Viel spricht nicht dagegen, dass Lewis Hamilton seinen fünften WM-Titel in Mexiko wird gewinnen können.
Die schon fast magische Auferstehung von Ferrari beim letzten Rennen ist immer noch in der Diskussion. Laut Sebastian Vettel hat man sämtliche Updates der letzten vier Monate (!) vom Auto genommen. Um dann festzustellen, dass man mit einem Auto Stand Juli 2018 immer noch auf dem gleichen Niveau unterwegs ist, wie die Mercedes mit allen Updates. Der Vorfall umschreibt so ein bisschen auch, was in der Formel Eins manchmal schief läuft. Da steckt man etliche Millionen in ein Update-Paket, was das am Ende das Auto langsamer macht, als es vorher war. Weil man aber viel Geld dafür ausgegeben hat, und weil Updates halt immer etwas verbessern, lässt man es dann drauf. Dabei hätte Ferrari mit einem Rückbau vor dem Rennen in Japan die WM durchaus noch drehen können.
Dafür ist es jetzt zu spät. Aber natürlich nicht, um noch ein paar Rennen zu gewinnen. Nach der Form, die Ferrari dann wieder in den USA gezeigt hat, sollte das in Mexiko durchaus drin sein. Allerdings ist ein Abstand zwischen beiden Teams praktisch nicht vorhanden und liegt wenn bei der Wahl der Reifen, dem Asphalt und der Streckentemperatur. Auch das könnte Ferrari am kommenden Wochenende in die Hände spielen.
Im letzten Jahr gelang Red Bull eine kleine Überraschung, als sie in Mexiko gewinnen konnten. Das lag allerdings auch daran, dass Vettel und Hamilton in der ersten Runde kollidierten und beide an die Box mussten und Verstappen den Red Bull schon in der Quali im letzten Jahr auf P2 gefahren hatte. Warum dem Red Bull die Strecke so gut liegt, ist ein kleines Rätsel, denn der Renault Motor sollte wegen der langen Geraden unterlegen sein. Aber auch in diesem Jahr sah man in Austin, dass dem Red Bull die lange Gerade wenig ausgemacht hat. Man fährt einfach deutlich weniger Abtrieb, was dann wieder dem Topspeed zu Gute kommt.
Wie immer dürfte in Mexiko die lange Anfahrt zur ersten Kurve nach dem Start interessant sein. Die Pole ist hier eher ein Nachteil, weil die Strecke breit ist und man nicht beide Seiten abdecken kann. Entweder verliert man gegen den Fahrer von P2 oder gegen den von P3. Es ist fast besser, wenn man sich in der Quali vielleicht mit P2 begnügt, allerdings ist das bei den engen Abständen noch schwieriger zu bewerkstelligen, als die Pole zu holen.
Beim „Best of the Rest“ Rennen dürfte es wie schon in den letzten Rennen eng zwischen HassF1 und Force India zu gehen. Zwar hatte Renault in Austin die Nase vorne, aber so recht will ich noch nicht daran glauben, dass die Franzosen wirklich wieder die Nase vorne haben. Zu unstet waren die Ergebnisse der letzten Rennen, während es vor allem für Haas doch deutlich aufwärts ging. Sicherlich wird nach den letzten eher zähen Läufen auch Sauber wieder eine Rolle im Kampf um die letzten Punkteplätze spielen.
Gerade zu desaströs ist die Lage bei Williams und McLaren. Es mag daran liegen, dass beide Teams das Handtuch geschmissen haben und sich nun voll auf 2019 konzentrieren. Aber das man in Austin mit den neuen Autos langsamer als im letzten Jahr war, ist schon eine kleine Bankrotterklärung. Vor allem im Fall von McLaren. Dort ist im übrigen auch wieder Pat Fry aufgetaucht, der das Team wohl erneut umkrempeln soll.
Wie es bei Williams weiter geht ist, nicht klar. F2 Champion George Russel ist sicher, wer das zweite Cockpit bekommt, ist unklar. Sirotkin wird es wohl eher nicht sein. Williams wird sich wohl zwischen Robert Kubica und Esteban Ocon entscheiden. Ocon hat kaum Sponsoren und Mercedes scheint nicht gewillt zu sein dem eigenen Schützling etwas Geld in die Hand zu drücken. Für ihn spricht allerdings seine Erfahrung und die Ergebnisse bei Force India. Kubica hat angeblich 10 Millionen Dollar in der Tasche und wäre in Sachen Marketing zumindest beim Start der Saison sicher bares Geld wert. Die Frage ist halt, wie gut Kubica am Ende mit seiner praktisch einhändigen Fahrweise wirklich ist.
Strategie
Da Pirelli die drei weichsten Mischungen (Supersoft, Ultrasoft, Hypersoft) mitbringt, könnte die Sache interessant werden. Der Kurs in Mexiko fordert die Reifen allerdings auch nicht besonders stark, so dass man durchaus mit einem Stopp durchfahren könnte. Das hängt dann davon ab, wie man Q2 überlebt. Wegen der oben beschrieben Anfahrt zu ersten Kurve mag der Start auf den Hypersoft auf den ersten Metern was bringen, aber dann kommt man im Windschatten auch so an der Konkurrenz vorbei. Wer also auf den Ultrasoft ins Rennen gehen wird, hat gute Karten für eine Ein-Stopp-Strategie in der Hand.
Wer zweimal stoppen will, wird die Supersoft für den Zwischensprint nehmen um dann am Ende die Ultrasoft zu nehmen. Im Falle eines Safety Cars hat da gute Chancen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Ferrari gleich drei Sätze der Ultrasoft genommen hat. Bei Mercedes und Red Bull sieht es allerdings ähnlich aus. Ein weiterer Vorteil der Wahl: man kann kurzfristig entscheiden, wie man die Strategie splitten will.
