Viel Sand und teilweise schwierige Bedingungen macht die Analyse der Testfahrten nicht einfach.
Wenn man eins nach den Testfahrten nicht weiß, dann ist es die Reihenfolge in der F1. Dass die Testzeiten keinen hohen Wahrheitsgehalt haben, sieht man schon an der Bestzeit von Max Verstappen. Die lag über eine Sekunde unter der Pole-Zeit von Mercedes Ende des letzten Jahres. Es ist zwar schwer zu sagen, ob die aerodynamischen Beschränkungen des Unterbodens die Autos langsamer gemacht haben, aber mehr als eine Sekunde scheint doch eher unwahrscheinlich. Auch die Tatsache, dass Williams am Ende eine ähnliche Bestzeit hatte wie die Mercedes sollte klarmachen, dass sich hier noch einiges verschieben wird. Aber ein paar Dinge konnte man doch sehen.
Mercedes:
Der Klassenprimus der letzten Jahre hatte ein zähes Test-Wochenende. Es gab reihenweise technische Probleme, sei es mit dem Getriebe, sei es mit dem Motor. Vor allem beim Motor waren die Ausfälle auffällig, denn auch Aston Martin beklagte längere Ausfallzeiten vor allem bei Vettel (Turbo, Getriebe). Das mögen anfängliche Sorgen sein, die man nach den Tests in den Griff bekommt, aber dass Mercedes deutlich über 100 Runden weniger drehen konnte als die Red Bull sagt schon einigen aus. Froh wird man bei Mercedes darüber nicht sein. Die Fahrer beklagten unisono ein zickiges Heck, aber da darf man nicht vergessen, dass etliche Fahrer Probleme mit Drehern hatten. Offenbar hat die Reduktion des Abtriebs hinten geholfen um die Autos etwas einzubremsen. Es bleibt aber die Tatsache, dass Mercedes ein für deren Verhältnisse schwieriges Wochenende hatte. Allerdings war der Abstand aus dem letzten Jahr dann wieder so groß, dass man weiter davon ausgehen muss, dass Mercedes am Rennwochenende dann wieder Maß der Dinge sein wird. Vom Auto her muss man sowieso feststellen, dass Mercedes von allen Teams die interessantesten Ideen hat. Die Art und Weise, wie man den Unterboden gestaltet hat, deutet an, wie viel Potential der W12 hat.
Red Bull:
Mal abgesehen vom ersten Tag, an dem man öfters neben der Strecke war, lief bei Red Bull alles ruhig. Der RB16B machte keine Probleme, der Honda lief wie ein Uhrwerk. Kein Wunder, dass Red Bull so die meisten Runden absolvierte und die schnellste Zeit hatte. Offenbar hat sich Adrian Newey darauf beschränkt das letztjährige Chassis einfach zu verbessern und man ist keine großen Risiken eingegangen. Was vor allem für den Start der Saison die vielleicht bessere Variante war. Während Mercedes das aerodynamische Konzept sehr weit getrieben hat, ist man bei Red Bull konservativer geblieben. Die Frage wird hier sein, welche Entwicklungen man innerhalb der Saison nachlegen kann. Sicher wird Red Bull in dieser Saison eine etwas größere Rolle in der WM spielen. Mit Sergio Perez hat man einen echten Nummer Eins Fahrer, der schon bei den Tests zeigte, dass ihm der Red Bull gut liegt. Der Mexikaner selbst glaubt aber, dass er rund fünf Rennen benötigen wird um das Auto zu 100 Prozent im Griff zu haben.
McLaren:
Die Briten sind vielleicht die erste kleine Überraschung des Tests. Das zeigt sich zwar nicht in den Testzeiten, aber die gesamte Performance am Wochenende war schon sehr beeindruckend. Fast problemlos und sehr schnelle Rennsimulationen sorgten für hochgezogene Augenbrauen im Paddock. Die Augen der Aero-Spezialisten richtete sich vor allem auf die Front und den Bereich um die Barge Boards. Hier scheint McLaren eine sehr innovative Lösung gefunden zu haben. Dass man ab diesem Jahr auch den Mercedes Motor im Heck hat, wird sicherlich auch nicht schaden. Insgesamt machte McLaren am letzten Wochenende den Eindruck, als habe man einerseits einen Schritt nach vorne gemacht, um sich auf P3 in der Meisterschaft zu halten. Angesichts der Fortschritte bei Red Bull scheint es aber unwahrscheinlich, dass McLaren die beiden Top Teams näher gekommen ist. Die Saison wird darauf herauslaufen Alpine und Aston Martin hinter sich zu halten.
Aston Martin:
Wenig überraschend hat Aston das Chassis aus dem letzten Jahr nur leicht überarbeitet. Immerhin hat man jetzt auch die das Heck des Mercedes aus dem letzten Jahr, also inklusive der innovativen Aufhängung. Das sollte einiges bringen. Allerdings lief es für Aston nicht ganz rund in Bahrain. Probleme mit dem Motor und dem Getriebe versauten vor allem den Einstand von Vettel, der 100 Runden weniger drehen konnte als sein Teamkollege. Es fällt daher ein wenig schwer einzuschätzen, wo Aston mit dem überarbeiteten Chassis steht. Nah an McLaren? Hinter Alpine und Ferrari? Wird man in den ersten Rennen sehen.
Alpine:
Alles neu bei diesem Team. Neues Chassis, neuer Motor, neuer (alter) Fahrer. Auffällig am Alpine ist die riesige Lufthutze und Motorabdeckung. Man erklärte die aufgeblähte Hutze mit einem neuen Kühlkonzept des Renault-Motors. Offensichtlich hat man sich für sehr kleine Lufteinlässe an der Seite entscheiden. Der leichten Aero-Nachteile der breiten Lufthutze scheinen von den Vorteilen der kleinen Seitenkästen ausgeglichen zu werden. Neu ist die Idee nicht, aber seit dem Ligier JS5 hat man sowas nicht mehr gesehen. Ganz so voluminös wie der Ligier ist der Alpine nicht, aber ich bin gespannt, ob die Idee wirklich Vorteile bringt. Bei den Testfahrten sah man nicht schlecht aus. Das neue Chassis wirkte ausgewogen und stellte die weder Ocon noch Alonso vor große Probleme. Alpine wird nicht den großen Schritt gemacht haben, aber solide in den Top Ten sein.
Ferrari:
Das Chassis des Ferrari ist nicht neu, aber der Motor ist es. Nachdem man im letzten Jahr mit dem von der FIA zwangskastrierten 2019er Motor unterwegs war, hat man in diesem Jahr für sich und die Kunden einen neuen Motor im Angebot. Und der lief bei allen dann auch sehr zuverlässig. Ferrari hat am SF21 Chassis einige interessante Details, wie zum Beispiel die kleinen Ohren in der Mitte der Nase auf beiden Seiten. Bisher sind sie die einzigen, die so etwas haben. Insgesamt bliebt Ferrari in Bahrain ziemlich unter dem Radar. Man spulte seine Runden ab und blieb wohl auch sehr konservativ mit der Betankungung. Die Italiener sollten in diesem Jahr auf jeden Fall weiter vorne kommen und es wäre ein bisschen verwunderlich, wenn sie nicht mit Alpine und McLaren um P3 kämpfen könnten. Aber wie gut sie die Probleme aus dem letzten Jahr in den Griff bekommen haben, bleibt abzuwarten.
Alpha Tauri:
Die zweite kleine Überraschung des Tests war vielleicht Alpha Tauri. Man weiß natürlich nicht, wie viel Sprit im Auto war, aber insgesamt machte das Team eine sehr guten Eindruck. Auffällig am AT war der doch recht große Stufe im oberen Bereich, die der Red Bull in ähnlicher Form hat. Offenbar hat man die Vorderradaufhängung des letzten Jahres kopiert (oder bekommen). AT wird nicht den riesigen Sprung gemacht haben, aber schon im letzten Jahr war man ja auf einigen Strecken sehr gut unterwegs, wie der Sieg von Gasly in Monza unterstrichen hat. Wenn es AT gelungen ist die Schwächen der letzten Saison auszugleichen, ist das Team durchaus in der Lage im engen Mittelfeld regelmäßig mitzuschwimmen.
Alfa Romeo:
Mit teilweise sehr guten Testzeiten zeigte sich Alfa am Wochenende. Aber bekannt ist auch, dass Alfa bei den Tests gerne mal mit weniger Sprit im Auto unterwegs ist. Von daher sind die Zeiten mit etwas Vorsicht zu geniessen. Zu wünschen wäre es Alfa, dass sie in diesem Jahr etwas besser unterwegs sind. Kleine Anzeichen, dass das Auto nicht ganz so schlecht war, gab es schon im letzten Jahr. Aber es fehlte doch einiges, um regelmäßig in die Punkte zu kommen. Kann sich dieses Jahr daran etwas ändern? Mit dem neuen, verbesserten Ferrari-Motor gibt es zumindest etwas Hoffnung. Es gibt durchaus interessante Detail-Lösungen am Alfa, vor allem an der Front, die man komplett überarbeitet hat. Aber wie gut das Auto ist, wird man erst in den kommenden Rennen sehen.
Haas:
Von den Amerikanern sollte man in diesem Jahr wenig erwarten. Die Veränderungen am schwachen 2020er-Chassis sind moderat und man hat schon angekündigt, dass man aus finanziellen Gründen das Auto nicht weiter entwickeln wird. Das sind dann eher Voraussetzungen dafür, dass man in diesem Jahr wieder am Ende des Feldes sein wird. Der neue Ferrari Motor wird sicher etwas mehr Performance bringen, aber die Entwicklungsschritte der anderen Teams scheinen so groß zu sein, dass man wenig Chancen haben wird. Die Tests liefen ruhig, Mazepin und Schumacher leisteten sich keine Fehler. Es wird für beide Fahrer ein Lehrjahr werden. Angesichts der Tatsache, dass Haas in diesem Jahr eher schlecht dastehen wird, sinkt somit auch die Erwartung an beide, was vor allem für den jungen Schumacher nicht schlecht sein wird.
Williams:
Die Frage wird sein: Kann das Team den Anschluss ans hintere Mittelfeld schaffen? Aber daran schließt sich die Frage an, ob es angesichts der engen Konkurrenz überhaupt ein hinteres Mittelfeld gibt. Der Abstand des Teams am Ende des letzten Jahres war schon etwas geschrumpft, so dass Russel regelmäßig in Q2 gelangen konnte. Das sollte auch das Ziel für 2021 sein, aber leicht wird das nicht. Immerhin scheint der überarbeitete Williams, der im übrigen teilweise immer noch auf dem 2019er Auto basiert, ein Schritt nach vorne zu sein. Russel zeigte sich bei den Tests angetan von den Fortschritten. Hilfreich ist sicherlich, dass die neuen Inhaber des Teams ihr Versprechen wahr machen und mehr Geld ins Team stecken. Positiv bleibt auch anzumerken, dass die neue Lackierung auf der Strecke deutlich besser aussieht, als auf den Bildern.
Bilder: Daimler AG, McLaren, Aston Martin, Alpine, Ferrari, Alfa Romeo/Sauber, HaasF1, Williams F1


































