Formel Eins: Einigung zwischen FIA und FOTA

10 Kommentare
Von DonDahlmann 24 Jun 2009 um 14:33 in F1

Offenbar wird es die angekündigte Piratenserie der FOTA doch nicht geben. Auch weil Max Mosley im Oktober nicht mehr antreten wird.

Der Streit ist vorbei, es gibt keine FOTA-Serie. Die FIA und Max Mosley haben einen Demütigung erfahren. Da kann Mosley öffentlich seinen Plan, dass die Kosten reduziert werden, noch so sehr in den Himmel loben – im Grunde sind alle seine Vorschläge gescheitert. Das Zwei-Klassen-Modell, die Budgetgrenze und der Plan, dass die FIA die Einhaltung der Grenze kontrollieren wollte. Nichts davon wird im umgesetzt. Denn das die Kosten reduziert werden müssen, dass haben alle Teams seit dem letzten Jahr schon bekannt. Ob sich die Teams aber auch mit ihrem Ziel durch gesetzt haben, dass sie an den Einnahmen besser beteiligt werden, ist allerdings nicht bekannt.

Im Grunde ist der ganze “Kompromiss” bisher ein Witz und dient nur dazu, Mosley und die FIA nicht komplett wie Volldeppen in der Öffentlichkeit dastehen zu lassen. Es gibt absolut keine Angaben, wie die Kostendeckung aussehen soll, und wie hoch die endgültige Summe sein wird. Man spricht sehr nebulös davon, dass man die Kosten auf dem Niveau der frühen 90er Jahre einfrieren möchte. Welches Jahr ist gemeint? 1992, als Williams mit dem FW14B einen HighTech Wagen auf die Beine stellte und Millionen in dessen Entwicklung versenkte? Oder 1993, als man den ganzen Krempel, wie die aktive Radaufhängung, wieder verboten hat? Oder doch lieber 1996 als Mercedes anfing Geld in den Rennstall zu schaufeln? Und auf Basis welcher Ausgaben? Minardi hat Ende 90er (kein Link, hab ich nur so im Kopf) mal davon gesprochen, dass sie eine Saison 20 bis 30 Millionen Dollar kostete. Paul Stoddart spracht, bevor er verkaufte, von rund 50 Millionen Dollar, die ihn Minardi kosten würde. Interessant auch, dass die FOTA und nicht die FIA ein “Kontrollsystem” etablieren will, dass die Kosten transparent halten soll.

Völlig ungeklärt ist auch noch die Frage, wie und vor allem wer die Regeln in Zukunft gestalten soll. Es ist die Rede davon, dass es bei der FIA wieder einen “Formel Eins Ausschuss” geben soll, in dem die Teams, bzw. die FOTA sitzt. Da wird man abwarten müssen, wie der aufgehangen ist. Sollte der weitreichende Veto-Rechte gegenüber der FIA haben, ist die Hoheit über die Regeln der Formel Eins durch die FIA Vergangenheit.

Es ist also nichts geklärt, zumindest gibt man keinerlei Einigung in Detailfragen bekannt. Die heutigen Aussagen beschränken sich auf Absichtserklärungen und der Meldung, dass man Mosley sofort los wird. Denn die Verhandlungen mit der FOTA soll nach Angaben von Joe Saward Michel Boeri, Präsident des Automobil Club Monaco und FIA Senats Präsident, übernehmen. Genau jener Boeri, über den in den letzten Tagen wohl durch gesickert ist, dass der Monaco GP zur FOTA abwandern könnte. Gerüchteweise soll der Kompromiss in der letzten Nacht zwischen Bernie Ecclestone und Luca di Montezemolo ausgehandelt worden sein. Mosley war angeblich schon am Sonntag, als er verkündete, es werde bald Frieden geben, von den Investoren der Formel Eins, der CVC-Gruppe, aufs Abstellgleis geschickt worden. Es deutet auch vieles daraufhin, dass es innerhalb der FIA eine Palastrevolution gegeben habe könnte. Das die Verhandlungen zwischen Ecclestone und der FOTA so lange gedauert haben, deutet darauf hin, dass man sich in Sachen Geld nicht so schnell einigen konnte.

Das Ganze ist eine Farce, die Einigung nur eine blumige Umschreibung dafür, dass man Max Mosley los geworden ist. In Sachen Regeln ist man genauso weit, wie im letzten April. Während die neuen Teams mit den “Mosley-Regeln” eine gewisse Planungssicherheit hatte, haben sie nun nichts mehr in der Hand. Dazu ist die FIA massiv geschwächt. So wie es im Moment aussieht, hat man vor den Herstellern komplett kapituliert. Und das kann auch Auswirkungen auf andere Serien der FIA haben.

Die Frage ist jetzt: Wird alles besser? Ist eine von der Herstellern dominierte Serie das, was kommt und was man als Fan wirklich haben will?

So sieht jedenfalls die Startliste für 2010 aus. Es gibt keine Änderung zu jener, die die FIA am 12.06. veröffentlicht hat.

Ferrari
McLaren-Mercedes
BMW-Sauber
Renault
Toyota
Red Bull
Toro Rosso
Williams
BrawnGP
Force India
Campos Meta
Manor Grand Prix
Team US F1

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10 Comments

  1. Sloan

    Ich habe es mir ja fast schon gedacht, dass man sich einigen wird.
    Eigentlich Schade. Die FOTA hat ein paar wirklich gute Ansätze für eine neue Serie gegeben, gerade was die Strecken betrifft.
    So bleibt also alles beim Alten. Ich hätte nichts gegen eine neue F1 Serie gehabt.
    Und ich glaube viele Leute sehen das genauso.
    Der Zuspruch zur FOTA Serie war sehr hoch. Mit einer Einigung FIA/FOTA wird man so auch einige Leute wieder vor den Kopf stoßen, die sich schon auf die neue Serie gefreut haben.

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  2. Prometheus

    Gut so. Alles andere wäre ein großer Fehler gewesen, auch wenn die neue Serie ein paar nette Ansätze hatte, wie Sloan ja sagte. Aber jetzt haben die Teams bewiesen, dass die FIA erpressbar ist und das wird in der Zukunft zu mehr Problemen führen, fürchte ich…

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  3. Sloan

    Prometheus schrieb:

    …, dass die FIA erpressbar ist und das wird in der Zukunft zu mehr Problemen führen, fürchte ich…

    Mal gucken was jetzt in der WTCC und WRC passiert…

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  4. Ich

    Es war ja zu vermuten. Die FOTA scheint sich durchgesetzt zu haben, aber die grundlegenden Probleme bleiben. Ich denke, die Teams werden es schon bald bereuen, den letzten Schritt nicht gemacht zu haben. Mitleid können sie dann nicht erwarten, und die Unterstützung der Fans wird auch nie mehr so gross sein wie zuletzt. Überhaupt sind die Fans mal wieder die grossen Verlierer: Die Eintrittspreise werden kaum sinken können, Traditionsstrecken bleiben aussen vor, und das in vielen Punkten schlechte Reglement bleibt.

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  5. nona

    Ich verstehe nicht genau, warum so viele Leute anscheinend für eine abgespaltene FOTA-Serie wären. Es geht doch nicht nur darum, zum Selbstzweck und zur allgemeinen Belustigung mit Rennautos schnell im Kreis zu fahren – man muss doch auch einen Wettkampf um etwas betreiben, das einen bestimmten emotionalen und ideellen Stellenwert hat, schon allein aus Vermarktungsgründen. Welchen Stellenwert hätte denn bitteschön der Meistertitel einer künstlich aus dem Boden gestampften F1-ähnlichen Retortenserie, die eben gerade nicht die F1 mit der F1-Tradition und dem Nimbus und der Historie wäre?

    Nur ma’ aus Spass: in der Fussball-Bundesliga kämen jetzt dreiviertel der Mannschaften überein, sie hätten vom DFB und der DFL die Nase voll und stiegen aus der Bundesliga aus, um eine eigene Meisterschaft zu organisieren und zu vermarkten, sagen wir mal, die “Deutschlandliga”. Alles prima, vielleicht etwa 14 der namenhaften Vereine tun sich zusammen (während hässliche juristische Gefechte mit DFB und DFL ausgetragen werden), spielen eine Saison, am Ende wird der FC Bayern “Deutschlandmeister”, meinetwegen vor Schalke und Werder. DFB/DFL tragen weiterhin die Fussball-Bundesliga aus, und damit die Liga auch voll wird, wird die Lizenzvergabe vereinfacht und die Liga mit willigen Zweit- und Drittligisten aufgefüllt. Am Ende wird der SV Wehen Wiesbaden Deutscher Fussball-Meister, vor St.Pauli und Düsseldorf. Und den DFB-Pokal gewinnt Holstein Kiel im Elfmeterschiessen gegen die extra wiederbelebte Hessen Kassel.

    Und mit einer solchen durch die Spaltung bedingten völligen Entwertung beider Parallel-Ligen wäre allen Ernstes jemand zufrieden?

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  6. Ich

    Spielt ja jetzt keine Rolle mehr, also braucht man nicht mehr gross drüber diskutieren.

    Aber in der FOTA-Serie wären bis auf Williams alle wichtigen Teams und Fahrer vertreten gewesen. Vor allem Ferrari, die allein 50% der Formel 1 ausmachen. Der emotionelle Stellenwert wäre also weitgehend erhalten geblieben. Um beim Fussball-Vergleich zu bleiben: Es hätte nach wie vor nur eine 1. Liga (FOTA) gegeben, die bisherige 1. Liga wäre ganz automatisch zur 2. (oder 3.) Liga geworden. Keine Parallel-Ligen also.

    Ausserdem hätte man auf echten Rennstrecken fahren können – Montreal, Indianapolis, Imola, um nur einige zu nennen. Zudem hätte man gleich diverse Regeländerungen der letzten Jahre, die dem Sport sehr geschadet haben, dahin werfen können, wo sie hingehören: In den Mülleimer. Also: Retortenserie? Mitnichten! Diese FOTA-Serie hätte mit der F1, wie sie (bis vor gar nicht allzu langer Zeit) einmal war, viel mehr Ähnlichkeit haben können als das, was heute unter dem Namen F1 an den Start geht.

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  7. nona

    Ja, natürlich, sehe ich durchaus auch so. Aber dieser Stellenwert ist doch nicht einfach an Inhalten wie Teams und Namen festzumachen. Es ist die FIA, die die F1-Weltmeisterschaft ausrichtet und seit Jahrzehnten diesen Titel vergibt, denn der FIA gehört dieser ganze Komplex aus Namensrechten, Traditionspflege und offizieller Salbung. Es wäre auch weiterhin die FIA gewesen. Nicht die FOTA. Eine FOTA-Meisterschaft, die in der Rezeption fraglos erfolgreich werden könnte, würde einen Titel vergeben, der sich nicht als “Formel Eins-Weltmeister” in die Geschichtsbücher, motorsportlichen Annalen und Ahnentafeln eintragen liesse. Das ist aus vielen Gründen sub-ideal, siehe auch hier. Bei aller Sympathie für die Teams und ihre Position: sie “nur so” um etwas fahren zu sehen, was annähernd wie F1 aussieht aber nicht F1 ist, wäre mir persönlich ein kleines bisschen zu wenig.

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  8. Ich

    Dann ist dir der Name wichtiger als mir. Ich denke, es kommt auf die Inhalte an. Eine Königsklasse braucht für mich: Die besten Fahrer, die besten Teams, die beste Technik (!). Letzteres kann man bis zu einem Punkt durch das beste “Racing” ausgleichen. Idealerweise hätte man natürlich beides. Aber in der F1 hat beides kräftig gelitten, die FOTA-Serie hätte das vielleicht ändern können.

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  9. Chrissu

    Die Teams wollen sparen und Mosley wollte sparen. Mosley wollte das ganze etwas radikaler mit Blickpunkt auf einen fairen Schlagabtausch. Die Leistung der Teams und Fahrer sollte wieder auf einem fairen Niveau messbar sein. Scheinbar ist das nicht im Sinne der Teams was mich zur Schlussfolgerung bringt das denen mittlerweile der eigentliche Sport wirklich total egal ist und es in der F1 nur noch um Superlative geht, Attraktivität durch Geld verbrennen, wenn sie meinen das ist der richtige Weg sollen sie das so handhaben. Aber scheint was dran zu sein, das langweiligste Rennen der Saison (Monaco) hat immer die besten Einschaltquoten weltweit…
    Seit letztem Jahr schau ich nur noch die F1 an wenn gar nix anderes kommt ausser vieleicht mal hin und wieder ein Training weil die wirklich noch spannend sind, ansonten kann ich ganz gut drauf verzichten.

    Gruß
    ein resignierter Motorsport Fan der die Hoffnung aufgegeben hat das aus der DTM und Formel 1 nochmal Sport wird :(

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  10. Was wäre, wenn Max sich doch wieder zur Wahl stellt? Was wäre? Ich denke ja schon das Mosley soviel Ehre hat und das nicht machen wird, aber mal angenommen? Ziehen die Teams sich dann zurück und pausieren 1 Jahr um dann doch was eigenes auf die Beine zustellen?

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