Man kann sich jetzt schon freuen, denn so eng wie in diesem Jahr scheint das Mittelfeld noch nie zusammen gewesen zu sein

Um es gleich zu sagen: Es ist völlig unmöglich auch nur annähernd eine Reihenfolge im Mittelfeld zu finden. Schon im letzten Jahr wechselten die Positionen von Rennen zu Rennen. Das wird dieses Jahr nicht anders sein. Vorausgesetzt, dass man in Barcelona irgendwann mal unter ähnlichen Bedingungen unterwegs war, sollte das Mittelfeld innerhalb von wenigen Zehnteln liegen. Also wird man je nach Strecke, Wetter, Reifen usw. immer mal wieder jemanden anderen vorne sehen. Auch im Mittelfeld gilt: Am Ende geht es darum, wer in den zweiten Saisonhälfte noch Geld und Luft für die Weiterentwicklung hat.

Renault
Das die Franzosen als erste in der Liste auftauchen hat vor allem damit zu tun, dass sie von allen Mittelfeld-Teams das größte Budget haben. Ergo sollten sie im Laufe der Saison die Konkurrenz hinter sich lassen. Technisch haben sie dazu sicher die Möglichkeit. Die Umstrukturierungen sind abgeschlossen, Neuzugänge in der technischen Abteilung hat es nicht gegeben. Jerome Stoll und Cyril Abiteboul führen das Team, Bob Bell leitet die technische Entwicklung. Das erste Auto unter seiner Verantwortung, der R.S.17, machte bei den Tests auch keinen schlechten Eindruck. Zumindest schwamm man im Mittelfeld mit.

Das bitter nötig, denn die Franzosen stehen unter Druck. Man muss dieses Jahr zumindest mal ansatzweise zeigen, dass man irgendwann auch mal die Großen ärgern kann. Zwar hat sich Renault fünf Jahre Zeit gegeben um eine WM gewinnen zu können, aber dafür müsste man in diesem Jahr dann schon mal eine stark aufsteigende Tendenz zeigen. Und damit sind regelmäßig Punkte gemeint, was angesichts dessen, dass die Plätze 1 bis 6 in diesem Jahr vermutlich regelmäßig von den Top Teams belegt sind, nicht leicht wird.

In Sachen Fahrern hat man sich mit Nico Hülkenberg massiv verstärkt. Aber Deutsche muss dann auch erst mal im Team ankommen und sich eingewöhnen. Bei den Tests hatte er noch so seine Schwierigkeiten, aber wie man den Deutschen so kennt, werden die nicht lange anhalten. Joylon Palmer war im letzten Jahr eine kleine Überraschung. Zu Beginn er Saison blieb er blass, gegen Ende überraschte er allerdings immer wieder. Vor allem damit, dass er den stärker eingeschätzten Magnussen schlagen konnte. Ob er Hülkenberg wird schlagen können? Vermutlich eher nicht, aber lassen wir uns da mal überraschen.

Force India

Das letzte Jahr war sportlich gesehen eines der erfolgreichsten in der Geschichte des Teams. Das würde man 2017 gerne wiederholen und die Vorzeichen stehen auch gar nicht so schlecht. Das neue Auto hat einige interessante aerodynamische Details und vor allem die Lösungen an der Front sind so außergewöhnlich, dass selbst die Konkurrenz in Barcelona aufmerksam wurde. Wenn die Ideen denn funktionieren, was angesichts der eher moderaten Rundenzeiten schwer einzuschätzen ist. Dazu kommt, dass Force India in Barcelona, wo es jetzt nicht sonderlich warm war, einige Probleme mit der Abführung der Hitze im Auto hatte. Zweimal schmorte der Auspuff durch, was kein gutes Zeichen ist.

Die Strategie von Force India war schon immer, dass man in den ersten Rennen möglichst viele Punkte sammeln will. Angesichts der Konkurrenz durch Williams und Renault dürfte dies in diesem Jahr schwieriger werden. Williams scheint eher zu den Top 3 aufgerückt zu sein, Renault hat deutlich mehr Geld zur Verfügung. Man wird sich in diesem Jahr also einem noch größerem Druck stellen müssen. Aber auf der anderen Seite sind die Inder das gewohnt. Positiv zu vermerken ist zudem, dass man mit BWT einen neuen Hauptsponsor gefunden hat. Der erste überhaupt in er Geschichte von Force India und dementsprechend sieht das Auto nun auch etwas anders aus. An das Rosa wird man sich gewöhnen müssen.

In Sachen Fahrern muss man zwar den Weggang von Hülkenberg verkraften, hat aber mit Esteban Ocon einen guten Nachfolger gefunden. Der war in seiner kurzen Zeit bei Manor immerhin schneller als Wehrlein. Sergio Perez ist in diesem Jahr aber klar die Nummer Eins im Team und er wird die Kohlen aus dem Feuer holen müssen.

HaasF1
Das zweite Jahr ist immer das schwerste für ein F1 Team. Nachdem man im letzten Jahr überraschen konnte, muss man dieses Jahr nachlegen. Der Vorteil von Haas ist die enge Zusammenarbeit mit Ferrari. Die liefern im Grunde das gesamte Heck, so dass es auch kein Wunder ist, dass sich beide Autos in dem Bereich verflixt ähnlich sehen. Aber auch die Front des Haas gleicht dem des Ferrari schon ziemlich. In diesem Fall gibt die Luftführung der Seitenkästen halt vor, wie man die Front gestalten muss. Die Ähnlichkeit der beiden Autos hat also technische Gründe.

Eine Dauerbaustelle bei Haas waren im letzten Jahr die Bremsen und überraschenderweise scheint das auch in diesem Jahr der Fall zu sein. Man wechselt auch 2017 zwischen Brembo und Carbon Industry hin und her. Es ist ein Rätsel, warum Haas dieses Problem nicht in den Griff bekommt, zumal sie das einzige Team sind, dass diese Sorgen hat. Konnte man im letzten Jahr noch die Konstruktion der Bremsbelüftung verantwortlich machen, fehlt in diesem Jahr dieses Element, weil man ja alles neu konstruiert hat. Was genau da falsch läuft, weiß das Team aber auch nicht.

Will man aber im Mittelfeld weiter kommen, muss man derartige Probleme schnell in den Griff bekommen. Denn jeder Ausfall zählt in diesem Jahr wegen des engen Kampfes um die Punkte dann doppelt. Generell machte der Hass bei den Tests einen guten Eindruck, man war schnell auf Speed und die Rundenzeiten stimmten auf den Long Runs. Nicht so gut waren die Quali-Simulationen, aber offenbar hatte Ferrari für den neuen Motor noch nicht die volle Leistung freigegeben.

Den unglücklich agierenden Gutierrez hat man durch Magnussen ersetzt, was mit Sicherheit eine Verstärkung ist. Aber Grosjean bleibt die Nummer Eins im Team, von ihm erhofft man sich im Kampf um die letzten Punkte einige Erfolge.

Toro Rosso
Das B-Team von Red Bull hat in diesem Jahr wieder aktuelle Motoren von Renault. Damit sollte man eigentlich einen Schritt nach vorne machen. Auch in Sachen Aerodynamik hat Chefdesigner James Key einen eigenen Weg gewählt und sich nicht an Red Bull orientiert. Viel mehr scheint man Anleihen bei Mercedes genommen zu haben. Das von außen gut aussehende Auto hatte aber bei den Tests viele Probleme und man kam nicht so richtig in Schwung. Das lag einerseits an Problemen, die man mit dem Motor hatte, andererseits scheint die anspruchsvolle Aerodynamik nicht so gut zu funktionieren, wie man sich das erhofft hatte.

Das wäre ein Rückschlag für das Team, ist man doch auch darauf angewiesen, dass die ersten Rennen besonders gut laufen. Denn im Verlauf der Saison fehlt Toro Rosso das Geld für die Weiterentwicklung. Angesichts der Tatsache, dass vor allem Renault und Force India mit deutlich mehr Geld ausgestattet sind, wird es dieses Jahr für das Team enorm schwer. Auch die enge Kooperation zwischen Haas und Ferrari dürfte Toro Rosso die Sache die leichter machen. Die Luft im Mittelfeld ist dünn.

Eine Hoffnung ist natürlich, dass man das Auto im Laufe des Jahres besser in den Griff bekommt. Gerade das Beispiel Force India zeigt ja, dass man auch mit einem mittleren Budget durchaus nach vorne fahren kann, wenn denn die Basis des Autos stimmt.

In Sachen Fahrern gibt es keine Änderungen. Sainz befindet sich weiter in einer Warteschleife, Kvyat hat allerdings ein bisschen Druck. Denn Pierre Gasly wartet nur darauf, dass der Russe sich weitere Fehler erlaubt. Sollte Kvyat bis zur Mitte der Saison keine Fortschritte machen, wäre es nicht verwunderlich, wenn der Franzose nachrückt.

Bilder: Renault, Force India, HaasF1, Red Bull Mediahouse/Getty