Der erste Testtag der zweiten Testwoche brachte vor allem eine Erkenntnis: McLaren und Honda stecken schon jetzt in einer Krise.

Ganze 38 Runden konnte Stoffel Vandoorne am gestrigen Vormittag zurücklegen. Dann verschwand der McLaren in der Box und wurde lange nicht mehr gesehen. Der Grund war ein Motorwechsel – wegen „elektrischer Probleme“, wie Honda sagt. Wenn man die weichgespülte PR-Sprache wegnimmt, dann kommt raus: Probleme mit dem Hybrid-System. Nüchtern betrachtet: Auch im dritten Jahr bekommt Honda keinen Motor hin, der zuverlässig läuft. Zuverlässigkeit ist aber nur das eine. Es gibt den alten Spruch im Motorsport: „Es ist leichter, ein schnelles Auto zuverlässig zu bekommen, als ein zuverlässiges Auto schnell zu machen.“ Honda fehlt aber beides.

Denn die Rundenzeiten waren bisher schlecht. Vandoorne gelang gestern dann mal eine 1.22537 min auf Soft. Nur angenommen, dass McLaren mit einer ähnlichen Spritladung unterwegs war wie Renault, dann fehlt McLaren rund eine Sekunde auf die Franzosen. Auf Red Bull sind es mehr als zwei. Damit ist man Schlusslicht, eventuell sogar hinter Sauber. Honda hat bisher angeblich noch nicht die volle Motorleistung freigeben, weil man Angst vor noch mehr Motorschäden hat. Man will den Motor bei etwas niedrigerer Leistung testen, um dann an seine Grenzen zu gehen. Währenddessen drehen die Mercedes-Motoren eine Runde nach der anderen, und wie Massa gestern mit seiner 1.19.7 min zeigte, zumindest mit annähernd voller Leistung. Selbiges gilt für Ferrari.

Wenn McLaren wenigstens eine Runde unter 1.20 oder eine niedrige 1.20 gedreht hätte, dann könnte man sagen: „Ok, Motor ist noch nicht standfest, aber man ist auf dem richtigen Weg.“ Aber so fehlt eben beides. Die Performance und die Zuverlässigkeit. Und nicht nur von außen betrachtet deutet vieles wieder auf eine schlimme Saison hin.

Die Bestzeit von Massa war eine kleine Überraschung. Zwar langsamer als Mercedes letzte Woche, aber offenbar war das ein Quali-Run auf Supersoft. Ricciardo schaffte auf den Ultrasoft „nur“ eine 1.19.9. Klar – die Spritmenge. Aber die Zeit von Massa ist ein deutliches Lebenszeichen von Williams, die schon letzte Woche haben aufhorchen lassen. Die konservativen Zeiten waren schon nicht schlecht, selbst mit den Medium.

Von Red Bull ist weiterhin nicht so viel zu sehen. Die Zeiten sind ok, aber nicht weltbewegend. Gleichzeitig hört man wenig aus dem Lager der Österreicher, was eher darauf schließen lässt, dass man ein eigenes Programm fährt. Die Long Runs sehen konservativ aus, da wird viel mit Medium und Soft gefahren, halbe Rennsimulationen usw. Auch das Auto hat noch nicht das große Update bekommen, mit dem man gerechnet hat.

Mercedes hielt sich am ersten Testtag relativ bedeckt. Man probierte etliche neue Aero-Teile aus, was Zeit kostete. Aber die Long Runs hatte man ja schon letzte Woche hinter sich gebracht, jetzt arbeitet man am Detail. Daher kann man die Zeiten eher vergessen.

Auch Force India bleibt unter dem Radar. Eine Zeit wie Massa sie fuhr, sah man von den Indern bisher nicht, aber Icon fuhr mehr als 140 Runden, also auch hier: Long Runs. Im Gegensatz zu Renault, die ebenfalls viele neue Teile ausprobierten und nur wenige Runden drehten. Aber der Eindruck, dass Force India, Renault, Hass und Toro Rosso sehr, sehr eng zusammen liegen, bleibt weiter bestehen.

Und Ferrari? Auffällig unauffällig. Schon wieder 168 Runden an einem Tag mit Vettel, schon wieder eine Zeit unter 1.20. Lewis Hamilton hält Ferrari im Moment für die Favoriten für den Saisonstart, was wirklich eine Überraschung wäre. Aber der Eindruck verstärkt sich, dass Ferrari wirklich ein sehr gutes Paket zusammengestellt hat. Wie gut, wird man in Australien sehen.

Bilder: Daimler AG, Ferrari, Red Bull Mediahouse/Getty Images, Force India, McLaren F1, Sauber F1, Renault Sport, HaasF1, Williams F1