Formel Eins: FOTA beschliesst eigene Serie!

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Es ist 01.06 Uhr und eigentlich wollte ich schon im Bett sein. Da platzt die Meldung rein, dass die FOTA eine eigene Serie beschlossen hat. Alle FOTA Teams, außer Williams und Force India, werden 2010 in einer neuen und vor allem eigenen Serie antreten. Die Trennung von der FIA ist beschlossen.


Update: 09:32 Uhr:
James Allen ist ebenfalls der Meinung, dass nur ein Rücktritt und Kniefall der FIA vor der FOTA die Sache retten könne.
Update 09.19 Uhr: Die FIA antwortet wie folgt: Die FIA ist enttäuscht aber nicht überrascht über die Unfähigkeit der FOTA einen Kompromiss für den Sport zu erreichen. Es ist deutlich, dass gewisse Elemente in der FIA an diesem Ergebnis seit langer Zeit auch während der Verhandlungen arbeiten und und man die Diskussion nicht ehrlich geführt hat.
Die FIA kann es ein finanzielles Wettrüsten in der Formel Eins nicht zu lassen noch kann sie erlauben, dass die FOTA die Regeln der Formel Eins beherrscht.
Die Frist für den Ablauf der Einschreibung ohne Vorbehalt für die Saison 2010 läufte heute Abend aus. Die Teilnehmerliste der Saison 2010 wird morgen bekannt gegeben.Update 02:30 Uhr: Sehr spannendes Telefoninterview mit David Croft von BBC 5 Live, der sagt, dass ihm gestern ein FOTA Teamchef gesagt hat, dass man schon etliche Strecken “im Notizbuch” habe.
Update 01:55 Uhr: FOTA Statement hinzugefügt, inkl. Übersetzung der wichtigsten Absätze.

Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt kaum mehr Infos, als die Meldung von autosport.com. Auf der Webseite der FOTA steht noch nichts. autosport.com zitiert auch nur eine dünne Erklärung, in der die bekannten Gründe genannt werden. Interessant ist aber dieses Zitat:

“The major drivers, stars, brands, sponsors, promoters and companies historically associated with the highest level of motorsport will all feature in this new series.”

Wenn das so stimmt, wenn also die Sponsoren ebenfalls schon mit Boot sind, dann kann man davon ausgehen, dass die Sache schon lange läuft. Die FOTA hat sich nicht erst jetzt oder vor zwei Wochen entschlossen die Sache durch zuziehen, sondern schon vor längerer Zeit. Ich vermute nach dem Monaco GP. Es braucht Zeit, wenn die Teams all ihre Sponsoren auf ihre Seite ziehen wollen und man wird ihnen mit Sicherheit ein tragfähiges Konzept vorgelegt haben. Das bedeutet eine Vermarktung, eine TV-Präsenz und, rudimentär, eine Plan, wo man fahren wird. Man könnte glatt auf die Idee kommen, dass die Gründung der FOTA im letzten Jahr auf genau diesen Moment ausgerichtet war. Ich glaube auch nicht, dass die Teams eine Drohkulisse aufbauen, um Mosley in die Knie zu zwingen. Die FIA kann dank ihrer Betonstrategie gar nichts anderes mehr machen, als die Trennung hinzunehmen. Es sei denn, Max Mosley tritt zurück und sein Nachfolger gibt den Team alles, was sie wollen. Die Erklärung im Wortlaut:

Die FOTA schreibt:

Since the formation of FOTA last September the teams have worked together and sought to engage the FIA and commercial rights holder, to develop and improve the sport.

Unprecedented worldwide financial turmoil has inevitably placed great challenges before the F1 community. FOTA is proud that it has achieved the most substantial measures to reduce costs in the history of our sport. In particular the manufacturer teams have provided assistance to the independent teams, a number of which would probably not be in the sport today without the FOTA initiatives.

The FOTA teams have further agreed upon a substantial voluntary cost reduction that provides a sustainable model for the future. Following these efforts all the teams have confirmed to the FIA and the commercial rights holder that they are willing to commit until the end of 2012.

The FIA and the commercial rights holder have campaigned to divide FOTA. The wishes of the majority of the teams are ignored. Furthermore, tens of millions of dollars have been withheld from many teams by the commercial rights holder, going back as far as 2006. Despite this and the uncompromising environment, FOTA has genuinely sought compromise.

It has become clear however, that the teams cannot continue to compromise on the fundamental values of the sport and have declined to alter their original conditional entries to the 2010 World Championship. These teams therefore have no alternative other than to commence the preparation for a new Championship which reflects the values of its participants and partners.

This series will have transparent governance, one set of regulations, encourage more entrants and listen to the wishes of the fans, including offering lower prices for spectators worldwide, partners and other important stakeholders. The major drivers, stars, brands, sponsors, promoters and companies historically associated with the highest level of motorsport will all feature in this new series.

Note to Eds: Statement issued by FOTA on behalf of BMW-Sauber, BrawnGP, Scuderia Ferrari, McLaren- Mercedes, Red Bull Racing, Renault, Scuderia Toro Rosso, Toyota.

Kurze Zusammenfassung auf in deutscher Sprache:

Die FOTA wirft der FIA vor, dass sie

a) Die Teams ignoriert und versucht, die FOTA auseinander zu treiben.
b) Den Teams noch Geld schuldet, teilweise aus dem Jahr 2006 (Es ist an dem Punkt nicht klar, ob die FIA alleine, oder die FOM gemeint ist)

Die neue Serie wird eine transparente Führung haben, klare Regeln, für mehr Teilnehmer sorgen und Wünsche der Fans berücksichtigen, inklusive niedriger Ticketpreise. Die bekannten Fahrer, Stars, Marken, Sponsoren, Promoter und Firmen, die historisch mit der F1 verbunden sind, werden in der neuen Serie dabei sein.

Ich gehe davon aus, dass die Serie aus folgenden Teams bestehen wird:

- Ferrari
- McLaren
- Renault
- Toyota
- Red Bull
- Toro Rosso
- BMW
- Brawn

Hinzukommen könnten:
- Lola
- Prodrive

Weitere Kandidaten sind
- Superfund
- Euskadi

Natürlich wird die FIA Ferrari und Red Bull/STR vors Gericht zerren, weil die ja deren Meinung nach weiterhin für die Saison 2010 eingeschrieben sind. Man kann sie aber logischerweise nicht zwingen zu fahren.

Man wird den morgigen Tag abwarten müssen, wie sich die Dinge weiterentwickeln, aber es könnte hässlich werden. Es wird hier laufend Updates geben.

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About DonDahlmann

Don Dahlmann ist Journalist, Gründer & Chefredakteur des Racingblog.

13 Kommentare zu “Formel Eins: FOTA beschliesst eigene Serie!

  1. Prometheus
    19 Juni, 2009 at 07:57

    Oh Mann, das steht ja heute morgen immer noch alles da, war also doch kein Albtraum :-(

    Um uns jetzt mal etwas verzweifelte Hoffnung zu machen: im Grunde ist das ja nicht wie der CART-IRL-Split, sondern wie die Abspaltung der CART (Teamvereinigung) von der USAC (governing body) zwanzig Jahre davor. Und dabei ist ja immerhin eine gute Serie herausgekommen, nämlich die von den Teams kontrollierte CART (auch wenn die hinterher auch unter zu hihen Kosten litt)…^^

    Was besseres fällt mir grad auch nicht ein. Einfach schockierend. Es wird eine Serie mit dem Namen “Formel 1″ mit Strecken wie Monaco, Spa und Suzuka und dem Topteam Williams geben (eigentlich bis hierhein ein Wunsch von mir ;-), und eine Serie mit Ferrari und McLaren und anderen Strecken und einem anderen Namen. Wow. Aber für irgendeinen deutschen Fernsehsender könnte das der große Coup werden mit der FOTA-Serie…

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  2. 19 Juni, 2009 at 07:59

    Wow, na das is ja ne Überraschung am frühen Morgen, dann bin ich ja mal auf weitere Meldungen bekannt. Z.B. was die FIS nun macht um das Starterfeld voll zu bekommen Lola, Prodrive und co haben sich ja schliesslich bei der FIA gemeldet und jetzt können sie sich aussuchen wo sie Fahren wollen. Genauso wird es interessant mit welchen TV Stationen die FOTA zusammenarbeitet und welche Strecken man hat, da werden hoffentlich die alten Strecken wie Spa Imola und co wieder im Kalender sein. Auch das man die Ticketpreise senken will ist natürlich Klasse. Alles in allem ein mutiger aber auf lange sicht guter Schritt den die FOTA da geht und vermutlich das Ende der FIA.

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  3. NoteMe
    19 Juni, 2009 at 08:19

    Endlich.

    Und: Warum gehe ich an so einem Tag ausgerechnet um 5 vor 1 ins Bett? Argh.

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  4. burgi
    19 Juni, 2009 at 09:15

    denkt auch: ENDLICH!

    Endlich eine F1 (oder wie auch immer) die ohne politische Egomanie und finanziellen Blutsaugern auskommt. Die Streckenauswahl dürfte anfangs etwas dünn sein, aber das wird sich auch geben. Es kann nur besser werden.

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  5. Tobi
    19 Juni, 2009 at 09:24

    Mal so für mich als absolut unwissenden:
    Kann die FIA de Formel 1 einfach so einstellen wenn keiner mehr fährt?
    Was ist mit den Verträgen fürs TV oder die Strecken? Das ganze wird ohne die Zugpferde doch kaum soviel Interesse hervorrufen. Können da die Strecken Geld zurückverlangen? Oder die TV Sender die Verträge canceln?

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  6. Ralf G.
    19 Juni, 2009 at 09:38

    Ich glaube da immer noch nicht so recht dran. Die Rennhistorie zeigt aber, dass aus Spaltungen für niemanden etwas Gutes entsteht, weder für die Verlassenen noch für die neue Serie, ohne die Tradition der Grand-Prix-Geschichte ist das einfach nur “yet another monoposto series”, die “Rebellen” machen sich das was vor.

    Im Fußballstadion würde man nun singen: “Ihr macht unseren Sport kaputt”.

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  7. Tobi
    19 Juni, 2009 at 10:13

    also bin nicht nur ich unwissend ;-)

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  8. Pingback: absolutperplex
  9. Ich
    19 Juni, 2009 at 12:39

    Ich denke, dass das immer noch nicht das letzte Wort sein muss. Aber wenn die eigene Serie wirklich kommt: Prima! Hoffe nur, dass sie es dann auch vernünftig hinbekommen und es nicht versauen.

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  10. nona
    19 Juni, 2009 at 18:03

    @Tobi:
    Prinzipiell ja, aber das hängt natürlich davon ab, was in den Verträgen drinsteht. Beide Vertragsseiten werden versuchen, ihre Interessen und Rechte zu wahren und sich gegebenenfalls befreien oder sonstwie wehren oder auf Vertragseinhaltung pochen. Auch das sind eben so Sachen, die bei Abspaltung bzw. Gründung einer neuen Serie letztlich beiden Serien schaden, denn man fängt an, sich um Sender und Strecken und dergleichen zu streiten, sie sich gegenseitig abzuwerben oder Kooperationen zu unterbinden, usw. – alles sehr hässlich.

    Und es ist eben auch die Frage, wer denn dann wirklich das ist, was man allgemein “Formel Eins” nennt. Wer vertritt diesen Status, und das, was beide Parteien gelegentlich “Werte” des Sports genannt haben, die Tradition, die Bedeutung. Die Formel Eins ist eine historisch gewachsene Institution, die man weder künstlich neu erfinden noch künstlich am Leben erhalten kann wenn die Substanz verloren geht. Eine neue FOTA-Serie hätte weitgehend die Teams und die Fahrer und wohl annähernd auch das technische und sportliche Reglement, um vergleichbar zu sein. Auch auf einigen F1-Strecken könnten sie fahren, dazu einige, die ehemals F1-Strecken waren und so noch nach F1 riechen, aber in den letzten Jahren die F1 verloren hatten. Viele andere F1-Strecken, die klassisch für die F1 stehen, werden sie nie im Leben bekommen (allen voran Monaco). Was sie ebenfalls nicht ohne Weiteres haben sind irgendwelche Rechte an Namen oder Titeln. Rennen könnten sich tendentiell nicht ohne Weiteres “Grand Prix von (irgendwas)” nennen. Der Sieger am Ende der Saison wird im Grunde “Meister irgendeiner Monoposto-Rennserie, die versucht so auszusehen wie die bekannte Formel Eins”, er wird nicht “Formel Eins-Weltmeister”. (Zumindest nicht solange die FOTA solche Namensrechte nicht aufgekauft hat oder in den Schoss der FIA -dann wohl ohne Mosley- zurückgekehrt ist.) Diese Rennserie wäre eben nicht die Formel Eins.

    Die FIA hätte dagegen Rechte, Namen, Titel, Strecken und Verträge. Sie würde weiterhin die “Formel Eins-Weltmeisterschaft” ausrichten, sie stünde für die jahrzehntelange Tradition, den Meister der weltweiten Top-Rennserie schlechthin zu küren. Nur halt leider in Konkurrenz zu einer grundsätzlich vergleichbaren Serie nebenan, die auch noch weitgehend aus den Elementen besteht, die vorher die eigene Bedeutung ausgemacht haben, nämlich den traditionellen Teams und Persönlichkeiten. Die Formel Eins der FIA wäre ein Hohlkörper mit dramatisch reduziertem Wert und kaum nennenswerter sportlicher Bedeutung – man kann diese Tradition, diese gefühlten “Werte”, nicht einfach so mit neuen Namen auffüllen. Fans, Medien und Sponsoren nehmen sowas nicht ohne Weiteres an.

    Kurz gesagt: eine Spaltung schadet beiden Seiten mehr als irgendetwas sonst, weil sie das zerstört, was man gemeinhin unter “Formel Eins” mit all ihrer Tradition und Bedeutung versteht, und weil beiden Parteien wichtige Resourcen und Elemente verloren gehen (auch ideelle Werte), die der jeweils anderen Seite aus welchen Gründen auch immer exklusiv gehören. Fans und Sponsoren werden sowas nicht mitmachen, und ohne diese geht’s eben nicht. Der oft herangezogene Vergleich mit dem CART/IRL-Split, und wie dadurch der amerikanische Monoposto-Rennsport wirtschaftlich fast zerstört und sportlich ziemlich zur Bedeutungslosigkeit zusammengedampft wurde, ist nicht 1:1 anwendbar, aber in weiten Teilen eben doch. Zwei solche konkurrierende Serien sind in ihrer addierten jeweiligen Bedeutung zwangsläufig schwächer als sie es als eine einzige Einheit wären oder waren.

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  11. Prometheus
    19 Juni, 2009 at 18:50

    Soweit ich weiß, ist der Begriff “Grand Prix” oder eben die jeweiligen Übersetzungen davon nicht von der FIA oder Ecclestone geschützt, denn es gab und gibt ja auch z.B. in der alten CART, der IRL (Toyota Grand Prix of Long Beach, Honda Grand Prix of St. Petersburg…) oder auch der ALMS (Grand Prix of MoSport, Northeast Grand Prix…) Rennen mit diesem Titel. Oder eben die “A1 Grand Prix”-Serie…

    Mit dem Begriff “Formel 1″ und allen Variationen und Abkürzungen davon hast du natürlich recht. Es wäre aber durchau möglich, irgendeinen wohlklingenden Namen mit “Grand Prix” oder “GP” zu wählen für die FOTA-Serie.

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  12. nona
    19 Juni, 2009 at 19:28

    Stimmt natürlich. Ich meinte primär Grand Prixs als nationale Elemente dessen, was am Ende die internationale Wertung der Weltmeisterschaft ausmacht, also sowas wie *der* Grand Prix von Italien, *der* Grosse Preis von Deutschland, usw. – das spielt auch historisch für die Formel Eins eine recht gewichtige Rolle (schon die Erfindung “Grosser Preis von Europa” war ein ziemlich künstliches Konstrukt…). Sowas ist bislang von der FIA belegt, wie eine FOTA-Serie das handhaben könnte ist diskutabel. Hoffentlich wohlklingende Bezeichnungen werden sich sicherlich finden, klar. Aber hoffentlich haben wir am Ende nicht einen “FIA-GP von England” und einen “FOTA-GP von England” und einen “FIA-Weltmeister” neben einem “FOTA-Weltmeister” und dergleichen… alles ziemlich furchtbar, finde ich.

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  13. Chrissu
    20 Juni, 2009 at 01:50

    Eine Serie in der nur die Hersteller bestimmen was Sache ist, DTM lässt grüßen *gähn*
    Die FIA hat sich wenigstens noch minimal für den eigentlich “Sport” eingesetzt, jetzt wirds ne reine Werbeveranstaltung. Einfach nur peinlich von beiden Seiten und dumm genug das sie nichts aus Amerika gelernt haben. CCWS und IRL lässt grüßen, Gewinner gibts keine und ganz sicher nicht der “Fan”.
    Mal allgemein DANKE an alle hohen Herren die meine damaligen Lieblingsserien alle an den Abgrund treiben. Mit dem Einzug von Werksteams tritt der eigentliche Wettstreit immer weiter in den Hintergrund, nur noch Geld Geld Geld…. :(

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