Es war heiss und es ging eng zu. Am Ende gewann der Polesitter, der aber gar nicht auf der Pole gestanden hatte.
Wie schon in Watkins Glen vor einer Woche, war es auch in Mosport ungewöhnlich heiss. Und wie im Rennen zuvor, hat das Wetter einen Einfluss auf das Rennen. Wie in der Analyse zu Watkins Glen schon beschrieben, leiden die DPi unter der in der Hitze dünneren Luft etwas mehr, als die LMP2. Die sind eh mit der „High Downforce“ Variante unterwegs und können dank der Hitze dennoch mehr Abtrieb produzieren. Was auf dem Kurs in Mosport, der über viele schnellen Kurven verfügt, natürlich hilft. Die IMSA hatte auf den Sieg des JDC Oreca 07 reagiert und die DPi in der BoP etwas angehoben. Die Cadillac bekamen einen 0,3mm größeren Restrictor und zwei Liter mehr Sprit. Mazda und Nissan bekamen minimal mehr Ladedruck im oberen Drehzahlbereich um deren Topspeed zu erhöhen. Der Rest des Felder wurde nicht angerührt.
Die kleinen Veränderungen brachten die DPi zwar wieder in Schwung, die Pole gewann aber dennoch erneut der Core Autosport Oreca 07 mit Colin Braun am Steuer. Doch schon wie in Watkins Glen entschied sich Core dazu, Teambesitzer Jonathan Bennett zum Start ins Auto zu setzen und die Pole aufzugeben. Was beim Langstrecken Rennen in Watkins Glen verständlich war, sorgte in Mosport zumindest für Verwunderung. Es ist verständlich, dass man mit Bennett startet. Der Gründer von Core Motorsport verlor auf die Spitze in Kanada rund knapp zwei Sekunden pro Runde. Auf der anderen Seite verliert man noch mehr Zeit, wenn man hinter den Prototypen startet. Sicher wird Bennett vom gesamten Feld in den ersten Runden überholt, aber am Ende verliert man so weniger Zeit. Core verlässt sich bei seiner Strategie aber vor allem darauf, dass es vor allem im kurzen Stint von Bennett eine Caution gibt. Sobald Braun im Auto sitzt, kann der den Rückstand dann aufholen. So die Theorie.
Tatsächlich hatte Core im Rennen das Glück, dass man für diese Strategie benötigt hatte. Vorne ging es zunächst zwischen den Acura, dem WRT, dem Whelen und, zumindest zeitweise, einem Mazda relativ eng zu. Doch bevor sich ein Team absetzen konnte, folgte nach nicht mal 20 Minuten schon die erste Caution, ausgelöst durch einen stehen gebliebenen Porsche aus GTD. Besser hätte es für Core nicht laufen können. Man ließ Bennett seine Minimalzeit unter Gelb abfahren, kam kurz vor Ende der Caution rein und setzte dann Colin Braun ins Auto. Der erlebte den Restart dann als letzter in der Gruppe der Prototypen, aber halt mit relativ wenig Abstand zur Spitze.
Das Rennen blieb durch verschiedene Cautions zerrissen, so dass sich vorne niemand absetzen konnte. Auch das spielte in die Hände von Core Autosport, die tatsächlich auch das schnellste Auto auf der Strecke hatten. Zwar war der Acura mit Cameron und Montoya auf eine Runde schneller, aber im Schnitt war es der Oreca, der die besseren Rundenzeiten hatte. Vor allem gelang Braun das Kunststück, sich durch das gesamte Feld zu fahren. Im Verlauf des Rennens hatten sich nur der ESM-Ligier (Turbolader) und ein Mazda verabschiedet, also lag eine Menge Arbeit vor Colin Braun.
Dank diverser Caution gelang Colin Braun eine der besten Rennen seiner Karriere. Einen nach den anderen schnappte sich der mittlerweile etablierte Pilot und ließ die versammelte Prominenz hinter sich. Am Schluss lag nur noch der WRT vor ihm in dem Jordan Taylor saß. Der wehrte sich mit allem, was er hatte, aber 20 Minuten vor Schluss konnte Braun auf der langen Gegengerade nicht halten und Braun ging außen an ihm vorbei. Es gab ein kurzes Durcheinander, da fast zeitgleich eine weitere Caution auftauchte. Aber nachdem die IMSA ein bisschen recherchiert hatte, konnte Braun die Spitze vor dem Restart übernehmen. Die letzten Minuten des Rennens zog er dem Feld dann auf und davon und sorgte für den ersten Sieg von Core bei den Prototypen in der IMSA.
Dass der Oreca von Core so gut geht, ist auf den ersten Blick vielleicht erstaunlich. Auf den zweiten Blick stecken dahinter drei Personen. Da ist vor allem Teamgründer Jonathan Bennet. Als Geschäftsmann gehört ihm seit 1992 das Unternehmen Composite Resources, die unter anderem auch als Teile-Lieferant für die NASCAR gearbeitet hat. Bennett ist seit Anfang 2000 als Rennfahrer unterwegs und 2010 gründete er dann Core Autosport. Nachdem 2014 Level 5 Motorsport aufgelöst wurde (Gründer Scott Tucker wurde wegen Betrugs verhaftet) schnappte sich Bennett deren Technischen Direktor Jeff Braun, den er sowieso schon über dessen Sohn Colin kannte, der wiederum schon bei Bennett unterwegs war. Jeff Braun brachte mit seiner Erfahrung noch mehr Professionalität ins Team, was den Aufstieg in die Prototypen-Klasse ermöglichte. Zuvor hatte Core die LMPC Klasse dominiert. So sind es also die beiden Brauns und die Teamführung von Bennett, die für den Aufstieg des Teams hauptsächlich verantwortlich sind.
GTLM
Nicht weniger dramatisch ging es in der GTLM zur Sache. Die Strecke war wie gemacht für die Porsche, aber die IMSA hatte die BoP auch ein bisschen zugunsten der Corvette und BMW geändert. Tatsächlich lagen die Porsche zunächst an der Spitze, aber immer gejagt von den Corvette. BMW entschied sich für eine etwas andere Strategie, weil man auf der Strecke mit dem groß geratenen M8 im direkten Vergleich zur Konkurrenz etwas langsamer war. Da die Cautions aber zunächst für BMW günstig fielen, konnte BMW die Spitze halten. Aber es sollte nicht das Rennen der Deutschen sein. Zum einen sorgte ein Bruch der Aufhängung nach einer leichten Berührung mit einem Porsche bei der #24 für einen Ausfall, zum anderen fielen die Cautions nicht so, wie es BMW am Ende benötigt hätte.
Aber auch die Porsche lief es nicht, wie gewünscht. Ein Reifenplatzer bei #912 nahm das Auto zunächst aus dem Rennen um die Spitze. Die #911 lag konstant im Kampf mit den beiden Corvette, die sicher wiederum gegenseitig um den Kurs schoben. Ein kleiner Fehler von Pilet beim Anbremsen vor der langen Gerade sorgte dann dafür, dass die beiden gelben Renner sich am Porsche gemeinsam vorbeischieben konnten. Es entbrannte ein sehenswerter Kampf um die Positionen, die die Corvette am Ende für sich entscheiden konnten.
Aber der Sieg ging nicht an sie, sondern an einen Ford. Das Team hatte die #67 auf eine etwas verschobene Strategie gesetzt, was bedeutete, dass man gegen Ende noch mal an die Box kommen würde müssen. Aber Ford war das Glück hold – die letzte Caution kam knapp 20 Sekunden, nachdem der Ford in die Boxengasse abgebogen war. So konnte man sich den knappen Vorsprung bewahren und den Restart von der Spitze angehen. In der kurzen Zeit bis zum Ende des Rennens hatten die Corvette keine Chance.
GTD
Einen so bunten Mix an unterschiedlichen Autos hatte man in der GTD an der Spitze schon lange nicht mehr gesehen. Die Quali entschieden die beiden Lexus für sich, die das Rennen dann auch zunächst anführten. Doch schnell mischten sich die Acura NSX, der AMG von Riley, der Magnus Audi R8 und der Lamborghini von Paul Miller Racing ein. Es entwickelte sich ein spannendes Rennen, bei dem die Strategie auch eine große Rolle spielte. Die vielen Caution brachten einige Teams etwas außer Tritt. Unbeeindruckt zeigten sich nur die Lexus, der AMG und Audi.
Gegen Ende des Rennen hatte sich dann ein Trio, bestehend aus den drei genannten Fahrzeugen gebildet. Beim letzten Restart lag der Lexus mit Baumann/Marcelli vorne, doch von hinten rauschte der mit frischeren Reifen ausgestattete AMG mit Bleekemolen/Keating ran. In einem sehenswerten Manöver übernahm der AMG dann die Spitze und setzte sich auch nach dem letzten Restart ab. Dahinter musste sich der Lexus gegen einen sehr ungeduldigen Magnus Audi R8 von Potter/Lally wehren, was auf der Ziellinie mit genau 0,095 Sekunden gelang.
Die IMSA macht zwei Wochen Pause, weiter geht es in 14 Tagen in Lime Rock.
Bilder: Courtesy of IMSA


















