahr erlebten wir ruhige Startphasen und das Schreckgespenst einer Startrangelei, die das eh schon kleine Feld weiter dezimiert, ging an uns vorüber – bis zum letzten Saisonrennen.
Maxi Götz zog aus der zweiten Startreihe arg motiviert nach dem Umschalten der Startampel in die Mitte und wurde von Mapelli und Bastian ins Sandwich genommen. Der Lamborghini beschleunigte etwas schwach, womöglich für die Einschätzung von Götz etwas zu schwach und Bastian zog ebenfalls in die Mitte, wodurch das Drama passiert war. Der Grasser Lamborghini fiel nach dem Crash aus. Darüber hinaus traf Sven Müller von P6 kommend ebenfalls den drehenden Lamborghini mit dem gleichen Resultat. Auch der Schubert BMW von Ben Green fiel aus, weil dieser wohl eine Berührung mit Götz hatte. Somit blieben nach den Ausfällen und der anschließenden Safetycar-Phase noch acht Autos im Rennen verbleibend. Kurios: Götz konnte die Fahrt
als Unfallverursacher fortsetzen. Damit bestand das Feld aus fünf Mercedes, zwei Porsche und dem Engstler Audi. Seppänen kam durch den Teilehagel irgendwie durch und fand sich beim Restart auf dem dritten Rang wieder, womit die Luft aus dem Titelkampf leider raus war. Viele „Keyboard Warriors“ werden jetzt vorwerfen, dass ein Mercedes einem anderen Mercedes zum Titel verhelfen sollte. Aber: Wer die ganze Saison verfolgt hat, sollte wissen, dass Landgraf und HRT teilweise sehr hart kämpften und sich als AMG-Teams nicht schenkten. Eine Strafe für den HRT Mercedes von Götz gab es übrigens nicht, worüber man sicherlich geteilter Meinung sein kann.
Nach der Doppelführung für HRT von Aron und Götz und dem dritten Rang von Elias Seppänen vor dem Huber Porsche war zu befürchten, dass das Rennen mit einem dezimierten Feld eher statisch werden würde, wozu es letztlich auch kam. Irgendwie ein Sinnbild, dass ich kein einziges „echtes“ Überholmanöver notieren konnte. Vor dem Stoppfenster waren es nur noch sieben Wagen, da Nico Bastian als Folge der Startkollision das Rennen ebenfalls aufgab. Es war ein eher trauriger Blues unter dem die Saison zu Ende ging.
Große Einigkeit herrschte bei den Stopps. Fünf der Sieben Fahrer kamen in der letztmöglichen Runde zum Stopp. Die Top3 blieben anschließend zwar dicht zusammen, aber zu gegenseitigen Attacken kam es erwartbar nicht mehr. Der Huber Motorsport Porsche von Jannis Fittje konnte die Phalanx auch nicht mehr sprengen. Der Porsche wäre nach den diversen Ausfällen der einzige noch mögliche Profiteur von einem Problem des Landgraf Mercedes geworden.
Somit war am Ende das reine Mercedespodest perfekt. Landgraf ist damit das erste Team in der Geschichte des GT Masters, was den Fahrertitel verteidigen kann. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Duo Aron/Valente noch den Vizetitel holte, wonach es bei HRT nach einer schwierigen Saison lange Zeit nicht aussah. Vor dem Wochenende war dieses Duo noch auf dem fünften Gesamtrang. Der dritte Gesamtrang ging an Menzel/Fittje, die nach dem starken Wochenende am Norisring als Topanwärter auf den Titel galten. Dennoch wird das Team nach der ersten Saison zufrieden mit dem Abschneiden sein. Den Teamtitel gewann am Ende das Haupt Racing Team. Überbewerten darf man den Titel in diesem Jahr nicht, da es die einzige Mannschaft war, die permanent zwei Wagen eingesetzt hat. Dafür war der Abstand überraschend niedrig, da Landgraf mit einem Wagen nur 13 Punkte weniger auf dem Konto hat. Die Juniorwertung, die im nächsten Jahr durch den winkenden DTM-Startplatz einen hohen Wert bekommt, gewannen selbstredend ebenfalls Seppänen/Owega.
Über den Winter darf man gespannt sein, wie das neue Konzept angenommen wird. Es wäre nicht überraschend, wenn etliche Teams erneut ein Zweitprogramm nebst der DTM planen. Viele Fahrer wird man sicherlich parallel auch im Silber- und Bronze-Cup der GT World Challenge sehen. Die letzten zwei Jahre haben in der DTM ohnehin gezeigt, dass ein zu früher Aufstieg wenig sinnvoll ist. Auch wenn das GT Masters von vielen abgeschrieben wurde – der Markt wird eine zweite kompetitive GT3-Serie in Deutschland sicherlich hergeben!
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,2630,2891)
