Wir hatten die Chance, den Audi Q5 in seiner neuen Heimat anzutesten.
Es war ein kalter Novemberabend, an dem mich Don fragte, ob ich Lust hätte zur Premiere des Audi Q5 nach Mexiko zu reisen. Mein erster Gedanke war „Nichts lieber als das“, auch wenn mein Interesse am neuen Audi Q5 eigentlich eher gering ausfiel. Zu wenig konnte mich die letzte Generation des Q5 in den vergangenen acht Jahren überzeugen, obwohl der Wagen mit 1,6 Millionen verkauften Einheiten das Fundament der Marke aus Ingolstadt wurde und zum Erfolg beigetragen hat. Wesentlich für die guten Verkaufszahlen waren vor allem die SUV-Märkte in China und Nordamerika, und so ist es wenig verwunderlich, dass der neue Q5 auch nur noch in China (für China und Indien) sowie Mexiko (für die restliche Welt) hergestellt wird. Was waren also meine Erwartungen vor der Abreise? Eine große deutsche Autozeitung schrieb, dass man zweimal hinschauen muss, um den neuen Audi Q5 vom alten zu unterscheiden, und so blieb auch ich zunächst pessimistisch.

Exterieur
Als es dann aber zur ersten wirklichen Begegnung kam, konnte ich mich vom Pessimismus verabschieden und stattdessen kam es zu einer kleinen Überraschung. Natürlich erkennt der normale Autofahrer, dass es sich bei dem neuen Modell um einen Audi Q5 handelt, doch eine wirkliche Verwechslungsgefahr mit dem Vorgänger besteht nicht. Bulliger und vor allem kantiger wirkt die neue Generation und bestenfalls die Heckpartie orientiert sich noch am Vorgänger. An der Front hingegen wirkt der sechseckige Singleframe-Grill auch dank der Aluminiumoptikumrandung deutlich sportlicher und auch massiger. Ein kleiner persönlicher Wunsch meinerseits wäre noch eine dezente Beleuchtung des Singleframe-Grills. Das Scheinwerferdesign ist bereits durch den Audi Q7 bekannt und auch im Audi Q5 mit Matrix LED-Scheinwerfer verfügbar.

Auch wenn die Abmessungen sich nur geringfügig verändert haben, so wirkt die Seitenlinie deutlich Coupé-hafter und nicht mehr rundlich wie noch bei der alten Generation. Insgesamt ist der Q5 34 mm länger und 6 mm höher. Den Radstand hat man um 12 mm verlängert, was vor allem den Passagieren im Fond zugutekommt. Aus meiner Sicht hat man mit der Seitenlinie einen guten Kompromiss zwischen der alten Linie und den Coupé-SUVs von BMW und Daimler gefunden.

Etwas mehr Veränderung hingegen hätte aus meiner Sicht die Heckpartie des Modells vertragen können. Für den Laien dürfte es schwierig sein, die verschiedenen Modellgenerationen zu unterscheiden, auch wenn zumindest auf technischer Seite aufgerüstet wurde. Wie bei den anderen neuen Audi-Modellen ist es wieder ein wischendes Blinklicht, an dem sich die hinterherfahrenden Menschen erfreuen können. Der Kofferraum fällt mit 550 bis 610 l Volumen minimal größer aus als noch beim Vorgänger und auch das Volumen von 1550 l bei umgeklappten Rücksitzen entspricht normalen Werten in diesem Segment. Ein besonderes Lob verdient sich Audi noch für die Rücksitze, die seitlich abgerundet sind und dadurch einen extrem guten Halt bieten. Auch die Beinfreiheit ist bei meiner Körpergröße von 1,85 m ausreichend und selbst auf längeren Strecken fühlt man sich nicht eingeengt.

Interieur
Wenn man sich auf den Fahrersitz begibt, wird besonders dem Audi-Fahrer auffallen, dass es sich in weiten Teilen um den Innenraum und das Infotainment aus dem Audi A4 handelt. Dies liegt am modularen Infotainment-Baukasten der zweiten Generation (MIB2), den sich die beiden Modelle teilen, und daher gibt es hier auch wenig überraschendes. Das Virtual Cockpit empfanden wir schon im Audi TT als große Bereicherung und es ist eigentlich verwunderlich, dass andere Marken noch nicht ein ähnliches System verwenden. Auch das Bedien- und Multimediasystem stammt vom Audi A4 und kann alles, was man in der modernen Zeit braucht. So kann der Wagen per Audi Connect als WLAN-Hotspot benutzt werden oder man kann direkt über das Infotaiment u.a. Musik-Mediatheken ansteuern. Leider konnten wir jedoch die Internetverbindung und ähnliches nicht ausprobieren, da der Netzausbau in Mexiko ähnlich fortgeschritten ist wie in ländlichen Regionen Deutschlands. Zumindest Bluetooth hat beim zweiten Verbindungsversuch funktioniert. Passend dazu kann das Smartphone auch kabellos im Innenraum aufgeladen werden.

Ansonsten lässt sich der Innenraum vor allem als aufgeräumt beschreiben. Mir persönlich gefällt es, dass man weiterhin mit wenigen Schaltern auskommt, auch wenn das Cockpit noch etwas moderner sein dürfte. Eine größere Veränderung gibt es erst ab diesem Jahr mit dem neuen Audi A8 und folglich dürfte sich dann auch das Interieur der restlichen Audis beim nächsten Facelift verändern. Ein weiterer positiver Effekt der Übernahme des MIB2 sind etlichen Assistenzsysteme. So kann der neue Audi Q5 bis zu einer Geschwindigkeit von 65 km/h autonom fahren im stockenden Verkehr. Hierfür kann der Wagen sich über verschiedene Sensoren sowie eine Frontkamera am vorausfahrenden Fahrzeug orientieren und diesem auch in Kurven folgen. Da eine Grafik zumeist deutlich mehr zeigt als viele Worte, hier eine kleine Übersicht.

Fahrgefühl
Unser Testwagen war mit dem 252 PS starken 2.0 TFSI bestückt und dies wäre auch unsere Kaufempfehlung. Der Motor läuft ruhig, man hört während der Fahrt keine Geräusche und mit 370 Nm steht zu jeder Zeit genügend Drehmoment zur Verfügung. Der 2.0 TDI mit 162 PS hingegen ist zumindest für schnelle Beschleunigungen auf der Autobahn nicht ausgelegt, auch wenn es für die normale Reisegeschwindigkeit ausreicht. Ähnlich wichtig wie die Motorenfrage ist beim neuen Audi Q5 die Frage, welche Federung man möchte. Mit dem optionalen Luftfahrwerk hat das Modell eine Neuheit bekommen, die zwar 2.000 € zusätzlich kostet, sich aber durchaus lohnen kann. Der größte Vorteil des Luftfahrwerks ist der Zugewinn von Variabilität und die Spreizung zwischen der „Offroad“- und „Dynamic“-Einstellung, da insgesamt ein Spielraum von 60 mm durch das Luftfahrwerk entsteht. Wir hatten die Chance, den Wagen auf einer Schotterpiste zu bewegen, und können zumindest für Personen, die häufig auf unbefestigten bzw. unruhigen Straßen unterwegs sind, das System empfehlen. Auch auf der Landstraße spürt man einen Komfortgewinn, jedoch muss sich jeder selbst fragen, ob es ihm den Aufpreis wert ist.

Zusätzlich kann der Käufer noch entscheiden, ob er seinen Q5 mit der Quattro „Ultra“-Technologie haben möchte. Diese hatten wir bereits im vergangenen Jahr im Audi A4 vorgestellt und auch im Q5 sorgt sie wieder für eine Benzinersparnis von 0,2 bis 0,3 l auf 100 Kilometer. Hierfür wird im Regelfall der Hinterradantrieb abgekoppelt und nur zugeschaltet, wenn es fahrdynamisch sinnvoll ist. Dies wird durch verschiedene Sensoren gemessen und die Zuschaltung passiert innerhalb von 0,1 Sekunden. Abhängig ist die Zuschaltung zudem vom gewählten Fahrmodus, sodass der Hinterradantrieb im „Dynamik“-Modus häufiger zugeschaltet wird als in den anderen Modi. Besonders auf längeren Autobahnfahrten ist das System sinnvoll und selbst während einer Landstraßenfahrt über knapp 300 Kilometer war zu 80 % nur der Vorderradantrieb aktiv.

All-new Audi Q5 at the Tropic of Cancer. #Audi #Q5 #Mexico #quattro #Travel

Ein von Max Albrecht (@maxalexalbrecht) gepostetes Foto am

Insgesamt fährt sich der Audi Q5, wie man es von ihm erwartet. Durch das Luftfahrwerk wird er zwar sportlicher, doch für die Kurvenjagd wurde er nicht gebaut. Trotzdem reicht es für ein zügiges Tempo auf der Landstraße und auch eine Reisegeschwindigkeit jenseits der 200 km/h stellt kein Problem dar. Zusätzlich hat man auf der Automesse in Detroit den Audi SQ5 präsentiert, der mit 354 PS und 500 Nm das aktuelle Topmodell ist. Möglicherweise kommt auch noch ein RS5, jedoch wohl nicht vor 2018.

Fazit
Die Verlegung der Produktion nach Mexiko dürfte zwei Gründe haben. Zum einen zahlt man deutlich niedrigere Löhne, ohne an Qualität zu verlieren. Die Mitarbeiter werden extra in Deutschland geschult und auch an den Testwagen konnte man nichts an der Verarbeitung kritisieren. Insgesamt hat man 1,6 Milliarden Euro in die neue Produktionsstätte investiert und damit die modernste Fabrik auf dem amerikanischen Kontinent gebaut. Zusätzlich sind die USA in direkter Nähe und durch das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) kann man die Fahrzeuge ohne Zollschranken in den USA verkaufen. Trump hat zwar angekündigt, NAFTA neu zu verhandeln, doch langfristig dürfte Mexiko das optimale Land für die Autoproduktion in Nord- bzw. Mittelamerika sein.

Insgesamt wussten nicht nur Land und Leute in Mexiko zu gefallen, sondern auch der Audi Q5. In dem seelenlosen SUV-Segment kann man ihm aufgrund seiner Optik fast schon Charakter attestieren. Besonders fällt dieser im Vergleich zum Vorgänger auf, der noch extrem rundlich aussah. Persönlich gefällt mir vor allem das Frontdesign des neuen Q5 deutlich besser als bei BMW und Mercedes. Zudem hat man mit der Seitenlinie einen guten Kompromiss zwischen SUV und Coupé gefunden. Auch die Technik ist mit dem Luftfahrwerk und dem „Ultra“-Konzept State of the Art, sodass zumindest momentan der Q5 der Benchmark in dem Segment ist. Der Einstiegspreis liegt momentan bei 45.100 €, jedoch dürfte man bei einer normalen Ausstattung auf einen Preis von etwa 70.000 € kommen.

MotorBenzin Ottomotor Reihenbauart
Hubraum1984 cm³
Leistung185 kW (252 PS)
Drehmoment370 Nm
Beschleunigung 0-1006,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit237 km/h
Getriebe7-Gang-S tronic
AntriebAllradantrieb
Normverbrauch auf 100 km6,8-7,1l
Leergewicht1795 kg
L/B/H4663/1893/1659mm
Radstand2819mm