Die Saison ist zur Hälfte rum, Zeit für eine Analyse der Teams und deren Performance.
Alpha Tauri
2023 ist kein gutes Jahr für das Schwesterteam von Red Bull. Nur drei Punkte hat man bisher sammeln können. Das ist selbst für Alpha Tauri wenig. Wenn man bedenkt, dass man zumindest einen Teil des Autos von Red Bull bekommt und der Motor von Honda zu stärksten in der Formel Eins gehört, ist das Ergebnis miserabel. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Red Bull die Reißleine gezogen hat und das Team komplett neu aufstellt. Franz Tost wird durch Laurent Mekis ersetzt, der von Ferrari kommt. Dazu soll die technische Zusammenarbeit vertieft werden. Der Name Alpha Tauri wird 2024 auch verschwinden und, angeblich, durch Hugo Boss ersetzt werden.
Quasi ein Kolletertalschaden des miesen Ergebnisses war Nyck de Vries, der gerade mal 10 Rennen im Team bleiben durfte. Der Formula E Meister hatte große Vorschusslorbeeren bekommen, konnte aber nicht überzeugen. Der Niederländer agierte unglücklich, war nur selten auf dem Niveau von Tsunoda und lieferte zudem einige Unfälle ab. Dass man ihn dann aber so schnell entlassen hat, fand ich dann auch etwas ungerecht. Aber nicht überraschend, wenn man Red Bull kennt.
Yuki Tsunoda hat dagegen eine vergleichsweise gute Saison. Er hat die drei Punkte eingesammelt und wuchtete den Alpha Tauri oft knapp an die Punkte ran. Ich bin mir nicht so sicher, was Red Bull mit dem Japaner vorhat. Für eine Beförderung ins große Team fehlen die herausragenden Ergebnisse.
Dieses Jahr ist für Alpha Tauri aber noch nicht vorbei. Zu Platz 7 (Williams) fehlen nur acht Punkte, da ist also noch was drin. Dazu müsste man allerdings weitere Updates bringen, was beim Team aber bekanntermaßen selten passiert.
Alfa Romeo
Die Schweizer entwickeln sich zum Sorgen-Team in der Formel Eins. Die technischen Möglichkeiten von Sauber sind bekannt, aber es gelingt dem Team nicht, ein halbwegs schnelles Auto zu bauen. Audi wird die Entwicklung in diesem Jahr mit Sorge sehen und man hat auch schon reagiert. Andreas Seidl soll das Projekt nach vorn bringen, dazu hat man James Key, der von McLaren entlassen wurde, engagiert. Zum Ende des Jahres erhöht Audi die Beteiligung am Team auf 50 % und übernimmt faktisch die Kontrolle. Da würde vorher gerne etwas mehr Bewegung nach vorn sehen.
Sauber/Alfa gehörte in den letzten Jahren immer mal wieder zu den Teams, die auf manchen Strecken für eine Überraschung gut war. Wo man sehen konnte, dass das Team Potenzial hat, aber von einem schmalen Budget zurückgehalten wurde. Mit dem Budget Cap hatte ich damit gerechnet, dass das Team eher profitieren und sich im vorderen Mittelfeld etablieren würde. Dass das Gegenteil passiert ist, unterstreicht die Probleme des Teams nur.
Valterri Bottas mag seine beste Zeit hinter sich haben, aber auf eine Runde ist der Finne immer noch extrem schnell. Dass er nicht weiter vorn auftaucht, ist ein weiterer Beweis für die Schwäche des Teams. Zhou hat dagegen ein gutes Jahr und zeigt immer wieder, dass er zurecht in der Formel Eins ist. Er mag kein zukünftiger Weltmeister sein, aber er ist durchaus gut für Punkte und die ein oder andere Überraschung. Sicherlich wird bei den Fahrern allerdings auch noch Änderungen vornehmen müssen. Bottas scheint mir bei den Fahrern gesetzt, denn er bringt viel Erfahrung mit. Aber das zweite Cockpit dürfte von Audi ebenfalls mit einem Top-Fahrer besetzt werden. Gerüchte sehen Carlos Sainz im Team.
Auch Alfa Romeo kann die Saison praktisch abhaken, was auch das Beste ist, was sie tun können. Lieber auf 2024 konzentrieren und vielleicht gelingt James Key ja einen seiner seltenen Geniestreiche.
Haas
Dass Haas mit 11 Punkten nur auf P8 in der Team-WM liegt, wird dem Team nicht so ganz gerecht. Das Auto ist schnell, beide Fahrer sind gut unterwegs, die Zuverlässigkeit passt normalerweise auch. Nico Hülkenberg bringt das Auto fast regelmäßig in Q3, was das Potenzial des Chassis nur unterstreicht. Dass dennoch nur so wenig Punkte auf dem Konto sind, hat mit der Schwäche beim Reifenverschleiß zu tun. Der Haas ist leider nur schnell für fünf Runden. Danach bricht die Leistung ein, weil die Reifen zu sehr strapaziert werden. Ohne diese Probleme hätte Haas Chancen, Alpine auf die Pelle zu rücken.
Dass Haas finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, dürfte bekannt sein. Die größten Sponsorenaufkleber kommen immer noch von Gene Haas. Es gibt Gerüchte, dass Alfa Romeo Interesse hat zu Haas zu wechseln, aber bestätigt ist das noch nicht. Ein Alfa-Romeo-Ferrari wäre zwar in der Namensgebung etwas merkwürdig, aber nach Red Bull-Aston Martin-Honda sollte einen nichts mehr wundern. Es würde dem Team zwar nicht viel Geld bringen, aber immerhin etwas.
Dass man die Probleme mit dem Reifenverschleiß nicht in den Griff bekommt, liegt wohl auch daran, dass man den kompletten Hinterbau von Ferrari übernimmt. Bekanntermaßen gehört deren Reifenverschleiß auch nicht gerade in die Top 3, auch wenn man das etwas besser in den Griff bekommen hat. Die guten Nachrichten sind aber, dass das Team ein Chassis gebaut hat, das in seinen Grundzügen funktioniert und es am Ende an Tweaks fehlt, um sich weiter vorn zu platzieren.
Zu den Überraschungen des Jahres gehört auch Nico Hülkenberg. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Deutsche sich so schnell im Team etablieren würde. Kevin Magnussen hat zwei der elf Punkte gesammelt, Hülkenberg den Rest. Was schlicht an den besseren Quali-Ergebnissen liegt. Wer weiter hinten starten muss, hängt meist irgendwann im DRS-Zug fest und kommt nicht weiter. Aber es ist überraschend, dass Hülkenberg nach zwei Jahren Pause (allerdings mit viel Simulator Fahrten bei Aston) als Einsatzfahrer zurückkommt und den Team Leader schlägt. Das zeigt dann auch, so ehrlich muss man sein, wie schlecht Mick Schumacher im vergangenen Jahr war.
Williams
Endlich scheint es bei Williams minimal aufwärtszugehen. Die Verpflichtung von James Vowles von Mercedes hat dem Team sichtbar gutgetan. Nun bekommt man mit Pat Fry von Alpine auch noch einen alten Hasen, der viel Erfahrung nicht nur beim Bau des Chassis, sondern vor allem bei Organisation des Teams mitbringt. Genau da fehlt es im Moment bei Williams noch. Das ist allerdings eine Tatsache, die schon die letzten Team-Leiter immer wieder kommuniziert hatten. Aber es geht langsam etwas aufwärts, was allerdings auch nicht so schwer ist, wenn man die Ergebnisse des Teams aus den letzten Jahren betrachtet. Es sieht immer etwas besser aus, wenn man von P20 auf P12 fahren kann.
Die Frage ist aber immer noch, was Dorilton und der oder die Geldgeber hinter dem Family-Office, eigentlich mit dem Team wollen. Gegenwärtig ist es sicher eine gute Anlage. Da der Wert aller Teams durch die enorm gewachsene Popularität der Serie steigt, dürfte Dorilton bei einem möglichen Verkauf einen satten Gewinn einstreichen. Aber Dorilton hat immer wieder betont, dass ein Verkauf nicht infrage kommen würde.
Getragen wird das Team sicherlich von Alex Albon. Der offiziell immer noch nur von Red Bull ausgeliehene Fahrer hat alle 11 Punkte des Teams eingefahren und liefert immer wieder sehr gute Rennen ab. Albon ist schnell. Nicht nur auf eine Runde in der Quali, sondern auch im Rennen, wo er teilweise eine überragende Performance zeigt. Ohne Albon stünde Williams deutlich schlechter da und das weiß man im britischen Team auch.
Überhaupt nicht überzeugen kann allerdings Logan Sergeant. Sagen wir mal so: wäre er bei Red Bull, hätte man ihn vermutlich schon ausgetauscht. Schon die Verpflichtung des Amerikaners war eine leichte Überraschung, hatte dieser bisher keine überragenden Ergebnisse in den Nachwuchsserien gezeigt. Das setzt sich in der F1 fort. Sergeant wirkt teilweise verloren und etwas überfordert. Ob die Verpflichtung wieder mit Sponsoren zusammenhängt, ist nicht ganz klar, aber ein Kandidat ist die US-Firma Duracell, die zum Investor Berkshire Hathaway gehört. Als Nachfolgekandidat wurde Mick Schumacher gehandelt, aber offenbar will Williams Sergeant auch 2023 einsetzen.
Alpine
Chaos-Tage bei Alpine. Die gesamte Führungsetage wurde entlassen, inklusive die Leiter der technischen Abteilung. Das kam nicht überraschend, nachdem Alpine in diesem Jahr mal wieder weit weg von den eigenen Zielen unterwegs ist. Gerüchte besagen, dass Matteo Binotto damit beauftragt wurde, ein komplett neues Team, bestehend aus alten Ferrari-Kollegen, aufzubauen. Aber die Probleme des Teams liegen tiefer. Personen hat man ja in den vergangenen Jahren genug ausgetauscht, das sollte einem den Hinweis geben, dass die eigentlichen Probleme woanders liegen. Und die sind wohl auf mehreren politischen Ebenen zu finden. Renault finanziert die Party, vor allem stellt man aber auch den Motor her. Das Auto wird aber in Enstone gebaut und das von einem Team, dass in letzten Jahrzehnten immer wieder bewiesen hat, dass man gute Autos bauen kann und die Organisation stimmt.
Gerüchten zufolge ist die Stimmung im Team, wen wundert es, miserabel. Gleichzeitig steigt der Druck von Renault. Die Franzosen werfen Enstone vor, ein schlechtes Chassis zu bauen. Und so ganz falsch liegen sie nicht. Das Design, das wiederum teilweise aus Frankreich kommt, war in den letzten Jahren immer wieder etwas eigenartig. Man probierte zum Start der Saison neue Dinge aus, ging eigene Wege, was an sich ja keine schlechte Idee. Nur funktionierten die Ideen selten und im Verlauf des Jahres baute man die Autos dann immer wieder um. Das erstaunliche war, dass man nach einem schlechten Start im Verlauf des Jahres immer wieder besser wurde. Die Vermutung lag nahe, dass wenn man das Auto im Verlauf der Saison hinbekommen kann, man einfach mal ein gutes Auto zum Start der Saison baut, was angesichts der Entwicklung möglich sein sollte. War es aber nicht.
Enstone wiederum zeigte mit dem Finger nach Frankreich und verwies auf den bekanntermaßen problematischen Motor. Renault hatte im Winter 2021/22, also bevor die Motoren im Februar 2022 homologiert wurden, einen neuen Motor gebaut. Der hatte nur Tests auf dem Prüfstand hinter sich und war keinen Meter gefahren. Jetzt, ein Jahr später, stellt man dann fest, dass dem Motor Leistung fehlt. Angeblich sollen es um die 30 PS sein, was pro Runde je nach Strecke bis zu 3 Zehntel sein können. Mit einem besseren Motor, so Enstone, wäre man locker in den Top 3.
Aber egal, wer nun recht hat, das Problem ist weiterhin, dass das Werksteam seine Organisations-Struktur nicht hinbekommt, dass man zwischen internen Kämpfen aufgerieben wird und niemand das Team allein führt. Formel Eins Teams sind keine Demokratien, sie benötigen einen starken Leader. Toto Wolff, Zak Brown und Christian Horner sind so Typen. Aber Mattia Binotte würde, wenn er denn zu Alpine geht, die Erfahrung von Ferrari mitbringen. Das wird die Saison in diesem Jahr aber auch nicht mehr retten.
Bilder: Pirelli





