Es war ja lange abzusehen, seit gestern ist es offiziell: Nelson Piquet jr. ist bei Renault raus geflogen. Und er rächt sich auf seine Weise.
Seit Monaten spekuliert man darüber, wann Piquet jr. seinen Platz im Renault Team verliert. Bei quasi jedem Rennen raunte man sich zu, dass nun aber wirklich das letzte Rennen sei und Briatore die Geduld ausgeht. Nicht wenige haben sich gewundert, dass Piquet überhaupt einen Platz für 2009 bekommen hatte. Nun ist es also so weit, und Renault trennt sich vom Brasilianer. Und der wehrt sich auf seine Weise. In den letzten Tagen tauchten immer schon mal Bemerkungen von ihm in der Presse auf, die sich sehr kritisch mit der Rolle von Flavio Briatore auseinander gesetzt haben. Heute holte er nun zu einem Rundumschlag aus und nannte in einem langen Text den Renault-Manager einen „Henker“, der seine Karriere ruiniert habe. Gleichzeitig tauchen Gerüchte auf, dass das BMW-Sauber Team von einem Gruppe gekauft werden soll, die unter anderem von Nelson Piqeut sen. angeführt wird. Die Motoren sollen angeblich von Ferrari kommen.
Sein Sohn hat heute allerdings erstmal die Schlammspritze raus geholt. Auf seiner Webseite beklagt Piquet jr. bitterlich darüber, dass Briatore als sein Manager nie in seinem Sinne gehandelt habe und er in allen Belangen benachteiligt wurde. Das liest sich dann so:
In addition, on numerous occasions, fifteen minutes before qualifying and races, my manager and team boss (Briatore) would threaten me, telling me if I didn’t get a good result, he had another driver ready to put in my place. […]
He [Briatore] made me sign a performance-based contract, requiring me to score 40% of Fernando Alonsos points by mid-way through the season. […]
Das war bekannt, aber so offiziell dann auch wieder nicht. Das Vertragsinterna ausgeplaudert werden ist in der Formel Eins extrem ungewöhnlich. Aber Piquet kommt erst richtig in Fahrt.
For the 2009 season Briatore, again acting both as my manager and team boss of Renault F1, promised me everything would be different, that I would get the attention I deserved. […]
Unfortunately, the promises didn’t turn into reality again. With the new car I completed 2002km of testing compared to Fernandos 3839km. Only three days of my testing was in dry weather – only one of Fernandos was wet. I was only testing with a heavy car, hard tyres, mostly on the first day (when the track is slow and reliability is poor), or when the weather was bad. Fernando was driving a light car with soft tyres in the dry, fine conditions.[…]
Of the first nine races that I ran this year, in four of them Fernando had a significant car upgrade that I did not have. I was informed by the engineers at Renault that in those races I had a car that was between 0.5 and 0.8s a lap slower than my teammate.
Das sind schon starke Aussagen. Und angesicht der Leistungen von Piquet könnte man auch sagen, dass er sich sein eigenes Weltbild zurecht legt. Er mag bis zu seiner Zeit in der britischen F3 sehr, sehr gute Ergebnisse gehabt haben, aber seit der GP2 geht nichts mehr. Das, so wie er das macht, mit technischen Problemen oder minderwertigen Material abzutun, ist etwas sehr leicht. Piquet jr. wäre nicht der erste Pilot, der nach der F3 den Faden verliert. Dazu kommt: ein guter Pilot setzt sich auch mit minderwertigen Material durch und kann Highlights setzen. Das ist Piquet nur im letzten Jahr in Hockenheim gelungen. Und in den Rennen, in denen er das gleiche Material wie Alonso hatte, hat man auch viel von ihm gesehen. Alle Experten waren sich bisher einig, dass Piquet jr. bei weitem nicht die Qualität seines Vaters hat. Einerseits.
Anderseits muss man sich auch mal die Situation bei Renault anschauen. Seit dem Briatore Alonso im Team hat, gab es keinen zweiten Fahrer, der sich durchsetzen konnte. Weder Giancarlo Fisichella, noch Jarno Trulli oder Heikki Kovalainen konnten Akzente setzen. Sie alle galten als hochtalentiert, kamen aber bei Renault unter Briatore und neben Alonso nicht zu Geltung.
Nur mal zwei Beispiele: Jarno Trulli galt schon immer als der schnellste Qualifier im Feld. Im Rennen nicht so doll, aber auf eine Runde unschlagbar. Das zeigte er vorher, das zeigte er bei Toyota. Nur bei Renault ging nichts. Zweites Beispiel: Als Alonso zu McLaren wechselte bekam er plötzlich Probleme mit einem absoluten Newcomer namens Hamilton. McLaren behandelte beide Fahrer, zumindest bis zum ersten Ärger, absolut gleich und schon sah sich Alonso unter ungewohnten Druck gesetzt. Wie das ausging, weiß man ja.
Es ist also von der Warte durchaus nachvollziehbar, was Piquet jr. da schreibt. Es klingt nicht in allen Belangen überzogen, sondern nach Realität bei Renault und Briatore. Sicher wird man bei Renault in der jetzigen Situation alle Karten auf Alonso setzen. Das ist nachvollziehbar. Nur dann sollte man Piquet jr. nicht wegen nicht erbrachter Leistungen rauswerfen. Das ist dann auch unfair und lässt die Vermutung zu, dass hinter dem Verhalten von Briatore noch etwas anderes steckt. Wie man hört soll Renault gefordert haben, dass endlich ein französischer Pilot ins Team kommt.
Mit dem Statement von Piquet jr. kamen heute Gerüchte hoch, dass sein Vater an einem ziemlich irrwitzigen Deal bastelt. Angeblich hat er sich mit dem Super Nova Team zusammen getan um das BMW-Team zu kaufen. Die fahren in der GP2 und bereiten die Wagen von Team Deutschland und Neuseeland in der A1GP vor. Man war durchaus erfolgreich, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man plötzlich den Sprung die F1 macht. Zwei weitere Gerüchte: Piquet sen. spannt mit Nicolas Todt oder Euskadi zusammen, wobei letzteren sowieso ein erhöhtes Interesse am BMW-Team nachgesagt wird. Ob an den Gerüchten was dran ist kann man nur schwer sagen, interessanterweise hat die FIA aber die Unterschrift für das BWM-Team (bzw. den Nachfolger) für das Concorde Agreement bis Mittwoch offen gehalten. Vielleicht ist da doch etwas im Busch. Quasi ein Piquet-Sauber-Euskadi/Super Nova Team.
Felippe Massa wieder zu Hause
Massa wurde heute aus dem Krankenhaus in Ungarn entlassen. Nur neun Tage nach seinem Unfall und seiner schweren Operation. Das ist erstaunlich schnell, und zeigt, dass die Schädelfraktur offenbar nicht so schlimm war, wie man befürchtet hatte. Massa gab ein „Interview“, in dem er sich für die Unterstützung bedankte und meinte, er wolle so schnell wie möglich wieder in einem Rennwagen sitzen.
Ein richtiges Interview war das nicht, weil die Sache durch die Ferrari PR abgewickelt wurde. Wie man auch leicht am Akzent des „Interviewes“ hört. Ist aber nachvollziehbar, dass man nicht gesamte Weltpresse auf den armen Mann jagen wollte.
Dennoch war ich etwas erschrocken. Massa wirkt zwar angesichts seines schweren Unfalls schon wieder erstaunlich fit, aber insgesamt wirkt er sehr fahrig und unkonzentriert. Für ein „gestelltes“ Interview sind sehr viele Hänger zu hören und er wirkt nicht sehr sicher. Er selber redet auch nicht von einem Zeitplan für sein Comeback, nur dass er irgendwann wieder fahren möchte. Ehrlich gesagt habe ich nach dem Interview so meine Zweifel. Aber mal abwarten wie er drauf ist, wenn die Medikamente abgesetzt sind, und er sich wirklich erholt hat.
Und sonst?
Williams, Red Bull und Toro Rosso haben sich gegen einen Testtag von Michael Schumacher im F60 ausgesprochen. Damit ist die Sache auch vom Tisch und Schumacher wird höchstens in einem 07er Wagen weiter testen können. Das ist ein enormer Nachteil und viele verstehen die Entscheidung von Williams & Co nicht.
Ich habe da aber durchaus Verständnis und das aus zwei Gründen. Zum einen sind Regeln nun mal Regeln. Williams weist nicht zu Unrecht daraufhin, dass Ferrari auch Gené hätte einsetzen können, der den F60 zumindest kennt. Eine Ausnahme wäre vielleicht drin gewesen, wenn Ferrari auch keine Ersatzfahrer hätte.
Zum anderen ist das eine politische Entscheidung. Weder Williams noch Red Bull/STR wollen einen Ferrari im Feld haben, der ihnen die Punkte wegnimmt. Wer jetzt schimpft, sollte sich überlegen, ob Ferrari im umgekehrten Fall nicht ähnlich reagiert hätte, wenn der Wunsch zum Beispiel von McLaren gekommen wäre.

7 Kommentare
Ich kann Piquet verstehen, sofern die Aussagen auch zutreffend sind. Das ist schon recht unfair und da stellt sich einem die Frage, wer möcht eden dann ins Cockpit von Piquet?
Zum Testtag: Ist völlig übertrieben das Ferrari sowas fordert. Ein Alguersuari musste auch so ins Cockpit und kümmerts jemanden? Ferrari hätte es auch niemandem durchgehenlassen. Könnte ja ein Wettbewerbsvorteil sein (wer weiß ob das dann von der FIA überprüft wird, mit dem Auto was zuletzt in Ungarn gefahrn ist oder ob da neue Anbauteile dran sind)…
Also wenn das stimmt, das Briatore 15min vor Rennstart zu ihm gekommen ist und sagt“ du musst heut ein gutes ergebniss einfahren sonst fliegst du“.Das wäre schon ne harte Nummer.
Zu Schummacher: Ob neue Regelungen gut oder schlecht sind sieht man ja meistens erst wenn sie anwendung finden. So ist das jetzt eben auch bei Alguersuari, Schummacher und Wahrscheinlich Grosjean. Das einzige was sie fahren dürfen ist ein geradeaustest (max50km) und das in der Königsklasse des Motorsports. Ich denke das da Handlungsbedarf besteht.
In dieser Saison hätte Ferrari wohl zugestimmt, wie es ja auch McLaren getan hat. Das ist auch eine andere Situation als die bei Red Bull, denn Ferrari hat sich diese Situation nicht ausgesucht. Aber das Hauptproblem ist natürlich das Testverbot an sich, das ich von Anfang an für absurd und der Königsklasse unwürdig empfunden habe.
Ich wusste gar nicht, dass Briatore auch Piquets Manager ist. Das ist ja mal ne ungünstige Konstellation, wenn man sich als Manager den Mann aussucht, der auch der Teamchef ist. Vor allem wenn es dann noch einer mit dem Ruf eines Briatore ist. Das kann ja nur Interessenkonfilkte und Stress geben. Keine günstige Basis für ne F1-Karriere, oder?
Und sein „Highlight“, der zweite Platz in Hockenheim, kam aber auch nur durch eine Safety Car-Phase zustande, die ihn nach vorn gespült hat.
Zum Testtag: Ein 7maliger Weltmeister muss doch in der Lage sein ohne einen einzigen
Testkilometer im F60 das Auto schnell fahren zu können oder nicht.
Briatore gibt den Briatore, und der ist nicht wirklich offen und objektiv in solchen Dingen, und am Ende scheitern solche Beschäftigungsverhältnisse dann an der Summe der vielen kleinen Faktoren bis hin zu zwischenmenschlichen Antipathien. Kann mir schon vorstellen, dass das so abgelaufen ist wie von Piquet Jr. dargestellt. Andererseits muss man aber eben auch attestieren, dass er tatsächlich kaum mal Leistung, Qualität oder sonstige Grösse gezeigt hat, weder Zählbares noch in der reinen Anschauung oder Aussendarstellung (man denke z.B. an die ewigen Dreher). Ein grosser Fahrer ist er nicht, und wenn doch, dann hat er es nicht gezeigt. Witzigerweise macht er jetzt genau das, was Briatore ihm erst Tage vorher vorgeworfen hat: er kommt mit tausend Ausreden, Erklärungen und Entschuldigungen, warum es nicht lief…
Zum Testwunsch gab es heute folgenden Satz von Dietrich Mateschitz in den Salzburger Nachrichten: „Toro Rosso stellte dieses Ansuchen vor dem Ungarn-Rennen für Jaime Alguersuari, und es wurde abgelehnt. Warum sollen wir dann eine Anfrage befürworten, wenn ein Test eines Neulings abgelehnt wird?
Das versteht auch ein Laie.
Comments are closed.