Das Rennen in Florida könnte vor allem interessant werden, weil Regen angesagt ist.
Das eintönige Rennen in Baku brachte immerhin eine interessante Entwicklung. Sergio Perez ist bis auf sechs Punkte an seinen Teamkollegen Max Verstappen dran und hat, zumindest auf dem Papier, echte Chance auf den WM-Titel. Die Frage ist, wie realistisch das ist. Auf den ersten Blick scheint Verstappen immer noch die Überhand zu haben. Er ist in den meisten Fällen in der Quali schneller und das sorgt dann für die Reihenfolge im Rennen. Dass Perez in Baku gewinnen konnte, lag hauptsächlich daran, dass Red Bull die Strategie für den Niederländer versemmelte.
Auf der anderen Seite ist Perez in diesem Jahr näher dran. In der Quali fehlt ihm weniger als im letzten Jahr und im Rennen hat er eine seiner Schwächen aus dem letzten Jahr abgebaut. Beim Thema Reifenverschleiß hat er aufgeholt und verliert über die Distanz nicht mehr gegen den Weltmeister. Angesichts der Schwächen der Konkurrenz kann man also nur darauf hoffen, dass sich ein interessantes Duell im Team entwickelt. Denn das Aston, Ferrari oder Mercedes in diesem Jahr noch Chancen auf den Titel haben werden, kann man mit ziemlicher Sicherheit ausschließen.
Die Hoffnung der Konkurrenten bezieht darauf, dass Red Bull in der zweiten Saisonhälfte schwächelt. Die aus dem letzten Jahr stammende Strafe aufgrund des überzogenen Budgets sollte dafür sorgen, dass Red Bull nicht so viel und schnell entwickeln kann wie die Konkurrenz. Aber angesichts der Situation bei Ferrari und die Mercedes, die beide erst einmal ihre 2023er-Chassis überarbeiten müssen, dürfte die Konzentration und das Budget bei beiden Teams eher auf 2024 ausgerichtet sein. Anders sieht es bei Aston Martin aus, deren Basis gut ist und die darauf in den nächsten Monaten aufbauen können. Aber Alonso fehlen 33 Punkte auf Verstappen und im Rennen liegt der Abstand bei rund 0,3 bis 0,5 Sekunden pro Runde.
Zudem zeigte Aston in Baku erste Schwächen. Das Auto ging nicht sonderlich gut, weil etwas Top Speed fehlte und man zudem Probleme mit dem DRS hatte. Das Chassis scheint eher auf langsamen und mittelschnellen Strecken zu funktionieren, was für das Team in Miami spricht. Für Aston wird nach dem großartigen Start aber entscheidend sein, wie man in den kommenden Wochen die Entwicklung vorantreiben kann. Die gute Basis ist eine Sache, aber wie das Team dann in der Saison weiterarbeitet, ist eine andere. Es wäre schon ein Erfolg und ein gutes Zeichen, wenn sie den Abstand zu Red Bull über das Jahr halten können.
Mercedes wartet auf Imola. In Miami sollte man nicht zu viel erwarten. Das Auto ist ja nicht schlecht, aber wenn man ehrlich ist, liegt man hinter Ferrari und Aston. Das kommende Update soll das beheben. Toto Wolff sprach im April mal von drei Zehnteln, die man damit finden will. Das würde Mercedes an Ferrari und Aston bringen, aber ob man sie auch überholen kann, wird sich dann zeigen. Gegenwärtig verliert man rund eine Sekunde pro Runde auf die Red Bull (Baku), ist aber je nach Strecke mit Ferrari auf Augenhöhe.
Die Brotkrumen in der Wertung teilt sich dann der Rest des Feldes. Im Moment liegt McLaren, etwas überraschend, auf P5 mit 14 Punkten. Das große Update, dass man in Baku vorstellte, hat zumindest etwas gebracht. Aber vielleicht war Baku auch nicht die richtige Strecke dafür. Miami sollte ein besseres Bild geben. Interessant ist auf jeden Fall, dass Piastri nach ein paar Rennen schon recht gut an Norris dran ist. Die Entscheidung, auf den Nachwuchsfahrer zu setzen, hat sich also als richtig herausgestellt. Norris wird sich auf jeden Fall mehr anstrengen müssen, was dem Team auch nur helfen kann.
Bei Alpine brennt schon ein wenig der Baum. Nur acht Punkte hat man gesammelt und man ist sehr weit weg von dem selbst gesteckten Ziel, um ein Podium zu fahren. Dazu kommen nun Gerüchte, dass Renault rund 25 % des Teams an das US-Unternehmen AutoNation verkauft haben soll. Ziel soll sein, dass man die Finanzierung auf neue Beine stellt. Renault, traditionell eher vorsichtig, wenn es um Ausgaben für die F1 geht, hat wohl keine Lust noch mehr Geld zu verlieren. Aber die offenbar strukturellen Problem in der Aero- und Designabteilung behebt man damit natürlich nicht. Schon jetzt ist damit wieder vorhersehbar, dass man erneut mit McLaren um den „best of the rest“ Titel kämpfen wird.
Der Rest hängt dann noch eng zusammen. Die einzigen beiden Fahrer, die in diesem Jahr noch nicht in die Punkte gekommen sind, Nyck de Vries und Logan Sergeant, dürften unterschiedlichen Druck verspüren. Der Niederländer de Vries war mit viel Selbstbewusstsein in die Saison gestartet. Das dürfte sich erledigt haben, denn zum einen hat er seinen Alpha Tauri öfter in die Planken gesetzt, zum anderen fährt ihm Tsunoda um die Ohren. Da man bei Red Bull notorisch ungeduldig ist, dürfte de Vries spätestens zur Saisonhälfte den Druck spüren. Sargeant dürfte noch entspannt sein. Der Rookie machte bisher einen guten Eindruck und Williams dürfte zufrieden sein.
Strategie:
C2, C3 und C4 stehen mal wieder auf dem Programm. Was für Miami dann interessant wäre, wenn es sehr heiß wird. Die Strecke mit ihren 19 überwiegend langsamen Kurven und drei Geraden ist mäßig anspruchsvoll für die Reifen. Die Wahl von drei Reifenmischungen aus dem mittleren Bereich anstelle der weicheren ist vor allem auf die normalerweise hohen Streckentemperaturen zurückzuführen, die im vergangenen Jahr 59°C erreichten. Die am häufigsten verwendeten Mischungen im Rennen 2022 waren mittel und hart und die meisten Fahrer bestritten den Grand Prix mit nur einem Boxenstopp. Das Rennen wurde zweimal durch ein Safety Car und ein virtuelles Safety Car neutralisiert, wodurch einige Teams einen zweiten Boxenstopp einlegen konnten.
Die Organisatoren haben die 5,41 Kilometer lange Strecke für 2023 neu asphaltieren lassen. Die neue Oberfläche ist ein unbekannter Faktor und dazu kommt das Wetter. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt (Stand Freitag) bei rund 30 %. Nicht viel, aber das kann auch bedeuten, dass es während des Rennens mal einen Schauer gibt. Angesichts der Dominanz von Red Bull wäre das eine willkommene Abwechslung, da die Strategie dann ja einiges verändern kann.
Bilder: Pirelli, Ferrari, Aston Martin, Daimler AG


