In Jeddah könnte schon eine Vorentscheidung in der Fahrer-WM fallen. Doch vieles spricht dafür, dass Mercedes und Hamilton das Rennen dominieren werden.
Über die Frage, ob die Formel Eins, wie auch andere Serien, überhaupt in Saudi-Arabien starten sollte, kann man lange diskutieren. Das Land gilt jetzt nicht gerade Hort der Demokratie und die Vorgänge um den 2018 ermordeten Journalisten und Kritiker des Landes, Jamal Ahmad Khashoggi, sind nur ein Beispiel. Freiheitsrechte, LGBTQ+ Rechte und andere Dinge werden in Saudi-Arabien nicht gerade an vorderster Front propagiert. Da freut man sich schon, wenn Frauen ohne Aufsicht Auto fahren dürfen. Hurra.
Die Formel Eins argumentiert, wie viele andere Sportorganisatoren auch, dass der Sport dafür sorgen kann, dass ein Land sich für mehr Freiheitswerte öffnet. Wie man durch die vielen Sportveranstaltungen und olympischen Spielen in China in der letzten Dekade ja unbedingt feststellen konnte /ironie off. Immerhin setzt die Formel Eins ihre normalen Rituale durch. Das „Race for One“ wird stattfinden und zumindest zwei Fahrer setzen Zeichen. Lewis Hamilton wird wie in Katar seinen Regenbogenhelm tragen und Sebastian Vettel hat gestern ein Kart-Event ausschließlich für Fahrerinnen abgehalten.
Das sind gute und wichtige Aktionen, aber die letzten Jahre haben gezeigt, dass Sportveranstaltungen gar nichts verändern. Schon gar nicht die Formel Eins. Die Hoffnung, dass ein paar bunte Autos ein Land, religiöse oder politische Einstellungen verändern, ist dann vielleicht auch etwas zu viel verlangt. Auf der anderen Seite ist das Argument, dass wenn man gar nichts macht auch nichts anstoßen und verändern kann, auch richtig. Ausgrenzen ist auch keine Lösung.
Zum Sport. Da war ja was. Acht Punkte Vorsprung hat Max Verstappen in der WM. Das ist gewissermaßen nichts, schon gar nicht nach 21 Rennen. Das Layout der Strecke in Jeddah ist, gelinde gesagt, ungewöhnlich.
Wie man da überholen will, muss man sehen. Was mir, zumindest in den Simulationen, überhaupt nicht gefällt, sind die mangelnden Auslaufzonen, aber auch da warte ich mal auf die reale Ansicht. Generell spricht die Strecke eher für die Mercedes, die in den letzten Rennen beim Topspeed klar vorne waren. Für die letzten beiden Rennen bekommt Hamilton wieder den neuen Motor aus Brasilien ins Heck gepflanzt, was ihm einen leichten Vorteil verschaffen sollte. Die Zielrichtung der Mercedes ist auch klar: Man will beide Autos in die erste Startreihe bekommen und aus dem Rückstand in der WM für das letzte Rennen am folgenden Wochenende einen Vorsprung machen.
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, dementsprechend ist man im Red Bull Lager nervös. Schon im Vorfeld hat man angekündigt, eventuell Protest gegen den neuen Heckflügel von Mercedes einzulegen. Ob man das dann auch macht, ist eine andere Frage, zumal die FIA die Legalität des Flügels schon bestätigt hat. Aber ein Versuch ist es immer wert und es lenkt den Gegner ab. Helfen wird es Red Bull aber nicht, sollten die Mercedes in Jeddah deutlich schneller sein.
Ferrari und McLaren streiten sich noch um P3 in der WM, aber die Chancen, dass die Briten den Rückstand auf Ferrari aufholen können, ist eher gering. Selbst wenn beide Ferrari in beiden Rennen ausfallen sollten, müsste mindestens ein McLaren schon auf dem Podium landen um die fehlenden 39.5 Punkte aufzuholen. Ferrari dürfte zufrieden sein, dass man sich als dritte Kraft etabliert hat. Auch wenn der Abstant zu den beiden Top Teams bei rund 250 Punkten liegt.
Im Kampf um P5 scheint sich Alpine durchgesetzt zu haben. Das sollte man auch so erwarten. Aber ganz raus ist Alpha Tauri noch nicht. Das Auto sollte in Jeddah schnell sein und bei den Alpine bin ich mir da nicht so sicher, ob sie die schnelle Strecken mögen. Dafür müsste dann allerdings auch Yuki Tsunoda abliefern und mal wieder Punkte holen. Aber auch hier wird es schwer, denn der Rückstand beträgt 25 Punkte.
Strategie:
Schwer zu sagen, da niemand die Strecke kennt. Pirelli bringt C2, C3 und C4 Reifen nach Saudi-Arabien, was auf dem Kurs passt. Aufgrund der hohen Geschwindikeiten wird keine Nummer weicher gehen können. Da der Asphalt der Strecke brandneu ist und erst vor drei Wochen fertiggestellt wurde, könnte dies zu Problemen führen. Neuer Asphalt ölt ja noch ein wenig und da er, laut Pirelli, eh nicht besonders viel Traktion bietet, könnte das zu Problemen an den Hinterreifen führen. Da es aber auch kaum seitliche Belastungen auf die Reifen gibt, gehe ich davon aus, dass man mit einem Stopp durchkommen wird.
Bilder: Pirelli
