Die F1 kehrt aus der Sommerpause zurück und startet wie gewohnt in Spa in die zweite Saisonhälfte.
Liberty Media hat es wirklich nicht leicht. Im letzten Jahr musste man aus dem Stehgreif einen Kalender zusammenstückeln, was erstaunlich gut gelang. Auch in diesem Jahr macht Covid-19 den Organisatoren zu schaffen. Das Rennen in Japan wurde zum zweiten Mal abgesagt und ein Ersatz ist bisher nicht in Sicht. Nach der Absage von Australien holte man die Türkei zurück in den Kalender, aber ein Ersatz für Japan ist schwer zu finden, ohne den restlichen Kalender über den Haufen zu werden. Man müsste genau am 10. Oktober einen Kurs in Europa finden, denn danach werden die Autos in Richtung des amerikanischen Kontinents geschickt. Es gibt Überlegungen zweimal in COTA zu fahren.
Ich stelle das deswegen der Vorschau voran, weil die Anzahl der Rennen in diesem Jahr über den WM-Titel entscheiden kann. Lewis Hamilton und Max Verstappen trennen gerade mal acht Punkte und jedes Rennen bietet mehr Chancen für den Titel. So eng, wie es in diesem Jahr ist, können schon Kleinigkeiten entscheiden und ein Rennen mehr oder weniger ist keine Kleinigkeit.
In den vergangenen Jahren hat sich die WM meist schon mit einem guten Lauf der Mercedes im Sommer entschieden. Meist hat man dann mit mehreren Siegen im September nachgelegt, um die WM zu zementieren. Das wissen natürlich alle und dementsprechend dürften die Rennen in Spa, Zandvoort und Monza schon eine kleine Vorentscheidung. Wer nach diesen drei Rennen im Hintertreffen ist, wird es schwer haben. Denn nach Russland und der Türkei geht es dann voraussichtlich auf die Welt-Tour und hier sind die Update-Möglichkeiten am Auto eher begrenzt. Dazu kommt, dass man sowieso 2022 im Fokus haben wird.
Die Frage, ob Mercedes oder Red Bull sich besser für den Herbst aufgestellt haben, ist natürlich jetzt nicht zu beantworten. Sicher hat Mercedes im Juli nachgelegt, nachdem man fünf Niederlagen hintereinander einstecken musste. Vor allem bei der Motorleistung scheint es einen Schub gegeben zu haben. Dennoch scheint das diesjährige Chassis von Mercedes mehr Limitationen zu haben, als das von Red Bull. Die können sich auf verschiedenen Strecken besser aufstellen und Mercedes verliert vor allem viel Zeit am Freitag auf der Suche nach der besten Abstimmung. Die größten Zeitsprünge sieht man oft bei Mercedes, nicht bei Red Bull.
Eine große Rolle wird der zweite Fahrer im Team spielen. Und auch hier hat Mercedes einen Nachteil. Mit ziemlicher Sicherheit wird man Bottas im nächsten Jahr durch Russell ersetzen. Das wird man dem Finnen irgendwann mitteilen müssen, damit der sich auf die Suche nach einem neuen Team begeben kann. Aber ein aufgrund dessen demotivierter Bottas wird vermutlich nicht ganz so auf der Höhe sein wie Perez, der noch um seinen Sitz im nächsten Jahr kämpfen muss. Hier hat Red Bull einen leichten Vorteil im Kampf um die WM.
Hinter den beiden Top-Teams wird es auch spannend. McLaren und Ferrari werden sich um P3 in der WM prügeln und auch hier ist es sehr eng. Beide Teams haben zum Start der zweiten Hälfte der Saison 163 Punkte in der WM. Jedes Rennen wird zählen und Ferrari hat zwei kleine Vorteile. Zum einen bekommt man ein Motor-Upgrade das einiges an Leistung bringen soll. Dazu kommt Carlos Sainz, der sich deutlich besser bei seinem neuen Team eingefunden hat, als dies Ricciardo bei McLaren gelungen ist. Die letzten Rennen brachten zwar kleine Fortschritte beim Australier, aber er ist immer noch weit von den Leistungen entfernt, die man von ihm gewohnt ist.
Um P5 wird auch noch gekämpft. Hier sind es Alpine (77 Punkte) und Alpha Tauri (68), die im Zweikampf sind. Aber hier sehe ich klare Vorteile beim Werksteam. Zum einen hat sich Alpine im Laufe der Saison wirklich stark verbessert, zum anderen haben auch Fernando Alonso und Esteban Ocon ihre Form gefunden. Da Alpine mehr Möglichkeiten hat das Auto in den nächsten Rennen noch mit Upgrades zu versehen, dürften die Franzosen im WM-Kampf auch die Nase vorne haben.
Um P5 würde auch gerne Aston Martin mitkämpfen, aber dafür ist man zu schlecht in die Saison gestartet. Nicht geholfen hat die Disqualifikation von Vettel beim letzten Rennen in Ungarn. Die nun fehlenden 18 Punkte schmerzen natürlich sehr, denn mit diesen Punkten hätte man 66 Punkte wäre mitten im Kampf um P5. So sind es nur 48 Punkte und damit 29 weniger als Alpine. Da müsste man schon ein oder zweimal auf Podium kommen, um noch etwas auszurichten. Immerhin zeigt Vettel in den letzten Rennen eine enorm gute Form und rechtfertigt seinen Einsatz.
Ganz hinten werden Williams (10 Punkte), Alfa (3 Punkte) und Hass (0) die Plätze ausmachen. Ich hatte es schon mal geschrieben, aber Alfa ist für mich die Enttäuschung des Jahres. Von den Möglichkeiten des Teams her müssten sie mindestens auf Höhe der Alpha Tauri sein, aber davon ist man meilenweit entfernt. Das wird sich in der zweiten Saisonhälfte auch nicht ändern. Das Auto ist schlecht und das wird man auch nicht ändern können. Leichte Hoffnung gibt es vielleicht mit dem Motor Update von Ferrari, aber das wird nicht genug sein um die Alfa regelmäßig in die Top Ten zu bekommen.
Williams dürfte mit den 10 Punkten schon zufrieden sein, aber generell entwickelt sich das Team langsam aber sicher in die richtige Richtung. Viel wird für 2022 davon abhängen, wen man als zweiten Fahrer neben Latifi bekommt. Bottas wäre sicher keine schlechte Lösung viele Alternativen hat der Finne sowieso nicht. Bleibt am Ende Haas. Da wird nicht viel passieren und die einzig spannende Frage dürfte sein, wie sich der schon für 2022 bestätigte Mazepin schlagen wird. Der ist in den letzten Rennen besser zurechtgekommen und hat Schumacher durchaus unter Druck gesetzt.
Strategie
Die Strategievorschau kann ich mir in dieser Woche fast sparen, denn schon jetzt ist klar, dass das Wochenende verregnet werden wird. Praktisch alle Wettervorhersagen sprechen von Regen von Freitag bis Sonntag. Ausnahmen gibt es bei der Frage, wie intensiv der Regen wird. Freitag soll es sehr nass sein, Samstag könnte es Lücken geben und Sonntag ist die Sache noch etwas unsicher, aber die Tendenz geht auch zu Regen über den gesamten Tag. Ein nasses Rennen in Spa ist immer so eine Sache, wie wir aus der Vergangenheit wissen. Gerade die Passage Eau Rouge bis zur Schikane oben ist kniffelig, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Sollte es wieder aller Vorhersagen nicht regnen, wird man vermutlich eine Zwei-Stopp-Strategie sehen. C2, C3 und C4 stehen auf dem Programm, aber ich bin mit ziemlich sicher, dass man auf einer vermutlich grüne Strecke ohne Reifenabrieb mit den C3 nicht auf eine Ein-Stopp-Strategie gehen kann. Mit den C4 schon mal gar nicht. Daher sind Zwei-Stopps zwingend. Außerhalb der Top Ten könnte man versuchen auf der harten Variante zu starten, aber auf der langen Strecke, auf der man auch gut überholen kann, verliert man damit einfach zu viel Zeit für einen Overcut.
Bilder: Pirelli, Daimler, Alpine, Renault


