Ferrari hat Alonso, Renault heute Robert Kubica bestätigt. Das bedeudet aber lange noch nicht, das Ruhe auf den Markt einkehrt.
Es gibt im Moment so viel Bewegung auf dem Fahrermarkt, wie lange nicht mehr. Toyota sucht zwei neue Piloten, Sauber mindestens einen, ebenso Williams und McLaren. Dazu kommen die vier neuen Teams mit Lotus, Campos, USF1 und Manor/Virgin, die noch keinen einzigen Fahrer bestätigt haben. Auf dem Markt befinden sich noch folgende aktuelle Einsatzpiloten: Kimi Räikkönen, Timo Glock, Nick Heidfeld, Heikki Kovalainen und Jarno Trulli. Zu haben sind auch noch Sebastian Bourdais und Nelson Piquet jr. Räikkönen steht mit Sicherheit bei McLaren und Toyota ganz weit oben auf der Einkaufsliste, aber der Finne hat eine bequeme Verhandlungsposition.
Denn Ferrari muss ihm nach seinem Rauswurf das Gehalt für 2010 zahlen, es sei denn, Raikkönen findet einen anderen Platz. Logischerweise dürfte er exakt die Summe von seinem neuen Team verlangen, die ihm Ferrari garantiert. Warum sollte er auch weniger verlangen, vor allem von Toyota, wo man ja nie weiß, was für einen Wagen man im nächsten Rennen hat? Der Finne hat schon angedeutet, dass er auch einfach ein Jahr gar nichts machen könnte. Oder ein paar Rallys fahren, was er wohl darf, ohne das Ferrari aus dem Vertrag raus kommt. Wenn Räikkönen zu McLaren geht oder eine Pause einlegt, dürfte Timo Glock bei Toyota einen sicheren Platz haben, auch wenn seine Leistungen schon sehr schwankend sind. Aber immerhin kennt er das Team und er hat sich kontinuierlich gesteigert. Aber auch neben Räikkönen dürfte er eine gute Figur abgeben.
Bei Williams wird man 2010 auf die Toyota-Motoren verzichten und vermutlich zu Renault wechseln, mit denen man ja eine ziemlich große Vergangenheit hat. Macht man den Switch, braucht man Nakajima nicht mehr, der wiederum von Toyota aufgefangen werden könnte. Aber eine Paarung Glock/Nakajima ist nicht das, was man gerne hätte. Toyota hat aber weder Alonso noch Kubica bekommen, man steht also etwas blöd da. Eine Alternative für Toyota wäre Heidfeld, von dem man aber weiß, dass er in Quali Schwächen hat. Das passt aber nicht zu Glock, der in dem Punkt ja ebenfalls nicht sonderlich gut aufgestellt ist. Wie man es auch dreht, Toyota steht nicht sonderlich gut da.
Es sei denn, Brawn schmeisst Barrichello tatsächlich raus, dann hätte man zumindestens einen, der gefühlte 20 Jahre F1 Know-How mitbringt. Eine sehr unwahrscheinliche Variante wäre, dass Button bei Brawn weg geht, da man sich angeblich um Geld streitet. Toyota hätte sicher gerne einen Weltmeister (wenn er es denn wird) im Team, und das Geld hat man auch, aber ich schätze, dass Brawn und Button sich schon einigen werden.
Bei Brawn soll Rosberg andocken. Mercedes hätte ihn wohl gerne, aber nicht bei McLaren, wo er, Freundschaft hin oder her, vermutlich irgendwann mit dem Hamilton-Clan aneinander geraten würde. Es gibt eine Menge Gerüchte, dass Mercedes bei Brawn einsteigt und früher oder später sich von McLaren trennt. Der Vertrag, den beide miteinander haben, datiert noch aus der Zeit von Ron Dennis und offenbar kann Mercedes nicht so bei McLaren agieren, wie man das gerne hätte. Ross Brawn scheint da flexibler zu sein. Er will letztlich auch gar keine ganze Firma am Bein kleben haben, sondern sich um das Team kümmern.
Sauber hat nun seit heute einen Platz frei. Das Team steht eigentlich nicht schlecht da, die letzten Ergebnisse waren zumindest etwas besser. Problematisch ist allerdings, dass man keinen garantierten Startplatz hat und sich das vermutlich auch erst im Januar oder Februar entscheiden wird. Dazu kommt, dass es einige unschöne Gerüchte über den neuen Investor gibt, wie die „Sonntags Zeitung“ heraus gefunden hat. Man hat also einen Geldgeber, dessen Quellen zumindest mal merkwürdig sind und keinen Startplatz. Die FOTA hat zwar gesagt, man wolle Sauber untersützen, aber die Williams und Campos sind gegen ein vierzehntes Team. Man verweist hier auf die FIA Statuten, die allerdings noch in diesem Jahr wieder geändert werden könnten, wenn der Weltrat Ende Oktober zustimmt.
Der stimmt auch über den Vorstoss von Ferrari ab, ob man einen dritten Wagen einsetzen darf, was die Lage auf dem Transfermarkt noch unübersichtlicher machen würde. Möglich ist auch, dass, sollten alle Teams wieder an den Start gehen, man eine Wertung wie in der NASCAR einführt. Die 2009 gewerteten Teams sind drin, der Rest fährt in oder nach der zweiten Trainingseinheit eine „Go or go home“ Quali. Das wollen die Teams aber auch nicht so recht, weil man sonst, wenn man Pech hat, mit beiden Wagen wieder nach Hause darf. Finanziell gesehen ein Desaster. Liesse sich nur lösen, wenn ein Team vorher schon das Handtuch wirft. Da steht vor allem das USF1 Team unter Verdacht.
So lange all diese Punkte aber noch strittig sind, werden die Teams auch mit der Verpflichtung von Fahrern sträuben. Außerdem gibt es ein weiteres Problem. Die sehr enge Nachwuchsführung der FIA über F3 und GP2 führt zu einem guten Ausleseprozess, aber dazu, das es gerade viel zu wenig Fahrer gibt. Grosjean und Hülkenberg, die die Saison im Griff hatten, sind schon weg, Petrov hat sicher eine Chance verdient, aber dahinter wird es schon eng. di Grassi ist Testfahrer bei Renault und nach dem Ferrari-Drama in diesem Jahr wird man ihn sicher nicht gehen lassen. Zu mal Grosjean auch nicht gerade den Zirkus gerockt hat.
van der Garde, Filippi und Maldonado sind sicher keine Kandidaten für die Formel Eins, dann eher noch der in den letzten Rennen starke Sergio Perez. Aus der F2 möchte Andy Soucek den Sprung schaffen, aber mal ehrlich – der war in der GP2 schon niemand, den man oft gesehen hätte und die F2 hat er gegen unerfahrene Burschen gewonnen.
Aus den USA wird wohl auch kaum einer freiwillig in die F1 wechseln. Dornboos, der ja an guten Tagen durchaus Talent hat, wird ebenso drüben bleiben wie die US-Boys Rahal und Andretti.
Es dürfte also nicht leicht werden für die neuen Teams, ihre Fahrer zusammen zu stellen, was auch ein Grund ist, warum noch keiner einen vorgestellt hat. Man versucht außerdem einen erfahrenen Mann zu bekommen, aber da gibt es in der F1 nicht allzu viele, die sich das antun wollen. Ausser Alex Wurz, der bei USF1 im Gespräch ist, wüsste ich von keinem und die Verpflichtung eines Wurz, der die neuen Wagen und Reifen nicht kennt, ist auch ein gewisses Risiko.
Hier mal ein kleiner Überblick, wie es mit dem Teams im Moment aussieht:
Ferrari – Massa / Alonso
Red Bull – Webber / Vettel
Renault – Kubica / Grosjean
STR – Alguesuari / Buemi
McLaren – Hamilton / Räikkönen
Brawn – Button / Rosberg
Williams – Hülkenberg / Barrichello
Sauber – Heidfeld / ?
Toyota – Glock / Räikkönen
Force India – Sutil / Liuzzi
Lotus F1 –
Campos – Petrov
Manor/Virgin –
USF1 – Wurz /

9 Kommentare
@DonDahlmann was is eig mit Brunno Senna ?
Bringt Geld mit, hat aber dieses Jahr kaum Rennen gefahren. Das ist ein Risiko, selbst für neue Teams. Ich glaube, er wird seine Heimat in der Le Mans und GT-Serie finden.
Wie schauts denn mit anderen Testfahrern noch so aus? Gene und de la Rosa würden mir einfallen. Klien und Davidson haben auch schon nen paar F1-Rennen gemacht.
De la Rosa wurde ja schon mal gerüchteweise mit Campos in Verbindung gebracht, ebenso Petrov wird mit Geldkoffern, die das Team gut gebrauchen könnte. Wäre auch sicher keine allzu schlechte Kombo.
Gegen ein Klien-Comeback hätt ich auch nichts, egal ob jetzt beim BMW-Nachfolger oder woanders.
Und ansonsten muss die zweite Garde ran… wenn Toyota die Fahrer weglaufen, werden sie vielleicht Testfahrer Kobayashi ins Auto setzen müssen, auch wenn der in der GP2 nicht viel gerissen hat… die GP2 Asia hat er immerhin gewonnen und wenn der Markt sonst nix zu bieten hat, ist halt der Einäugige König unter den Blinden^^
Bei USF1, falls das denn was werden sollte, würd ich gern einen Ami-Fahrer sehen, egal welchen, das würd dann aber wohl auch in die Kategorie zweite (oder dritte) Garde fallen.
@don: einspruch, euer ehren!
(das wollte ich schon immer mal sagen :)
anyway, John Noble schreibt in seinem twitter:
Sat in the lounge at Abu Dhabi with Bruno Senna – waiting for the plane home. Looking forward to seven hours sleep after a great day
und später dann:
Bruno Senna reckons he is 90+ per cent certain he will be in F1 next year. I am 100 per cent certain him being there will be great for F1
quelle:
http://twitter.com/NobleF1/status/4664797205
http://twitter.com/NobleF1/status/4665395220
– Ich kann noch nicht ganz verstehen, warum Force India Sutil halten will. Der scheint mir zu nervös zu sein und fällt im entscheidenden Moment sich selber zum Opfer.
– Warum der Wurz immer wieder aufkocht kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Der hat zwar breite Erfahrung als Testfahrer, aber als Einsatzpilot hat er nie wirklich was gerissen. Und der jüngste ist er auch nicht mehr.
– Sato wäre wohl auch bereit sich in jede zu Karre zu setzen
– di Resta hätte auch mal irgendwo nen Test verdient
Toyota sitzt wirklich zwischen allen Stühlen. Unsichere Zukunft, Glock als Fahrer naja und Trulli wird langsam alt. Aber die beiden jetzt freizugeben und dann mangels Alternativen doch wieder mit Vertrag zu versehen ist auch nicht gerade motivationsfördernd, für keinen im Team.
Eins der Probleme der F1 in den letzten Jahren sehe ich darin, dass das Niveau extrem hoch war. Die Fahrer sind allesamt Vollprofis, Paydriver gab es so gut wie keine mehr, technische Ausfälle – die noch vor wenigen Jahren absolut normal waren und für Spannung gesorgt haben – gibt es auch so gut wie gar nicht mehr. Ich freue mich wirklich drauf, wenn wieder so ein paar halbe Bastlerbuden und b-Fahrer/Paydriver in die F1 kommen und ein bisschen Action ins Geschehen bringen.
Und was ist mit Trulli? Wenn der bei Toyota aufhört würden sich doch die neuen Teams nach so einem Fahrer die Finger lecken. Und neben Wurz hört man ja auch von Villeneuve öfters mal das er es noch mal probieren würde… Dann wären da noch Kovalainen und Bourdais, selbst Piquet könnte für eines der neuen Team interessant sein. Also ich sehe nicht das der Markt an Fahrern knapp ist…
Andere Frage: Wer würde Trulli nehmen, von den besseren Teams? McLaren sehe ich nicht, Renault ebenfalls nicht. Eine interessante Lösung wäre Force India, die ja zumindest im letzten Saisondrittel bewiesen haben, dass sie ins vordere Mittelfeld fahren können. Und ein Trulli in einem Force India auf der richtigen Strecke ist auch für ne Pole gut. Ansonsten hatte ich glaube ich schon mal angedeutet, dass Trulli bei Lotus andocken könnte, wo Mike Gasconye das Sagen hat. Den kennt er ja noch von Toyota, allerdings weiß ich nicht, wie das persönliche Verhältnis der beiden ist.
@ Hennes:
Sato ist ein Pay-Driver, der wird bei einem der vier neuen unterkommen.
abductee
Bei Senna bin ich mir absolut nicht sicher. Nobel ist sicher näher dran als wir alle, aber Senna hat mich weder in der britischen F3 noch in der GP2 überzeugt. Auch hier wäre Force India ne Lösung, aber ist er besser als Sutil? Das glaube ich ehrlich gesagt nicht.
Noch ein Faktor: Seit dieser Saison haben die Teams ein wenig, sagen wir mal, „Angst“ davor, junge/unerfahrene Fahrer ranzuholen, in erster Linie aufgrund des Testverbots. Natürlich kommt man nicht drumherum, irgendwann muss man junge Nachrücker ranholen. Aber die Teams bevorzugen augenscheinlich erfahrene Fahrer, sei es für den reinen sportlichen Erfolg, sei es für die Entwicklung und die Vermeidung von Kleinholz. Und keiner der z.T. doch sehr gehypten jungen Fahrer der letzten Zeit konnte so überzeugen, wie sich das mancher vielleicht versprochen hat. Das ist nicht wirklich rational, denn auch erfahrene Fahrer können schlecht aussehen (Bourdais…), aber man lässt wohl lieber konservative Vorsicht walten.
Zu Trulli: dessen Karriereverlauf beginnt so langsam, frappierend an den von Fisichella zu erinnern. Würde mich nicht überraschen, wenn er bald Force India führe.
Zu Senna: für den spricht in erster Linie der Nachname, der von seinem Management geschickt im Gespräch gehalten wurde und wird. Sportlich konnte er diesem Anspruch noch nie wirklich gerecht werden. In der Langstrecke/GT-Sport scheint er besser aufgehoben zu sein, er schien sich dort zuletzt auch ziemlich wohl zu fühlen. Ich würde mal spekulieren, dass in der F1 ähnlich durchschnittlich wie Piquet Jr. aussähe.
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