Die Entscheidung in der Fahrer-WM steht an und spannender kann es eigentlich nicht sein.
Punktgleich gehen Hamilton und Verstappen in das letzte Rennen des Jahres. Das sagt nach 21 Rennen schon einiges über diese Saison und die Leistung der beiden Teams aus. Geschenkt haben sich beide Seiten nichts und das letzte Rennen in Saudi-Arabien war dann schon mal ein Vorgeschmack auf das, was uns am Wochenende erwarten könnte. Wird das wieder so eine Schlacht mit ruppigen Überholmanövern und Bremstests? Hoffen wir nicht. Es wäre mehr als unschön, wenn der WM-Titel am Ende von drei Rennkommissaren entschieden werden müsste.
Das berühmte Momentum liegt sicherlich bei Mercedes. Die konnten sich, nach den Schlappen in Austin und Mexiko, sehr eindrucksvoll zurückmelden und die letzten drei gewinnen. Knapp war es, aber am Ende setzte sich Mercedes durch. Die natürlich alles entscheidende Frage ist dann aber, wie gut der Mercedes auf der umgebauten Strecke von Abu Dhabi gehen wird. Ein Blick zurück ins letzte Jahr verrät, dass Red Bull gewonnen hat. Und zwar deutlich. In der Quali war es knapp, da lagen Verstappen, Bottas und Hamilton innerhalb eines Zehntels. Aber das Rennen verlief deutlich.
Die Gründe dafür im letzten Jahr: Die Red Bull kamen mit den Reifen besser klar während Mercedes kaum Temperatur reinbekam und das, obwohl Pirelli, wie in diesem Jahr auch, mit den C3, C4 und C5 Reifen angereist ist. Dieses Problem tauchte bei den Mercedes in diesem Jahr hier und da auch auf. Der eh schwierig abzustimmende Mercedes leidet dann unter Untersteuern, was auf der Strecke nicht hilft. Ein weiterer Grund für die Überlegenheit der Red Bull im letzten Jahr lag in der Charakteristik der Strecke. DRS hin, DRS her – wer hinten liegt, kann in der dirty air schwer überholen.
Allerdings wurde die Strecke umgebaut. Wie man hier sieht. Die Schikane vor der ersten langen Gerade hat gegen eine etwas offenere Kurven ausgetauscht. Die dürfte hoffentlich mehrere Linien erlauben, sodass man mit mehr Schwung in die erste DRS-Zone kommt. Verschwunden sind ebenfalls die unfallträchtigen Kurven T11, 12 und 13. Das Gewürge da war nie schon anzusehen. Ersetzt wurde der Bereich durch eine schnellere Kurve, die eine leichte Steigung aufweist. Ebenfalls angepasst wurde die Kurven unter und nach dem Hotel, die nun offener sind.
Ein wenig erinnert die Strecke jetzt an Austin und da waren die Red Bull stärker. Für Mercedes wird es also keine leichte Aufgabe, aber Chancen hat man auf jeden Fall, wenn man die Quali gewinnt. Denn grundsätzlich glaube ich nicht, dass sich die Schwierigkeiten beim Überholen auf der Strecke mit dem Umbau in Luft aufgelöst haben. Wer nach der ersten Runde vorne liegt, hat in dem Ein-Stopp-Rennen die besten Chancen auf den Sieg. Genau wird man das allerdings dann in den Trainingssessions sehen.
Mal abgesehen von der Fahrer-WM sind allerdings alle Plätze in der Meisterschaft bezogen. Mercedes führt mit 18 Punkten in der Team-WM. Das kann sich natürlich ändern, wenn ein Mercedes ausfällt, beide Red Bull vorne liegen und der zweite Mercedes nicht besser als P3 liegt. Ausgeschlossen ist sowas natürlich nicht. Ansonsten wird das Rennen nichts mehr verändern. Ferrari hat P3 in der Team-WM sicher. Daher spare ich mir mal die Vorschau auf die anderen Teams.
Die alles entscheidende Frage in Abu Dhabi wird lauten, wie sauber die WM entschieden wird. Das könnte sich erledigen, wenn Red Bull überlegen ist und die Mercedes distanzieren kann. Sollte es wieder so eng wie in Jeddah werden, hoffe ich mal, dass wir solche Szenen nicht mehr sehen. Mir wäre ein sauberes Duell lieber.
Die andere Frage ist, wem man den Titel gönnen sollte. Lewis Hamilton hätte den achten Titel verdient, vor allem nach diesem Jahr. Der Kampfgeist des mittlerweile 36-jährigen Piloten ist schon mehr als bemerkenswert und dass er zu den besten Fahrern aller Zeiten gehört, ist unbestritten. Auf der anderen Seite hat Verstappen in diesem Jahr eine wirklich famose Saison hingelegt. Sein Speed ist schon irre, seine Fahrzeugbeherrschung in allen Wetterlagen ebenfalls. Wenn da nicht seine teilweise überharte und unsaubere Fahrweise wäre. Tatsächlich gönnen würde ich es Red Bull und Honda, die in diesem Jahr wirklich grandiose Arbeit geleistet haben.
Abschied nehmen heißt es allerdings vom Chassis, das wir seit einigen Jahren gewohnt sind. Die aerodynamisch komplexen Autos werden in Rente geschickt und im nächsten Jahr durch die neuen Autos ersetzt. Ebenso verschwinden die charakteristischen Reifengrößen. Ab 2022 gibt es 18-Zoll Reifen, die in Abu Dhabi auch noch in der nächsten Woche getestet werden.
Strategie:
Wie erwähnt gibt es C3, C4 und C5 von Pirelli. Die roten Soft wird man meiden wollen, Q2 wird man mit dem Medium erledigen. Das lässt dann in Sachen Strategie wenig Möglichkeiten. Allerdings ist die Strecke durch den Umbau schneller geworden und man wird schauen müssen, wie sich das auf die Reifen auswirkt. Kann man mit den Hard durchfahren? Wenn sich da nichts geändert hat, dann wird es Ein-Stopp-Rennen. Hier ist dann die Frage nach einem Undercut. Der ist mit den C3 nicht so leicht, weil die Reifen länger benötigen, um auf Temperatur zu kommen. Eher sehe ich einen Overcut, auch wenn man dann etwas zurückfällt. Dafür hat man dann gegen Rennende die besseren Reifen. Hier ist dann entscheidend, wie gut man auf dem Kurs nach Umbau überholen kann.

