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Formel Eins: Lösung oder Spaltung?

von DonDahlmann
9 Kommentare 7 minutes read

In der Formel Eins geht es zu, wie in einer alten Ehe. Mal redet man miteinander, mal wieder nicht. Wann man gerade aus welchem Grund nicht miteinander redet oder dann wieder doch, ist mir, und vermutlich dem Rest der Welt, nicht mehr nachvollziehbar. Man sei sich – im Grunde – einig hieß es noch vor der Türkei. Dort gab es dann die über die Presse lancierte Meldung, die FOTA würde über einen Streik nachdenken, was einem zumindest den Eindruck vermitteln konnte, dass man sich vielleicht doch noch nicht so ganz völlig einig sei. Letzte Woche, als die erste Frist zur Einschreibung ablief, war wieder alles anders, denn man war hinter den Kulissen überein gekommen, dass die FOTA-Teams sich unter Vorbehalt einschreiben durften. Etwas, dass Max Mosely vorher rundum abgelehnt hatte. Als die Einschreibung raus kam, waren Ferrari und Red Bull/STR pikiert. Die FIA hatte die drei Teams ohne Vorbehalt in der Liste stehen, weil, so die FIA, die Teams einen bindenden Vertrag haben. Bei Ferrari ist dass das Abkommen aus dem Jahr 2005, aber bei Red Bull? Haben die etwa auch einen Extra-Vertrag? Die Teams sehen das natürlich komplett anders. Wie auch sonst, es könnte ja vielleicht langweilig werden.

Es war also schon am Freitag Dampf unter dem Kessel. Passenderweise knallte am Freitag der ACEA (European Automobile Manufacturer’s Association, die haben soviel mit Motorsport zu tun wie Cora Schumacher) der FIA einen Brief vor den Schädel, in dem man forderte, dass die FIA dringend modernisiert werden müsste und das gegenwärtige „System FIA“ so nicht weiter geführt werden solle.“ Am Montag zeigte sich die FIA dann „überrascht“ und meinte nur trocken, dass man mit den Einsparungen gerade dabei sei, den Herstellern, die in der ACEA und der Formel Eins unterwegs seien, zu helfen.

Luca di Montezemolo lief derweil in Le Mans rum, und schwärmte von der tollen Atmosphäre und sagte jedem der es hören wollte ins Mikrofon, dass man keine Piraten-Serie haben wollen würde, aber auf der anderen Seite müsse man ja auch vorbereitet sein. Aber man würde miteinander reden. Weil man aber gerade dabei war, kritisierte die FOTA dann auch noch das Steward-System der FIA.

Derweil sickerte in Le Mans (nicht zu letzt per Twitter im übrigen) durch, dass die FIA den Teams, die man abgelehnt hatte, gleichzeitig mitgeteilt habe, man solle noch mal eine Woche warten, da könne sich noch was tun. Denn die Frist, den Vorbehalt aus der Vertragsunterzeichnung raus zu nehmen, war auf eine Woche beschränkt, also bis zum 19.06. Was wiederum dazu führte, dass die FOTA beleidigt war. Und die abgelehnten Teams. Ich war auch überrascht, dass man Lola nicht genommen hat, denn die haben nun wirklich den Namen und das Know-How. Und folgerichtig haben die dann gestern beschlossen, dass man nun gar keine Lust mehr auf die Formel Eins hat. Da gibt es allerdings eine schöne Verschwörungstheorie zu, die besagt, dass Lola (ebenso wie Prodrive) bzgl. einer Nennung für 2010 nicht nur mit der FIA, sondern auch mit der FOTA gesprochen hat. Haben soll. Aber das nur am Rande.

Montag muss der FIA, auch wegen der ACEA Sache, dann der Kragen geplatzt sein, denn am Dienstag stellte man in einem laaaaaaaangen Schreiben die Situation da. Der Brief lässt sich so zusammenfassen:

„Die FIA ist nicht schuld. Man habe den Teams genug Zeit gegeben. Man sei den Teams immer wieder entgegen gekommen. Die FOTA sei uneinig. Und gierig. Und außerdem zerstritten. Sagten wir schon uneinig? Zum Beispiel wegen des Doppel Diffusor? Montezemolo ist schuld. Ferrari ist schuld. Montezemolo ist schuld. Und ein bisschen der Mann von Toyota. Und Ferrari. Unterschreibt, ihr undankbaren Bastarde. Dann reden wir noch mal über die Regeln. Die FIA ist nicht schuld.“

Krönender Abschluss des Briefes sind haufenweise, ehemals vertrauliche, Dokumente, die belegen sollen, dass die FIA recht hat. Heute kamen dann weitere dazu.

Kann man so sehen, muss man aber nicht. Die Antwort der FOTA erfolgte heute und der Bote murmelte so etwas wie „letztes Angebot“, als er den Brief der FIA übergab. Ich will hier gar nicht mehr auf Details eingehen, weil sie langweilig sind. Weil sie nichts mehr mit Sport zu tun haben. Denn im Grunde ist man sich, also sagt man, tatsächlich einig. Es geht darum, wie die Budgetkappung überprüft wird. Die FIA will Einblick in die Bücher, die Hersteller sagen: „Und wovon träumst sonst so, Max?“. Jetzt will man eine Kommission, vermutlich eine Wirtschaftskanzlei, einsetzen, die Einblick in die Bücher erhält und der FIA dann sagt, ob alles in Ordnung ist. Ich glaube nicht, dass Mosley das macht.

Immerhin liegt nun folgendes Angebot der FIA auf dem Tisch:

– Budget auf 100 Millionen für 2009
– Regeln wie 2009, mit Ausnahme für den Cosworth-Motor, der so hoch drehen darf, wie er will
– Die Regeln werden in Zukunft nicht mehr alleine durch die FIA bestimmt. Vielleicht nur ein bisschen.

Stand ist also zur Zeit: Die FIA hat das 2-Klassen System fallen gelassen, nicht aber die Frist bis Freitag. Die FIA ist dem McLaren-Plan, die Kappung stufenweise einzuführen, wenn die Hersteller im Gegenzug den neuen Teams technische Hilfe gibt (auch in Sachen Aerodynamik Gedöns), nicht abgeneigt. Der McLaren Plan ist allerdings kein FOTA Plan. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wo die FOTA in diesem Punkt überhaupt steht. Denn in dem Schreiben an die FIA steht nur was von dem Kontrollgremium, dass die Ausgaben kontrollieren soll, aber nichts von einer Summe.

Im Moment gilt noch das Ultimatum, dass am Freitag alle Teams ihren Vorbehalt zurück genommen haben sollen. Sonst werden sie für 2010 nicht genannt, und die Nachrücker kommen rein. Bleibt aber die Frage, wer es wirklich soweit kommen lässt. Oder ob man das Ultimatum dann zum x-ten Mal verlängert. Da bekommt das Wort „Ulitmatum“ gleich noch eine ganz neue Bedeutung für die Zukunft. Allerdings gilt das für beide Seiten, denn die FOTA ist sich so einig nicht.

Allgemein wird angenommen, dass McLaren und Brawn 2010 innerhalb der FIA antreten werden. McLaren und Mercedes haben da ja noch diese Bewährung, unter der sie wegen der Australien-Sache stehen. Vermutlich könnte Mosley den Rennstall selbst dann sofort sperren, wenn ein Mechaniker mal aus Versehen mit einer offenen Hose rum läuft. Brawn schuldet der FOM Geld, weil man schon die TV-Gelder für 2009 erhalten haben soll. Blieben BMW, Toyota, Renault und Ferrari. Toyota und Renault überdenken ihr Engagement sowieso gerade. Bei Renault erwarten nicht wenige, dass Flavio Briatore im Winter den „Brawn“ macht und den Laden übernimmt. Dazu sollte man nicht vergessen, dass Ecclestone und Briatore über etliche Firmen eng verbandelt sind. Kein Wunder, dass der also gerade zum Thema kaum was sagt, wo er sonst doch immer der erste ist, der wegen Kleinigkeiten gegen die FIA wettert. Toyota liebäugelt mit der Le Mans Serie, wo man ja noch eine unerledigte Aufgabe hat. Bleiben Reb Bull/STR und Ferrari. Bei RB bin ich mir nicht sicher, was man macht. Immerhin läuft es gerade nicht schlecht für den Laden und man hat mit Vettel einen zukünftigen Weltmeister im Haus. Und Ferrari? Schwer zu sagen, aber denen ich nehme die Drohung des Ausstiegs durchaus ab. Montezemolo wird nicht nur zum Flaggenschwenken in die französische Pampa gefahren sein. Vermutlich wird er beim ACO mal angefragt haben, wie groß denn die Freude wäre, wenn Ferrari in die LMP1 einsteigen würde. Aber dafür müsste der ACO entweder die Benziner bevorzugen, oder Ferrari einen Diesel bauen. Ferrari. Einen Diesel. Hm.

Wenn die FIA die Frist am Freitag nicht verlängert, oder man sich vorher nicht einig geworden ist, dann wird es noch komplizierter. Sollte die FIA am Wochenende eine Nennliste ohne BMW, Ferrari usw. rausbringen, könnte ich mir sogar vorstellen, dass der Grand Prix in Silverstone darunter leiden könnte. Vielleicht war die Streikdrohung in der Türkei ja nur die Warnung vor einer Umsetzung in Silverstone. Vielleicht gibt es dann am Wochenende auch schon die Ankündigung einer eigenen Serie der FOTA. Frage mich allerdings, mit welchen Rennställen.

Die FIA und auch Ecclestone planen offensiv mit den neuen Teams. Es geht das Gerücht um, dass die CVC, jene Gesellschaft, die die Formel Eins wirtschaftlich kontrolliert, im Hintergrund werkelt und vor allem hinter den Finanzierungsplänen der meisten Nennungen steckt. Es gibt allerdings genauso viele Gerüchte, die besagen, dass die meisten Nennungen Platzhalter für die Teams sind, die unter Vorbehalt genannt haben. Sollte man sich am Ende doch einigen, verkaufen die neuen Teams den alten einfach ihre Startplätze. Die Wahrheit wird, wie üblich, irgendwo in der Mitte liegen.

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9 Kommentare

NoteMe 18 Juni, 2009 - 10:49

Ich frage mich, warum Du Dir bei McLaren-Mercedes immer so sicher bist, dass die einknicken und mit dem Schwanz zwischen den Hinterläufen zu Paddelmax zurückkriechen? Warum sollte die Strafe sie dazu bringen, die zukünftige Eigenständigkeit aufzugeben? Ist das ein Fall von angenommenen „battered wife syndrome“? Vielleicht sollte #maxout einfach alle Teamschefs in sein Kellerverlies einladen, damit sie ihn danach auch gebührend anhimmeln.

Ich hoffe auf eine FOTA-Serie. Nur so kann man den destruktiven Einfluss #maxouts entgehen, dass man so gleich noch nebenbei die Geldegel von CVC los wird, die mal eben die Hälfte der Einnahmen einstecken, kann auch niemanden traurig stimmen.

Speedy 18 Juni, 2009 - 15:23

Luca di Montezemolo war offiziell wegen dem 60. Geburtstag eines Start eines Ferraris in Le Mans, das wurde glaube ich schon vor dem ganzen Theater in der F1 geplant, sollte man vielleicht nicht zu viel reingeheimnissen.

Ich 18 Juni, 2009 - 17:18

@ NoteMe

Aus Mercedes-Sicht könnte die Überlegung wie folgt aussehen: Die Konkurrenten wären weg, und man selbst beliefert plötzlich das halbe bis ganze Feld mit Motoren. Dank der fehlenden Konkurrenz spart man viel Geld für Entwicklung, und jeden Montag steht in der Zeitung, dass ein Mercedes-Motor das F1-Rennen gewonnen hat. Intern scheint das F1-Engagement ja umstritten, da könnte diese Option verlockend sein?

Ansonsten sieht hat die FIA den grössten Trumpf in der Hand: Die Zeit. Jede weitere Woche, die mit diesem Hickhack ins Land zieht, macht für die Teams den Aufbau einer Konkurrenzserie und die Planungen für andere Möglichkeiten schwieriger. Ich wünsche mir ja auch, dass die FOTA-Serie kommt (inklusive Ferrari und McLaren), aber optimistisch bin ich da immer weniger.

NoteMe 18 Juni, 2009 - 17:30

Kleineres Problem am Plan: Eine Sieg ist immer nur so prestigeträchtig wie die bezwungenen Gegner.

Größeres Problem : Cosworth. Mit #maxout-sanktionierten 20000+ U/min.

Prometheus 18 Juni, 2009 - 18:06

Mittlerweile sind wir doch – mit diesem letzten Angebots-Brief von Mosley – eigentlich da angekommen, wo ein Kompromiss möglich sein sollte. Der einzige wirklich strittige Punkt dort ist doch darin das nicht vorhandene Drehzahllimit für die Cosworth-Motoren… die gestaffelte Einführung des Budgetlimits ist doch eigentlich das, was auch die Teams wollen (denn sparen wollen die doch eigentlich auch, oder nun doch nicht mehr?) und aus meiner Sicht die beste Möglichkeit in dieser Richtung. Das sollte doch jetzt eigentlich eine machbare Sache sein… denn eigentlich war doch von Anfang an klar, dass die beiden erstmal extreme Forderungen stellen würden, um sich dann irgendwo in der Mitte zu treffen. Nur hat diese Verhandlungstaktik sich dieses Mal so ins Extreme gesteigert, dass die FOTA nun anscheinend schon rein aus Trotz keine Lust mehr auf einen Schulterschluss hat.

Ralf G. 18 Juni, 2009 - 21:23

weiowei. im vergleich dazu waren damals, 1981, in der großen FISA-Balestre-vs.-FOCA-Ecclestone-Krise die Fronten geradezu übersichtlich.

Was vermieden werden muss ist, dass die halbe F1 von Mercedes abhängt, dann wird die F1 eine DTM ohne Kotflügel. Grundsätzlich brauchen wir: Weniger Autowerke, mehr Rennteams, das wollen die Fans sehen, es fiebert doch niemand mit einem fiesen Konzern wie Mercedes mit.

Wolli 18 Juni, 2009 - 21:34

Das ist doch egal,ob die halbe F1 mit Mercedes fährt,die machen mit den 6 Siegen in 2009 doch eh keine Werbung. Ist doch nur ein B-Team.Dabei ist das angebliche A-Team momentan nur C-Klasse^^

NoteMe 18 Juni, 2009 - 21:59

@Ralf G.

Ich halte es für einen Mosleyschen red herring, dass die Fans weniger Werke und mehr reine Rennställe sehen wollten. IMHO haben die tatsächlichen Umfragen ergeben, dass es hauptsächlich die Fahrer sind, mit denen die Zuseher fiebern, danach mit Abstand vielleicht noch Ferrari als Ausnahmeteam, dann aber lange nichts mehr.

Wer allerdings wirklich weniger Werke braucht ist die FOM, bzw. deren eigner CVC. Reine Rennställe kann man viel einfacher mit Brosamen abspeisen, während man den Sport nach Lust und Laune aussaugt, sie haben ja keine andere Wahl. Aus gleichem Grund könnte sich auch #maxout freuen, obwohl der sowieso mehr in seiner eigenen kleinen Welt lebt und schmerzfrei Pipi Langstrumpf spielt, wie man in seiner Amtszeit eindrucksvoll erleben durfte.

DonDahlmann 18 Juni, 2009 - 22:59

@ NoteMe:
Der Grund, warum ich glaube, dass McLaren in der FIA-Serie bleibt heißt Mercedes. Die verdienen gut in der Formel Eins.

Ich bin ganz und gar gegen einen Herstellerserie. Die Geschichte zeigt, dass sowas noch nie gut gegangen ist. Die DTM ist da nur ein Beispiel. Motorsportserien brauchen einen starkes Konsortium, dass die Serie führt und das nicht aus den Teilnehmern besteht. ACO, NASCAR, IRL sind da nur einige Beispiele. Eine Formel Eins, oder wie auch immer man das dann nennt, interessiert mich nicht sonderlich.
Das heißt aber nicht, dass die FIA so wie in den letzten Wochen agieren darf. Da ist ja selbst die NASCAR kooperativer.

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