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IndyCar: Analyse ABC Supply 500; Vorschau Gateway Park

von Rainer
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Will Power konnte am Sonntag seinen Vorjahrestriumph in Long Pond wiederholen. Er ist der erste Fahrer in der IndyCar-Historie, dem dieses Kunststück gelang.

In Runde 116 hätte wahrscheinlich niemand auch nur einen Dollar auf einen Sieg von Will Power gesetzt. Ein kurioser Defekt am Frontflügel zwang ihn in Runde 66 zu einem unplanmäßigen Boxenstopp. Die Halterung der Einstellschraube für den Flügel war gebrochen. Der Tausch der ganzen Nase dauerte sehr lange, da das Seil, das die Crashbox der Nase mit dem Monocoque verbindet, erst gelöst und dann wieder angebracht werden musste. Dieses Seil wurde nach dem tödlichen Unfall von Justin Wilson 2015 in Pocono eingeführt und ist beim Einsatz des Speedway-Aero-Kits verpflichtend. So fand sich Will Power in Runde 67 im hinteren Drittel des Feldes wieder, aber mit einer Runde Rückstand auf alle anderen Fahrer. Er musste also auf eine günstig fallende Caution hoffen.

Diese rettende Gelbphase löste Sebastien Saavedra in Runde 116 aus. Er rutschte in Kurve 1 nach außen und konnte im Dreck neben der Ideallinie den Kontakt mit der Mauer nicht mehr verhindern. Dies passierte mitten in der Sequenz der Boxenstopps. Da Will Power durch den unplanmäßigen Stopp einen anderen Rhythmus hatte, war er noch nicht an der Box, als Gelb ausgerufen werden musste. Mit den Stopps der restlichen Fahrer in der Führungsrunde während der Caution konnte sich Power zurückrunden.

Will Power war so wieder in der Führungsrunde, aber seine Probleme hielten erstmal an. Beim Restart fand er sich natürlich am Ende des Feldes wieder. Die IndyCar-Starts und -Restarts sind immer etwas wild und das gilt besonders für Pocono mit der unglaublich breiten Start- und Zielgeraden. Schon beim Start fächerte das Feld auf sieben Wagen nebeneinander auf. Und nun beim Restart in Runde 122 wurde es um Will Power herum zu eng. Dabei touchierte ein anderer Fahrer den Abweiser hinter Powers linkem Hinterrad, der danach, inklusive aufsitzendem Flügelelement, nur noch im Wind flatterte. Ein Reparaturstopp unter Grün hätte ihm wieder mindestens eine Runde gekostet. Wieder bekam er aber Hilfe von seinen Kontrahenten.

In Runde 124 versuchte sich James Hinchcliffe, innen in Kurve 1 neben J.R Hildebrand zu setzten. Es gab dort aber keine Lücke und so kollidierten beide und drehten sich in die Wand. Will Power nutzte die Caution natürlich für den Reparaturstopp. Dabei wurde das ganze Heckteil, inklusive Heckflügel getauscht. Außerdem holte man auch Josef Newgarden, für neue Reifen und einen vollen Tank, an die Box. Genau hier spielte Team Penske die Strategiekarte aus, die am Ende den Doppelsieg einbringen sollte.

Bis dahin waren die Chevrolets von Team Penske mehr oder weniger chancenlos gegen die Hondas von Andretti Autosport, Chip Ganassi Racing, Schmidt Peterson Motorsport und Rahal Letterman Lanigan Racing. Die erste Rennhälfte dominierte Scott Dixon mit 51 Führungsrunden. Sein größter Konkurrent war Alexander Rossi. Aber auch Tony Kanaan, James Hinchcliffe, Graham Rahal und Ryan Hunter-Reay sammelten Führungsrunden. Selbst Marco Andretti übernahm für neun Runden die Spitze des Feldes. Auffällig war nur, dass Pole-Sitter und Indy-500-Sieger Takuma Sato schnell nach hinten durchgereicht wurde (L5, P5; L7, P9; L10, P13; L15, P15) und auch nicht mehr nach vorne kam. Er hatte auf ein Setup mit wenig Abtrieb gesetzt und hatte dann in der Dirty-Air des Feldes keine Chance.

Nach dem Restart in Runde 132 lieferten sich Tony Kanaan und Graham Rahal ein unfassbares Duell an der Spitze. Die Führung wechselte dabei unzählige Male. Bis zur nächsten Boxensequenz ab Runde 151 zählte die IndyCar Series 15 Führungswechsel. Teilweise kam es aber in den Kurven 1 und 3 zu Überholmanövern, sodass nicht jeder Tausch in der Statistik auftaucht. Als in Runde 154 die letzten Fahrer im normalen Rhythmus die Box ansteuerten, übernahmen Will Power und Josef Newgarden, die durch ihr Nachtanken während der letzten Gelbphase einige Runden länger fahren konnten, die Führung. Natürlich nur für kurze Zeit, da sie in Runde 150 noch auf den Plätzen 9 und 11 gelegen hatten. Als Power in Runde 161 aus der Boxengasse kam, lag er aber immer noch in Führung, und das mit sehr komfortablen 4,5 Sekunden vor Tony Kanaan. Der Vorjahressieger hatte innerhalb von elf Runden, inklusive des Stopps, der aber nur 0,7 Sekunden schneller war, fast acht Sekunden auf Tony Kanaan gutgemacht.

Will Power war auf gebrauchten Reifen, aber mit leerem Tank deutlich schneller als das Feld. Mit dem Wechsel von Front- und Heckflügel hatte Team Penske die perfekte Abstimmung für Power gefunden. Dazu hatte er den Vorteil der Clean-Air an der Spitze und er konnte, ohne Rücksicht auf eventuelle Angriffe der nachfolgenden Fahrer nehmen zu müssen, jede Kurve ideal anfahren. Eine besondere Rolle fiel dabei Kurve 3 zu, denn nur wenn man sie flat-out durchfahren konnte, erreichte man auf der langen Start- und Zielgeraden die Höchstgeschwindigkeit. Genau hier lag das Problem von Scott Dixon später im Rennen, der eben nicht mehr flat-out durch Kurve 3 kam, weil er und sein Team sich etwas im Feintuning der Aerodynamik vertan hatten. Am Ende blieb für den Neuseeländer nur Platz 6. Er verlor so wieder wertvolle Punkte im Kampf um die Meisterschaft.

Will Power konnte seinen Vorsprung ab Runde 161 auch halten, weil Tony Kanaan und Alexander Rossi sich um Platz 2 ein enges Duell lieferten. Trotzdem war ihm der Sieg noch nicht sicher, da vor dem Ende noch eine Runde von Boxenstopps anstand. In Runde 176 eröffnete Scott Dixon die Sequenz der finalen Stopps. Team Penske coverte diesen Move und holte Will Power eine Runde später an die Box. Hier machte das Team es noch einmal spannend. Eigentlich hätte Power länger draußen bleiben beziehungsweise durch einen deutlich kürzeren Tankvorgang Zeit einsparen können. Man entschied sich aber auch für eine Änderung am Frontflügel, sodass er eher noch ein paar zehntel Sekunden verlor. Auch war die Reduzierung des Abtriebs eine schlechte Entscheidung, da der Australier nach dem Stopp nicht mehr ganz die Zeiten von vorher fahren konnte.

Bei Josef Newgarden entschied man sich hingegen richtig und ließ ihn bis zum Ende seines Benzinfensters draußen. Er wechselte so als letzter Fahrer seine Reifen und konnte den Vorteil der neueren Reifen auch komplett ausnutzen. Er ging schnell an Tony Kanaan und Alexander Rossi vorbei und machte sich auf die Verfolgung seines Teamkollegen. In Runde 190 war er dann im direkten Windschatten von Will Power. Newgarden hatte also zehn Runden Zeit für einen Angriff. Will Power verteidigte sich aber sehr geschickt. Auf der Geraden nach Kurve 2 zog er immer ganz nach innen, zerstörte so den Windschatten für Newgarden und machte einen Angriff in Kurve 3 hinein unmöglich. Trotzdem nahm er Kurve 3 so gut, dass er auch in Kurve 1 hinein sicher war. Überholmanöver in Kurve 2 sind sowieso nur mit Hilfe des Vordermanns möglich. Da drohte also auch keine Gefahr.

Die Fahrweise von Will Power sicherte ihm den Sieg, kostete aber auch Zeit. Alexander Rossi war schon im Windschatten von Newgarden nach vorne gekommen und in der letzten Runde war auch Simon Pagenaud am Spitzentrio dran. Angriffe gab es aber nicht und so kamen sie auch in dieser Reihenfolge ins Ziel.

Simon Pagenaud hatte, im Vergleich zu Power, ein sehr ruhiges Rennen. Er hielt sich das ganze Rennen zwischen Platz 4 und 9. Er konnte zum Rennende, wie auch seine Teamkollegen, noch zulegen, wohingegen die besten Honda-Fahrer Probleme bekamen. Die Hondas hatten mehr Leistung und konnten diesen Vorteil über weite Teile des Rennens auch ausspielen. Im letzten Rennviertel wurde die Aerodynamik aber wichtiger. Die Mehrleistung bringt halt nicht so viel, wenn man sie nicht durch die Kurven hindurch nutzen kann. Tony Kanaan und Scott Dixon kamen auf den Plätzen 5 und 6 und damit direkt vor dem schlechtesten Penske-Chevrolet von Helio Castroneves, ins Ziel. Für Ryan Hunter-Reay reichte es nur zu Platz 8 und Graham Rahal wurde bis auf Platz 9 zurückgereicht. Für den Kampf um die Meisterschaft war das etwas zu wenig.

Ein erwähnenswertes Rennen hatte auch Marco Andretti. Er hielt mit seinen Teamkollegen Ryan Hunter-Reay und Alexander Rossi mit und war am Ende auf einer sehr ähnlichen Strategie wie Power und Newgarden. Bei Andretti Autosport trieb man sie aber auf die Spitze. Nach dem Stopp von Newgarden übernahm Andretti die Führung und das Team ließ ihn neun weitere Runden draußen. Geplant war dann ein schneller Stopp ohne Reifenwechsel. Trotz der nur noch zehn Runen bis ins Ziel tankte man den Wagen aber ganz auf. Der Stopp dauerte so fast sieben Sekunden und man hätte durchaus die Reifen wechseln können. Mit vollem Tank, alten Reifen und schlechter Position dank des langsamen Stopps blieb am Ende nur Platz 11 übrig. Hier hat Andretti Autosport eine bessere Platzierung weggeschmissen.

Das ganze Ergebnis kann man auf der Seite der IndyCar Series (PDF) nachlesen.

Insgesamt konnte das ABC Supply 500 nicht ganz mit dem Indianapolis 500 im Mai mithalten. Es war trotzdem ein sehr gutes Rennen. Es gab zwar wieder einige schwere Unfälle, aber die Fahrer blieben mehr oder weniger unverletzt. Nur Ryan Hunter-Reay schlug hart mit Hüfte und Knie am Cockpit an und musste gründlich im Krankenhaus untersucht werden. Außer Prellungen wurde aber nichts diagnostiziert. Nach dem Rennen im Interview sah man aber deutlich, dass auch Prellungen ganz ordentliche Schmerzen verursachen können. Er wurde immerhin mit Platz 8 belohnt. Ansonsten prägten die ständigen Kämpfe an der Spitze des Feldes für Spannung. Nur Will Power verbrachte dort einige unbedrängte Minuten. Paul Tracy ließ sich zu dem Spruch hinreißen, dass die IndyCar kein Stage-Racing benötigt, um guten Sport zu bieten.

Mit Platz 2 konnte Josef Newgarden (494 Punkte) seinen Vorsprung in der Meisterschaftswertung auf Scott Dixon (476 Punkte) ausbauen. Helio Castroneves (472 Punkte) konnte sich knapp vor Simon Pagenaud (468 Punkte) halten. Der Sieg brachte Will Power (452 Punkte) wieder etwas näher in Richtung Meisterschaft. Die 76 Punkte Rückstand von Graham Rahal (418 Punkte) dürften schon zu groß sein. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass jeder der vier Penske-Fahrer und Scott Dixon noch mindestens ein schlechtes Wochenende haben.

Vorschau Bommarito Automotive Group 500

Ohne Unterbrechung stürmt die IndyCar Series ihrem Saisonende entgegen. Es wird langsam auch Zeit, da die Preseason der NFL schon begonnen hat. Am nächsten Wochenende steht das Rennen in Madison an. Das ist eine etwa 4000 Bewohner große Gemeinde in Illinois, die berühmt ist als Sitz der ersten Bulgarisch-orthodoxen Kirche der USA und Heimat des Gateway Motorsports Park. Etwa vier Kilometer westlich von Madison und jenseits des Mississippis liegt aber St. Louis und damit leben im Einzugsgebiet des Gateway Motorsports Parks über 4 Millionen Menschen.

Das aktuelle Oval wurde erst 1996, an Stelle des alten St. Louis International Raceway Parks, errichtet. In den ersten Jahren waren viermal die Cart World Series und ab 2001 dreimal die IRL Gast im Gateway Park. Das letzte IndyCar-Rennen gewann am 10. August 2003 Helio Castroneves für Team Penske. In der Zwischenzeit war nur noch die NASCAR mit der Nationwide und der Truck Series regelmäßig Gast in Madison. Auf der Suche nach einem kleinen Oval wurde die IndyCar dann wieder in Illinois fündig. Im Frühjahr fanden erste Testfahrten statt und die Fahrer waren schon, trotz einiger Bodenwellen, sehr zufrieden mit dem Fahrverhalten auf der Strecke. Danach bekam das Oval aber noch einen neuen Belag und jetzt soll die Strecke absolut eben sein. Einem spannenden und spektakulärem Rennen dürfte also nichts entgegenstehen. Das einzige Problem könnte die Verarbeitungsqualität von amerikanischem Asphalt sein.

Strecke

Das Oval ist 1,25 Meilen (2 km) lang besteht aus zwei Kurven, die in Amerika üblicherweise als vier gezählt werden. Das Besondere am Gateway Park ist seine Eiform. Die Kurven 1 und 2 sind deutlich enger als die Kurven auf der gegenüberliegenden Seite. Dafür weisen die Kurven 3 und 4 mit neun Grad eine geringere Überhöhung im Vergleich zu den ersten Kurven mit elf Grad auf. Die größte Ähnlichkeit hat der Gateway Park noch mit dem Phoenix International Raceway. Auch dort erschweren im Radius und Banking unterschiedliche Kurven die Abstimmung. Die Fahrer und Mechaniker müssen einen Kompromiss eingehen, denn in allen vier Kurven wird der Wagen nicht perfekt liegen.

Favoriten

Den Kreis der Topfavoriten bilden die vier Fahrer von Team Penske und J.R. Hildebrand. In Phoenix feierten Simon Pagenaud und Will Power einen Doppelsieg für den Captain vor Hildebrand. Im dritten kleinen Oval der Saison in Iowa erreichte Hildebrand sogar Platz 2 und musste sich nur Helio Castroneves geschlagen geben.

Die Meisterschaftsanwärter für Honda müssen in Madison den Schaden begrenzen. Für Takuma Sato wird das sehr schwer, da die kleinen Ovale nicht gerade seine Spezialität sind. In den letzten zwei Jahren hat er in Phoenix und Iowa nur die Plätze 15, 11, 16 und nachmals 16 erreicht. Das wäre in diesem Jahr deutlich zu wenig. Etwas besser sieht es für Scott Dixon aus. Im Vorjahr gewann er in Phoenix und landete in Iowa auf dem Podium. Damals aber noch mit Chevrolet-Aerodynamik. Mit Honda dürfte das kaum wiederholbar sein. Genau wie Graham Rahal muss er schauen, dass er ein Top-5-Ergebnis einfährt. Ein Podestplatz wäre schon ein großer Erfolg.

Zeitplan (local time, MEZ)

Freitag, 25. August

4:00 – 5:00 p.m. (23:00 – 0:00) – Verizon IndyCar Series practice #1
6:30 – 7:30 p.m. (01:30 – 02:30) – Qualifying for the Verizon P1 Award (single car/two timed laps)
9:00 – 10:00 p.m. (04:00 – 05:00) – Verizon IndyCar Series practice #2

Samstag 26. August

8:00 – 11:00 p.m. (03:00 – 06:00) -Race Broadcast Windows NBCSN, Sport1 US, DAZN

8:40 p.m. (03:40) – The Bommarito Automotive Group 500 (248 laps/310 miles)

Die Trainings und die Qualifikation werden nicht von NBCSN übertragen. Man kann sie also live auf RaceControl.IndyCar.com sehen.

(c) Photos: IndyCar Media; Chris Jones, Christopher Owens

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