Es gibt drei Rennen, die man gewinnen muss als Rennfahrer. Den GP von Monte Carlo, das Indy 500 und die 24 H von Le Mans.

le-mans-audi1Ab Samstag geht es also um die dritte Krone des Motorsports. Und eine, die vermutlich am schwersten zu erreichen ist. Denn ein 24 H Rennen ist immer noch eine Herausforderung, die man nicht mal eben so mit Links meistern kann. Schon gar nicht mehr heute, denn wie schon bei den 12 H in Sebring, wird das Rennen auch in Le Mans eher einem Sprint, denn einem Langstreckenrennen entsprechen. Pausen darf man sich nicht erlauben, kleinere technische Defekte schon mal gar nicht, und wenn man Pech hat, kann schon eine klemmende Radmutter dafür sorgen, dass man ins Hintertreffen gerät. 24 H lang muss alles perfekt funktionieren: die Maschine, die Piloten, die Mechaniker. Die Strategen, die schon vorher alles ausgetüfelt haben, können nur noch zuschauen und hoffen, dass sie nicht reagieren müssen. Es wird eine epische Schlacht, die da ab Samstag ausgefochten wird, soviel kann man jetzt schon sagen.

Für die Eiligen: hier die nötigen Links fürs Wochenende:

Die genaue Starterliste ist auf der offiziellen Webseite.
Das Livetiming ebenfalls.

Spotterguide.

Übersichtsseite mit Timing und Twitter.

Twitteraccounts über Le Mans:
Audi
Aston Martin

Lola
Racecar Engineer
Spyker Squadron
JMWmotorsport
Drayson Racing
Guy Smith (BP Mazda Fahrer)

Einen Stream gibt auf der Webseite von Eurosport. Kostet allerdings 5 Euro, aber dafür soll der Stream eine sehr gute Qualität liefern.

Einen sehr, sehr guten Live Audio-Stream gibt es bei Radio Le Mans.

Dazu reicht schon ein Blick ins letzte Jahr, als sich Peugeot und Audi 24 H lang einen erbitterten Zweikampf lieferten. Die drei Peugeot waren in der Quali unfassbar schnell. Den 13 Kilometer lagen Kurs umrundete man in 3:18.513 min und setzte damit einen neuen Rekord. Da konnte Audi mit dem R10 nur noch hinterher schauen. Aber die Schnelligkeit derm 908 hatte auch einen Nachteil: sie verbrauchten mehr. Und so konnte Audi eine Runde länger fahren, auf ein Hase/Igel Rennen rauslief. So schnell die Peugeot auch waren, sie konnten, rein rechnerisch, nicht gewinnen, so lange Audi keine Probleme hatte. Am Ende siegte der R10 bekanntlich mit knapp 3 Minuten Vorsprung. Und das nach 24 Stunden.

Und so wird das vermutlich auch in diesem Jahr wieder abgehen. Nur mit dem Unterschied, dass Peugeot und Audi noch enger zusammen liegen, als das im letzten Jahr der Fall war. Die 12 H in Sebring haben schon einen Vorgeschmack davon geliefert, was auf die Rennfans am Samstag zukommen kann, denn da fuhren die beiden Kontrahenten zeitweilig im Zentimeterabstand über Stunden hinter einander her. Es lohnt sich also, die LMP1 etwas näher zu betrachten:

Der Audi R15:

audi-r15_2Als die ersten Bilder des R15 im Winter auftauchten, dachte ich nur: “Was ist denn das?”. Und das werden sich vermutlich einige Leute gedacht haben. Denn die Tendenz der letzten Jahre in ging ja eher in die Richtung, dass man die Wagen flacher machte und versuchte, den Schwerpunkt mehr in die Mitte zu legen. Vor allem die schweren Dieselmotoren machen das Heck doch etwas zu schwer. Der R10 litt unter dieser ungünstigen Gewichtsverlagerung, also erwartete man einen etwas kompakteren Wagen, aber nicht einen, der so aussah, als würde man gegen alle Regeln der Aerodynamik verstossen. Allein die hohe Stirnffläche lässt den Wagen ja eher wie eine Scheune aussehen.
Der Trick beim R15 ist ähnlich dem, den man letztes Jahr beim A4 in der DTM angewendet hat: Man führt die Luft nicht aufwendig um den Wagen, sondern durch ihn hindurch. Denn jedes Mal, wenn die Luft auf ihrem natürlichen Weg umlenken muss, kostet das Kraft, die sich meist in Abtrieb niederschlägt. Der ist zwar gewünscht, aber nicht immer und überall. Einen großen Teil der Luft “braucht” man also nicht, also ist es besser, wenn sie gar nicht erst anrührt. Und genau das versucht man beim R15 in erhöhten Maße.
Einen neuen Motor hat der Wagen auch. Statt eines 12-Zylinder Diesel gibt es jetzt nur noch 10., allerdings hat man den Hubraum bei 5.5 Liter belassen. Wenn es eine Schwachstelle bei Audi an diesem Wochenende geben sollte, dann ist das der Motor. Chassisseitig hat man Sebring überlebt, das sollte für Le Mans dann auch reichen, aber der Motor ist halt neuer, als der den Peugeot einsetzt. Natürlich wird Audi den V10 wie irre getestet haben, aber wie man weiß sind die Belastungen in einem Rennen dann eben doch höher, als auf dem Prüfstand. Es wird sich zeigen, ob die Entscheidung, den R15 nicht mal bei den beiden LMS Läufen einzusetzen, die richtigte war.

Besetzt sind die Audis wie folgt:
#1 Capello, Kristensen, McNish
#2 Luhr, Rockenfeller, Werner
#3 Bernhard, Dumas, Premat

Der Peugeot 908
peugeot-908_5Der Wagen ist aus dem letzten Jahr bekannt. Aber während Audi nach den neuen Regeln des ACO seinen Wagen komplett neu aufgebaut hat, musste Peugeot den Wagen mehrfach anpassen. Zum einen hat man, wie Audi, einen kleineren Luftmengenbegrenzer, zum anderen ist der Heckflügel statt 2 Meter nur noch 1.60 Meter breit. Gleichzeitig musste Peugeot die Kühlereinlässe etwas verändern und die Position leicht verändern. Denn die neigten dazu viel Dreck einzusammenlen. Kaum war das erledigt, packte der ACO den Diesel Autos 30kg Mehrgewicht auf, also musste man wieder etwas änderen. Das war alles nicht so wirklich optimal.
Der 908 fährt mit einem geschlossenen Cockpit. Das ist ein Vorteil in Sachen Aerodynamik, hat aber auch gewichtige Nachteile. Zum einen dauert ein Fahrerwechsel länger, zum anderen gibt es die Regel in der LMS, dass die Innentemperatur im Cockpit nicht mehr als 32 Grad Celsius betragen darf. Das bedeutet, dass man einerseits eine Klimanlage mit rumschleppen darf, zum anderen, dass die auch durchgehend funktionieren muss. Das hat in der Vergangenheit schon häufiger nicht geklappt. Und wie das bei so Rennrn halt so ist: man ist froh um jedes bewegliche Teil auf dass man verzichten kann. Die Achillisferse(n) sind also die Kühler und die Zusatztechnik. Interessant wird sein, wie oft die Peugeot tanken müssen. In Sebring sah es noch so aus, als sei man gezwungen öfter als die Audi zu tanken, aber das würde ich mal in Le Mans abwarten wollen.

Besetzt sind die Peugeot mit:

#7 Klien, Lamy, Minassian
#8 Bourdais, Montagny, Sarrazin
#9 Brabham, Gene, Wurz

Schwer zu sagen, wer am Ende die Nase vorn haben wird. Von den nackten Daten her, würde ich Audi im Vorteil sehen. Nicht nur wegen des neuen Chassis, sondern auch wegen der Fahrerbesetzung.


Die “alten” Wagen:

Neben den neuen Werkswagen, haben die Hersteller aber auch Filialteams nach Le Mans mitgebracht. Nach dem Motto: “Man weiß ja nie”. Bekannterweise ist der ehemaliger Force India Teammanager, Colin Kolles, mit zwei Audi R10 an den Start. Besetzt sind die mit:

#14 Karthikeyan, Lotterer, Zwolsman
#15 Albers, Bakkerud, Mondini

Bei Peugeot hat man sich einen Pescarolo geschnappt. Tatsächlich ist der Wagen aber eher ein heimlicher Werkswagen, denn Pescarolo hat ein brandneues Chassis bekommen. Besetzt ist der mit:

#17 Boullion, Pagenaud, Treluyer

Der Lola-Aston Martin
aston-martin_1Nicht unterschätzen sollte man den werkseitig eingesetzten Aston Martin. Die Benziner sind zwar nicht gerade gut für einen Sieg, weil ihnen einfach ein paar Sekunden pro Runde fehlen. Die Gefahr ist aber immer, dass die Diesel sich gegenseitig in den Tod hetzen, und dann wäre der wirklich wunderschöne Aston Martin sicher ein Anwärter auf den Sieg. Eingesetzt werden die Wagen von Prodrive, die auch das Chassis von Lola angepasst haben. Und besetzt sind sie auch gut:

#007 Charouz, Enge, Mücke
#008 Davidson, Turner, Verstappen
#009 Hall, Kox, Primat

Der Oreca-Judd
Sicher gehört der Oreca nicht zu den schnellsten Wagen im Feld, aber im Kampf um den nicht offiziellen “Benziner” Sieg in Le Mans, wird man sich mit den Aston Martin ein gutes Duell liefern. Das Team ist ja nun in Sachen Le Mans sehr erfahren und mit sehr guten Fahrern belegt:

#10 Senna, Ortelli, Monteiro
#11 Panis, Lapierre, Ayari

Der Rest, der in der LMP1 mitfährt, hat keine Chance auf einen Sieg.

In der LMP2 sieht es dieses Jahr erstaulicherweise dünn aus. Aus Kostengründen gibt es wenig Teilnehmer, es fehlen die Acura, die nicht eingeladen waren. Allerdings gibt es einen neuen Lola Mazda (#25, Erdos, Newton, Dyson) und einen Porsche Spyder von Essex (#31, Elgaard, Poulsen, Collard). Im letzten Jahr starben die LMP2 Wagen schneller, als man zuschauen konnte. Wenn ich mich recht erinnere, kamen am Ende nur zwei Wagen ins Ziel. Das wird dieses Jahr nicht anders sein. Vermutlich war es nie leichter als in diesem Jahr, in der LMP2 aufs Podium zu kommen.

In der GT 1 gibt es die Abschiedsvorstellung der wunderschönen Corvette. Es ist das letzten Rennen der GT1 Brummer, danach wird man, wenn überhaupt, mit einer CR6 in der GT2 antreten. Zwei Corvette kommen aus den USA von GM, zwei andere von Luc Alphand. Der eine Aston Martin und der Lamborghini sind wohl eher nur Staffage.

Eng dürfte es dafür in der GT2 werden. Wie üblich lautet hier die Ausgangslage: Porsche gegen Ferrari. In diesem Jahr treten fünf Porsche gegen zehn Ferrari an, was den Sieg für einen Ferrari dann endlich mal möglich machen sollte. Wenn denn da nicht der extrem standhafte und sehr schnelle GT3 RSR nicht wäre, der die Ferrari immer wieder im Griff hat.

Nur kurz die Teams, die man im Auge halten sollte:

Porsche
#70 Felbermayr jr, Felbermayr sen., Lecourt
#77 Lieb, Liez, Henzler
#80 Neiman, Law, Bergmeister

Ferrari
#78 Bruni, Perez, Russo
#82 Melo, Salo, Kaffer
#89 Simonsen, Farnbacher, Montanari

Eurosport überträgt das gesamte Rennen live. Die Sendezeiten sind wie folgt:

13.06.2009
LIVE 08:30 Uhr   24 H Le Mans   Warm Up   Euro
LIVE 09:45 Uhr   24 H Le Mans   Legend Race   Euro
LIVE 14:30 Uhr   24 H Le Mans   Le Mans   Euro
LIVE 15:30 Uhr   24 H Le Mans   Le Mans   Euro 2
LIVE 19:00 Uhr   24 H Le Mans   Le Mans   Euro
LIVE 20:30 Uhr   24 H Le Mans   Le Mans   Euro 2
LIVE 22:30 Uhr   24 H Le Mans   Le Mans   Euro
14.06.2009
LIVE 11:00 Uhr   24 H Le Mans   Le Mans   Euro 2
LIVE 13:15 Uhr   24 H Le Mans   Le Mans   Euro