Die WTCC startet dieses Wochenende in ihre neue Saison. Und es ist wohl das x-te Übergangsjahr in Folge, bevor nächstes Jahr das neue Reglement kommt. Immerhin hat man dieses Jahr zwei neue “Vollzeithersteller” in der Serie, dafür hat sich jedoch Ford zurückgezogen. 

Kalender und Regeländerungen:

Doch zunächst zu ein paar allgemeine Sachen, allen voran der Kalender der diesjährigen WTCC-Saison:

1.  23/24 März  Monza  Autodromo di Monza
2.  6/7 April  Marrakesch  Circuit de Marrakech
3.  27/28 April  Slovakei  Slovakia Ring
4.  04/05 Mai  Budapest  Hungaroring
5.  18/19 Mai  Salzburg  Salzburgring
6.  8/9 Juni  Moskau  Moscow Raceway
7.  29/30 Juni  Porto  Circuito da Boavista
8.  TBA (3/4 August ? )  TBA  TBA
9.  TBA (24/25 August ? )  TBA  TBA
10.  7/8 September  Sonoma  Sonoma Raceway
11.  21/22 September  Suzuka  Suzuka East Circuit
12.  02/03 November  Shanghai  Shanghai International Circuit
13.  16/17 November  Macao  Circuito da Guia

Das ist, voller Stolz präsentiert, der komplette Kalender der WTCC-Saion 2013. Der komplette Kalender? Nein, natürlich nicht. Man kämpfte monatelang um einen vollständigen Kalender, nur damit er am Ende doch auseinander flog.

Die Saison startet dieses Wochenende in Monza. Ursprünglich sollte es einen Saisonstart in Barcelona geben, wofür Valencia aus dem Kalender flog. Das Rennwochenende war aber so kurzfristig (?!) wohl nicht realisierbar, deswegen fährt man dort erst ab nächstem Jahr. Dann aber ganz sicher, wirklich! Nach Monza geht es direkt weiter nach Marrakesch, das zwischendurch auch mal aus dem Kalender geflogen war, jetzt aber gesichert zu sein scheint.

Danach absolviert man die beiden sehr beliebten Auftritte in der Slovakei und in Ungarn und kehrt nach der erfolgreichen Uraufführung in der letzten Saison nach Salzburg zurück, um sich danach wieder gen Osten auf zu machen, wo die WTCC das erste Mal in Moskau gastiert. Die Europasaison endet im Moment in Porto. Die sinnlosen Reisekilometer kann sich jetzt jeder selber auf seiner virtuellen Europakarte ausmalen. (Kleiner Tipp: Würde man nur Salzburg und Moskau tauschen würde man schon eine Menge Reisekilometer sparen, ganz abgesehen von der Idee erst in Moskau zu fahren und sich dann nach Westen vorzuarbeiten) Aber vermutlich muss der Kalender so geschrieben werden, da es ansonsten zu Kollisionen mit anderen Rennserien oder Events kommt.

Nach Porto folgen zwei TBAs im Kalender. Das erste war Curitiba, das zweite TBA wurde zusammen mit der Streichung von Curitiba aus dem Kalender hinzugefügt. Anbei folgt ein kurzer Auszug des historischen Kampfes von Curitiba ums Überleben im WTCC-Kalender:

– Irgendwann vor Dezember 2012: Ein erster Kalenderentwurf enthält Curitiba.
– Anfang Dezember 2012: Curitiba fliegt auf einer Vollversammlung der FIA in Istanbul aus dem Kalender.
– Mitte Dezember 2012: Nach Verhandlungen zwischen Eurosport Events und Brazil’s National Sporting Authority kehrt Curitiba zurück in den Kalender.
– Anfang März: Nach einer Sitzung des Automobil-Weltrates der FIA in Genf wird Curitiba wieder gestrichen.
– to be continued

Die Termine, die in Klammern hinter den beiden TBAs stehen, sind die Ersatztermine, die von offizieller Seite genannt wurden, falls man den Rennkalender kurzfristig ändern muss. Das war allerdings weit vor der Streichung von Curitiba. Die beiden Termine deuten auf einen früheren Beginn der Amerikasaison hin. Theoretisch wären hier eine Rückkehr von Curitiba und ein Rennen in Argentinien, wie schon letztes Jahr denkbar oder zwei weitere Rennen in den USA. Diese Variante ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Erhoffenswerter ist eine Verschiebung beider Termine in den Juli und eine Erweiterung der Europasaison um zwei Rennen. Deutschland, Frankreich und England schreien förmlich nach Rennen, da diese drei für den Motorsport und die Automobilindustrie total unwichtigen Länder mal wieder keine Berücksichtigung im WTCC-Kalender gefunden haben. Ob sich das im vollen Motorsportsommer in Europa so einfach realisieren lässt, bleibt abzuwarten.

Die dritte und nicht unwahrscheinliche Möglichkeit ist, dass man einen oder beide TBAs ersatzlos wegfallen lässt und so wieder zwei Monate Sommerpause einbaut. Sollte man jedoch Ersatztermine finden, würde der Kalender bis auf die sechs Wochen Pause zwischen Suzuka und Shanghai (die Pause betrug im letzten Jahr zwei Wochen) sogar datenmäßig vernünftig aussehen. Vielleicht wurde hier jedoch einem Wunsch der Teams entsprochen, die Autos während der Überseesaison nochmal zurück in die Shops bringen zu können, allerdings würde dies auch jede Menge zusätzliche Reisekilometer und Kosten bedeuten, über die sich die Teams ja ebenfalls beschweren.

Was auch immer die zwei TBAs sein oder auch nicht sein werden, darauf folgt auf alle Fälle das Rennen am Sonoma Raceway, bevor es weiter nach Suzuka geht. In Suzuka wird man wohl endlich den Grand Prix Kurs fahren. Nach Japan geht es auf nach China, wo die letzten beiden Rennen in Shanghai und Macao stattfinden. Sollten die beiden TBAs tatsächlich durch Rennen ersetzt werden, hätte man den umfangreichsten Kalender aller Zeiten in der WTCC mit 13 Rennen – sollten beide wegfallen, hätte man ein Rennen weniger als letztes Jahr.

Die Fahrzeuge werden dieses Jahr alle mit dem gleichen Basisgewicht von 1150 kg an den Start gehen. Das soll die “Gewichtsverteilung des Grauens” fairer machen. Aber die WTCC wäre nicht die WTCC, wenn wirklich alle Fahrzeuge mit dem gleichen Gewicht an den Start gehen würden. Die BMW sind aus der Steinzeit so alt, dass sie dieses Minimungewicht nur unter größten Mühen, wenn überhaupt erreichen. Sollten sie Gewicht herausnehmen dürfen im Laufe der Saison, dürfte das wohl praktisch unmöglich für sie sein. Großartige Regeländerungen gibt es ansonsten nicht, aber da wird es nächstes Jahr den großen Knall geben, zumindest möchte man dann ein neues Reglement mit Hybridfahrzeugen, Karosserieänderungen und einem neuen Rennformat einführen. Dieser Fakt macht die WTCC-Saison 2013 allerdings auch (wieder) zu einem Übergangsjahr.

Hersteller, Teams und Fahrer:

CHEVROLET: Nachdem klar war, dass Chevrolet sich zurückziehen würde, stand im Winter lange die Frage im Raum, was denn RML in der Saison 2013 machen wird. Schlussendlich wurde das Geheimnis gelüftet: Man wird zwei private Chevrolet Cruze einsetzen, gefahren von Tom Chilton, der von Ford kommt, und dem mehrfachen Meister Yvan Muller. Nur zwei weitere Teams setzen ansonsten noch Chevrolets ein, nämlich bamboo-engineering mit MacDowall und Nash, die man nicht unterschätzen sollte, und Nika Racing, die für Michael Nykjaer ein Fahrzeug stellen. Nika Racing, da war doch was? Richtig, dahinter steckt Chevrolet Motorsport Schweden, also ein halber Werkseinsatz. Ein Auge sollte man sowohl auf die RML-Fahrzeuge, als auch auf Nika Racing werfen, die könnten den Hondas gefährlich werden.

HONDA: Der ganz klare WM-Favorit für dieses Jahr ist natürlich Honda. Die fuhren beim Testen schon Kreise um die Konkurrenten und haben mit Tarquini und Monteiro auch die beiden besten SEAT-Fahrer vom letzten Jahr im Werksteam und mit Zengo Motorsport und Michelisz ein nicht zu unterschätzendes Kundensportteam. Das Honda-Werksteam tritt übrigens in der extrem schicken rot-grün-weißen Castol-Traditionslackierung an, optisch werden die Autos sicherlich das Highlight dieses Jahr. Müsste ich auf einen Weltmeister tippen, würde ich Tarquini nehmen.

SEAT: Die SEAT sind das große Sorgenkind. Bekommen immer noch ein paar Updates, aber um sich wirklich von den BMW abzusetzen, reicht es dann doch nicht, und für ganz vorne schon gar nicht. Dann hat man noch seine beiden stärksten Fahrer abgeben müssen und stünde jetzt sehr schwach dar… …wenn nicht Münnich Motorsport mit drei Fahrzeugen eingestiegen wäre, auf die ich sehr gespannt bin. Ich glaube nicht, dass es permanent für ganz vorne reicht, aber mit den Fahrern Huff, Basseng und Münnich sollten Siege möglich sein. Oriola, Monje und Boardman sitzen alle in 1-Wagen-SEAT-Teams, vor allem auf Oriola sollte man achten.

BMW: Es gibt wieder eine ganze Armada an BMW. Aussichtsreister BMW ist, speziell nach dem Wechsel von Zengo Motorsport zu Honda, Tom Coronel von ROAL Motorsport. Das Auto kann sicherlich auch um ein paar Siege mitfahren. Das Team Engstler ist erfreulicherweise auch wieder dabei, genauso wie der Neuling ANOME, die einen BMW von Zengo-Motorsport gekauft haben und mit dem Trophée Andros Champion Jean-Philippe Dayraut an den Start gehen und versuchen wollen die ganze Saison zu bestreiten. Den Rest der fahrerisch bekannten BMW-Armada gibt es hier.

LADA: Der zweite Werkseinsatz nach Honda. Gefahren werden die beiden Lada von der guten Paarung Thompson und Dudukalo. Ich habe meine Skepsis gegenüber dem Lada-Engagement schon oft geäußert und dass sie nur in Magny-Cours und nicht zusammen mit den anderen Teams getestet haben, schmälert diese nicht gerade. Ich bezweifel ernsthaft, dass sie um Siege mitfahren können und im engen Mittelfeld könnten selbst Punkte schwer werden.

FORD: Es wird in diesem Jahr leider keine Ford mehr geben. Nach den teilweise desaströsen Ergebnissen letztes Jahr hat Ford den Stecker gezogen.

TV-Übertragung:

Nicht viel Neues an dieser Stelle. Eurosport beziehungsweise Eurosport 2 werden wieder das Warm-Up, Qualifying (teilweise) und beide Rennen live übertragen. Die Übertragungszeiten werden wohl wieder so variieren, wie sie Eurosport am besten in ihren am Wochenende mit Livesport überfüllten Programmplan passen. Dafür bitte jedes Wochenende, so auch dieses, unsere TV-Termine beachten. Kommentiert werden die Rennen wieder von Dirk Adorf, Uwe Winter und Christian Menzel.

Dieses Wochenende: 

Zu Monza als Strecke muss man nicht viel sagen. Es ist ein reines Hochgeschwindigkeitsrennen, Honda ist Favorit. Ich würde ja auch Chevrolet mit Nika Racing und RML in einer guten Position sehen, wenn nicht das Gewichtsreglement der WTCC dem Sieger des letzten Jahres 40 zusätzliche Kilo ins Auto packen würde. Aber vielleicht reicht es ja im zweiten Rennen.