Streifen, wohin das Auge sieht und dazu große Hitze. Das Wochenende wird für Fahrer und Zuschauer schwer.
Wir sind uns, glaube ich, alle einig, dass Paul Ricard nicht gerade die Lieblingsstrecke im Formel Eins Kalender ist. Gut, es gab schlimmere (Sochi) und fahrerisch ist die Strecke nicht komplett uninteressant. Aber der Kurs bietet wenig Abwechslung und die Schikane auf der Mistral-Geraden hilft auch nicht weiter. Warum die Formel Eins darauf besteht, ist mir ein Rätsel. Die lange Gerade wäre eine gute Gelegenheit mal ein Rennen ohne DRS auszuprobieren, um zu schauen, ob es auch so für die F1 zum Überholen reicht.
Spannend sollte es am Wochenende aber dennoch werden. Red Bull hat weiter die Führungsrolle in der Serie, aber die letzten beiden Rennen gingen doch recht klar an Ferrari, die sich wieder gefangen haben. Die letzten Updates scheinen bei Ferrari geholfen zu haben, während Red Bull sich nicht so gut entwickelt hat. Dennoch trennt beide Teams nur wenig, weswegen eine Vorhersage, wer in Le Castellet besser ist, schwer zu treffen ist. Mein Tipp geht dennoch Richtung Ferrari, die immer dann stark waren, wenn es besonders heiß war. Und da es am Wochenende bis 35 Grad werden sollen, dürfte das für Ferrari sprechen.
Interessant dürfte die Situation aber werden, wenn die neuen Anti-Porpoising-Regeln der FIA gelten. Dies sollte ja schon ab Frankreich der Fall sein, aber man hat das nun auf Spa verschoben. Die Geschichte ist schon ein wenig amüsant: Die FIA hat sich die Autos alle noch mal genau angeschaut, auch, um zu verstehen, warum einige Autos Probleme mit dem Porpoising hatten und andere nicht, und hat dabei wohl zwei Dinge gefunden. Zum einen sehr flexible Planken unter dem Auto, zum anderen Skid Blocks, die beweglich sind. Beides Dinge, die nicht verboten sind, aber auch nur, weil sie vom Reglement nicht gedeckelt werden. Ein typischer Fall von „nicht im geistigen Sinne des Reglements.“
Das könnte man jetzt einfach verbieten, aber so einfach ist das auch wieder nicht, denn es gibt wohl Teams, die beide Dinge als integralen Teil ihrer Aerodynamik benutzen. Ferrari hat schon angedeutet, dass man das Auto etwas umbauen muss und da Christian Horner und Helmut Marko permanent angesäuerte Kommentare darüber abgeben, dass hier wieder anderer Teams bevorteilt werden, dürfte Red Bull auch betroffen sein. Wie viel Zehntel die beiden Tricks überhaupt bringen, ist dann wieder eine andere Frage.
Mercedes dürfte, angesichts der guten Laune von Toto Wolff, davon nicht betroffen sein. Nachdem man mit dem Spanien-Upgrade das Porpoising in den Griff bekommen hat, folgten in den letzten Rennen weitere kleinere Updates, die das Auto verbesserten. Für Frankreich ist ein weiteres, größeres Update angekündigt. Allerdings fehlen Mercedes, je nach Strecke, doch noch rund 0,5 bis 0,7 Sekunden auf die beiden führenden Teams. Aber vielleicht ändert sich das ja mit den neuen Regeln ab Spa. Für Mercedes dürfte das Rennen in Frankreich eine weitere Standortbestimmung sein.
Hinter den Top 3 entwickelt sich Alpine zum Gewinner der Sommersaison. Man hat den Rückstand auf McLaren aufgeholt und liegt jetzt punktgleich in der Konstrukteurswertung Rang vier. Das ist nicht schlecht, aber natürlich immer noch weit hinter dem, was man als Werksteam eigentlich erreichen sollte. Dennoch ist ein Aufwärtstrend zu sehen und vor dem heimischen Publikum wird man sicher gerne nachlegen wollen. Ob die Strecke aber dem Alpine liegt, ist dann wieder etwas anderes.
Bei McLaren liegen die Probleme aus den letzten Rennen offenbar etwas tiefer. Dass das Chassis nicht das Orange vom Ei ist, dürfte klar sein. Offenbar gibt es Korrelationsprobleme zwischen dem, was die CFD-Berechnungen so herauswerfen, und dem, was auf der Strecke passiert. Zudem haben die letzten Updates keine Verbesserung gebracht und das Team hat sich im Vergleich zu Alpine nicht weiter nach vorn bewegt. Zum Glück für McLaren geht es Alfa Romeo nicht anders, deren letztes Update das Team eher nach hinten geschoben hat.
Bei Alfa/Sauber scheint man im Moment auch mehr hinter den Kulissen beschäftigt zu sein. Die Gerüchte verdichten sich, dass Audi sich ins Team einkaufen will, um ab 2026 als Werksteam in der F1 zu starten. Ungewöhnlicherweise will Audi wohl über die nächsten Jahre nach und nach Anteile an Sauber erwerben. 25 % sollen es zum Start sein, die letzte Charge soll dann 2025 übernommen werden. 25 % sollen beim schwedischen Investor verbleiben. Ebenso weiterhin an Bord, zumindest bis 2024, ist wohl Alfa. Zumindest scheint die Zukunft des Teams damit gesichert.
Interessant dürfte am Wochenende Haas werden. Die sind uns noch ein Update am Auto schuldig, das wohl an diesem Wochenende kommen soll. Die Haas waren in Österreich extrem gut unterwegs und wenn das Update kommt und passt, dann sollte Paul Ricard erneut nicht schlecht für die Haas laufen. Schon jetzt gehört das Team zu den Gewinnern der Saison und es wäre schön, wenn man das fortsetzen könnte. Die F1 benötigt ein wenig Bewegung im Feld.
Das würde auch für Aston Martin und Williams gelten. Warum Aston es nicht hinbekommt, das Auto ins Mittelfeld zu bugsieren, ist schon merkwürdig. Eigentlich sollte das Team die Möglichkeiten zumindest von Alfa Romeo oder McLaren haben, aber davon ist man weit entfernt. Das große Update hat die Rennpace zwar verbessert, dafür ist man weiter in der Quali chancenlos. Und ohne gute Quali ist man im Rennen chancenlos, weil man im DRS-Train hängt und nicht vorankommt.
Strategie:
C2, C3 und C4 stehen auf dem Menü von Pirelli und damit wiederholt man das Angebot aus dem letzten Jahr. 2021 stoppte man nur einmal, mal abgesehen von Verstappen, der zweimal an die Box kam und das Rennen relativ bequem gewinnen konnte. Die etwas veränderten Reifen und die hohen Streckentemperaturen dürften in diesem Jahr dafür sorgen, dass man wieder zweimal kommen muss. Die C2 dürften für das Rennen entscheidend sein, also wie lange man sie mit guten Zeiten wird fahren können. Eventuelle Versuche in Richtung einer 1-Stopp-Strategie gehen nur über die C2. Aber zwei Stopps scheinen insgesamt die schnellere Option zu sein. Medium zum Start, dann noch mal Medium für einen Sprint oder die harten Reifen für einen langen Mittelstint und um sich Optionen offen zu halten.


