Wenn man sich die Zuschauerzahlen der NASCAR so anguckt sieht man eine leicht beunruhigende Tendenz: Sie sind fallend, schlechter als letztes Jahr und noch schlechter als die Jahre davor.
Ich werde versuchen im Folgenden eine kleine Übersicht über TV-Ratings beziehungsweise Zuschauerzahlen des bisherigen Jahres zu geben und versuchen Erklärungen für den Zuschauerverlust zu finden. In diesem Artikel wird es sehr viel um Zahlen gehen, nur als kleine Warnung, falls dieser Artikel am späten Abend gelesen werden sollte. Ich fange logischerweise mit dem bekanntesten und größten Rennen gleich am Anfang der Saison, dem „Daytona 500“ an, welches aus FOX übertragen wurde. Dies hatte ein Rating von 7,7. Zeit für eine kleine Anmerkung, da das „TV-Rating“ im weiteren Verlauf des Artikels noch mehrmals auftaucht. In Amerika werden die Zuschauerzahlen, nicht wie in Deutschland in %-Marktanteil sondern in Ratings gemessen. Diese Ratings entsprechen dann wiederum bestimmten Zuschauerzahlen. Ein 7,7 Rating bedeutete in etwa 13,3 Millionen Zuschauer. Die Ratings an sich spiegeln in etwa den Marktanteil in % wieder. Die 2009er Ausgabe des Daytona 500 sahen noch 16 Millionen im Jahr 2008 sogar fast 18 Millionen. Also ein Minus in 3 Jahren von fast 1/4 der Zuschauer. Allerdings muss man vorsichtig sein.
Wie weiter unten erwähnt wird, hatte das Rennen eine Gesamtübertragungszeit wegen Streckenreperaturen von fast 400 Minuten. Selbst für die Amerikaner ist das eine „Mammut-TV-Distanz“.Die lange Übertragungszeit zehrt folglich ganz ordentlich an den Zuschauerzahlen. Bei einer „normalen Übertragung“ wäre man vermutlich auf einen auf ein leicht niedrigeres Rating als 2009 gekommen. Nichtsdestotrotz war das Rating für FOX, sowie das ganze Rennen eine mittlere Katastrophe. Bei dem Qualifying, welches ebenfalls auf Fox übertragen wurde, ist der Zuschauerabfall, prozentual gesehen, noch dramatischer. Während im Jahr 2008 noch 4,4 Millionen zusahen, waren es in diesem Jahr nur noch 2,36 Millionen Zuschauer, was ein Minus von über 2 Millionen oder fast 50% bedeutet. Allerdings darf man die Duels nicht vergessen welche es schafften im Vergleich zu 2009 sogar mehr als 100.000 Zuschauer zu gewinnen. Die Grafik verdeutlicht das nochmal:

(Zuschauerzahlen in Millionen)
Da ja in letzter Zeit hier auch oft die Werbestrecken unter heftiger Kritik standen, hier ein kurzer Vergleich der Werbung: Beim Daytona 500 2008 dauerte die gesamte Sendung 218 Minuten, in welchen nur eine knappe Stunde, 52 Minuten, Werbung gesendet wurde und somit 166 Minuten Rennen. 2009 dauerte die Übertragung 208 Minuten, war also 10 Minuten kürzer. Währenddessen sendete man jedoch 58 Minuten Werbung, also in weniger Sendezeit mehr Werbung. Das 2010er Daytona Rennen ist leider ein schlechter Vergleich, da man ja 2 Stunden damit verbrachte die Strecke mehr oder weniger wieder in Stand zu setzen. FOX übertrug insgesamt fast 400 Minuten und man sendete 76 Minuten davon Werbung. Wäre alles normal gelaufen wäre man vermutlich beim Wert von 2008 gelandet, also zumindest bei der FOX Übertragung des Daytona 500 sendet man zwar viel, aber wenigstens nicht mehr Werbung als in den anderen Jahren. Zu TNT komm ich später.
Das zweite Rennen ist ja schon fast traditionell das in Fontana, welches nicht gerade für große Spannung bekannt ist. Allerdings profitiert dieses Rennen vom Saisonanfang, denn die Amerikaner sind genau so heiß wie wir auf Motorsport nach dem langen Winter. Hier ist auch ein Zuschauerverlust festzustellen, der einerseits dramatisch aussieht, andererseits lief das Rennen in diesem Jahr gegen Olympia. 9,1 Millionen Leute sahen das Rennen dieses Jahr, 9,9 Millionen 2009 und 10,9 Millionen 2008. Also insgesamt ein Minus von in etwa 20% der Zuschauer.
Beim 3. Saisonrennen in Las Vegas könnte man echt Bedenken bekommen. Im Jahr 2009 sahen noch 11 Millionen zu, im Jahr 2010 nur noch 7,1 Millionen. Der Grund waren die parallel laufenden Medaillienspiele im Eishockey bei Olympia. Dies wäre an sich kein großes Problem gewesen, wenn nicht die USA gegen Kanada zur gleichen Zeit im Finale um Gold gespielt hätten. Als das olympische Eishockeyfinale beendet war (die Amerikaner hatten verloren), schnellten die Zuschauerzahlen um 20% in die Höhe und man lag nur noch 5% unter dem Vorjahreswert. Das schlechte Gesamtrating konnte aber auch das nicht verhindern.
In Atlanta konnte man 2 % Zuschauer im Vergleich zu 2009 gewinnen . Atlanta war im Übrigen auch das erste Rennen welches nicht gegen die olympischen Spiele antreten musste. Zu diesem Zeitpunkt lag man insgesamt gesehen 10% hinter der Zuschauerzahl des letzten Jahres zurück. Bristol fuhr ebenfalls ähnliche Werte wie die letzten Jahre ein, während das Martinsville Rennen um fast 50% einbrach, was aber am Regen lag, weshalb das Rennen auf Montag verschoben wurde. In Phoenix erreichte man ein Plus von 3% bei den Zuschauerzahlen während man in Texas auf Grund von Regen Montags fahren musste und somit einiges an Zuschauern, über 50%, einbüßte.
Das erste Talladegarennen, eines der Saisonhighlights, hatte 350.000 Zuschauer mehr als 2009, nämlich in etwa 8,5 Millionen. Im Vergleich zum Jahr 2008 verlor man jedoch knapp eine halbe Million. Folgende Tabelle zeigt die Werbung:
Während man 2008 also gleich viel Werbung in mehr Rennzeit zeigte, brachte man 2010 fast 10 Minuten mehr Werbung, bei fast gleicher Rennzeit.
Die folgenden Rennen habe ich in dieser Tabelle dargestellt:

(Zuschauerzahlen in Millionen)
Interessanterweise sieht man allgemein, dass die Zuschauerzahlen 2008 außer beim All-Star Race immer stärker waren als 2009 und 2010. Die Zahlen 2010 sind zwar in Richmond und Dover schwächer als 2009, dafür holte man in Darlington mehr Zuschauer und hatte beim All-Star Race, welches nicht von FOX sondern von SPEEDTV übertragen wird, in etwa gleich viel Zuschauer wie im Vorjahr. Insgesamt steht trotzdem ein leichter Verlust an Zuschauern für dieses „4er-Pack“ an Rennen zu Buche.
Das letzte Rennen, welches FOX überträgt, ist das in Charlotte. Hier holte man 6,5 Millionen Zuschauer, im Vergleich zu 2009 ein sattes Plus von 1,2 Millionen. Aber das Rennen 2009 wurde wegen Regens auf Montag verschoben, ein besseren Vergleichswert liefert da das Rennen in 2008, welches sich 7,6 Millionen Zuschauer ansahen, folglich ein Minus von etwas mehr als einer Million.
Hiermit endete die Übertragungsstrecke von FOX. Abschließend hat FOX im Vergleich zum Jahr 2009 700.000 Zuschauer pro Rennen, also etwas mehr als 7 % verloren. Aber in der Saison 2010 waren 2 Rennen (Martinsville und Texas) rain delayed, während es 2009 nur das Charlotte Rennen traf. Auch das Daytona 500 fließt natürlich in die Abschlusstatisik mit ein, ein weiterer Grund warum im Vergleich zu 2009 etwas verlor. Aber all dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2010 die schlechteste Saison für FOX in der Übertragungsgeschichte war,
Dann griff TNT ins Geschehen ein, und mit floss viel berechtigte Kritik. TNT ist, anders als FOX, ein reiner Kabel/Satellitsender, wird also nicht über sogenannte Affiliate- bzw. Regionalsender in jede Ecke der USA übertragen. Da liegen die Einschaltquoten also eh etwas niedriger, als bei der Konkurrenz. Das erste Rennen von TNT ist das auch immer wenig spannende in Pocono. Man schaffte es mit der ersten Übertragung 5,3 Millionen Zuschauer zum Einschalten zu bewegen. Damit verlor man in etwa 150.000 Zuschauer gegenüber dem Vorjahr und nochmal 600.000 mehr im Vergleich zu 2009. Aber jetzt zu dem eigentlich Interessanterem der Werbung. Die Rennübertragung aus Pocono war 258 Minuten lang, davon sendete TNT 70 Minuten Werbung. Zum Vergleich: letztes Jahr versendete TNT bei einer Übertragungszeit von 237 Minuten 67 Minuten Werbung. Man machte also im Vergleich zum letzten Jahr nicht mehr Werbung.
Das nächste Rennen war das in Michigan, welches 4,3 Millionen Zuschauer anzog. Leider 800.000 weniger als in den beiden Vorjahren. Auch hier der Blick auf der Werbung: Die Übertragung dauerte 173 Minuten und man sendete 51 Minuten davon Werbung. Ein ähnlicher Wert wie im Vorjahr. Dann kam das Rennen wo TNT die Übertragung ziemlich in den Sand setzte nämlich das am Infineon Raceway und hier verlor man mächtig Zuschauer wie das Diagramm zeigt:

(Zuschauerzahlen in Millionen)
Das ist ein Minus von knapp 1,5 Millionen Zuschauern im Vergleich zum Vorjahr und der niedrigste Wert der Saison bisher. Das Rennen in New Hampshire verlor im Vergleich zum Vorjahr wie das Diagramm zeigt knapp eine halbe Million Zuschauer. Bei beiden Rennen zeigte man in etwa so viel Werbung wie im Vorjahr. Aber ABC überträgt das Chase-Rennen aus New Hampshire. Dort zeigte man 2009 bei 206 Minuten Gesamtübertragungszeit 53 Minuten Werbung, während TNT in seiner 2010er Ausgabe bei 184 Minuten 61 Minuten Werbung zeigt. Das ist gelinde gesagt heftig. ABC überträgt 22 Minuten mehr und zeigt 8 Minuten weniger Werbung und das im Chase.
Darauf folgte das Sommerrennen in Daytona welches im Vergleich zu letzten Jahr um fast 800.000 Zuschauer auf 6,1 Millionen zulegen konnte. Aber auch hier verlor man im Vergleich zu 2008 Zuschauer. Hier auf die Werbung einzugehen macht wenig Sinn, da es TNTs „Wide Open Coverage“ war. Dort gibt es immer weniger Werbung und wenn dann via Bild in Bild.
TNT’s Abschluss bildet das Rennen in Chicago, welches knapp 4,8 Millionen Zuschauer sahen. Das sind jeweils 300.000 Verlust im Vergleich zu den Vorjahren. Bei diesem Rennen gibt es keine Auffälligkeiten bezüglich der Werbung. TNT verlor im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich 350.000 Zuschauer pro Rennen. Das ist eine ganze Menge.
Bei FOX noch sagen kann, dass ihre Gesamtzuschauerzahl durch das misslungene Daytona 500, Olympia und den beiden rain delayed Races nach unten gezogen wurde. Ansonsten hätten sie vermutlich ähnliche Ratings wie 2009 erreicht. TNT kann dagegen auf keine „äußeren Faktoren“ zurückgreifen, die den Zuschauerschwund im Vergleich zum Vorjahr erkären. Wurden sie also für ihre schlechte Übertragung abgestraft? Vielleicht teilweise, aber das ist vermutlich nicht ausschlaggebend. Wenn man sich die Sieger der TNT-Rennen anschaut, tauchen dort die Namen Johnson, Busch, Hamlin, Harvick und Reutimann auf. Klar für Reutimann war es ein toller Sieg und es ist wunderbar, wenn der Motorsport solche Geschichten schreibt und den Zuschauern gefällt das auch. Aber Johnson und Hamlin sind nicht als die Publikumslieblinge verschrien, ebenso wie Kyle Busch oder Kevin Harvick, der auch schon einige Rennen in diesem Jahr gewinnen konnte. Ein Earnhardt Junior außer Form und auch kein Tony Stewart auf der Siegerliste, ebenso kein Mark Martin. Überhaupt ist es erschreckend: Nur 3 Rennen in dieser Saison bisher wurden von Fahren gewonnen, die nicht Johnson, Harvick, Hamlin oder Busch mit Nachnamen heißen: McMurray in Daytona, Newman in Phoenix und Reutimann in Chicago. 2009 hatte man zu diesem Zeitpunkt schon 11 Fahrer, die ein Punkterennen gewinnen konnten, 2010 sind es nur 8. Seriensieger sind für Einschaltquoten selten förderlich. Das dann auch noch weniger beliebte Fahrer bei den Fans gewinnen, dürfte TNT letztendlich die Zuschauer gekostet haben.
Aber woran liegt dann der Verlust im Vergleich zu 2008? Die NASCAR hat ihren absoluten Popularitätshöhepunkt vermutlich überschritten und deshalb fallen die TV-Ratings allgemein. Man darf nicht vergessen, dass die NASCAR in den letzten 15 Jahren einen rasanten Aufstieg zur beliebtesten Motorsportserie in den USA hingelegt hat, auch wenn ihr die Trennung von IRL und Champpcar sicherlich geholfen haben. Irgendwann ebbt die Begeisterung etwas ab, das ist ganz normal. Ein Jimmie Johnson, der 4 Mal die Meisterschaft gewinnt ist auch nicht gerade hilfreich. Nichtsdestotrotz gehören NASCAR Rennen, wenn nicht Football wie ab September läuft, oft zu der meistgesehensten Sendung des Tages in den USA. Außer Football kann kein Sport NASCAR in den USA das Wasser reichen und das wird vermutlich noch eine ganze Weile so bleiben.
(Als Quelle für den Artikel habe ich hauptsächlich www.jayski.com benutzt, eine gute Seite wenn man Zahlen über alles was mit NASCAR und Fernsehen zu tun hat, sucht)


5 Kommentare
Vielen Dank für die Übersicht.
Bei der Auflistung der Siegfahrer ist nur ein Fehler. Hinter Busch verbergen sich natürlich Kyle und Kurt und so sind es bisher 8 Siegfahrer in diesem Jahr.
Die Überlegenheit eines Fahreres, eines Teams, einer Marke hat noch keiner Serie wirklich gut getan. Der Sport lebt halt von der Spannung und wenn man vorher schon weiß, dass sein Favorit keine Chance hat, schlatet man halt schnell weg. So halte ich es wenigstens wenn Kurt seinen Dodge frühzeitig in die Mauer oder einen Gegner versenkt.
Für die nächsten Rennen gehe ich aber von steigenden Zuschauerzahlen aus, da jr. eine echte Chance hat, in den Chase zu kommen. Wenn das keine steigende Quote bringt, hat NASCAR ein echtes Problem.
Crusher75
Ups stimmt natürlich, danke für den Hinweis :)
Mal schauen obs Jr. wirklich in den Chase schafft zu wünschen wärs ihm und der Quote ;)
als großer Jr. Fan würde ich mich auch sehr darüber freuen, wenn er es in den Chase schafft. Ich glaub zwar nicht an den Titel, aber zumindest ein Sieg wäre cool.
Ich denke, für die Quoten wäre das auch der Hammer: erst ein Sieg und dann der Chase, dann würden auch mehr Leute einschalten.
Man kann aber auch nicht leugnen, dass die Rennen nicht mehr ganz so aufregend und spektakulär sind. Wie im Artikel schon erwähnt: Es gewinnen auch zu oft dieselben. Warum auch immer, früher war das anders. Möglicherweise fehlt ernsthafte Konkurrenz, die es ja früher mit der ChampCar gab?
Man darf nicht vergessen, dass die NASCAR von einem extrem hohen Niveau runterkommt. Das war schon irre, was an Einschaltquoten geliefert wurde. Wie in der F1 zu Schumacherzeiten in Deutschland. Das Problem ist halt, dass sich dahinter keine „echten“ Fans verborgen haben, sondern nur solche, die ab und an mal reinschauten. Die durch den Tod von Earnhardt und 9/11 extrem aufgeheizte Atmosphäre hat da ihr übrigen zu beigetragen. Jetzt rutscht man halt wieder dahin, wo man vorher war, vielleicht ein wenig besser. Die Verbesserungen der Regeln in dieser Saison, die kleinen „bad boy“ Geschichten rund um Kyle Busch, Edwards, Monty und Logano haben sicher auch nicht geschadet. Vielleicht gewinnt ja auch mal jemand anders den Chase, das würde auch helfen und vielleicht dafür sorgen, dass die NASCAR auch wieder in „großen“ Sender rutscht. ABC verzichtet ja dieses Jahr, bis auf Talladega, auf die Übertragung der NASCAR Rennen.
Comments are closed.