NASCAR: GM, Dodge & Premiere

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Ich hab das Rennen immer noch nicht gesehen. Nachtrennen übersteigen im Moment meine Kräfte und ich hoffe mal auf die heutige Zusammenfassung bei Premiere, auch wenn man ja weiß, dass die von NASCAR Media/ESPN gelieferten Bildschnipsel nicht immer das gesamte Rennen so wirktlich umfassen. Aber auch ohne das Rennen gesehen zu haben, ist jetzt schon klar, dass sich der Chase weiter zu spitzt und zum einer der spannendsten Titelrennen der letzten Jahre werden könnte. Noch führt Johnson, aber hinter ihm haben Biffle und Burton nur wenig Abstand. Doch wie sind deren Chancen?

Nachdem Pech von Carl Edwards am Wochenende und seinem selbstverschuldeten Unfall in Talladega ist Johnson den wohl härtesten Verfolger los. Edwards ist unberechenbar, sein Crewchief Bob Osborne neigt schon mal zu unvorhergesehen Entscheidungen, die auch mal in Richtung Kamikaze gehen können. Edwards selber ist einer, der völlig kompromisslos unterwegs ist und zur Not auch keinerlei Unterschiede zwischen Freund und Feind macht. Was gleichzeitig seine Achillesferse ist. War sie im letzten Jahr, war sie in diesem Jahr. Für das Roush Team, die so gut in den Chase gestartet sind, bleibt nur noch eine Speerspitze in Form von Greg Biffle. So sehr gut die letzte Saisonhälfte von Biffle gewesen ist – ich bin mir nicht sicher, ob ihm am Ende da nicht die Luft ausgeht. Ähnlich wie Clint Bowyer im letzten Jahr, ist Biffle sicher ein herausragender Fahrer, aber es ist jetzt nicht so, dass er mit den letzten Jahren mit einem “Killer-Instinkt” aufgefallen wäre. Das, was Kyle Busch, Tony Stewart, Carl Edwards, Juan Pablo Montoya usw. haben, scheint mir bei Biffle genau das Quantum zu wenig ausgeprägt zu sein, was man brauchen würde, um Meister zu werden.

Das sieht bei Jeff Burton eigentlich nicht anders aus. Der “Mr.Nice” war bisher auf den besten Weg als solider und freundlicher Fahrer in die Geschichte der NASCAR einzugehen, der durchaus Siege einfahren kann (er hat immerhin schon 27), sich ansonsten aber in den Top 10 aufhält. Seine beste Meisterschaftsplatzierung war bisher ein dritter Platz. Und das in 18 Jahren Cup. Nicht eben viel, aber Burton sollte man auf gar keinen Fall unterschätzen. Mit seinen 41 Jahren hat er alle Erfahrung, die man so braucht, seine Gelassenheit plus die gesamte Erfahrung seines RCR Teams machen ihn in meinen Augen zu einem 1A Titelanwärter. Wenn man sein Geld nicht schon wieder auf Johnson setzen möchte – ich würde Burton wählen.

Wie sieht das Restprogramm denn aus, wenn man mal davon ausgeht, dass Johnson theoretisch alle Rennen Gewinnen könnte?

Martinsville: Biffle – er hat auf den letzten Short Tracks eine ziemlich gute Leistung gezeigt
Atlanta: Burton – sollte ihm liegen
Texas: Burton – hier hat er schon zweimal gewonnen
Phoenix: Burton – ebenfalls schon zwei Siege auf diesem Oval
Miami: Biffle – Da sah Burton nie gut aus.

Klar ist aber, dass gar nichts geht, so lange Johnson in den Top 3 rum kurvt oder gar mal gewinnt. Und da kommt dann die besondere Qualität des Doppel-Meisters zum tragen: wenn er im Chase ein schlechtes Rennen hat, dann wird er 10. Wenn Burton oder Biffle Probleme haben, dass laufen irgendwo um Platz 20 ein. Nicht nur die Siege, die Top 5 Ergebnisse werden entscheidend sein.

Und jetzt zum geschäftlichen, denn der NASCAR droht – ähnlich wie der Formel Eins Ungemach. Dabei kommt der Druck nicht mal direkt von den Sponsoren, auch wenn hier sicher noch was passieren wird. Die Liste der Teams, die lange brauchen, neue Geldgeber aufzutreiben, ist erstaunlich lang: DEI, Ganassi, Yates, Waltrip, GEM, Bill Davis und die Wood Brothers. Oder anders ausgedrückt – das halbe Feld kämpft um die Budgets und die bei Kosten, die die NASCAR gerade produziert, winken die meisten Sponsoren einfach ab. Doch die Sponsoren sind nur ein Teil des Problems. Das zweite, und viel gefährlichere, sind die drei Hersteller.

Toyota steht noch gut da und bei Dodge weiß man, dass dort gerade alle Alarmsignale angegangen sind. Gut – auf Dodge kann die NASCAR verzichten. Nicht schön, aber nicht schlimm, weil man eine schöne Front zwischen Toyota und Chevy/Ford aufbauen kann. Und jetzt kommen Hiobsbotschaften aus Detroit, denn GM geht es miserabel. Der Aktienkurs ist letzte Woche auf den Stand von 1953 (!) gefallen. Die Investoren sind mit fliegenden Fahnen aus den Aktien ausgestiegen und die Regierung hat schon mit einem 25 Milliarden Euro Kredit ausgeholfen. Das Problem, so sagt GM, sei nicht 2009, sondern 2010. Brechen die Verkäufe weiterhin im Rahmen von 30% und mehr ein, wird man nur schwer überleben können. Dazu kommt, dass 2009 auch all die Leasing-Wagen zurückkommen, die man zu guten Zeiten verkauft hatte. Man wird auf einer riesigen Halde sitzen und keine neuen Fahrzeuge mehr verkaufen.

Kein Wunder, dass GM in der Klemme steckt. Ford geht es ähnlich, und es soll sogar schon Gespräche zwischen beiden Firmen gegeben haben, die Ford aber abgebrochen hat. Jetzt gibt es die Bestätigung, dass GM mit Chrysler, bzw. deren Inhaber, die Cerberus Capital Management, die Chrysler gerne los werden würden. Zum einen ist der Laden weiterhin nicht wirklich konkurrenzfähig (sieht man von Dodge ab), zum anderen sehen sich die Manager doch wohl eher im Finanzgeschäft. So hört man, das Cerberus die GM eigene Bank (GMAC) übernehmen soll, dafür bekommt GM Chrysler. Oder so ausgedrückt: man vereinigt Not und Elend.

Die Frage wird sein, wie lange GM es noch verantworten kann, Motorsport zu betreiben und gleichzeitig Leute zu entlassen. Und das man Entlassungen aussprechen wird, ist sicher. Das muss nun aber nicht bedeuten, dass man Chevy komplett aus dem Rennsport raus zieht. Es ist eher wahrscheinlich, dass man versuchen wird, zum Beispiel die Motorsportabteilung einem Haustuner zu übergeben, sollte der Laden zusammenkrachen. Aber selbst wenn der Name Chevy bleibt – das große Geld ist weg. Das wiederum wird Hendrick und RCR nicht bis ins Mark treffen, da man eh einen eigenen Shop für den Motor hat. Aber die kleinen sind mal wieder unter Druck. Wenn man sieht, wie das Starterfeld in der CTS (die auch noch keinen neuen Sponsor hat), zusammenschmilzt, kann man sich ein denkbares Szenario vorstellen.

Premiere – Chance für die NASCAR
Das Premiere mit dem Rücken zur Wand steht, ist kein Geheimnis. Nach dem plötzlichen Verlust von einer Millionen Kunden, sieht die Lage nicht sonderlich rosig aus, und die knapp 70 Millionen Euro Verlust in diesem Jahr, sprechen nicht gerade dafür, dass man 350 bis 450 Millionen Euro für die Bundesligarechte auf den Tisch legen kann. Jetzt hört man, dass die News Corp. einspringt, die Rechte erwirbt und an Premiere weitergibt, bzw. least. Würde aus Sicht einer Buchhaltung tatsächlich Sinn machen. Und sollte Premiere komplett den Bach runtergehen, kann man die Rechte gleich an einen anderen Sender verschieben. Und das gilt natürlich auch für alle anderen Rechte. Die NBA soll, so lese ich bei Dogfood, wieder bei Premiere landen, was ein gutes Zeichen in Sachen US-Sport sein könnte. Warum also nicht auch die NASCAR, die offenbar gewillt ist, die Übertragungsrechte für einen symbolischen Preis ab zu geben? Wenn die NBA 2 Millionen Dollar kosten soll, wird die NASCAR in Deutschland nur einen Bruchteil verlangen können.

Daneben sehe ich noch einen weiteren positiven Punkt. Die NASCAR will nach Deutschland, man weiß, dass man hier einen interessanten Markt hat und mit Murdoch hat man einen Partner, der sowohl mit FOX in den USA, wie auch mit Sky in England ein verlässlicher Partner ist. Wenn man einen letzten Versuch starten möchte, das völlig ausgedünnte Programm von Premiere mit wenig Aufwand aufzupeppen, könnte die NASCAR eine gute Alternative sein. Dies alles sind, sollte klar sein, aber nur Überlegungen von mir.

V8 Supercars – Ohne Netz
Schade, das Rennen der V8 Supercars war leider etwas eintönig. Es passierte wirklich erstaunlich wenig, das Feld war teilweise sehr stark auseinander gezogen. Es gab zwar immer mal wieder hübsche Kampfgruppen, aber erst gegen Ende kam richtig Spannung auf. Da konnte man den Moderatoren bei MotorsTV auch ganz gut zuhören, auch wenn deren 11 Stunden Schicht teilweise in eine Art Slapstick ausartete. Aber es passierte wirklich wenig und es gab in der Spitzengruppe auch kaum überraschende Namen.

Und sonst?
Die Formel Eins Bosse diskutieren die Tage über Änderungen im sportlichen Reglement. Es scheint sich heraus zu kristallisieren, dass die Testtage massiv einschränken wird. Dafür soll der Freitag dann zwei dreistündige Testsessions bekommen. Sicher keine dumme Idee, wo man gerade den Gürtel enger schnallen muss. Bin nur mal gespannt, wie und ob Premiere so etwas überhaupt zeigen kann.

TV Termine für die Woche sind online.

Vorschau auf das kommende Wochenende: F1/GP2 Asia in China, NASCAR Martinsville, ALMS Laguna Seca, FIA GT Zolder

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About DonDahlmann

Don Dahlmann ist Journalist, Gründer & Chefredakteur des Racingblog.

6 Kommentare zu “NASCAR: GM, Dodge & Premiere

  1. dogfood
    13 Oktober, 2008 at 19:38

    Re: NBA/PREMIERE

    Da hast du mich mißverstanden.

    Die NBA-Rechte gingen in Frankreich für 2 Mio US$ weg (an Canal+). Bemerkenswert ist hier aber dass die NBA sich mit der Hälfte des Geldes begnügen muss. Der alte Vertrag soll 4 Mio US$ schwer gewesen sein.

    Die Einigung zwischen NBA und Canal+ wurde am Rande des NBA-Preseason-Spiels in Paris bekannt. Ein solches Preseason-Spiel steht auch morgen in Berlin an. Vielleicht erfahren wir daher diese Woche mehr in Sachen NBA und PREMIERE.

    Die Ausgangssituation zwischen Deutschland und Frankreich ähneln sich: in Frankreich soll Canal+ der einzig ernsthafte Bieter gewesen sein. In Deutschland ist PREMIERE der einzig ernsthafte Bieter.

    Frägt sich nur ob die Zeit bei PREMIERE jetzt bereits für eine Wende in Sachen Rechte-Politik ist.

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  2. hwk
    13 Oktober, 2008 at 20:24

    klar sollte sein, dass Premiere ohne neue Rechte (zbsp. Nascar und NBA) keine neuen Kunden gewinnen wird. Filme gibt es schon, Dokus auch, Disneychannels auch.. was bleibt außer (US-)-Sport um neue Kunden zu fangen. Nur durch Premiere’s durchtriebene Taktik “Ja, selbstverständlich sehen Sie Nascar bei uns!” (ohne Zusatz, “in einer 50min Aufzeichnung”), ist wohl etwas das Vertrauen flöten gegangen und die Leute werden, wenn überhaupt, erst zögerlich zurückkommen.

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  3. 13 Oktober, 2008 at 20:34

    @ dogfood:
    Ah, danke fürs klar stellen. Gut – zwei Mio in Frankreich sind schon eher mau, ob man die in Deutschland bekommt? NBA wäre zu dem Preis ein guter Fang für Premiere. Wenn Premiere wieder bei der NBA zuschlägt, dann ist das zumindest mal ein Schritt in die richtige Richtung und gibt einen winzigen Lichtblick in Sachen NASCAR. Aber wirklich nur einen winzigen.

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  4. Charlie Harper
    14 Oktober, 2008 at 00:24

    GMAC gehört doch Cerberus schon! Cerberus wollte sogar, dass die österreichische BAWAG, die auch Cerberus gehört, zu einer Art GMAC-Europazentrale wird. Daraus wurde aber bis jetzt nichts. Ich kenne Cerberus recht gut, weil die eben meine Hausbank gekauft haben und daher denke ich, dass es wirklich sehr schlimm um Chrysler stehen muss wenn man an einen Verkauf denken. Normalerweise planen die sehr langfristig und sind durchaus bereit erstmal ein paar schlechte Jahre durchzutauchen um dann einen Gewinn einzufahren. (Machen sie bei der BAWAG nicht anders) Also entweder Cerberus geht selbst das Geld aus oder sie halten einen Turnaround bei Chrysler für unwahrscheinlich.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Premiere in dem wirtschaftlichen Umfeld überhaupt neue Kunden wird gewinnen können. Egal welche Rechte man hat und die NASCAR wird da schon gar kein Kundenmagnet in großem Ausmaß sein. Man hätte eben in wirtschaftlich guten Zeiten Kunden an sich binden sollen. Jetzt ist es viel schwieriger neue Kunden zu finden.

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  5. NoteMe
    14 Oktober, 2008 at 08:37

    Wenn ich mich recht entsinne, gehört GM immer noch ~49% von GMAC, und um diese soll es, den Gerüchten nach, gehen.

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  6. 15 Oktober, 2008 at 00:43

    Jau, genauso ist das. Sorry, hatte ich Beitrag unter den Tisch fallen lassen.

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