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Formel Eins: Analyse Kanada 2010

von DonDahlmann
5 Kommentare 7 minutes read

Über Langeweile konnte man sich in Kanada nun wirklich nicht beklagen. Schuld am teilweise verwirrenden Rennen waren der neue Asphalt und die Reifen.

Bridgestone hatte den Teams die Auswahl „Medium“ und „Supersoft“ mit gebracht. Gleichzeitig hatten die Veranstalter im Pausenjahr ein wenig investiert und teilweise neuen Asphalt aufgebracht. Und der schien sich mit den Reifen so überhaupt nicht zu vertragen. Schon im Training berichteten ebenso überraschte wie frustierte Fahrer, das sich nicht nur die weichen, sondern auch die harten Reifen nach wenigen Runden auflösten. „Graining“ hieß das böse Wort, dass im Rennen für reichlich Betrieb an den Boxen sorgte. Am Ende war McLaren der große Gewinner des Rennens.

Schon vor dem Start lief es nicht wirklich gut für Red Bull. Mark Webber verlor seinen 2. Platz aus der Quali, weil er sein Getriebe wechseln lassen musste. P7 hieß dann sein Startplatz, während Sebastian Vettel auf P2 vorrückte. Dahinter lauerten Alonso, Button und Luizzi. Doch bei letzterm lief der Start nicht wirklich gut. Massa, der einen guten Start hatte, schubste Luizzi wie einen Teenager in der ersten Kurve rum. Was beiden in Sachen Frontflügel nicht so wirklich gut bekam. Dritter Leidtragender war Rosberg, der sich Gerangel mehr verägert als interessiert angeschaut haben wird, den es kostete ihn etliche Plätze.

Danach ging es drunter und drüber. Egal ob harte oder weiche Reifen – man wechselte schneller, als man das erwartet hatte. Die Weichen gingen nach sechs Runden ein, die harten hielten nur wenige Runden länger. Schnell war klar, dass man mehr als einen Stopp einlegen würde, damit man das Rennen übersteht. Das führte dann zu einem extrem gemischten Feld. Zeitweise sah man in den ersten Runden sogar Kovalainen im Lotus auf einem siebten Platz. Zu dem schien Bernie Ecclestone einigen Fahrer irgendwas ins Essen getan zu haben. Kubica, Sutil, Luizzi, Schumacher, Hülkenberg und andere fuhren teilweise, als wäre es die letzte Runde im Rennen und nicht das erste Drittel. Die Folge: demolierte Frontflügel gab es im Sonderangebot und die wenigen Rasenflächen in den Schikanen erfreuten sich großer Beliebtheit.

Zunächst zogen die McLaren vorne weg, immer gefolgt von Alonso. Dann gingen alle Führenden an die Box und so wurde Webber auf Platz gespült. Der blieb ellenlang draussen, hatte zweitweise 12 Sekunden Vorsprung, doch man verpasste den richtigen Zeitpunkt für den Boxenstopp. Also fiel er wieder auf Platz vier. Schließlich erbte Hamilton die Führung, gefolgt von Alonso, der allerdings bei einem Überrundungsmanöver hinter Chandok hängen blieb, was Button reaktionsschnell nutzte. Danach waren die Plätze vorne bezogen.

Michael Schumacher hatte mal wieder eins seiner „Ach, nö“ Wochenenden. In der Quali nur auf der 13 gelandet, fand er sich nach dem Start und den ersten Reifenwechseln sogar auf P3 wieder. Nach seinem Wechsel kamen er und Kubica sich näher, was zu einem Ausflug in die Flora Montreals führte, was wiederum einen schleichenden Plattfuss nach sich zog. Dann versuchte er fast die Hälfte des Rennen auf den weichen Reifen zu beenden, was nicht gut endete. Als in den letzten Runden seine Hinterreifen quasi in Fetzen hingen, legte er sich mit Sutil an, der ihn allerdings schlussendlich stehen ließ. Am Ende fand er sich mit einer Runde Rückstand auf Platz 11 wieder. Außer Spesen, nix gewesen. Aber immerhin zeigte er erneut, dass er ganz schön aggressiv unterwegs ist. An Motivation fehlt es ihm nicht.

Teamkollege Rosberg hatte jetzt auch nicht gerade einen ruhigen Mittag, wurde aber weniger bedrängt. Nur am Ende musste er den ranstürmenden Kubica im Auge behalten. Insgesamt war die Leistung von Mercedes aber mal wieder eher schwach. Bei den schnellsten Rennrunden sieht es mit Platz drei nicht schlecht aus, aber wenn man das Livetiming beobachtete, konnte man sehen, dass die Zeiten schon sehr schwankten. Angeblich hat Mercedes die Saison schon abgehakt und man konzentriert sich jetzt auf 2011.

Überrascht hat mich Ferrari. Die habe ich schwächer erwartet, aber Alonso schnupperte zeitweise sogar am oberesten Podestplatz. Zwar waren die McLaren am Ende schneller, aber so groß war der Abstand nicht. Massa hatte ein wegen seiner Privatfehde am Start ein zähes Rennen, dass er am Ende noch 20 Sekunden aufgebrummt bekam, weil zu schnell in der Boxengasse war, krönte sein bescheidenes Wochenende dann auch noch.

Verwirrend war die Strategie der Red Bull, aber am Ende war eigentlich Vettel der Verlierer. Er verlor einen Platz, während Mark Webber drei Plätze gewinnen konnte, und vierter wurde. Dazu muss man aber sagen, dass Vettel am Ende mal wieder durch ein erlahmendes Getriebe gehemmt wurde und nicht mehr in den Spitzenkampf eingreifen konnte.

Weiter hinten ärgerte sich Sauber mal wieder über einen doppelten Ausfall. Pedro de la Rosa ging erneut der Ferrari-Motor ein, Kobayashi versenkte seinen Wagen in der „Wall of Champions“. Bei Williams wäre mehr drin gewesen, denn Hülkenberg schwomm im Karbonregen des Starts in die Top Ten, unterzog seinen Heckflügel dann aber einer Materialprüfung, die schlecht ausging. Besser lief es für Force India und vor allem Sebastian Buemi, der achter wurde.

McLaren zeigte, dass man an Red Bull dran ist. Man ist sich aber nicht sicher, ob der momentane Vorteil lange anhält, hofft aber, dass man in Valencia in 14 Tagen, wo man eine ähnliche Strecke fährt, wieder so gut da steht. Allerdings hat Red Bull ein grösseres Update für das Rennen angekündigt.

Die WM bleibt auf jeden Fall spannend. Der Stand im Moment sagt schon alles:

Hamilton – 109
Button – 106
Webber – 103
Alonso – 94
Vettel – 90

Dahinter liegt Rosberg, der 74 Punkte hat, aber man kann jetzt schon sagen, dass sich die WM zwischen McLaren, Ferrari und Red Bull entscheiden wird. Alonso liegt auf der Lauer, aber da wird man abwarten müssen, ob Ferrari wie gewohnt im Spätsommer die zweite Luft bekommt. Abschreiben sollte man den Spanier auf keinen Fall.

In 14 Tagen steht also der Retortenkurs im Hafen von Valencia an. Bisher hat die Saison bis auf Bahrain wirklich sehr gute Rennen geliefert, es besteht also eine gewisse Hoffnung, dass auch der sonst nicht gerade für unterhaltsame Rennen bekannte Kurs für Abwechslung sorgen wird.

Ein paar kleine Meldungen am Schluss, weil die im Le Mans Trubel untergegangen sind:

– Die technische Arbeitsgruppe der F1 hat die Idee, dass man ab dem nächsten Jahr einen verstellbaren Heckflügel einführen möchte. Das klingt nett, geht aber mit einem schon jetzt Kopfschmerzen verursachenden Reglement einher. So soll den Heckflügel nur der verstellen dürfen, der hinter einem Konkurrenten liegt. Was man macht, wenn drei Fahrer hintereinander liegen, ist nicht klar. Auch nicht, ab welchem Abstand nach vorne man nicht mehr flach stellen darf. Und in den ersten zwei Runden darf ihn benutzen. Und wer das überprüfen soll, weiß auch noch keiner.

– Pirelli scheint neuer Reifenlieferant der F1 ab 2010 zu werden. Jedenfalls wurden gleichlautende Gerüchte entweder gar nicht oder halbherzig dementiert und Michelin meldete sich überhaupt nicht mehr aus Le Mans. Grund für die Entscheidung gegen die Franzosen: die wollten nur noch die Hälfte der Reifen liefern, die Bridgestone im Jahr anschleppt. Reifensparorgien am Wochenende wollte man sich und den Fans nicht antun. Klar ist wohl auch, dass es im Sommer einen Reifentest geben soll. Wenn denn Pirelli schon so viele neue Reifen hergestellt hat.

– Am Wochenende hat Bernie eine neue 3D HD Onboardcam ausprobieren lassen. Das Ergebnis soll, glaubt man den paar Journalisten, die das Ergebnis sehen durften, phänomenal gewesen sein. Nur Bernie ist sich nicht sicher. Nicht mal wegen HD in 2011.

– Merkwürdig ruhig ist es auch an der TV-Rechte Front in Deutschland. Sowohl RTL als auch sky müssen neue Verträge mit Ecclestone abschließen und angesichts von Vettel, Mercedes und Schumacher wird es wohl nicht günstiger werden. Seit Monaten gibt es Gerüchte, dass Red Bull TV/Servus TV an den deutschen Rechten interessiert sein könnte. Angesichts der leeren Kassen bei sky, die weiterhin mehr als 1 Millionen Euro Miese pro Tag einfahren, muss man mal abwarten, wer sich die Rechte schnappt. Ecclestone hat zwar die Angewohnheit den meisten Sendern treu zu sein, aber wie man bei ITV gesehen hat, hört die Treue beim Geld auf.

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5 Kommentare

Art Vandelay 14 Juni, 2010 - 20:41

Zu den Rechten und Servus TV:
Der ORF hat 2011 noch die Rechte für Österreich. Servus TV sendet in Österreich via DVB-T. Kann mir nicht vorstellen, dass Servus TV da 2011 was übertragen kann. Wenn dann müsste Red Bull einen extra Sender für Deutschland aufbauen. Man hört allerdings, dass der ORF an einer Verlängerung über 2011 hinaus kein Interesse hat. Aber vielleicht ist man beim ORF bereit auch die 2011 Rechte abzutreten…?

Chaos 14 Juni, 2010 - 23:02

Wenn ServusTv die Rechte kriegen würde, wäre das natürlich der Hammer. Wie wär das denn:

Es gibt ja PayTv und Non-PayTv Rechte…

Non-PayTv Rechte an ServusTV
PayTv an Sky
RTL raus?

Ich kann mir nicht vorstellen, auch wenn Sky Geld verbrennt wie Großstädte Strom verbrauchen, dass sie sich die Formel 1 Rechte auch noch nehmen lassen.. Dann können sie echt zum reinen Fußballsender ( auf der Sportseite gesehen) werden, denn ihr Sportprogramm ist dann wirklich tot. Allerdings weiß man bei dem Laden natürlich nie, da gab es ja in der Vergangenheit so einige Entscheidungen…

@Art Vandelay hätten sie nicht unbedingt nötig. ServusTV ist in vielen Kabelpaketen mit drin und hat ne Sendelizenz für Deutschland, allerdings hat RedBull Sendelizenzen in Deutschland für einen weiteren Kanal außer ServusTV (RedBull Tv glaube ich) beantragt.

Liebe Grüße

Chaos

Art Vandelay 14 Juni, 2010 - 23:32

„@Art Vandelay hätten sie nicht unbedingt nötig. ServusTV ist in vielen Kabelpaketen mit drin und hat ne Sendelizenz für Deutschland, allerdings hat RedBull Sendelizenzen in Deutschland für einen weiteren Kanal außer ServusTV (RedBull Tv glaube ich) beantragt.“

Das ändert aber nichts an dem Problem mit dem ORF und DVB-T in Österreich. Servus TV wird 2011 sicher keine Formel 1 via DVB-T in Österreich zeigen dürfen, es sei denn auch der ORF tritt seine Österreichrechte an Servus ab. (Kaum vorstellbar, dass der ORF dauz bereit ist…)

Prometheus 15 Juni, 2010 - 00:37

Ich kann gerade im Lichte von Le Mans den Wunsch Michelins, weniger Reifen zu liefern, als das in der F1 aktuell der Fall ist, gut nachvollziehen. Wenn man überlegt, dass dort Dreifach- und Vierfach-Stints gefahren werden und Michelin ja eh Synergien mit dem Sportwagen-Reifen hätte schaffen wollen (Stichwort: Felgengröße). Wär vielleicht auch nicht die schlechteste Idee. Mir würde es auch völlig reichen, wenn es eine Sorte Reifen gäbe, bei der dann die Teams entscheiden, ob sie schonend fahren und ohne Wechsel auskommen oder ob sie einen Stopp brauchen. Außerdem würde ein entsprechend härterer Reifen auch die Kurvengeschwindigkeiten ein bisschen senken.

nona 15 Juni, 2010 - 14:26

Hah! Bei Ecclestone hört exakt alles beim Geld auf…

Was uns auch sagen dürfte, dass er nur gegen grosses Geld daran interessiert sein dürfte, die deutschen Free-TV-Rechte an Servus zu vergeben. RTL ist komplett etabliert und flächendeckend verfügbar, Servus mag in „vielen“ (ja, klar) Kabelnetzen sein, aber seine Verbreitung hierzulande ist nach wie vor bestenfalls als fleckig und sporadisch zu bezeichnen. Deutschland ist ein viel zu wichtiger Markt als dass er sehenden Auges akzeptieren würde, die Fernsehreichweite der F1 derart drastisch zu beschneiden, oder sich darauf zu verlassen, das sogar erst noch ein Sender aus dem Boden gestampft werden müsste. (Das ist mit dem Wechsel zwischen ITV und BBC nicht zu vergleichen – ITV ist ebenfalls etabliert.)

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