Home Formel EinsF1Formel Eins: Vorschau GP von Saudi-Arabien 2022

Formel Eins: Vorschau GP von Saudi-Arabien 2022

von DonDahlmann
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Die zweite Runde der neuen Saison findet auf dem leicht angepassten Kurs in Jeddah statt.

 

Die Organisatoren des Rennens haben über den Winter den Kurs in Jeddah leicht angepasst. Die Fahrer hatten sich, zu Recht, über zu viele blinde Kurven beschwert, die die Sicht auf Unfälle an neuralgischen Stellen verdecken. Das hatte auch zum Auffahrunfall im letzten Jahr nach einem der Restarts geführt. Generell ist der Kurs weiter mit Vorsicht zu genießen. Wir hatten letztes Jahr einige haarige Situationen und sind knapp an schweren Vorfällen vorbeigeschrammt. Ich bin kein großer Freund des Kurses. Man hat versucht, etwas Spektakuläres zu bauen, ohne Rücksicht auf die Sicherheit zu nehmen. Schnelle Kurse sind gut und schön, Sepang ist super, Mugello ist toll. Aber das gehört nicht in eine Stadt.

Da ja keiner auf mich hört, fährt die F1 am Wochenende also in Saudi-Arabien und es dürfte durchaus interessant werden. Zwar scheint sich die Hackordnung schon einigermaßen etabliert zu haben, aber da es in Jeddah im Grunde nur geradeaus geht, dürfte die Frage entscheidend sein, wie gut der Motor ist. Und hier werden wir dann vielleicht einen ersten Hinweis darauf bekommen, ob Mercedes dieses Jahr beim Motor einen Nachteil hat. Abgesehen von Mercedes landeten alle Mercedes-Teams in Bahrain auf den letzten Plätzen und die Frage stellte sich schon in Abu Dhabi, ob es auch am Motor liegen könnte.

Ich halte das (noch) für eher unwahrscheinlich. Der Abstand der drei Mercedes-Kunden zum Werksteam betrug mindestens 0,9 Sekunden und so schlecht waren die Mercedes im Rennen nicht. Das Porpoising und die Probleme mit dem Heck dürften Mercedes rund 0,5 Sekunden kosten. Also so schlecht kann der Motor nicht sein. Auf der anderen Seite ist es dann schon erstaunlich, dass alle drei Kundenteams so schlecht sind und dass alle bei den Topspeeds in Bahrain weit hinten lagen. Aber dafür gibt es Antworten.

Williams hat sowieso noch einiges aufzuholen in Sachen Entwicklung und Orga im Team, es überrascht nicht, dass das Team nicht in den Top 10 ist. Aston hat sich bei der Konstruktion offenbar völlig verzockt. Die breiten und sehr langen, wenig ausgeklügelten Sidepods sind wohl einer der Gründe, warum es bei Aston nicht läuft. Bei McLaren ist man noch auf der Spurensuche. Das Auto hat laut Norris generell zu wenig Grip und ich wäre nicht überrascht, wenn dies auch mit der Umstellung der Aufhängung zu tun. Jedes Kundenteam hat also durchaus seine Probleme und die werden sich nicht so leicht lösen lassen. Bleibt die Frage nach dem Topspeed und hier wird man in Jeddah sehen, ob der Mercedes genug Leistung hat.

Auch bei Red Bull dürfte man nach dem Doppelausfall Sorgen haben. Beide Autos hatten Probleme mit der Benzinpumpe, die offenbar nicht mehr in der Lage war am Ende das restliche Benzin aus dem Tank zu pumpen. Das kann an der Konstruktion der Pumpe liegen, aber auch an der Konstruktion und Kühlung des Spritsystems. In allen Fällen ist das auf den ersten Blick keine leichte Aufgabe zu lösen, schon gar nicht innerhalb von einer Woche. Weitere Sorgen dürfte es bezüglich des Speeds der Ferrari geben.

Die Scuderia schien am letzten Wochenende die Angelegenheit relativ sicher im Griff zu haben. Leclerc war schnell genug, um Verstappen auf Distanz zu halten. Es gab keine Probleme mit dem Reifenverschleiß und auch bei der Zuverlässigkeit sah es bisher gut aus. Sainz hatte leichte Probleme, weil er sich im Auto noch nicht komplett wohlfühlt, aber das reichte dann auch um P3 abzusichern. Zudem machte das Gerücht die Runde, dass Ferrari in Bahrain noch mit einem konservativen Motor-Setting unterwegs war.

Ich gehe davon aus, dass Ferrari und Red Bull auch in Jeddah die beiden einzigen Teams sind, die um den Sieg fahren werden. Dahinter könnte es Verschiebungen, vor allem weil die Aero hier keine so große Rolle spielt. Wer ein schnelles Auto auf den Geraden hat und über guten, mechanischen Grip verfügt, könnte hier im Vorteil sein. Und kommt dann Haas ins Spiel, die insgesamt ein sehr schnelles und ausgewogenes Chassis zu haben scheinen. Kann gut sein, dass sie wieder „best of the rest“ sind. Aber ich würde auch nicht Alpha Tauri und Alpine abschreiben. Beide hatten zwar eher maue Wochenenden, aber der Topspeed sah nicht schlecht aus.

Strategie
Pirelli bringt C2, C3 und C4 nach Saudi-Arabien. Das ist angesichts des eher niedrigen Stress auf die Reifen, durchaus angebracht. Aber die neuen Chassis und die 18-Zöller scheinen etwas mehr auf den Verschleiss zu gehen, als das vorher der Fall war. Drei Stopps waren in Bahrain durchaus möglich. Zwei Stopps stehen also zumindest auf der Liste der möglichen Strategien. Bahrain hat aber auch gezeigt, dass die Spreizung zwischen den Reifenmischungen etwas größer zu sein scheint, als noch im letzten Jahr. McLaren startete auf den Medium, Mercedes probierte es nach dem ersten Stopp mit den Hard und in beiden Fällen war das keine gute Entscheidung. Der Trend scheint also zu sein, dass man im Rennen die weicheren Mischungen bevorzugen wird.

Das bedeutet dann wiederum, dass man eher in Richtung einer Zwei-Stopp-Strategie gehen wird. Hier wird dann die Frage sein, wie gut der Undercut ist. In Bahrain lag der Vorteil bei rund 2 bis 2,5 Sekunden als Verstappen eine Runde vor Leclerc an die Box kam. Auf der langen Strecke in Saudi-Arabien könnte das also eine Rolle spielen. Allerdings ist das Überholen mit den neuen Autos offenbar etwas leichter geworden, weil man in den Kurven näher dran bleiben kann. Ein Platzverlust an der Box muss also nicht unbedingt bedeuten, dass man dann feststeckt. Das könnte dann, vor allem im Verlauf des Jahres, dazu führen, dass einige Teams versuchen werden einen Undercut bewusst in Kauf zu nehmen, um am Ende bessere Reifen zu haben. Der Kurs in Jeddah ist aber eine Ausnahme im Kalender, von daher werden die Rückschlüsse nach dem Rennen schwer werden.

Bilder: Alfa Romeo, Willaims, Daimler AG, Pirelli

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