Zwei Wochen nach dem geplanten Saisonstart in Brasilien beginnt in den USA und auch hier endlich die neue IndyCar-Saison. Die größte Neuigkeit für 2015 ist die Einführung verschiedener Aero Kits.
Schon bei der Entwicklung des IR12 ab 2010 bei Dallara wurde berücksichtigt, dass Hersteller unterschiedliche aerodynamische Bauteile anbieten sollten. Die Angst vor hohen Kosten, für die sowieso schon finanziell nicht auf Rosen gebetteten Teams, verhinderte den Einsatz bis zu dieser Saison. So ganz stimmig war diese Begründung nicht, da die Teile des Dallara Standard-Kits teurer sind als die, die nun von Honda und Chevrolet angeboten werden.
Wirkliche Schönheiten sind die bisher vorgestellten Kits, die auf den Straßen- und Stadtkursen sowie den kleinen Ovalen eingesetzt werden, nicht wirklich. Chevrolet hat an jede mögliche und unmögliche Stelle mindestens einen Flap gebaut. Honda setzt alleine am Frontflügel auf etwa ein Dutzend Carbon-Flügel-Schichten. Vor allem auf den engen Stadtkursen kann schnell mal ein Teil an den Betonmauern verloren gehen. Inwieweit die Wagen danach direkt unfahrbar werden, wird sich dann zeigen. Bisher reagierte der IR12 darauf, im Vergleich zu den Wagen zum Beispiel einer deutschen Tourenwagenserie, nicht besonders empfindlich.
Wichtig wird auch sein, wie sich die Wagen im direkten Zweikampf verhalten. Durch Dirty Air verliert ein nachfolgendes Auto immer Abtrieb und das Überholen wird schwieriger. Beim IR12 war der Effekt bemerkbar, aber bei weitem nicht so gravierend wie zum Beispiel in der Formel 1. Es ist aber zu befürchten, dass durch die dutzenden neuen Flügelelemente der Aero Kits sowohl mehr Dirty Air produziert als auch die Anfälligkeit gesteigert wird. Um dies beurteilen zu können, müssen wir aber erst ein paar Rennen abwarten.
Entscheidend für die Saison ist aber, dass die Aero Kits ähnlich effizient sind. Einen großen Reiz der IndyCar Series machte die Tatsache aus, dass die Felder sehr ausgeglichen waren. Die Topteams von Penske, Ganassi und Andretti hatten bisher zwar einen Vorteil, aber kleine Teams wie die von Ed Carpenter oder Dale Coyne konnten im letzten Jahr Rennen gewinnen. Wäre jetzt ein Aero Kit dem anderen deutlich überlegen, wäre schon zum Start das halbe Feld chancenlos.
Beim offiziellen Test letzten Dienstag und Mittwoch auf dem Barber Motorsports Park dominierten schon einmal die Chevrolets. Bester Honda-Fahrer war Graham Rahal mit der siebtbesten Rundenzeit. Die Führung durch Will Power und Scott Dixon ist aber nicht überraschend. Power hat zwei der fünf GP of Alabama gewonnen und stand dreimal auf der Pole-Position. Dixon erreichte immer das Podium. Die drittbeste Runde gelang fast sensationell Stefano Coletti, der für KVSH neben Sebastien Bourdais die Saison bestreiten wird. Es deutet sich schon an, dass die Chevrolets etwas besser sind. Besonders das Vorzeigeteam von Honda, Andretti Autosport, kam auf keine wirklich gute Runden. Ryan Hunter-Reay war Bester des Teams auf Platz 14. Insgesamt waren aber 21 Fahrer schneller als Will Power in der Qualifikation 2014. Diese besten 21 trennten nur 0,9539 Sekunden. Das Feld ist also weiterhin dicht beisammen und Abstände wie in der Formel 1 wird es trotz verschiedener Aero Kits nicht geben.
Auch im Bereich der Offiziellen der IndyCar Series gibt es Neuigkeiten. Renndirektor Beaux Barfield hat die Serie in Richtung der Tudor United SportsCar Championship verlassen. Sein Nachfolger war auch schon sein Vorgänger: Brian Barnhart. Ob das eine gute Entscheidung ist, muss sich zeigen. Immerhin wurde Barnhart damals aufgrund einer Reihe von fragwürdigen Entscheidungen entlassen. Unter anderem hatte er ein Rennen auf dem New Hampshire Motor Speedway trotz Regen freigeben. Will Power kommentierte diese Entscheidung damals mit dem doppelten Effenberg.
Teams
Neben der Fusion von Ed Carpenter Racing mit Sarah Fisher Hamilton Racing zu Carpenter Fisher Hamilton Racing hat sich noch einiges mehr über den Winter getan. Auffällig ist, dass selbst die großen Teams Probleme haben, ihre Wagen über die Saison zu finanzieren. Sowohl bei Andretti Autosport als auch Chip Ganassi Racing ist der Einsatz des vierten Autos über die ganze Saison nicht gesichert. Bei Team Penske geht man einen anderen Weg. Es wird erst ein vielversprechender Fahrer, 2014 war es Juan Pablo Montoya und in diesem Jahr Simon Pagenaud, für einen zusätzlichen Wagen verpflichtet und danach werden Sponsoren gesucht. Im Notfall finanziert Roger Penske den Wagen selbst. Aber nicht jeder Teamchef ist Milliardär und kann sich das leisten.
Chevrolet
Team Penske
Wie schon erwähnt fährt in dieser Saison Simon Pagenaud (Startnummer 22) neben Will Power (1), Helio Castroneves (3) und Juan Pablo Montoya (2) für den Captain. Die letzte Saison beendeten diese Fahrer auf den Plätzen 1,2,4 und 5 der Gesamtwertung. Ohne Frage ist das ein sehr beeindruckendes Line-up. Vor allem Pagenaud sollte in dieser Saison noch einen Schritt nach vorne machen. Mit Castroneves und Montoya hat er jetzt zwei Teamkollegen mit enormer Ovalerfahrung und bei Power hat man gesehen, wie stark ein Fahrer davon profitieren kann. Auch Montoya sollte in seiner zweiten Saison nach der Rückkehr in die IndyCar Series, alleine weil er die Strecken jetzt schon kennt, besser zurechtkommen. Insgesamt dürfte Team Penske auf jeder Strecke das Team sein, das es zu schlagen gilt. Beim Test auf dem Barber Motorsports Park platzierten sich schon mal alle vier Fahrer in den Top 9.
Chip Ganassi Racing (CGR)
Scott Dixon (Startnummer 9) war im Vorjahr der einzige Pilot, der über die ganze Saison mit Team Penske mithalten konnte. Entsprechend bildet er auch in diesem Jahr wieder die Speerspitze von Chip Ganassi Racing. Tony Kanaan (10) und Charlie Kimball (83) sind bei allen Rennen seine Teamkollegen. Ryan Briscoe hat nach einer wenig überzeugenden Saison sein Cockpit verloren und wird von Sage Karam (8), Indy Lights Champion 2013, ersetzt. Dieser Wagen ist aber nicht durchfinanziert und bisher nur für den Saisonauftakt in St. Petersburg bestätigt. Weitere Einsätze sind möglich beziehungsweise wahrscheinlich. Chip Ganassi Raing ist sicherlich weiterhin ein absolutes Topteam. Vom Line-up ist es aber etwas schwächer besetzt als Team Penske, da Charlie Kimball, zumindest bisher, noch nicht die Qualitäten eines Toppiloten gezeigt hat.
CFH Racing (Carpenter Fisher Hamilton Racing)
Drittbester Chevrolet war im Vorjahr die Nummer 20, die von Ed Carpenter und Mike Conway zu insgesamt drei Saisonsiegen pilotiert wurde. Auch nach der Fusion wird Ed Carpenter die Ovalrennen in „seinem“ Wagen bestreiten und dabei immer zu den Favoriten zählen. Für die Straßen- und Stadtrennen übernimmt Luca Filippi den Wagen. Filippi fuhr von 2006 bis 2012 in der GP2 und erreichte dort 2011 den zweiten Gesamtrang. In den letzten beiden Jahren fuhr er einige Rennen der IndyCar Series für Bryan Herta Autosport und Rahal Letterman Lanigan Racing. Ein Neuling ist er somit nicht. Josef Newgarden behält die Nummer 67 und geht in seine vierte Saison. In den Jahren zuvor wurde er von Saison zu Saison besser und diese Tendenz sollte er, auch durch die Zusammenarbeit mit einem zweiten Wagen, fortsetzen können.
KVSH (KV Racing Technology)
Sebastien Bourdais (Startnummer 11) fährt weiterhin für das Team von Kevin Kalkhoven, Jimmy Vasser und James Sullivan. Nach einigen schlechten Ergebnissen zeigte er in Toronto, dass er immer noch Rennen gewinnen kann. Wenig überraschend hat Sebastian Saavedra sein Cockpit verloren und wird durch Stefano Coletti (4) ersetzt. Saavedra war der schlechteste Stammfahrer im Vorjahr. Der Monegasse Coletti fuhr die letzten fünf Jahre in der GP2 und belegte dort in den letzten beiden Jahren die Plätze 5 und 6. KVSH ist ein Team aus dem Mittelfeld, das sich mit Coletti gegenüber Saavedra wahrscheinlich verbessert hat. Mit Platz 3 beim Barber-Test hat er schon einmal gezeigt, dass er nicht so langsam ist. Auch Bourdais überzeugte dort mit Platz 6.
Honda
Schmidt Peterson Motorsport (SPM)
Mit Simon Pagenaud in der Nummer 77 stellte SPM im Vorjahr den besten Honda des Feldes. Der Franzose hat das Team aber verlassen und wird durch James Hinchcliffe (5) ersetzt. Dieser ging im letzten Jahr neben Hunter-Reay, Andretti und Munoz ein wenig bei Andretti Autosport unter. Sein Teamkollege ist Jake James (7), da die russischen Sponsoren von Mikhail Aleshin ihren Zahlungsverpflichtungen aus dem Vorjahr nicht nachkommen konnten. James bestritt die IndyCar Saison 2013 für RLL Racing und konnte sich in Detroit den zweiten Platz sichern. Insgesamt muss sich aber zeigen, ob das Team den Verlust von Simon Pagenaud kompensieren kann und weiterhin zu den Topteams gehört. So ganz rund lief es beim offiziellen Test noch nicht. Hinchcliffe und Jakes konnten sich nur auf die Plätze 12 und 18 der Zeitentabelle fahren.
Andretti Autosport
Die eigentliche Nummer 1 im Honda Lager ist aber Andretti Autosport und zumindest da wollen sie auch wieder hin. Das erste große Ziel ist aber der Gesamtsieg und dafür ist sicherlich Ryan Hunter-Reay (Startnummer 28) die Speerspitze. Im Vorjahr hat er drei Rennen gewonnen, darunter auch das Indy 500. Dem standen aber auch acht Platzierungen außerhalb der Top 15 entgegen. Konstanz ist also das Zauberwort für 2015. Das zweite große Ziel ist die Wiederholung des Indy 500-Triumphes. Neben Hunter-Reay haben hier auch Marco Andretti (27) und Carlos Munoz (26) gute Chancen, wenn man die Ergebnisse der letzten beiden Jahre betrachtet. Den vierten Andretti-Dallara wird in St. Peterburg Simona de Silvestro (29) steuern, die nach ihrem Formel 1 Abenteuer wieder dauerhaft in die IndyCar Series will. Wie im Fall Sage Karam ist das Auto aber nicht komplett finanziert und weitere Einsätze nicht bestätigt. Für Andretti Autosport verlief der Barber-Test noch enttäuschender als für SPM. Die Plätze 14, 16 und 21 für Hunter-Reay, Munoz und Andretti sind sicherlich nicht die Regionen, in denen sie knapp zwei Wochen vor dem Saisonstart stehen wollen.
Dale Coyne Racing
Carlos Huertas (Startnummer 19) wird auch in seiner zweiten IndyCar-Saison für Dale Coyne an den Start gehen. Im Vorjahr konnte er sehr überraschend das erste Rennen in Detroit gewinnen und fuhr auch auf einigen anderen Stadtkursen respektable Ergebnisse ein. Für die ersten vier Rennen wird Francesco Dracone (19) sein Teamkollege. Justin Wilson hat somit zurzeit kein Cockpit in der IndyCar Series. Dracone bestritt 2010 zwei Rennen für Conquest Racing und hatte im Vorjahr schon für Dale Coyne Racing getestet. Er absolvierte 118 Runden beim Test diese Woche und erreichte in der Spitze nur eine Zeit von 1:11,6317 Minuten. Ihm fehlten damit 4,3199 Sekunden auf Power. Bei Dale Coyne nutzte man aber nicht das Aero Kit von Honda, sondern die Standardversion von Dallara. Ein Großteil des Rückstandes dürfte diesem Umstand geschuldet sein.
Bryan Herta Autosport
Für Bryan Herta wird der letztjährige Indy Lights-Champion Gabby Chaves die Nummer 98 pilotieren. Die Indy Lights Saison 2013 beendete er als Zweiter und so hat er schon bewiesen, dass er kein schlechter Pilot ist. Mit dem Rookie Jack Hawksworth erziehlte das Team im Vorjahr einige gute Ergebnisse, unter anderem einen dritten Platz in Houston. An diese Leistungen versucht man sicherlich anzuknüpfen. Gabby Chaves wird mit Stefano Coletti um den Titel „Rookie of the year“ kämpfen, da Sage Karam wohl nicht alle Rennen bestreiten wird.
A.J. Foyt Enterprises
Takuma Sato (Startnummer 14) geht in seine sechste IndyCar-Saison, die dritte für A.J. Foyt. Im letzten Jahr hatte er einiges Pech und konnte nur selten zeigen, was er wirklich kann. Hoffentlich kann er von der Erweiterung des Teams auf zwei Wagen profitieren. Mit Jack Hawksworth (41) bekommt er einen schnellen Teamkollegen, der sich als Rookie in der Gesamtwertung vor Sato platzieren konnte. Auch die Ausweitung auf zwei Wagen sollte sich positiv auf das Team auswirken. Immerhin verdoppeln sich so die auswertbaren Daten.
Rahal Letterman Lanigan Racing (RRL Racing)
Graham Rahal (Startnummer 15) hatte zuletzt mit zwei Podestplätzen in 37 Rennen zwei zähe Jahre im Team seines Vaters. Im Vorjahr war der erfahrene Oriol Servia für acht Rennen sein Teamkollege. So richtig helfen konnte er dem Team aber nicht. Für diese Saison ist bisher kein zweiter Pilot gemeldet. Der Barber-Test macht schon einmal Mut für eine bessere Saison. Mit Platz 7 war Rahal schnellster der Honda-Fraktion und lag nur 0,3 Sekunden hinter Will Power.
Das Feld umfasst nach heutigem Stand jeweils elf bis zwölf Chevrolets und Hondas pro Rennen. Beim Indy 500 werden es aber auf jeden Fall deutlich mehr sein, auch wenn Kurt Bush wohl nicht für Andretti ins Lenkrad greifen wird.
Kalender
Zum Abschluss noch ein Blick auf den doch sehr geschrumpften Kalender der IndyCar-Saison 2015. Das Rennen in Brasilien fiel aus, weil die lokale Regierung von Brasilia nicht die Kosten für die Renovierung der Rennstrecke übernehmen wollte. Durch die FIFA WM 2014 hatte man schlechte Erfahrungen mit öffentlichen Geldern für Sportevents gemacht. Der Double Header von Houston ist Geschichte und durch die Pan-Am-Games findet nur ein Rennen in Toronto statt. Für die drei wegfallenden Rennen kommt nur ein neues in den Kalender. Am 12. April gastiert die IndyCar Series auf dem NOLA Motorsports Park bei New Orleans.
Eine weitere Änderung betrifft das Saisonfinale. Der Ausrichter in Fontana wollte das Rennen von Ende August in den Sommer schieben. Es findet jetzt am 27. Juni als Nachtrennen statt. Das Finale bleibt aber in Kalifornien und wird auf dem Sonoma Raceway ausgetragen. Obwohl es augenscheinlich kein 500 Meilen Ovalrennen ist, will man an den doppelten Punkten für das Finale festhalten.
Insgesamt umfasst die Saison 2015 nun 16 Rennen in genau 5 Monate und 1 Tag:
| 29. März | St. Petersburg | Stadtkurs |
| 12. April | New Orleans | Straßenrennen |
| 19. April | Long Beach | Stadtkurs |
| 26. April | Birmingham | Straßenrennen |
| 09. Mai | Indianapolis | Straßenrennen |
| 24. Mai | Indianapolis | Oval |
| 30. Mai | Detroit | Stadtkurs |
| 31. Mai | Detroit | Stadtkurs |
| 06. Juni | Texas | Oval |
| 14. Juni | Toronto | Stadtkurs |
| 27. Juni | Fontana | Oval |
| 12. Juli | Milwaukee | Oval |
| 18. Juli | Iowa | Oval |
| 02. August | Mid-Ohio | Straßenrennen |
| 23. August | Pocono | Oval |
| 30. August | Sonoma | Straßenrennen |













