Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Grossbritannien – Glück und eine Premiere

Formel Eins: Analyse GP von Grossbritannien – Glück und eine Premiere

von DonDahlmann
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Das Rennen in Silverstone bot so ziemlich alles, was man von einem F1-Rennen erwarten kann. Allerdings hatten die Serie und Zhou Guanyu auch viel Glück.

Die Formel Eins hat mal wieder Glück gehabt. Der Unfall von Alfa-Pilot Zhou Guanyu war nicht nur heftig, es passierten auch noch zwei Dinge, die hätten schlimmer ausgehen können. Bemerkenswerterweise brach bei Zhou der Überrollbügel, der in der Lufthutze sitzt und den Fahrer schützt. Der erste Aufprall auf dem Boden war hart und geschah bei hoher Geschwindigkeit, aber es ist das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass ich so etwas gesehen habe. Ich vermute mal, dass die FIA sich das noch genauer anschauen wird, denn das sollte nun wirklich nicht passieren. Und dann hatte Zhou auch noch Glück, als das Auto zwischen den Reifenstapel und der Leitplanke stecken blieb.

Wie man im Bild gut sehen kann, war da wenig Platz und dann gibt es auch die Stützen, die die Leitplanken stabilisieren. Die hätten auch ins Cockpit eindringen können. Das hätte also deutlich schlimmer ausgehen können. Auch hier muss die FIA noch mal schauen, ob die man die Lücke am Zaun nicht besser schließen sollte. Sicher ist auf jeden Fall, dass der Halo mal wieder das Leben eines Fahrers gerettet hat. Und das zweimal an diesem Wochenende, denn bei der F2 krachte es auch. Die rote Flagge kam innerhalb von Sekunden, und keine Sekunden zu spät, denn es hatten sich einiger Demonstranten auf die Strecke geschlichen. Vermutlich hätte die Rennleitung das Rennen auch ohne den Unfall abbrechen müssen.

Ebenfalls Glück hatte Alex Albon. Vettel hatte ihn im Getümmel getroffen und der Williams war hart in die Boxenmauer eingeschlagen, trudelte durchs Feld und wurde dabei noch zweimal getroffen. Albon konnte zwar ohne Hilfe aussteigen, musste aber dennoch zur Sicherheit in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Untersuchung ergab dann aber keine Probleme. Erwähnen muss man auch noch George Russell, der Unfall, zusammen mit Pierre Gasly ausgelöst hatte. Er sprang sofort aus seinem Wagen und lief zum Auto von Zhou, um Hilfe zu leisten. So was sieht man leider nur selten in der Formel Eins. Russell hätte versuchen können, seinen beschädigten Mercedes zur Box schleppen, verzichtete aber darauf, um Zhou zu helfen. Das bedeutete aber auch, dass sein Rennen damit beendet war, da das Auto nicht aus eigener Kraft an die Box kam. Hier sollte die FIA vielleicht mal die Regeln überdenken.

Das gesamte Wochenende stellte die Teams vor einige Herausforderungen. Man hatte etliche Upgrades mitgebracht und hier stach vor allem Mercedes raus, die sich stark verbessert zeigten. Offensichtlich hatte man in England endlich das Bouncing des Autos im Griff und konnte das Auto dementsprechend tiefer legen. Das machte sich in den Rundenzeiten sowohl im Nassen als auch im Trockenen bemerkbar. Zwar fehlte in der Quali rund eine Sekunde, aber die Rennpace war sichtbar besser. Offenbar bekommt man das Konzept so langsam in den Griff. Das Rennen am Red Bull Ring nächste Woche dürfte, wenn es trocken bleibt, dann mehr Informationen liefern.

Die Pace bestimmen aber weiter die Ferrari und Red Bull. Mit dem besseren Ende für die Italiener an diesem Wochenende. Die hatten allerdings auch so ihre Probleme im Rennen. Den ersten Start verlor Polesitter Sainz gegen Verstappen, den zweiten gewann er, aber Leclerc blieb hinter dem Weltmeister. Der Monegasse hatte sowieso ein eher zähes Wochenende und blieb hinter seinem Teamkollegen zunächst zurück. Er konnte Sainz erst unter Druck setzen, nachdem Verstappen mit einem Schaden am Unterboden zurückgefallen war. Ferrari hatte dann zwei Autos an der Spitze, sah sich aber von Lewis Hamilton unter Druck gesetzt.

Die Strategie sollte in dieser Phase des Rennens wichtig werden. Sainz kam überraschend früh in Runde 20. Offenbar Ferrari Angst, dass Mercedes einen Undercut versuchen würde. 32 Runden auf den C1 waren machbar, allerdings war dann auch klar, dass Sainz seine Reifen lange würde schonen müssen. Leclerc holte man fünf Runden später rein, Mercedes blieb aber weiter draußen. Zeitweise fuhr Hamilton mit den älteren Medium dann schnellere Runden als Sainz auf den harten Reifen. Auch Leclerc war schneller und beklagte sich schnell per Funk. Die Chance bestand, dass Hamilton einen Vorsprung herausfahren würde, der ihn auch nach dem Stopp die Führung sichern würde.

Ferrari gab Sainz eine Zielzeit von 1.32.2 min, die dieser allerdings nicht erreichen konnte. Es folgte ein Platzwechsel zwischen Leclerc und Sainz, aber so viel schneller war Leclerc dann auch nicht. In Runde 33 entschied sich Mercedes dann für einen Stopp und nahm ebenfalls die harten Reifen. Sein Stopp war langsam und aufholen konnte er zunächst auch nicht. Dann blieb allerdings Ocon mit seinem Alpine stehen und löste eine SC-Phase aus, die das Feld wieder zusammenführte.

Und plötzlich war da wieder ein Red Bull. Nicht Verstappen, aber Perez tauchte auf. Der Mexikaner hatte nach einer Runde einen Schaden am Frontflügel und war zwischenzeitlich letzter. In einer famosen Fahrt schnitt Perez durchs Feld und lag zum Zeitpunkt der SC-Phase schon wieder auf P4. Mit dem Restart sortierte er sich dann direkt hinter beiden Ferrari und dem Mercedes ein. Die Pause hatte die Spitze genutzt, um auf Soft zu wechseln – bis auf Charles Leclerc. Warum hatte Ferrari den Führenden nicht reingeholt?

Als das SC reingerufen wurde, hatte Ferrari rund 5 Sekunden Zeit eine Entscheidung zu treffen. Leclerc hatte relativ frische Hard, die Reifen von Sainz waren älter und er stand unter Druck von Hamilton. Beide Ferrari hätte man nicht stoppen können, weil dann Sainz den zweiten Platz verloren hätte. Die Idee war wohl, dass man Leclerc draußen lassen wollte, um P1 nicht zu verlieren. Sainz bekam frische Soft und sollte damit Leclerc abdecken. Die Idee war schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt, denn wie sollte der Spanier seinen Platz halten und gleichzeitig nur den Speed von Leclerc halten, wenn Hamilton und Perez ganz offensichtlich schnell unterwegs waren?

Per Funk wies Ferrari Sainz an, dass dieser bitte die erlaubten 10 Wagenlängen Rückstand beim Restart einhalten sollte, was dieser ablehnte und seinen Arbeitgeber bat, die Entscheidung zu überdenken. Denen war dann wohl mittlerweile auch klar geworden, dass die eigene Strategie ein paar Fehler hatte und am Ende setzte sich dann das alte Ferrari Credo durch: Erst das Team, dann der Fahrer. Sainz schnappte sich Leclerc schnell und der machte ihm dann den Gefallen, das Duo Hamilton/Perez aufzuhalten. Mit seinen alten Hard hielt sie rundenlang davon ab, auf die Jagd zu gehen. Es war der vielleicht beste Dreikampf auf der Strecke, den ich seit Jahren gesehen habe. Am Ende setzte sich Perez gegen alle durch und eroberte P2. Was für ein Rennen des Mexikaners.

Vorn konnte Sainz aber endlich seinen ersten, völlig überfälligen Sieg einfahren. Leclerc wurde nur Vierter und war, zurecht, sauer. Warum Ferrari nicht den Führenden zuerst an die Box geholt hat und darauf hoffte, dass Sainz Hamilton auf der Strecke schlagen würde, ist mal wieder ein Rätsel. Mercedes dürfte insgesamt zufrieden sein, auch wenn man durchaus Chancen auf den Sieg gehabt hätte, wenn man Hamilton ein, zwei Runden früher reingeholt und man den Stopp nicht versemmelt hätte.

Auch im Mittefeld gab es bemerkenswertes zu berichten. Mit insgesamt sechs Autos war die Ausfallliste relativ lang, was den kleinen Teams ermöglichte nach vorn zu fahren. Dies nutzten vorwiegend die Haas und hier besonders Mick Schumacher aus. Der lieferte sein vermutlich bisher bestes Rennen ab und erreichte mit P8 endlich die Punkte. Natürlich profitierte Haas von den Ausfällen, aber Schumacher und Magnussen, lieferten im Rennen eine sehr gute Leistung ab. Schumacher passierte dabei etliche Fahrer in besseren Autos und stritt sich am Ende sogar mit Verstappen um P7. Hoffentlich bringen die Punkte dann auch das nötige Selbstvertrauen zurück.

Ein gemischt gutes Rennen hatten McLaren und Alpine, die sich um P5 stritten. Dabei hatte am Ende Alonso das etwas bessere Auto, aber der ganz große Wurf ist der Alpine nach dem Update in Silverstone nicht gewesen. Immerhin war man näher dran. Norris lieferte ein gutes Rennen ab und landete sicher in den Punkten. Ein Totalausfall war erneut Daniel Ricciardo. Und das ist dann schon langsam merkwürdig. Dass Norris drei Zehntel in der Quali schneller ist, geht ja noch an. Dass Ricciardo im Rennen aber auch keine Chancen mehr hat, ist mehr als merkwürdig.

Sicher, aufgrund seines Startplatzes steckt Ricciardo oft im DRS-Zug im hinteren Mittelfeld. Aber dass sich Mick Schumacher und Sebastian Vettel hier rauslösen konnte, der McLaren aber nicht, spricht schon Bände. Und dass der Australier nicht an Latifi vorbeikam, auch. Etwas Fundamentales scheint für ihn nicht zu passen und vielleicht wäre es an der Zeit, wenn McLaren mal die Renningenieure testweise tauschen sollte. Ich weigere mich zu glauben, dass die Kombination McLaren/Ricciardo langsamer ist, als Aston/Stroll oder Williams/Latifi. Bei McLaren wird es Zeit für radikale Änderungen.

Das war, abgesehen vom Startunfall, eines der besten Rennen der F1 seit längerer Zeit. Es war gut zu sehen, dass die neue Aero der Autos es zulässt, auch auf Strecken wie Silverstone eng hintereinander zu fahren. Der rundenlang währende Dreikampf an der Spitze war ein gutes Beispiel hierfür. Sicher wird die FIA die Regeln im Detail noch ein wenig anpassen. So gibt es offenbar Teams, deren Unterboden etwas flexibler ist, als er sollte, was ab dem nächsten Rennen dann nicht erlaubt sein soll. Schön zu sehen war auch, dass 140.000 Fans am Renntag da waren und man vor allem junge Fans gesehen hat. Die F1 ist offenbar auf einem guten Weg.

Weiter geht es nächstes Wochenende am Red Bull Ring. Hier werden die Abstände aufgrund der sehr kurzen und schnellen Strecke vermutlich extrem knapp werden.

Bilder: Ferrari, Daimler AG, Alpine F1, McLaren, Haas, Williams, Alfa Romeo, Aston Martin

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