Drei Wochen wurde in Jerez und Bahrain getestet. Und nach dieser Zeit ist klar, dass nichts klar ist. Außer bei Red Bull, die große Probleme haben.
Über die Probleme bei Red Bull haben wir schon ausführlich berichtet. Doch die letzte Testwoche in Bahrain brachte nur wenig Hoffnung für die Weltmeister. Wieder gab es massive Sorgen, wieder gab es einen Tag, an dem man gar nicht fahren konnte und es gelang Red Bull nicht, eine komplette Rennsimulation zu fahren. Hatte man also vor der letzten Testwoche gehofft, dass sich die Probleme aussortieren lassen, wurde man am Ende doch eines Besseren belehrt. Red Bull scheint für den Auftakt der F1-Saison in 14 Tagen in keiner guten Form zu sein. Das gilt allerdings auch für andere Teams in der Formel Eins.
Erst mal ein paar Daten, die das Problem von Red Bull gut zusammenfassen. Zunächst die Gesamtkilometer der Hersteller. Dazu muss man wissen, dass Mercedes vier Teams (Mercedes, McLaren, Williams, Force India) ausstattet, Renault ebenfalls vier (Red Bull, Toro Rosso, Lotus, Caterham) und Ferrari nur drei Teams beliefert (Ferrari, Sauber, Marussia). Es ergibt ein paar Verzerrungen, vor allem bei Ferrari, wo man mit drei Teams nicht die Kilometerleistung der anderen beiden Hersteller erreichen kann. Gleichzeitig macht es aber auch deutlich, wie tief die Probleme bei Renault sind, die auch mit vier Teams nicht an die Kilometerleistung von Ferrari herankommen.
Und nun ein Blick auf die Testkilometer der einzelnen Teams.
Dabei wird deutlich, dass das Problem nicht zwingend nur bei Renault liegt. Von den 8775 Kilometern aller Renault-Teams erreicht Caterham alleine 3313 Kilometer. Das sind knapp 40 %. Auch bei Toro Rosso besserte sich die Lage vor allem in der letzten Woche. Von den 2463km konnte Toro Rosso in der letzten Testwoche alleine 1468km einfahren. Das lief also gar nicht mal so schlecht. Was die Situation für Red Bull noch stärker beleuchtet. In der ersten Bahrain-Woche schaffte man 622km, in der letzten 991, inkl. des dritten Tages, an dem man gar nicht fahren konnte. Nur Lotus war noch schlechter, die gerade mal 687km geschafft haben.
Der Red Bull RB10 scheint eine Konfiguration zu haben, mit der der Motor und vor allem die so wichtigen Nebenaggregate (Akku, Turbo, Kühlung) nicht klarkommen. Der Red Bull stand meist wegen Überhitzung an der Box, es wurden zudem permanent neue Teile eingeflogen. Einen wirklichen Schritt nach vorne konnte man aber nicht erkennen. Zu sagen, dass der RB10 eine Fehlkonstruktion sei, ist allerdings deutlich zu früh. Immerhin gelangen Ricciardo bei seinem Testlauf ein paar ordentliche Zeiten, was darauf hindeutet, dass die Aerodynamik funktioniert.
Allerdings lassen sich zu den Rundenzeiten nur wenig Aussagen treffen. Fasst man beide Wochen zusammen, sieht die Rangliste der schnellsten Runden so aus:
1:33.258 – Williams
1:33.278 – Mercedes
1:34.280 – Ferrari
1:34.910 – McLaren
1:35.290 – Force India
1:35.701 – Toro Rosso
1:35.743 – Red Bull
1:36.467 – Sauber
1:36.835 – Marussia
1:38.083 – Caterham
1:38.707 – Lotus
(Rundenzeiten 2013 Quali: P1 – 1:32.330, P22 – 1:36.476)
Abgesehen von McLaren wurden alle Zeiten in der letzten Woche gefahren, offenbar konzentrierte sich McLaren in der zweiten Woche eher auf Stintsimulationen.
Aber die Zeiten sagen erst einmal kaum etwas aus. Man weiß nicht, mit wie viel Benzin die Teams unterwegs waren, man weiß nicht, ob man bei der schnellsten Runde auch alle Systeme auf „volle Leistung“ geschaltet hat. Sicher ist, dass man eine schnelle Runde aber auch erst einmal fahren muss. Man kann erkennen, dass vor allem die Teams mit Mercedes-Motor gut unterwegs ist. Deswegen sollte man Williams jetzt nicht zum WM-Favoriten stempeln. Auch wenn man bei Mercedes und Williams offenbar schon sehr relaxed ist, wie dieser Dialog auf Twitter zeigt:
@WilliamsF1Team Absolutely! See you there :)
— Mercedes-AMG F1 (@MercedesAMGF1) March 2, 2014
Dazu zählen sollte man auf jeden Fall auch McLaren. Die haben sich aus dem Rennen um Bestzeiten rausgehalten, daher sind sie schwer einzuschätzen, aber der MP4/29 machte von seiner ersten Runde an einen sehr schnellen und kompetitiven Eindruck.
Ferrari ist ein noch ein Rätsel. In Sachen Rundenzeiten hängt man laut der Listen etwas zurück, aber das muss nichts bedeutet. Die Italiener haben von Anfang an klar gemacht, dass man zunächst eine Mischung aus Speed und Zuverlässigkeit sucht. Man gewinnt die Rennen schon allein wegen der Verbrauchsformel nicht über die schnellsten Rundenzeiten, sondern über die Konstanz und die Rundenzeiten, die man mit halbvollen Tank fahren kann. Wenn der F14T bei seiner schnellsten Runde nicht leer gewesen ist, dann sind sie ganz weit vorne. Allerdings gibt es Gerüchte, dass es dem Ferrari-Motor etwas an Leistung fehlt. Die Rede ist von 30 PS. Wobei dann auch noch die Frage ist, ob Ferrari den Motor zunächst etwas einbremst, um sich Schritt für Schritt an die Höchstleistung ranzupirschen. Kimi Räikkönen antwortete auf die Frage, ob die Ferrari auf der Geraden von den stärkeren Mercedes-Motoren stehen gelassen werden: „Darauf habe ich nicht geachtet.“ Alonso meinte, man sei noch nicht da, wo man hin möchte. Aber auch nicht weit davon entfernt.
Bei Renault und Red Bull ist die Sache komplexer. Die 1:35.743min, die Ricciardo am zweiten Tag während eines längeren Runs aus dem Ärmel geschüttelt hat, sieht angesichts der wenigen Testkilometer nicht so schlecht aus. Das Auto funktioniert, aber hat man auch genug Leistung? Caterham-Pilot Kobayashi beklagte sich über mangelnde PS und fehlenden Topspeed, aber leider gibt es für den Topspeed öffentliche keine Messung. Manche Quellen sprechen von einem Leistungsdefizit von bis zu 75 PS, aber das ist vermutlich etwas hoch gegriffen. Dass man im Moment aber nicht mit der vollen Leistung unterwegs sein kann, ist nachvollziehbar. Renault hätte es gerne gesehen, wenn man die „Einfrierung“ des Motors Ende Februar noch etwas weiter nach hinten geschoben hätte. Man habe damit aber keine Probleme, hieß es.
Auffallend war, dass viele Fahrer kleine Fahrfehler einbauten. Die neuen Autos haben weniger Abtrieb, aber mehr Leistung an der Hinterachse, was wohl die Ursache ist. Gleichzeitig reagieren die Boliden empfindlicher auf Seitenwind.
Fazit:
Es hilft sicher, wenn man in Melbourne einen Mercedes-Motor im Heck hat. Zwar hatte auch Mercedes mit technischen Problemen zu kämpfen, aber deutlich weniger, als die anderen Teams. Mercedes und Williams konnten es sich sogar erlauben, den Testmotor am Ende so lange drin zu lassen, bis dieser den Geist aufgab. Davon sind Red Bull und Renault noch weit entfernt, aber man liegt vermutlich nicht falsch, wenn man den RB10 nicht einfach aufgibt. Ferrari bleibt weiter schwierig einzuschätzen.
Allerdings ist der Rückstand schon enorm. Red Bull fehlen 3700km an Tests, was zwölf Renndistanzen oder mehr als einer halben Saison entspricht. Wenn man bedenkt, wie viel die Teams bei einer Renndistanz über die Technik und die Abstimmung lernen, bekommt man ein Gefühl dafür, wie stark Red Bull aufholen muss. Das gilt im übrigen auch für Lotus, denen praktisch eine ganze Saison fehlt. Zum Glück für beide Teams gibt es in diesem Jahr noch zwei weitere Testtermine. Dazu kommt, dass auch Mercedes nicht von technischen Rückschlägen verschont werden wird. Es kann gut sein, dass man auch mit einem Auto, dass zwei Sekunden langsamer ist, bequem in die Punkte fahren kann.
Im Mittelfeld hat Williams Anschluss an die Top-Teams gefunden und auch Force India nicht weit dahinter. Sauber kämpft mit Abstimmungsproblemen, und Lotus damit, dass man zu spät das neue Auto auf die Strecke gebracht hat.
In der nächsten Woche kommt unsere große F1-Vorschau. Als Podcast, als E-Book und natürlich als Zusammenfassung hier im Blog.

























1 Kommentare
Was man auch hören konnte: Den Renault-befeuerten Wagen fehlt es an Topspeed, was auch auf ein Leistungsdefizit hindeutet. Bei den Topspeed-Messungen in Bahrain war Red Bull fast 30km/h langsamer als die Mercedes-motorisierten. Allerdings kann es auch sein, dass man eben noch nicht mit maximaler Leistung gefahren ist, damit man überhaupt auf Kilometer kommt, daher sagt das nicht so viel aus.
Sicher ist jedenfalls, dass insbesondere RBR ein Problem hat, denn wenn man so wenig zum fahren kommt, stimmt halt was nicht.
In zwei Wochen werden wir mehr wissen – und ich freu mich schon drauf!
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