Die FIA hatte heute ihre Weltratsitzung und einiges beschlossen. Darunter eine neue Regel, die ich eher schlecht finde.
Zunächst mal wurde bekannt, dass Pirelli ab 2011 neuer und alleiniger Reifenlieferant der Formel Eins werden wird. Das war seit Wochen erwartet worden und spätestens, seit dem Le Mans Wochenende, an dem man von Michelin gar nichts mehr zum Thema hörte, war klar, dass das Pendel in Richtung der Italiener gefallen ist. Die Entscheidung wird allerdings auch von einer großen Portion Skepsis begleitet, da überhaupt nicht klar ist, ob Pirelli in der kurzen Zeit vernünftige Reifen in der Menge herstellen kann. Man kann vermutlich jetzt schon davon ausgehen, dass die nächste Saison auch für die Top Teams eine Lotterie werden wird. Bringt aber auch wieder etwas mehr Würze in eine Saison, wenn ein kleines Team durch etwas Glück die neuen Reifen besser adaptiert. Und dann hat die FIA die alte 107% Regel wieder ausgegraben.
Die meisten werden sich erinnern, dass es die früher schon mal gab. Statt einer Vorqualifikation, wie in den 80er Jahren, entschied man sich, dass nur die Fahrer am Rennen teilnehmen durften, die höchstens 7% über der schnellesten Zeit lagen. Anders ausgedrückt: wenn der schnellste Fahrer eine Rundenzeit von 1.20min hatte, darf man nicht langsamer als 1.25.5min fahren. Sollte einer der Piloten 2011 in Q1 über den 107% liegen, darf er Sonntag nicht starten.
Ich halte diese Regel für falsch. Zum einen ist es für neue Teams schwer genug, in die Serie zu kommen, zum anderen macht man es ihnen so noch schwerer, einen Sponsor an Land zu ziehen. Bisher fielen die meist lahmen HRT im Rennen nicht weiter auf, hier und da sorgten sie für etwas Würze beim Überrunden. Da die Teams nicht testen dürfen, bzw. Testeinsätze exorbitant teuer sind, sind die Rennen die einzige Chance etwas am Wagen zu verbessern. Ein Team, dass nicht fahren darf, wird sich aber kaum verbessern können, was einen Teufelskreis ergibt.
Die FIA hat sich allerdings eine Hintertür in die Regel eingebaut, denn es kann ja auch mal sein, dass ein Herr Alonso nicht in der Quali starten kann, weil er im freien Training seinen Einsatzwagen verbogen hat. Hier können die Stewards dann entscheiden, dass ein Fahrer doch starten darf, wenn seine Zeiten in den Trainingssessions ansprechend waren. Wie im richtigen Leben: die Kleinen werden gegängelt, die Großen werden gehätschelt.
Die Organisierungswut der FIA geht aber noch weiter. Die von der technischen Arbeitsgruppe um Ross Brawn vorgebrachte Idee mit dem verstellbaren Heckflügel wird umgesetzt. Ab 2011 darf man den Heckflügel dann flacher stellen:
– Im allen Trainings und Quali-Sessions nach eigenem Wunsch
– Im Rennen, wenn man 1 Sekunder hinter einem Kollegen liegt
– Das System wird deaktiviert, wenn der Fahrer auf die Bremse tritt
In den ersten zwei Runden nach einem Start darf man den Flügel nicht verstellen. Da hätte ich aber noch ein paar Fragen:
1. Was passiert, wenn drei oder mehr Fahrer hintereinander liegen?
2. Was passiert, wenn auf einer der langen Geraden einer mit flachen Flügel überholt sich vor den anderen Fahrer setzt und die Gerade aber nicht zu Ende ist? Darf der Überholte dann auch verstellen und seinerseits überholen?
Es ist auch noch nicht geklärt, wie die Fahrer das Signal bekommen, dass sie den Flügel verstellen dürfen. Angeblich soll das durch eine Lampe im Cockpit signalisiert werden. Angesichts der extremen Leistungsdichte der Formel Eins, könnte das auf manchen Strecken dann zu gehen, wie im Pariser Stadtverkehr.
Und das ist auch neu:
– Der F-Duct wird verboten
– Der verstellbare Frontflügel fällt weg
– Das Leergewicht der Fahrzeuge wird erneut angehoben und zwar auf 640 Kilo, weil…
– … KERS wieder kommt.
Bei letzter Entscheidung gibt es aber noch keine Infos, ob man auf ein Einheitssystem setzt, oder ob jeder wieder selber basteln darf.
Zwei kleine Regeländerungen gibt es auch, die gelten sogar ab sofort:
– Man darf nach einem Safety Car Einsatz erst ab der Ziellinie überholen. Quasi eine Lex Schumacher.
– Man muss in Zukunft nach jeder Session den Wagen aus eigener Kraft wieder an die Box bringen. Lex Hamilton, damit nicht mit einer Pfütze im Tank in Q3 unterwegs ist. Gilt nicht für das Ende des Rennens.
Fazit:
Ein paar gute Entscheidungen (KERS, klarere Regeln, F-Duct), eine, bei der man abwarten muss (Heckflügel) und eine, die ich überflüssig finde (107%). KERS und der neue Heckflügel dürften im nächsten für eine Menge Überraschungen sorgen. Das Überholen sollte nun wirklich einfacher werden, was den Rennen deutlich mehr Würze gibt.
Pirelli ist sicher kein schlechter Ausrüster, sie bringen viel Erfahrung aus anderen Rennserien mit, aber man darf auch nicht vergessen, dass sie 19 Jahre lang kein Formel Eins Team mehr ausgerüstet haben. Stabile Mischungen, vor allem bei den Supersoft, sind (wie Bridgestone in Kanada mal wieder lernen durfte) nicht leicht zu entwickeln. Vermutlich wird man erst einmal etwas konservativer ran gehen, was die Rundenzeiten drücken könnte. In wie weit die Teams Pirelli ihre Daten zur Verfügung stellen, ist nicht bekannt.

4 Kommentare
Die 107% Regel halte ich auch für Blödsinn, insbesondere mit den neuen Teams. Die Regel an sich entspricht aber exakt der alten Regel, auch da gab es schon diese Ausnahme durch die Stewarts, falls einer in der Quali z.B. mal direkt ausgefallen ist mit kaputter Maschine. KERS find ich gut, das macht wirklich Spass, und wie das dann mit dem Flügel funktionieren wird, das wird man dann sehen. Da befürchte ich eher ein heilloses Durcheinander.
Die 107%-Regel ist Quatsch, und basiert allein auf dem arroganten Rumgeheule der grossen Teams darüber, dass da gelegentlich auch schonmal andere Fahrzeuge auf der Strecke auftauchen. Das mit dem verstellbaren Flügel ist typischer FIA-Mist, aus den genannten Gründen.
107% Regel = Schwachsinn, ich mein die kleinen Teams kämpfen schon ums Überleben für sie is es DAS Erlebnis überhaupt dabei zu sein, und dann solle sie noch nichtmal Starten dürfen , nur weil sie kein Geld und keine Erfahrung haben?!
Und warum eigentlich KERS UND(!!!) verstellbarer Heckflügel. Unabhängig davon wie schwachsinnig/sinnvoll die Heckflügelidee ist (Ich halte sie für praxisfern und das Rennen zu sehr verzerrend, wenn es keine Limitierung für die Verstellung gibt) , wieso brauche ich „2 Systeme die mir das Überholen erleichtern? Wie viel GEschwindigkeitsüberschuss hab ich denn dann bitte auf Geraden mit Heckflügel und KERS….
Klingt alles wenig durchdacht
Viele Grüße
Chaos
Die Geschichte mit dem Heckflügel ist für mich ein Witz. Will die Formel1 eine Lotterie sein wie Nascar @Talladega? Bei jeder langen Geraden mit einigermaßen enger Kurve vorher hat der Vorausfahrende einen Riesennachteil. Ich finde es ja gut dass man sich bemüht Überholmanöver zu provozieren aber der normale Windschatten hat früher auch gereicht, da hatte man aber wohl mehr PS und Drehmoment so dass man nicht verhungert ist wenn man aus dem Windschatten raus ist. Aber genau dafür hat man ja nun KERS, wobei hier halt die Freiheit besteht wann man es einsetzt. Reglementiert nur durch die Dauer.
Anstatt solch unsinniger Regelungen mit Abstandssekundenberechnung bei der Heckflügelverstellung die dann der geneigte RTL-Zuschauer dann wieder überhaupt nicht versteht sollte man einfach die Aerodynamiker grundsätzlich einbremsen, Diffusoren weg damit man weniger Dirty Air produziert z.B.
Die 107% Regel ist mir egal, sie hätte HRT wohl ein paar Starts dieses Jahr gekostet aber hey who cares? Solang man keine rollenden Schikanen wie Milka Duno hat ist es für mich eine reine Vorsichtsmaßnahme die schon ok geht, ein gewisses Niveau sollte halt einfach gewahrt bleiben, lächerlich wirds halt wieder durch die „kann“ Regelung, FIA at its best, immer ein Hintertürchen für Einflussnahme offen halten, lachhaft.
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