Das Rennen in New Hampshire hat gleich gezeigt, wie gemein der Chase sein kann. Da gewinnt man acht Rennen in einem Jahr, dominiert die Saison und dann kann ein gebrochener Stabilisator in ersten Rennen des Chase die ganze Saison auf den Kopf stellen. Weil bei Kyle Busch ein vergleichsweise einfaches Teil an der Aufhängung des Stabilisator brach, eierte der bisher Meisterschaftsführende um den Kurs in die New Hampshire rum, als würde er in einem Citroën 2CV sitzen. Man konnte den Fehler nicht beheben und Busch schmiss seine Führung von 80 Punkten in die Mauer. Aber das war nicht die einzige Überraschung am Wochenende.

Es hatte sich die letzten Wochen schon angedeutet, aber rechtzeitig zum Chase scheint Jimmie Johnson wieder zurück zu sein. Die bisherigen Probleme mit den CoT hat man offenbar ausgemerzt, denn wenn einer wie Johnson auf schnellen, wie auch langsamen Ovalen gut unterwegs ist, dann sollte die Konkurrenz aufmerksam werden. Es kam zumindest im ersten Rennen des Chase genauso, wie das viele Beobachter erwartet hatten. Nicht Bush, nicht Edwards – Johnson ist der Favorit im Chase, denn er hat ein Team, dass schon zwei Meisterschaften gewonnen hat und hinter ihm steht mit Hendrick eine Organisation, die weiß, wie man einen Chase fährt. Chad Knaus ist zu dem der Crew Chief, der wohl die besten Nerven im ganzen NASCAR Zirkus hat.

Natürlich ist der Chase noch lang und Kyle Busch kann den Rückstand, den er jetzt in der Meisterschaft hat, schnell wieder einholen. Aber es ist eben ab sofort ein Rückstand, wo es doch noch ein Vorsprung hätte sein können. Das wird den Druck auf ihn und das Team erhöhen, was die Sache nicht leichter machen wird. Dazu kommt, dass das Roush Team mit Biffle und Edwards plötzlich zwei heisse Eisen im Feuer hat. Wäre hätte einen Cent auf Biffle gesetzt? Ich bin mir zwar sicher, dass es am Ende Edwards sein wird, der um die Meisterschaft fährt, aber unter diesen Shootout Bedingungen kann schnell was daneben gehen, zu mal mit Dover ein Oval ansteht, auf dem man schnell mal in der Mauer klebt.

In der zweiten Reihe warten Junior und Stewart. Earnhardt haderte im Rennen mit einem schlechten Reifensatz, der ihn weit nach hinten warf. Während des Rennens beklagte er sich bei seinem Crew Chief, Tony Eury jr. und die beiden hatten sich mal wieder in der Wolle. So sehr, das sich Rick Hendrick genötigt sah, per Funk ein paar Worte an Junior zu richten:

Earnhardt: “We need a security guard over there watching those fucking tires. I can’t figure out why we keep [messing] up in the middle of all these races. Every fucking time.”
Hendrick: “You’ve got a great car right now. Just take it easy.”
Earnhardt: “This is fucking bullshit.”
Hendrick: “You got a bad set of tires. It happens.”
Earnhardt: “I need to find another series that runs half-distance races.”
Hendrick: “You can do this. Talk to everybody about what the car is doing. We can make the right adjustments.”
Earnhardt: “I’m [ticked] off. Sometimes you go your fastest when you’re [ticked] off. So we’ll see.”
Hendrick: “Take it out on those guys in front of you.”

Hendrick war auch nach dem Rennen noch nicht ganz fertig mit seinem Fahrer und meinte, dass Junior mehr an das Team denken müsse, sonst würde das nichts.

Einen ähnlichen Anfall hatte Tony Stewart letzte Woche in Richmond, als er ein paar Runden vor Schluss hinter Jimmie Johnson hing und seine Crew per Funk zusammenstauchte, warum sie ihm keinen besseren Wagen hinstellen könnten. ESPN, die mit Stewart eh nicht gerade eng befreundet sind, sendete den Ausschnitt genüsslich mehrfach, ohne allerdings auch nur zu erwähnen, dass Stewart sich kurze Zeit später bei seinem Team entschuldigte. Stewart nahm es gelassen. Bei einer Pressekonferent meinte er nur:

“We’ve had a terrible relationship with ESPN for years. We’ve been very outspoken with them as a company about how they treat the drivers, treat the teams. […] It’s no secret ESPN and I don’t get along. Trust me, if there’s anything negative I do, ESPN is going to pick up on it and run with it every chance they get.”

[Quelle]

Auch Dale Earnhardt pflichtete ihm bei (Das war vor dessen Ausbruch am Wochenende)

“I think it’s just poor taste by the networks and I’m seeing it too often. It’s really about class…or the lack of it.”

Ich bin da zweigeteilt. Es wäre meiner Meinung nach falsch, solche Ausbrüche nicht zu senden. Genau diese Momente geben die Intensität des Rennens wider und zeigen auch etwas von dem Druck unter dem die Fahrer stehen. Sie zeigen auch das “andere” Gesicht des Fahrer, also das des reinen Racers, der mal gerade nicht mit irgendeiner Kappe auf dem Kopf und einem Getränk in der Hand nette Sache in die Kamera sagt. Aber journalistisch sauber wäre es gewesen, wenn ESPN auch die Entschuldigung gesendet hätte. Sie totzuschweigen ist mehr als unfair. Wenn ESPN nicht in der Lage ist diese grundlegende journalistische Arbeit zu leisten, dann ist das einfach schlecht gearbeitet.

Aber daran sieht man auch, wie hoch der Druck für die TV Sender und die Fahrer im Chase ist.