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Formel Eins: Ferrari droht mit Ausstieg

von DonDahlmann
7 Kommentare 5 minutes read

Ferrari hat heute bekannt gegeben, dass man sich nicht für die Saison 2010 einschreiben wird, sollten sich die Regeln nicht verändern.

Ferrari China Massa2Nach Toyota und Red Bull hat nun auch Ferrari beschlossen, sich nicht für die Saison 2010 einzuschreiben, sollte die FIA ihre beschlossenen Regeln nicht verändern. Als Begründung nannte man, dass man die geplante Budgetkürzung auf 45 Millionen Euro (ohne Fahrergehälter, Marketingkosten und Motorenentwicklung) nicht mittragen kann. Der angedrohte Rückzug kommt nicht überraschend und setzt beide Seiten massiv unter Druck. Die FIA, weil man ohne Ferrari Fans wohl einen großen Teil der Fans verliert. Wenn man sich vor allem bei den Rennen in Asien das Publikum anschaut, ist da gut die Hälfte in Ferrari-Rot gekleidet. Ohne Ferrari, da kann Mosley sagen was er will, ist die Formel Eins tot. Für die Teams bedeutet die Ankündigung aber auch Probleme:

Denn die Entwicklung des 2010er Wagens hat längst begonnen. Normalerweise hat man sich schon im Juni/Juli grundsätzlich entschieden, in welche Richtung sich die Entwicklung bewegen wird. Bei Honda/Brawn war es im letzten Jahr so, dass der Wagen im Sommer schon sehr weit fortgeschritten war. Im November konnte Ross Brawn Honda schon ziemlich genaue Werte liefern, was ja dann am Ende nichts am Ausstieg änderte.

Wenn man sich aber nicht für 2010 einschreibt, also davon ausgeht, dass man nicht mehr an den Rennen teilnehmen wird, muss man auch nicht mehr entwickeln. Es wäre aber fatal, würde man jetzt die komplette Entwicklung stoppen und auf eine Lösung des Konfliktes warten. Auf der anderen Seite will man ja auch nicht für die Mülltonne entwickeln.

Die Fronten verhärten sich also schneller, als man gedacht hat. Nach Ferrari werden vermutlich auch BMW und Renault als nächste in die gleiche Kerbe schlagen.

Große Sorgen muss man sich aber noch nicht machen. Hier werden gerade Drohkulissen aufgebaut um am Ende ein möglichst gutes Ergebnis bei den Verhandlungen zu bekommen. Mit dem angedrohten Rückzug hat Ferrari aber für einen Paukenschlag gesorgt, der für viel Aufmerksamkeit bei den Medien sorgen wird. Auf Toyota oder Red Bull kann die Formel Eins verzichten – auf Ferrari sicher nicht.

Bedenklich ist die Sache aber, was die Außenwirkung des Streits angeht. Das Geld sitzt bei den Sponsoren nun wirklich nicht so locker, und wer will schon sein Marketingbudget in einer Serie versenken, die mehr durch Streitigkeiten denn mit Sport auf sich aufmerksam macht?

Eine Teilung der Serie halte ich weiter für völlig ausgeschlossen. Eine Piratenserie ist nicht durchsetzbar, schon gar nicht im Moment. Den Motorsportchef möchte sehen, der seinem Vorstand erklärt, dass man in Zukunft weiter viel Geld ausgeben wird, dafür aber in Europa auf Strecken fahren muss, die sich bisher keine Deals mit der Ecclestone haben. Naja, die Formel Eins in Oulton Park….*scherz*

Hier noch die Presseerklärung von Ferrari im Wortlaut:

Maranello 12 May 2009 – Ferrari’s Board of Directors, chaired by Luca di Montezemolo, today analysed the first quarter results for 2009. Despite the current international economic climate, which has hit the automotive sector in particular, Ferrari’s figures were in line with the record levels reached in 2008.

Turnover for the first three months was 441 million euro compared to 455.7 million euro over the same period in 2008. The first quarter closed with a trading profit of 54 million euro compared to last year’s 59 million euro.

These results reflect the introduction of new models, in particular the success of the Ferrari California and the Scuderia Spider 16M, the constant growth in activities linked to the brand (e-commerce, licensing, merchandising and retail) and the company’s continuing efforts to maximise efficiency.

The Board of Directors also examined developments related to recent decisions taken by the Federation Internationale de l’Automobile during an extraordinary meeting of the World Motor Sport Council on 29 April 2009. Although this meeting was originally called only to examine a disciplinary matter, the decisions taken mean that, for the first time ever in Formula 1, the 2010 season will see the introduction of two different sets of regulations based on arbitrary technical rules and economic parameters.

The Board considers that if this is the regulatory framework for Formula 1 in the future, then the reasons underlying Ferrari’s uninterrupted participation in the World Championship over the last 60 years – the only constructor to have taken part ever since its inception in 1950 – would come to a close.

The Board also expressed its disappointment about the methods adopted by the FIA in taking decisions of such a serious nature and its refusal to effectively reach an understanding with constructors and teams. The rules of governance that have contributed to the development of Formula 1 over the last 25 years have been disregarded, as have the binding contractual obligations between Ferrari and the FIA itself regarding the stability of the regulations. The same rules for all teams, stability of regulations, the continuity of the FOTA’s endeavours to methodically and progressively reduce costs, and governance of Formula 1 are the priorities for the future. If these indispensable principles are not respected and if the regulations adopted for 2010 will not change, then Ferrari does not intend to enter its cars in the next Formula 1 World Championship.

Ferrari trusts that its many fans worldwide will understand that this difficult decision is coherent with the Scuderia’s approach to motor sport and to Formula 1 in particular, always seeking to promote its sporting and technical values. The Chairman of the Board of Directors was mandated to evaluate the most suitable ways and methods to protect the company’s interests.

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7 Kommentare

NoteMe 12 Mai, 2009 - 18:15

Wie soll ich das verstehen, dass Du oben fälschlicherweise behauptest, Ferrari wolle wegen des begrenzten Budgets aussteigen, unten aber richtig zitierst, dass sie einerseits wegen der Teilung des Reglements in verschiedene Stufen, andererseits wegen der fehlenden Zuverlässigkeit der FIA in Regelfragen, vorerst keine Einschreibung für die 2010er Saison vorzunehmen gedenken?

DonDahlmann 12 Mai, 2009 - 18:25

Ähhh…. das Budget ist Teil des Reglements? Ohne Budgetkappung keine Zwei-Klassen Gesellschaft.

nona 12 Mai, 2009 - 20:06

Was anderes die Zukunft betreffendes, und IMO erstaunlich wenig diskutiertes: wie bewertet die werte Leserschaft die spekulative Möglichkeit, dass Barcelona aus dem Kalender fliegen könnte? Potentielle Gründe dafür gibt es so einige. Rennen in Barcelona sind durch das Layout chronisch öde und damit unpopulär – die F1 kann dort nicht den „guten Sport“ verkaufen, den sie gerne hätte. Barcelona war nicht ausverkauft, Spanien ist ein wirtschaftlich arg gebeuteltes Land und das Barcelona-Wochenende kein automatischer Goldesel. Der Alonso-Boom ist auch schon merklich abgeebbt. Spanien ist zudem eines der ganz wenigen Länder mit zwei Rennen, in Ecclestones Begründungsszenarien kann eines also problemlos wegfallen – Valencia hat sich letztes Jahr ja als überraschend attraktiv erwiesen. Ausserdem gab es jetzt erneut einige rassistisch motivierte Fan-Schmähungen gegen Hamilton, weswegen Barcelona ja noch vom letzten Jahr her quasi unter Bewährung war. Sonst noch Gründe?

Dirk 12 Mai, 2009 - 20:22

Ja, man kann dann für Barcelona wieder ein schönes Rennen in den Kalender nehmen, wie Montreal! Da gibts spannendere Rennen.

NoteMe 12 Mai, 2009 - 21:08

@nona

Attraktiv war Valencia doch nur für Prozessionsfanatiker mit leichtem Hang zum Hafenviertel-Dekonstruktivismus. Also praktisch wie Barcelona, nur zusätzlich auch noch hässlich. Von mir aus kann beides weg.

Ich 12 Mai, 2009 - 21:18

Von mir aus könnte man Barcelona gern streichen, und Valencia und Ungarn gleich dazu. Auch auf das meistens stinklangweilige Monaco-Rennen könnte ich verzichten. Aber F1 ohne Ferrari? Undenkbar! Aber für undenkbar hätte ich bis vor kurzem auch all den Unsinn gehalten, den die FIA verzapft hat…

Gast 14 Mai, 2009 - 12:16

Schaut man sich den Hintergrund mit den Rechten der A1 GP an, scheint das mittlerweile mehr als nur ein Säbelrasseln zu sein. Spielt man das -völlig unvoreingenommen- mal gedanklich durch, wären sie sogar auf einen Schlag am Ziel. Die FOTA hat scheinbar alle Trümpfe in der Hand :)
Fehlt eigentlich nur noch derjenige, der in der neuen „Piratenserie“ für Ordnung sorgt.

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