Dem Highlight des Wochenendes widme ich einen eigenen Artikel: in Australien steht das Bathurst 1000 auf dem Mount Panorama Circuit an. Bei diesem Saisonhöhepunkt der V8 Supercar Series handelt es sich um ein sechseinhalbstündiges Tourenwagenrennen auf einer Wahnsinns-Strecke, das man wohl als einzigartig beschreiben kann.
Update: Quali-Zeiten nachgetragen.
Update II: Zeiten aus Top Ten-Shootout sowie endgültige Startaufstellung nachgetragen.
Im Hinterland von Sidney liegt das 30.000 Einwohner-Städtchen Bathurst, etwas südlich davon der „Mount Panorama“, ein Hügel von 870 Metern Höhe, an dessen Nordflanke in großen weißen Buchstaben auch „Mount Panorama“ geschrieben steht – fast wie in Hollywood. Für die meiste Zeit des Jahres handelt es sich hier um einen Park und eine ganz normal befahrbare Straße, aber für eine Woche im Oktober wird es zum Mekka des australischen Motorsports.
Die 6,213 Kilometer lange Strecke hat alles: lange Geraden unten im Tal und als krassen Gegensatz dazu schnelle Kurven, die sich steil den Berg hinauf- und wieder herabwinden. 174 Meter beträgt die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt. Hier gibt es noch ein Streckendiagramm.
Auf 23 Kurven kommt man bei üblicher Zählweise, und es gibt eben auch das, was man auf modernen Strecke so oft vermisst: klangvolle Namen, die Geschichten erzählen. Die erste Kurve ist die 90°-Links „Hell Corner“, den Berg hinauf durchfährt man unter anderem „The Cutting“, „Reid Park“ (benannt nach dem damaligen städtischen Ingenieur Hughie Reid, der dafür Sorge getragen hat, dass die Touristen-Straße auf den Berg so gebaut wurde, dass man dort auch Rennen fahren kann), „Sulman Park“ und „McPhillamy Park“ (nach der Familie, der mal ein Großteil des Geländes gehört, das heute Park und Rennstrecke beheimatet). Der Gipfel nennt sich „Brock’s Skyline“ (ursprünglich nur Skyline, aber man fügte später den Namen des berühmten neunfachen Siegers Peter Brock hinzu), danach geht’s bergab durch die „Esses“, von denen wohl der berühmteste Abschnitt „The Dipper“ ist; es folgen „Forrest’s Elbow“ (benannt nach einem Motorradfahrer, der sich in dieser Kurve bei einem Sturz den Ellbogen verletzt hat) und die ewig lange „Conrod Straight“ (die heißt tatsächlich so, weil da dem Fahrer Frank Kleinig ein Pleuel, also connection rod oder kurz con-rod kaputt gegangen ist).
Seit 1938 werden hier Rennen gefahren und es gab in dieser Zeit nur eine einzige wesentliche Änderung an der Streckenführung. Die Conrod Straight war bis 1986 ganze 2,1 Kilometer lang. Im Jahre 1987 wollte man die neue Tourenwagen-Weltmeisterschaft in Bathurst fahren lassen. Diese unterstand der FIA, die aber keine Geraden von über 1,5 Kilometern Länge erlaubte, sodass man eine Kurvenkombination einbauen musste: „The Chase“ wurde hinzugefügt, bestehend aus einem heute mit 300 km/h gefahrenen Rechtsknick und einer darauf folgenden anspruchsvollen Links-Rechts-Kombination – ein durchaus gelungener Umbau.
„The Chase“ ist neben „McPhillamy Park“ eine von nur zwei Streckenabschnitten mit ausreichenden Kiesbetten. Und es ist nicht etwa so, dass es an all den anderen Stellen nur etwas zu kleine Auslaufzonen gäbe. Nein, dort gibt es gar keine! Am Ende der einen Kilometer langen „Mountain Straight“ erwartet die Fahrer eine Betonmauer. Und auch der gesamte Abschnitt den Berg hinauf und wieder hinunter ist ein irrsinnig enger Betonkanal. Das bringt aber neben harten Aufschlägen im Falle eines Unfalls auch noch andere Gefahren mit sich: so bleibt ein gestrandetes oder verunfalltes Auto gezwungenermaßen auf der Strecke stehen, und weil die Kurven schlecht einsehbar, meist sogar völlig blind, sind, können auch nachfolgende Fahrer viel zu spät reagieren.
Genau diese Kombination ist vor erst zwei Jahren in einem Rennen der Fujitsu V8 Supercar Series (der zweithöchsten Serie) dem Neuseeländer Mark Porter zum Verhängnis geworden. Dieser drehte sich in der Kurve „Sulman Park“, stand quer auf der Strecke, und wurde von einem Kontrahenten, der noch versuchte, sein eigenes Fahrzeug in einen Dreher zu zwingen, um den Crash abzuwenden, genau an der Fahrertür getroffen, was Porter tödliche Verletzungen zufügte. 2008 gab es im Training einen ähnlichen Unfall, der aber zum Glück glimpflich ausging. Dass es sich bei den V8 Supercars noch um Produktionswagen mit einem nachträglich eingebauten Überrollkäfig handelt, macht es dabei nicht gerade ungefährlicher.
Daher ist und bleibt dieses Rennen ein Ritt auf der Kanonenkugel, und man sollte auch als Zuschauer die enorme Gefahr, die bei diesem Rennen lauert, im Hinterkopf behalten und auf ein Rennen ohne schwere Unfälle hoffen.
All das ändert jedoch nichts an der enormen Beliebtheit des Rennens, bei den australischen Zuschauern wie auch bei den Fahrern. 32 Fahrzeuge nehmen in diesem Jahr am Rennen teil, jeweils mit zwei Fahrern besetzt.
Die letzten drei Ausgaben des Bathurst 1000 wurden von Craig Lowndes und Jamie Whincup auf ihrem Vodafone-Ford Falcon (#888) gewonnen. Auch dieses Jahr dominiert das Team – die beiden Fahrer sind in allen übrigen Rennen zwar auch Teamkollegen, aber gleichzeitig Konkurrenten – die Meisterschaft: acht der bisherigen 17 Rennen gewann Whincup, zwei Lowndes, hinzu kommen jeweils vier weitere Podiumsplätze, sodass Whincup die Meisterschaft anführt und Lowndes auf dem vierten Rang liegt. Harte Gegner dürften Garth Tander und Will Davison auf Holden (#2) werden, die auf den Meisterschaftsplätzen 2 und 3 liegen und sich ebenfalls in Bathurst ein Fahrzeug teilen. Da es für einen Sieg in diesem Ausdauer-Event ganze 300 Punkte gibt – doppelt so viele wie für die meisten anderen Rennen – kann der Ausgang des Rennen auch große Bedeutung für die Meisterschaft haben (allerdings folgen nach Bathurst noch acht Rennen).
Auch ein Auge haben sollte man auf die Altstars-Kombination Greg Murphy & Mark Skaife in ihrem SprintGas-Holden Commodore (#51) haben, die zusammen auf neun (!) Siege in Bathurst kommen (Murphy 1996, 1999, 2003, 2004 und Skaife 1991, 1992, 2001, 2002, 2005). Im letzten Jahr fuhr Murphy in den letzten Runden noch auf Platz 2 nach vorn, Skaife – der Ende 2008 vom Vollzeit-Rennsport zurücktrat – wurde (mit Teamkollege Tander) Fünfter. Das Beeindruckendste ist aber Greg Murphys Qualifikationsrunde von 2003, die bis heute den Rundenrekord auf dem Mount Panorama Circuit darstellt; hier zu sehen als Video mit dem Armageddon-Soundtrack unterlegt alternativ das gleiche Video mit besserer Qualität ohne Musik (die ich aber sehr stimmig finde)
Prominente Gaststarter sind auch dabei, unter anderem der dreifache Superbike-Weltmeister Troy Bayliss (zusammen mit Dean Fiore im #12-Holden), der dreifache Tourenwagen-Weltmeister Andy Priaulx (mit David Reynolds im #24-Holden) und der zweifache BTCC-Meister James Thompson (mit Allan Simonsen im #88-Ford)
161 Runden auf dieser irren Bahn stehen also am ziemlich frühen Sonntagmorgen an: der Start ist um 10:30 Ortszeit, was 01:30 deutscher Zeit bedeuten dürfte, wenn ich mich nicht verrechnet habe. MotorsTV überträgt das Rennen wieder in voller Länge live, und nicht nur das: die Übertragung startet laut TV-Guide um 22 Uhr deutscher Zeit, das heißt, man scheint auch noch die gesamten Pre-Events an dem Morgen übernehmen:
07:25/22:25 V8 Ute Series, Rennen 3 (7 Runden)
08:00/23:00 V8 Supercars, Warm Up (20 Minuten)
08:35/22:35 Touring Car Masters, Rennen 3 (7 Runden)
09:10/23:10 Pre Race Entertainment
10:30/01:30 V8 Supercars, Rennen (161 Runden)
Das Rennen geht dann entweder über 161 Runden, oder wird um 17:27 Uhr + eine Runde beendet, also maximal etwa sieben Stunden; üblicherweise reichen aber sechseinhalb. Ende ist in Deutschland also spätestens um halb neun, pünktlich zum Familienfrühstück oder Kirchgang am Sonntagmorgen; oder man geht ins Bett, um sich um eine ähnliche Zeit in der Nacht darauf das NASCAR-Rennen anzuschauen.
Im letzten Jahr war es auch möglich, das Rennen kostenlos per Stream auf der offiziellen Serien-Homepage zu schauen. Ich weiß nicht, ob das dieses Jahr wieder funktionieren wird, aber einen Versuch ist es wert, wenn man kein MotorsTV zur Verfügung hat. Also einfach mal am Samstagabend auf der Seite auf „Live V8″ klicken und ausprobieren, ob es geht.
Quali-Zeiten
1. Jason Richards Team BOC Holden 2m 07.2230s
2. Garth Tander Toll/HRT Holden 2m 07.3030s
3. Lee Holdsworth GRM Holden 2m 07.4366s
4. Mark Winterbottom FPR Ford 2m 07.4957s
5. Paul Dumbrell Toll/HRT Holden 2m 07.5166s
6. Craig Lowndes 888/Vodafone Ford 2m 07.5477s
7. Shane van Gisbergen SBR/SP Tools Ford 2m 07.6261s
8. Todd Kelly Kelly/Jack Daniel’s Holden 2m 07.6651s
9. Greg Murphy Sprint Gas Holden 2m 07.6908s
10. Russell Ingall Supercheap Auto Racing Holden 2m 07.7211s
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11. Fabian Coulthard Wilson Team McGrath Ford 2m 07.7849s
12. Jason Bright Fujitsu Racing Ford 2m 07.8048s
13. Steven Johnson Jim Beam Ford 2m 07.9528s
14. Warren Luff Jim Beam Ford 2m 08.0276s
15. Jason Bargwanna Sprint Gas Holden 2m 08.0319s
16. Greg Ritter GRM Holden 2m 08.2135s
17. Allan Simonsen 888/Vodafone Ford 2m 08.3859s
18. Dean Canto FPR Ford 2m 08.4119s
19. Tony d’Alberto Nash/Bottle-O Holden 2m 08.4720s
20. Steve Owen Autobarn/HSV Holden 2m 08.7417s
21. John McIntyre Irwin / SP Tools Ford 2m 08.7687s
22. Andrew Jones Team WOW Holden 2m 08.9861s
23. Jack Perkins Dodo Holden 2m 09.1775s
24. Nathan Pretty Jack Daniel’s Holden 2m 09.1893s
25. David Reynolds Bundaberg Red Holden 2m 09.2743s
26. Damian Assaillit Fujitsu Ford 2m 09.3111s
27. P.Morris/T.Slade Supercheap Auto Racing Holden 2m 09.3853s
28. Tony Ricciardello Hi-Tech Holden 2m 09.6376s
29. David Wall Team McGrath Ford 2m 10.4151s
30. David Sieders Jesus/SRT Ford 2m 10.6107s
31. Sam Walter Greg Murphy Holden 2m 10.6224s
32. Troy Bayliss Kitten Car Care Products Holden 2m 13.3271s
Die endgültige Startaufstellung der Top Ten ergab sich aus den Zeiten in einem zusätzlichen Shootout:
1. Tander/Davison (Holden Commodore) 2:07.9463
2. Lowndes/Whincup (Ford Falcon) 2:08.2231 (+ 0.2768)
3. Winterbottom/S. Richards (Ford Falcon) 2:08.2737 (+ 0.3274)
4. Holdsworth/Caruso (Holden Commodore) 2:08.4268 (+ 0.4805)
5. J. Richards/McConville (Holden Commodore) 2:08.5015 (+ 0.5552)
6. van Gisbergen/A. Davison (Ford Falcon) 2:08.8159 (+ 0.8696)
7. T. Kelly/R. Kelly (Holden Commodore) 2:09.8986 (+ 1.9523)
8. Dumbrell/Baird (Holden Commodore) 2:10.1474 (+ 2.2011)
9. Ingall/O. Kelly (Holden Commodore) 2:12.4565 (+ 4.5102)
10. Murphy/Skaife (Holden Commodore)
Die Shootout-Zeit fuhr jeweils der erstngenannte Fahrer. Murphy/Skaife erreichten eigentlich die siebtbeste Zeit, diese wurde jedoch gestrichen, da der Wagen nicht pünktlich an der Boxenausfahrt bereitstand.

6 Kommentare
Danke für die tolle Vorschau! Freue mich schon aufs Rennen :)
ja thx don. klasse vorbericht.
jetzt gehts grad los! :-)
@hwk:
Der Artikel ist aber gar nicht Don geschrieben. ;)
[…] zitiere ich aus der sehr schönen letztjährigen Vorschau vom Kollegen Stefan Tegethoff (http://www.racingblog.de/2009/10/09/v8-supercars-bathurst-1000/ ) : Auf 23 Kurven kommt man bei üblicher Zählweise, und es gibt eben auch das, was man auf […]
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