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Formel Eins: Analyse Test Jerez 2015

von DonDahlmann
2 Kommentare 7 minutes read

Die vier Tage in Jerez haben zumindest schon mal eins gezeigt: Mercedes ist weiterhin sehr schnell, Red Bull kämpft mit Problemen, Ferrari hat nachgelegt und Honda sehr viel Arbeit.

Erster Test des Jahres. Da erwartet man, dass viel ausprobiert und sehr viel geschraubt wird. Das wurde es auch, allerdings kaum bei Mercedes. Wie dominant die Deutschen in Jerez waren, zeigt ein Blick auf die Rundentabelle:

Mercedes AMG 516 Runden
Sauber F1 381 Runden
Toro Rosso 353 Runden
Ferrari 348 Runden
Williams F1 278 Runden
Lotus F1 190 Runden
Red Bull 166 Runden
McLaren 79 Runden

Nach Motoren:

Mercedes 948 Runden
Ferrari 729 Runden
Renault 519 Runden
Honda 79 Runden

Motorsports: FIA Formula One World Championship 2015, Test in JerezMercedes hatte drei Teams in Spanien, der Rest nur ein oder zwei Autos, daher verschiebt sich das Bild etwas. Zöge man die 190 Runden von Lotus ab, würden Mercedes und Ferrari ziemlich gleichauf liegen, Renault wäre weiterhin abgeschlagen. Aber die Probleme bei Renault sind deutlich kleiner geworden, wie man an der Rundezahl von Toro Rosso sieht. Dass Red Bull weniger fahren konnte, lag einerseits an einem zerstörten Frontflügel, der einen ganzen Tag kostete (man hatte noch keinen Ersatz) und Problemen mit der Kühlung. Red Bull setzt wie immer auf ein sehr enges Heck, da scheint noch Arbeit zu liegen.

Die Rundenzeiten sind zu vernachlässigen. Ferrari war auch letztes Jahr in Jerez auf P1 nach den Tests, in Australien schafften sie es kaum in die Top 10. Auffallend war aber zumindest, dass sowohl Sauber als auch Toro Rosso auf Anhieb besser unterwegs waren als im letzten Jahr. Das deutet darauf hin, dass es dieses Jahr beim Kampf um die letzten Punkte noch enger zugehen wird.

Motor Racing - Formula One Testing - Day 4 - Jerez, SpainEine kleine Überraschung gelang Lotus, die mit einem frisch zusammengebastelten Auto und einem Tag Verspätung anreisten und dennoch 190 Runden schafften. Der neue Mercedes-Motor machte es möglich. Man muss dabei aber auch sagen, dass es den Technikern gelungen ist, in nur drei Monaten, den Mercedes-Motor ins neue Chassis einzupassen. Eine bemerkenswerte Leistung. Das ging vermutlich nur, weil man, ohne die Abmessungen des überarbeiteten Motors zu kennen, viel Platz im Heck gelassen hat. Ein Kompromiss, der im Laufe der Saison eventuell noch Folgen haben könnte.

Bei Mercedes ging auch nicht alles nach Plan. Es gab zwei lange Unterbrechungen, einmal, weil der Motor Wasser verlor, einmal gab es wohl Probleme im Bereich der neuen Benzinpunmpe. Aber dafür sind so Tests ja da, dass mal was kaputt gehen soll. Das Team fuhr relativ stur seinen Testplan runter. Meist lange Stints auf den „Medium“ und „Hard“. Teilweise fuhr man bis zu 40 Runden am Stück. Die schnellsten Zeiten fuhr man meist im letzten Drittel eines Stints.

TEST F1 JEREZ 2015Ferrari dagegen fuhr meist kürzere Stints und nie mehr als 20 Runden am Stück. Das deutet darauf hin, dass die Italiener nicht so viel Sprit an Bord hatten wie Mercedes. Aber auch hier muss man vorsichtig sein. Vettel fuhr seine Bestzeit (1.20.948) auf Medium, Räikkönen (1.20.841) auf den Soft. Bei Vettel könnte das Auto leer gewesen sein, bei Räikkönen voller.

Sicherlich hat Ferrari einen Schritt nach vorne gemacht. Der Motor wurde komplett überarbeitet und soll sich laut Felipe Nasr, der letztes Jahr bei Williams testete, ähnlich fahren wie der Mercedes. Bleibt die Frage nach dem Gewicht und dem Verbrauch, auch da war Ferrari im letzten Jahr Schlusslicht. Das Chassis macht einen guten Eindruck. Es soll weniger untersteuern und harmonischer sein. Wird man aber erst sehen, wenn Ferrari mal lange Stints fährt.

F1_Tests_Jerez2_2015_07Von Williams weiß man aus den letzten Jahren, dass sie bei den Tests die Tanks gerne voll machen, aber es gibt noch leichte Probleme mit dem FW37, dessen Technik sich in Jerez in Kleinigkeiten anfällig zeigte. Bei Sauber wiederum ist man gerne leichter unterwegs, um das Potenzial des Fahrzeugs kennenzulernen. Der C34 hat zumindest auf den ersten Blick mehr als das 2014er Modell.

Bleiben McLaren und Honda. Nur 79 Runden in vier Tagen, davon zwölf an den ersten beiden Tagen. Das ist mit Sicherheit nicht das, was man sich erwartet hatte. Die Probleme liegen offenbar in allen Bereichen, aber vor allem die komplexe Elektrik nervt die Mannschaft. Honda hatte ein Jahr mehr als anderen Hersteller Zeit und ich bin mir sicher, dass der Motor auf dem Prüfstand sauber läuft. Aber der Einbau ins Fahrzeug macht wohl große Probleme. Auf der anderen Seite berichteten die Beobachter, dass der Motor, wenn er läuft, einen sehr guten Eindruck macht. Barcelona wird sicher zeigen, wo McLaren und Honda stehen.

Technik:

Wie üblich sind alle mit einer Art Interims-Chassis unterwegs. Die Nase ist bei allen neu, wobei auffällt, dass sich die gefundenen Lösungen teilweise sehr stark unterscheiden. Mercedes und Red Bull haben eine kurze Variante gewählt, Ferrari, McLaren und Toro Rosso eine sehr lange. Die Nasen von Lotus und Mercedes sind sehr schmal, am anderen Ende der Skala ist Sauber mit einer extrem breiten Front. Red Bull und Williams setzen wiederum auf eine Lösung, die der letztjährigen von Mercedes sehr ähnlich sieht.

_X0W3598Im Heck gab einige neue Details zu sehen, vor allem bei McLaren, die die Aufhängung teilweise extrem für die Aerodynamik einsetzen. Bei Red Bull erspähte man auf der Hohe des Ansatzpunktes der Nase am Monocoque auf beiden Seiten kleine Luftschlitze. Das kennt man von Red Bull aber, der Lufteinlaß beim R8 und RB9 saß ja kurz vor dem Chassis. Hier wird offenbar Luft durch das Chassis zu den Kühlern geleitet.

Bei Williams fällt weiterhin die extrem kurze Motorabdeckung auf, die weit vor dem Heckflügel endet. Der Sinn davon erschließt sich mir nicht so ganz, wäre aber auch nicht das erste Mal, dass Williams damit experimentiert.

Ansonsten sah man viele Teile aus dem letzten Jahr, insbesondere bei den Endplatten der Frontflügel und im Heck. Bei Mercedes war es besonders extrem. Schon bei der Vorstellung des W06 fragten sich einige, ob das nicht eher ein W05b mit einer neuen Nase war. Aber die Seitenkästen waren dann schon neu. Sicher wird man bei allen die ersten großen Updates erst in Australien sehen.

Sonstige News:

Dementi hin oder her – bei Force India gibt es große Probleme. Das neue Auto wird auch in 14 Tagen zum Test in Barcelona nicht fertig, weil es, so das Team, „Probleme mit Zulieferen gibt“. Es sei halt technisch alles sehr komplex. Die Motorsport-Total-Kollegen berichten dagegen mit ziemlicher Überzeugung, dass dem Team das Geld ausgeht und man deswegen den Wagen nicht zusammenbekommt, weil Zulieferer Teile zurückhalten. Wie immer ist die Situation schwer einzuschätzen, aber freiwillig verpasst Force India den Test sicher nicht. Mit nur einem Test nach Australien zu fahren, ist einfach zu wenig.

Bei Ex-Marussia, nun ManorF1, gibt es erstaunliche Bewegungen. Die Versteigerungen sind abgesagt, John Booth sprach von einem Investor und dass man in Melbourne an den Start gehen will. Mit einem 2014er Chassis. Zusammengebaut werden die Autos in der alten Formel-Drei-Werkstatt von Manor. Da tauchen dann aber gleich mehrere Fragezeichen auf. Zum einen: Mit welchem Motor? Ferrari? Und passt der neue Ferrari-Motor in das alte Chassis? Zum anderen: Bekommt Manor die Freigabe? Wenn man mit dem alten Chassis starten will, müssen die anderen Teams zustimmen. Eine weitere Frage ist: Wer ist der Investor? Gene Haas ist es schon mal nicht, der hat abgewunken. Es gibt zwei gleichlautende Gerüchte, die besagen, dass entweder McLaren oder Ferrari dahinter stecken. In beiden Fällen geht es darum, dass man sich eine Art B-Team zulegen will. Ferrari hatte enge Beziehungen zu Marussia/Manor und dort Jules Bianchi platziert. Gut möglich, dass man den eigenen Nachwuchs hier durchschleusen will. Gleiches gilt auch für McLaren, die mit Magnussen und Vandoorne gleich zwei potentielle Kandidaten haben. Aber ich traue McLaren nicht zu, dass sie für Manor Geld ausgeben. Ferrari schon eher.

Bei Caterham ist allerdings Schluss. Das komplette Team wird versteigert. Obwohl die Schuldenlast bei Caterham kleiner ist, hat man keinen Investor gefunden. Der Grund dafür: Manor bekommt in diesem und nächsten Jahr Geld aus dem FOM-Topf, Caterham zum ersten Mal nicht, weil man zweimal von Marussia geschlagen wurde. Offenbar ist es dem Insolvenzverwalter bei Manor gelungen, den Gläubigern ein gutes Angebot unterbreiten zu können. Das Team bekommt das Preisgeld und kann damit eine Saison durchhalten. Jedenfalls theoretisch. Ich wäre aber immer noch überrascht, wenn man Manor in Australien sehen würde.


Bilder: Daimler AG, Red Bull Mediahouse, Toro Rosso, Sauber F1, Williams F1, McLaren; Lotus F1, Ferrari

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2 Kommentare

nona 5 Februar, 2015 - 20:51

Sollte Ferrari der Manor-Investor sein, hätte das durchaus auch marktstrategische und sportpolitische Aspekte, denn damit bekäme man elegant einen präsenten Fuss in das Kernland der F1 schlechthin, ohne dabei auch nur irgendwie seine eigene ur-italienische Identität zu beschmutzen. Synergien allenorten.

Am 5. Februar 2015 gefunden … | wABss 6 Februar, 2015 - 03:15

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