Welcher Fahrer hat in diesem Jahr überrascht, welcher die Erwartungen nicht erfüllt? Ein Blick auf die Fahrer und ihre Saison 2012.
Nach dem Rückblick auf die Teams, folgt nun eine Bewertung der Fahrer. Das ist immer etwas ungerecht, denn fast alle Fahrer, die in der Formel Eins fahren, sind Ausnahmekönner. Wer mal das Glück hatte (wie ich in Spa) in einem Simulator zu sitzen, der kann ansatzweise nachvollziehen, was man als Pilot heute so leisten muss. Schon das Anfahren ist eine Kunst für sich, aber das war es ja noch nicht. Die Fahrer müssen konstant flott unterwegs sein (also im Zehntelbereich), dabei reden sie mit ihren Ingenieuren, geben Feedback, bekommen Antworten, kümmern sich um das DRS, das KERS, die Bremskraftverteilung, die Gemischeinstellung und andere Dinge. Und ab und an müssen sie auch noch mal gegen einen Gegner kämpfen. Man muss da allen Fahrern schon jede Menge Respekt zollen. Aber ohne Bewertung geht es natürlich nicht, daher hier unsere Einschätzung über die Fahrer aus der Saison 2011.
Zum Verständnis: Die Reihenfolge basiert auf der WM-Wertung. Einige Fahrer, die nur Freitags oder ein Rennen unterwegs waren, haben wir weggelassen.
1. Sebastian Vettel
Eine perfekte Saison. Man muss schon lange suchen, um einen Fehler zu finden. Sein schlimmster Schnitzer war wohl der kleine Rutscher in Kanada, als er von Button auf feuchter Strecke unter Druck gesetzt wurde und mit seinen schon länger genutzten Reifen leicht raus rutschte. Wer Vettel kennt, der weiß, dass er sich über diesen Fehler selber am meisten geärgert hatte. Ansonsten lieferte Vettel eine Bilderbuch-Saison ab. Fast immer war er der schnellste Mann in der Quali, im Rennen konnte er sich oft leisten schon früh den Speed raus zu nehmen. Christian Horner meinte nach der Saison, dass Vettel in der Form seines Lebens sei. In der Tat – er erinnert an Fernando Alonso in den Jahren 2005/2006. Interessant wird sein, ob er diese Form im nächsten Jahr halten kann und was passiert, wenn es mal nicht so gut läuft. Die britischen Medien halten weiterhin wenig von seinen Überholqualitäten.
10 von 10 Punkten
2. Jenson Button
Dem Ex-Weltmeister muss man ebenfalls eine fast makellose Saison bescheinigen. Wenn da nicht die weiterhin eklatante Quali-Schwäche wäre, die ihn viele Plätze gekostet hat. Sein Problem, dass er einen sanften Fahrstil hat, ist aber gleichzeitig seine Stärke im Rennen. Der Titel „Reifenflüsterer“ klingt ein wenig affig, trifft es aber durchaus genau. Es gelang Button mal wieder in diesem Jahr, mit wagemutigen strategischen Entscheidungen seine Erfolge einzufahren. Mischverhältnisse, wie in Kanada, liegen ihm sicher sehr gut, aber er trifft aus dem Cockpit auch oft alleinverantwortlich die Entscheidung, wann er seine Reifen wechselt. Die Pirelli scheinen seinem Fahrstil entgegen zu kommen, wenn der Reifenhersteller 2012 bei den weichen Mischungen noch aggressiver vorgeht, dürfte Button das gefallen. Und das er 2011 Hamilton teilweise locker im Griff hatte, sollte allen als Warnung dienen, die glauben, der nicht mehr ganz taufrisch-junge Button habe seinen Biss verloren.
9 von 10 Punkten
3.Mark Webber
Verglichen mit seinem Teamkollegen Vettel, hatte Webber eine miserable Saison. Nur ein Sieg im letzten Rennen, weit, weit abgeschlagen in der WM. Man hat viel spekuliert. Passt das Auto nicht? Sind es die Pirelli? Oder hat der Verlust der WM im letzten Jahr ihm den Mut genommen? Vielleicht war es eine Kombination von all diesen Dingen. Tatsache ist, dass Webber eine extrem konstante Saison hatte. Sein schlechtestes Rennergebnis war ein 5.Platz zum Auftakt, ansonsten war er besser. Das spricht dafür, dass Webber den RB7 bis zum Ende ausgequetscht hat, mehr war aber nicht drin. Vielleicht lag es doch am Auto? Für 2012 ist er jedenfalls optimistisch. Es dürfte allerdings seine letzte Saison bei Red Bull sein.
7 von 10 Punkten
4. Fernando Alonso
Der Spanier saß in einem schlechten Chassis, lieferte aber wie gewohnt eine gute Leistung ab. Vor allem ab dem Sommer war er konstant unterwegs und erreichte etliche zweite Plätze. Zum Sieg reichte es nur in England, als der „hot blown diffusor“ verboten wurde. Es ist manchmal schwer den Spanier in diesem Jahr einzuschätzen. Vor allem am Ende der Saison wirkte er in manchen Rennen etwas lustlos. Was auch kein Wunder ist, denn wenn er den dritten Platz vor Auge hatte, konnte er oft mit eigenen Mitteln meist nur wenig erreichen. Wenn Alonso allerdings eine Schwäche bei seinem Gegner ausmacht, ist er da. Er baut im Rennen auch weiter Druck auf, selbst wenn seine Chancen nur gering sind.
7 von 10 Punkten
5. Lewis Hamilton
Der Brite war zwar oft in den Schlagzeilen, aber meist nicht, weil er ganz oben auf dem Podium stand. Irgendwie schien er an vielen Fronten zu kämpfen: Er haderte mit dem schlechten Auto, dem Team, seiner Freundin, Felippe Massa und den Rennkommissaren. Höhepunkt war sein Ausraster in Monaco, als er mehr oder weniger unverblümt, wenn auch im Scherz, meinte, dass seine Hautfarbe wohl etwas mit seinen häufigen Besuchen bei der Rennleitung zu tun haben könnte. Dazu kamen ungewohnte Fehler, manch lustlose Rennen. Erst zum Ende der Saison schien sich der Weltmeister von 2008 wieder gefangen zu haben. Klar ist – dieses Jahr hat er sich unter Wert verkauft, nächstes Jahr muss das besser werden.
4 von 10 Punkten
6. Felippe Massa
Im Juni hörte ich das Gerücht, dass Massa 2012 bei Ferrari raus sei. Zwei englischsprachige Fahrer seien bei Montezemolo gewesen, einer davon sei ein heißer Kandidat. Wer das war? Ich bin mir nicht sicher, dass einer der Kandidaten Webber war. Der andere? Ein Kollege meinte Button. Wie dem auch sei, Massa hat nicht nur eine schlechte Saison abgeliefert, er machte auch nicht den Eindruck, dass er besonders motiviert sein. Was Alonso mit dem F150 gelang, konnte Massa nie erreichen. Dabei lag man in den Rundenzeiten bei den Long Runs teilweise recht nah beieinander, aber Alonso war einfach konstanter und schneller. Das Ferrari ihn für 2012 bestätigt hat, liegt wohl eher daran, dass man keinen passablen Ersatz gefunden hat. Ich bin mir sicher, dass es seine letzte Saison bei Ferrari ist.
2 von 10 Punkten
7. Nico Rosberg
Rosberg gelang mal wieder das Kunststück, „Best of the Rest“ zu sein, aber wirklich überzeugend war das in diesem Jahr nicht. Zwar hatte er Schumacher in der Quali gut im Griff und er war ein Garant für die letzte Quali-Session. Im Rennen sah das teilweise nicht so gut aus, da konnte Schumacher immer wieder punkten. Vielleicht liegt der Eindruch, Rosberg habe eine maue Saison gefahren, auch daran, dass er im Gegensatz zu Schumacher nur selten im Bild zu sehen war. Meist gondelte er auf Platz sechs oder sieben rum, vor ihm eine leere Strecke und hinter ihm auch. Es gibt viele, die seine Qualitäten anzweifeln, ich bin mir da nicht sicher. Rosberg ist ein ruhiger Fahrer, vielleicht Button nicht unähnlich. Er hatte in diesem Jahr einen schlechten Wagen, aus dem er in fast jedem Rennen das Maximum raus geholt hat.
6 von 10 Punkten
8. Michael Schumacher
Eine gute Saison von Schumacher, jedenfalls, was die Rennen angeht. Ihm gelang das irrsinnige Kunststück, bei allen Rennen insgesamt knapp 30 Plätze am Start gut zu machen. Selbst wenn er von P12 oder P13 startete, am Ende der ersten Runde hing er hinter Rosberg. Natürlich war der Mercedes nicht gut, aber immerhin so schnell, dass er wenig Gegner fürchten musste. Zu Anfang der Saison waren beide Toro Rosso oft in seinem Weg, gegen Ende waren es beide Force India. Seine Rennen waren, bis auf Ausnahmen wie Valencia, meist recht gut, da gab es nichts zu mäkeln. Vielleicht klärt sich ja 2012 die Frage, was Schumacher gegen Rosberg leisten kann, wenn er ein Top-Auto hat.
6 von 10 Punkten
9. Adrian Sutil
Für den Deutschen war es gemischte Saison, im ersten Halbjahr ging recht wenig. Nach dem Rennen in England hatte er gerade mal 12 Punkte auf seinem Konto, und das bei nur einem Ausfall. Dazu kam, dass Paul di Resta ihm etwas die Show stah. Zwar konnte der Schotte bis zum Rennen in Ungarn nur 2 Punkte holen, aber in den Qualifikationen setzte er ein ums andere Mal den Deutschen unter Druck. Das war dann doch etwas überraschend und Sutil sah lange unsicher aus. Er fing sich jedoch in dem Moment, in dem auch Team den Wagen auf Vordermann bringen konnte und lieferte einige sehr gute Rennen ab. Sutil zeigte in diesem Jahr eine stabile Leistung und kam selten mit seinem Frontflügel unter dem Arm wieder zurück an die Box. Insgesamt wirkte er reifer, ohne von seiner Grundschnelligkeit eingebüßt zu haben.
5 von 10 Punkten
10. Vitaly Petrow
Die „russische Rakete“ lieferte eine bessere Saison ab, als man erwarten durfte. Zum einen düpierte er Nick Heidfeld, zum anderen schmiss er den teilweise knapp an der Unfahrbeitkeit gebauten Renault relativ selten in die Botanik. Er hatte eine paar Begegnungen mit Michael Schumacher, aber das kann man grundsätzlich als Rennunfall abhaken. Es fällt allerdings schwer, Petrow wirklich einzuschätzen, da ihm ein starker Teamkollege zum Vergleich fehlte. Hätte er wieder kein Land gegen Kubica gesehen, oder vielleicht doch ein paar Zehntel weg gefeilt? Zumindest empfohl er sich aber nicht zwingend für höhere Aufgaben. Daher wurndert es nicht, dass er zum jetzigen Zeitpunkt kein Cockpit hat.
4 von 10 Punkten
11. Nick Heidfeld
Sein Einsatz im Renault schien seine letzte Chance in der F1 zu sein und man muss es dann klar sagen: Die hat er nicht genutzt. Der Wagen mag eine große Rolle gespielt haben, aber auch Heidfeld machte nicht den allerflottesten Eindruck. Die Pause, die er 2010 hinlegen musste, war sicher ein auch Grund, aber man findet immer irgendwelche Gründe. Tatsache bleibt, dass der Deutsche nicht die Erwartungen des Teams erfüllen konnte und er auch kaum Rennen zeigte, in denen er wirklich auffiel, sieht man mal von den ersten zwei Rennen ab. Für Heidfeld dürfte das Kapitel Formel Eins damit beendet sein
1 von 10 Punkten
12. Kamui Kobayahsi
Der Japaner, im letzten Jahr sehr hoch gehandelt, hatte ebenfalls eine zähe Saison. Auch hier spielten das Auto und vor allem die Reifen eine große Rolle. Während die Bridgestone die teilweise sehr harte Fahrweise tolerierten, mochten die Pirelli das nicht. Vor allem die weichen Mischungen quittierten Kobayashis zwar nett anzusehende, aber eben auch reifenmordende Fahrweise mit heftigem Verschleiss. Kobayashi passte sich an, sein Erfolge blieben etwas auf der Strecke. Auch hatte er überraschenderweise etwas mit Sergio Perez zu kämpfen, der den Japaner ein ums andere Mal in der Quali schlagen konnte. Kobayashi wird 2012 beweisen müssen, was er drauf hat, sonst wird es schwer bei einem Top-Team unterzukommen.
4 von 10 Punkten
13. Paul di Resta
Sicher die Überraschung des Jahres. Mercedes hatte den F3 Euro-Meister von 2006 (!) lange in der DTM geparkt, auch weil man auf Gary Paffett setzte. Der zeigte bei diversen Testfahrten aber nur mäßige Leistungen, also durfte di Resta ran. Erstaunlicherweise gelang ihm der Umstieg von der DTM zur F1 fast problemlos. Er hatte sofort den nötigen Speed, schlug teilweise seinen Teamkollegen und fiel nie mit Unfällen auf. Gegen Ende der Saison, als Force India immer besser wurde, konnte er zeitweise sogar die Mercedes ärgern. Anders gesagt: Auch wenn seine Fahrweise nicht sehr spektakulär ist war di Resta für mich der „Rookie of the year“.
8 von 10 Punkten
14. Jamie Alguersuari
Der Spanier Alguersuari galt nach seinem sehr dominanten Titelgewinn in der British F3, als einer der hoffnungsvollsten Kandidaten in der Formel Eins. In seiner zweiten Saison zeigte er zumindest teilweise, dass er nicht zu unterschätzen ist, wenn es ums Rennen geht. In der Qualifikation sah es teilweise anders auch, allerdings muss man hier auch sehen, dass die Zeitunterschiede im Hinterfeld manchmal nur weniger Hunderstel betrugen. Am Ende der Saison lag er in Sachen Punkte deutlich vor Sebastian Buemi, doch der schien, zumindest gefühlt, der schnellere Mann zu sein. Schwer zu sagen, wie sich Toro Rosso entscheiden wird, aber Alguersuari hätte meiner Meinung nach eine weitere Saison verdient.
5 von 10 Punkten
15. Sebastian Buemi
Im Gegensatz zu Alguersuari schien mir Buemi eine etwas schwächere Saison zu fahren, was sich auch auf dem Punktekonto niederschlug. Aber Buemi hatte auch zwei Ausfälle mehr zu vermelden, dazu einen sehr wichtigen in Abu Dhabi, als er auf Punktekurs war. So schlecht war er also nicht unterwegs, die besseren Einzelergebnisse hatte aber sein Teamkollege. Die Schwäche von Buemi ist das Rennen, ich möchte aber auch hier einschränken, dass Toro Rosso oft die Strategie gesplittet hat und es im Nachhinein schwer ist, da seine Rennen endgültig zu bewerten. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn sich Toro Rosso für Alguersuari entscheiden würde.
4 von 10 Punkten
16. Sergio Pérez
Ein wenig überrasachend war die Verpflichtung von Pérez dann schon, aber das Geld von Telmex hat eine gewichtige Rolle gespielt. Um so überraschender war dann die Leistung des Mexikaners, der von Anfang an mit guten Qualifikationen und soliden Rennen aufwarten konnte. Der Sauber gab auch wenig Gelegenheit um zu glänzen, aber wie bei vielen Rookies merkte man Pérez im Rennen an, dass ihm Erfahrung und Konzentration auf die Dauer ausgingen. Er holte ein paar Punkte, aber insgesamt 16 weniger als Kobayashi. Dennoch scheint seine Leistung intern hoch bewertet zu werden, denn wie man hört, hat Ferrari ein Auge auf Pérez geworfen und schaut, ob man ihn 2013 neben Alonso setzt.
5 von 10 Punkten
17. Rubens Barrichello
Die vermutlich letzte Saison des sympathischen Formel-Eins-Rentners stand unter keinem guten Stern. Der FW33 war eine Krüke, da konnte Barrichello auch nichts machen. Immerhin holte er 4 der 5 Punkte des Teams, was dann doch für ihn spricht. In der Quali sah er gegen Maldonado teilweise schlecht aus, die Zeitabstände waren dementsprechend dünn, was nicht mehr für den Speed von Rubens spricht. Einerseits wäre es schade, wenn Rubens die F1 verlassen müsste, andererseits scheint seine Zeit wirklich zu Ende zu sein.
4 von 10 Punkten
18. Bruno Senna
Das Senna nicht mit dem Genie seines Onkels versehen ist, hat sich mittlerweile rum gesprochen. Dafür hat er nicht unbedingt weniger Geld, was ihm den Einsatz im HRT und im Renault gebracht hat. Man darf aber auch nicht unfair sein, Senna hat in den letzten Jahren wenig Fahrerfahrung sammeln können, mitten in der Saison, mit fast keiner Erfahrung, in einen F1 einzusteigen, ist auch keine leichte Sache. Dafür hat er sich recht gut geschlagen, teilweise Petrov, vor allem in den Rennen, manchmal alt aussehen lassen. Sein Talent bleibt trotzdem eher überschaubar.
3 von 10 Punkte
19. Pastor Maldonado
Das ich von den Fahrkünsten von Maldonado nicht viel halte, habe ich übers Jahr immer mal wieder deutlich gemacht. Aber ein wenig überrascht hat er mich schon, vor allem auf eine schnelle Runde. Es gelang ihm immerhin den schwachen Williams ab und zu in die letzte Quali-Einheit zu bugsieren, was man schon honorieren muss. Am Rennspeed mangelt es jedoch. Dafür, dass er mit jahrelanger Erfahrung aus der GP2 ausgestattet ist, waren seine Rennen schwach bis unbefriedigend. Er ergatterte nur einen Punkt, was etwas zu wenig ist. Sein Platz ist in dem Moment weg, in dem der Sponsor abspringt.
3 von 10 Punkte
20. Pedro de la Rosa
Der Spanier fuhr nur ein Rennen, daher gibt es keine Wertung. Nächstes Jahr sitzt er im HRT.
21. Jarno Trulli
Seit 1997 ist Trulli in der F1 unterwegs, seine Schwächen sind hinlänglich bekannt. Auf eine schnelle Runde war er gut, im Rennen immer eher mau. In diesem Jahr verlor er allerdings sogar gegen Kovalainen das Quali-Duell deutlich. Trulli führte seine Schwäche auf ein zu indirekte Servolenkung zurück, in Wahrheit dürfte seine Zeit einfach abgelaufen sein. Lotus hat ihn zwar weiter verpflichtet, aber ich glaube nicht, dass er als Einsatzfahrer gebucht wird.
1 von 10 Punkten
22. Heikki Kovalainen
Der Finne hat mich in diesem Jahr überrascht. Sehr gute Qualifikationen, sehr gute Rennen. Tony Fernandes meinte, dass Kovalainen bei Lotus „aufgewacht“ sei, was man wohl so auch bestätigen kann. Es ist aber schwer seine Leistungen einzuschätzen, weil Trulli halt eher gelangweilt unterwegs war. Kovalainen wird zwar kein Top3 Fahrer, aber schnell genug um locker in die Top 10 zu fahren. Er hat eine gute Saison gezeigt, so fern das möglich war.
5 von 10 Punkten
23. Vitantonio Liuzzi
Es ist schwer, die HRT-Fahrer zu bewerten, weil sie noch seltener als Virgin und Lotus/Caterham im TV zu sehen sind. Man hat sie deswegen auch etwas weniger unter Beobachtung. Aufgefallen ist mir allerdings, dass Liuzzi keine schlechte Saison hatte. Immerhin kam er regelmäßig ins Ziel und machte halt das Beste aus seiner Situation. Mit seinen Teamkollegen kam er gut klar, mit Ricciardo hatte er allerdings so seine Probleme.
3 von 10 Punkten
24. Jerome D’Ambrosio
Der Belgier ist gar keine so schlechte Saison gefahren. Ähnlich wie Timo Glock, hatte er mit dem Auto zu kämpfen, dabei sollte man aber nicht vergessen, dass Glock einiges an Erfahrung mit schlechten Autos mitbringt, D`Ambrosio aber nicht. Dafür, dass er seine erste Saison gefahren ist, war das Ergebnis in Ordnung. Vor allem im ersten Halbjahr hatte er etwas Probleme, später konnte er Glock auf die Pelle rücken und dank eines besseren Rennens auch in der WM-Wertung schlagen. Es ist schade, dass man ihm keine zweite Saison ermöglicht.
4 von 10 Punkten
25. Timo Glock
„Und Timo, wie ist es gelaufen?“ – „Ja, ich sag, sehr ihr ja selbst. Also, für das, was wir haben, war schon ganz gut, mehr ging echt nicht.“ Was soll man zum bedauernswerten Timo Glock sagen. Aber vielleicht wird es nächstes Jahr was, da Virgin mit McLaren zusammenarbeitet.
5 von 10 Punkten
26. Narain Karthikeyan
Der Inder machte einen soliden Job und war auch nicht so viel langsamer als Luizzi, was schon etwas überraschend war. Im Rennen konnte er das Tempo oft aber nicht mit gehen. Später würde er gegen Ricciardo ersetzt.
3 von 10 Punkten
27. Daniel Ricciardo
Red Bull hatte seinen Junior bei HRT geparkt, damit der schnellstmöglich mit der Formel Eins in Berührung kommt. Das Australier gilt als „das“ Nachwuchstalent der letzten Jahre, aber das hat man von Scott Speed, Brandon Hartley, Mika Mäki und anderen auch schon gesagt. Seine Performance bei HRT war allerdings nicht schlecht. Nicht atemberaubend, aber auch nicht schlecht. Das Gerücht geht rum, dass Ricciardo bei Lotus/Caterham landen könnte.
5 von 10 Punkten

5 Kommentare
Überraschung des Jahres ist für mich Jenson Button. Natürlich sah er im Vergleich zu Lewis „ich will ein Star sein so wie David Beckham“ Hamilton sowieso besser aus als der Teamkollege mit seinem Seuchenjahr, aber auch grundsätzlich hat er eine äusserst gute Performance auf der Strecke gezeigt. Speed, Rennintelligenz, einige tolle Aufholjagden. Vielleicht sein sportlich bislang stärkstes Jahr. Konnte man in der Form nicht gerade erwarten, irgendwie glaubte wohl jeder dass Hamilton den „netten Herrn Button“ bügeln würde.
Paul di Resta, sicherlich Rookie des Jahres. Überraschend fand ich das aber nicht, konnte man für meine Begriffe in etwa so erwarten.
Maldonado und Perez – schwach. Wenn man sagt „pay driver“ kommen sofort irgendwelche Lobeshymnen aus verschiedenen Ecken, das stimme ja garnicht, die hätten doch super Leistungen gezeigt, usw. Das sehe ich ganz und garnicht so. Sie sind so allgemein mitgefahren, haben mal die eine oder andere Leistungsspitze gehabt und ansonsten wenig geglänzt. Der klassische Pay Driver früherer Zeiten, der kaum das Auto um die Strecke gewuchtet kriegt, existiert sowieso nicht mehr. Heute haben auch solche Piloten viele Jahre an massiv sponsorfinanzierter Aufbauarbeit in anderen Serien hinter sich, können also durchaus „so irgendwie“ fahren. Sonst kämen sie für die heutigen F1-Teams von vornherein garnicht erst in Betracht. Trotzdem ist das Gesamttalent bei solchen Fahrern in der Praxis eher überschaubar, und ohne ihren Sponsorenhintergrund wären sie schlichtweg nicht in der F1. Bloss weil sie „auch mal“ etwas Leistung zeigen muss man sie nicht gleich über den grünen Klee loben und ihnen den Pay Driver-Status absprechen, wie manche Kommentatoren das gerne mal machen. Auch für Senna würde sich ohne seinen Namen und seine Finanzsicherheit vermutlich kein Mensch interessieren. Das sind Pay Driver, Punkt.
Auch Kobayashi leidet etwas unter ähnlicher Überschätzung, seine Leistung wird immer noch zu sehr an dem einen spektakulären Rennen in Suzuka festgemacht (wo er genau nur eine Kurve wirklich beherrschte – die Haarnadel – und auch das nur weil die anderen Fahrer mitmachten und nachgaben wenn er wie von der Tarantel gebissen innen reinstach). Er hat definitiv Qualitäten, die seinen F1-Platz rechtfertigen, will aber nach wie vor mitunter viel zu viel und neigt zu Fehleinschätzungen und Inkonstanz.
„Ein Blick auf die Fahrer und ihre Saison 2012.“
„Aber ohne Bewertung geht es natürlich nicht, daher hier unsere Einschätzung über die Fahrer aus der Saison 2012.“
Öhh…. 2012 kommt aber erst noch. Im Moment haben wir noch 2011.
Der arme Jerome D’Ambrosio, das ganze Jahr mitgefahren, aber doch nicht aufgefallen… ;-)Könnte der junge Belgier vielleicht noch ergänzt werden?
Ich denke, dass Maldonado zu wenig gezeigt hat um aus sportlichen Gründen seinen Platz zu halten. Bei Perez sehe ich das anders. Zum einen hatte er gute Rennen und konnte die Strategie des Teams gut umsetzen, zum anderen hatte er wenige negative Aktionen, was für einen Rookie nicht unbedingt selbstverständlich ist.
Die Ersatzteilrechnung-Hochtreiber Hamilton und Massa kommen IMHO zu gut und Kobayashi zu schlecht weg, aber so ist das mit solchen Ranglisten: Mit Ausnahme des WM-Endstandes gibt es keine unumstößlichen Wahrheiten im Leben. ;-)
Ich stimme aber nona zu, Button war wirklich die Überraschung, unaufgeregt intelligent konstant und dabei verdammt schnell unterwegs und hat damit sicher seinen Beitrag zu Hamiltons Verunsicherung und Neigung zu hirnlosen Manövern geleistet. Hätte ich Button auch nicht so zugetraut.
Überhaupt, ich war nie der Button-Fan und hielt ihn für überschätzt, seit seinem Weltmeister-Jahr zeigt er aber was in ihm steckt und ist als Champion unterwegs. Wenn’s Auto passt, kann man da von ihm 2012 noch einiges erwarten, für mich die klare Nummer 1 bei McLaren.
Danke für die Hinweise. Den guten Jerome habe ich tatsächlich vergessen, und das, wo ich doch durchaus was von ihm halte. Auch der Jahresfehler ist korrigiert!
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