Als ich vor ein paar Wochen hörte, dass Ganassi und Michael Waltrip angeblich über einen Merger diskutieren, dachte ich noch: “Jau, das ist mal keine schlechte Idee.” Zwei schwer angeschlagene Teams, die mindestens einen Hauptsponsor verloren haben und einfach nicht mehr in der Lage sind, alleine die Top Ergebnisse einzufahren, die sie eigentlich bräuchten. Wenn Ganassi nicht völlig den Bach runter gehen will und auch um Montoya zu halten, könnte man diesem die Toyota Motoren versprechen. Ein alltägliches und isoliertes Gerücht. Zumindest bis gestern.

Es gibt ein paar Storys, die getrennt von einander wenig aussagen, aber wenn sie in ein größeres Bild packt, ergibt sich ein anderes Bild der Lage.

Im letzte Januar wurde berichtet, dass Robby Gordon dabei sei, sein Team enger mit Gillett Evernham (GEM) zu verzahnen. Auch das macht Sinn. Die Motoren bekommt Gordon eh von GEM, warum also nicht auch als quasi vierter Wagen von GEM an den Start gehen. Tatsächlich hatten GEM und Gordon schon seit letztem Januar einen Kaufdeal, der aber bisher nur eine Absichtserklärung war. Doch vor ein paar Wochen flatterte Robby Gordon eine Klage von GEM ins Haus. Grund der Klage: Gordon habe angeblich auch nach dem Vorvertrag mit anderen Teams über einen Merger gesprochen. Zu dem habe er sich in einem Interview negativ über GEM geäußert. Die Sache ist hochkompliziert, weil GEM Gorden zu dem vorwirft, dass er Probleme bei der Sponsoren Findung für ihn gemacht habe. Insgesamt aber auch so ein isolierter Vorfall.

Letzte Woche platzte dann die Bombe, dass Dodge seine Unterstützung für die Truck Serie komplett einstellen würde. Zwar hat sich der Hersteller schon Ende letzten Jahres teilweise aus der Truck Serie rausgezogen, aber das sie sich komplett verabschieden würden, war dann doch etwas überraschend. (Mehr Hintergrund Infos zum Rückzug in einem Extra-Eintrag). Das sorgte dann schon für nachdenkliche Gesichter in der NASCAR.

Heute kommt nun das Gerücht, dass GEM angeblich über den Kauf von Bill Davis Racing (BDR) nachdenkt. BDR widerum macht keinen Hehl daraus, dass man dringend einen neuen Teilhaber sucht, nachdem der bisherige Sponsor CAT abgewandert ist. Toyota pumpt zwar ein wenig Geld rein, aber reicht lange nicht. Aber was würde dann passieren? Würde das halbe BDR-Toyota Werksteam zu Dodge wechseln? Oder GEM zu Toyota?

Zusammengenommen gibt das ein düsteres Bild in Sachen Dodge. Sowohl Ganassi, als auch GEM und Penske haben mit Dodge einen Deal bis Ende 2009. In Sachen Motorenentwicklung hat sich lange nichts mehr getan, dieses Jahr ist kein Dodge Team in den Chase gekommen. In Licht dieser Dinge fragt man sich, ob die Klage von GEM gegen Gordon nicht ein wenig vorgeschoben ist, weil man sich lieber mit BDR die Toyota Motoren holt, anstatt das Gordon Team, dass motorenseitig keine Alternative bietet.

Man könnte aus all den Infos auch das Bild bekommen, dass Dodge seinen Teams den Hinweis gegeben hat, dass man sich Ende 2009, nach nur acht Jahren im Sprint Cup, wieder zurück ziehen möchte. Der Hersteller ist Teil einer privaten Investmentgruppe, die sehr genau auf die Zahlen schaut und auch sieht, dass sich der Automobilmarkt in den USA vor einer scharfen Korrektur steht. Zieht Dodge die Notbremse? Und was macht Penske?

Sollten 2009 Ganassi und GEM mit Toyota Motoren unterwegs sein, wäre Penske das einzige Team, dass noch mit einem Dodge unterwegs ist. So hat man natürlich keine Chance gegen Chevy und Toyota. Eine Variante wäre, dass Penske zu Ford wechselt, die sich auch über einen weiteren Zugang freuen würden.

Man kann es natürlich auch so sehen, dass GEM das BDR Team zu Dodge holt und damit auch all das Know-How der Toyota Motoren. Aber wenn man sich die Entwicklung des Dodge Motorsport Programms der letzten Jahre anschaut, scheint das wohl eher die unwahrscheinliche Variante zu sein.

Sollte Dodge wirklich gehen, wäre das für die NASCAR kein Beinbruch, aber schon unangenehm. Dodge ist ein Marke, die von den NASCAR Fans gerne gesehen wird, da die meist auch in ihrem Dodge Pick-Ups zum Rennen fahren. Das würde natürlich auf der anderen Seite die Tür für einen weiteren Hersteller aufmachen, aber im Moment scheint keine Marke Interesse zu haben. Die NASCAR hätte durchaus gerne einen europäischen Hersteller, noch lieber einen aus Deutschland. Aber da kommen realistisch nur BMW und Mercedes in Frage.

BMW überdenkt zwar gerade ihren Einsatz in der WTCC, aber die NASCAR würde der Marke wenig bringen. BMW Motorsport ist darauf ausgerichtet, dass man die Rennwagen auch an andere Teams verkauft. Mit einem NASCAR Wagen kann man genauso wenig anfangen, wie mit einem DTM Einsatz, weil man Motoren und Chassis außerhalb der Serie nicht vermarkten kann. Mercedes ist in der DTM involviert, allerdings fehlt ihnen schon ein Motorsport-Standbein in den USA. Allerdings ist die Marke im Rennsport auch nicht bekannt, weil man, außer mal in der CART Serie, nie wirklich aktiv war. Beide sind zu dem viel zu sehr in die Formel Eins verstrickt, als dass man einen kompletten NASCAR Einsatz finanzieren würde. Dazu kommt, dass das technische Reglement der NASCAR mit den altertümlichen 5 Liter V8 nicht zum ökologischen Image passt, dass sich beide Marken in den nächsten Jahren verpassen wollen.

Bisher sind das alles nur Gerüchte, die sich um Dodge ranken, aber mir scheint schon etwas dran zu sein. Es kommt einfach sehr viel Rauch aus sehr vielen Ecken.