Beim Saisonfinale der BTCC in Brands Hatch sicherte sich Tom Ingram mit zwei Siegen die Vizemeisterschaft, während Mikey Doble den Independent-Titel perfekt machte. Im letzten Rennen des Jahres erlebte Ricky Collard dann ein bitteres Drama: Der Hyundai-Pilot feierte seinen vermeintlich ersten BTCC-Sieg, verlor diesen aber nachträglich durch eine Zeitstrafe an Dan Cammish.
Am vergangenen Wochenende gastierte die BTCC zum Saisonfinale 2026 auf dem altehrwürdigen GP-Kurs von Brands Hatch. Auch wenn der Meistertitel bereits an Ash Sutton vergeben war, nachdem der Ford-Pilot in Silverstone vorzeitig seine fünfte Meisterschaft perfekt gemacht hatte und damit zum alleinigen BTCC-Rekordchampion aufgestiegen war, standen beim Finale noch einige Entscheidungen an.
Zwischen Tom Ingram und Dan Cammish ging es noch um den Vizetitel. Gerade einmal fünf Punkte Vorsprung hatte der Hyundai-Pilot vor seinem Ford-Rivalen. In der Independent-Wertung führte derweil Audi-Pilot Mikey Doble mit zwar komfortablen, aber keineswegs sicheren 25 Zählern vor Gordon Shedden, 28 vor Charles Rainford, 41 vor Daryl DeLeon und 43 vor Teamkollege Aiden Moffat. Auch in der Independent-Teamwertung war die Entscheidung noch offen. Dobles Team Power Maxed Racing hatte vor dem Saisonfinale mit 33 Punkten vor Laser Tools Racing und 34 vor West Surrey Racing die Nase vorn.
Und in der Qualifikation war es dann auch erst einmal Power Maxed Racing, das den Ton angab. Allerdings war es nicht Mikey Doble, der sich die Pole Position sicherte, sondern Teamkollege Aiden Moffat, der seine gute Form aus Silverstone, wo er einen Sieg geholt hatte, nach Brands Hatch mitnahm. Doble platzierte sich hinter seinem Teamkollegen auf Startplatz drei. Dazwischen landete auf Platz zwei Josh Cook, der bereits im Vorjahr mit einem Sieg gezeigt hatte, dass er mit dem Toyota von Speedworks auf dem GP-Kurs besonders gut zurechtkommt.
Erfreulich: Ricky Collard, dessen Saison eigentlich nach den Rennen in Croft bereits beendet war, da er sein Cockpit im Team VERTU-Hyundai an den Japaner Osamu Kawashima abtreten musste, erhielt kurzfristig doch noch die Chance, beim Saisonfinale anzutreten, nachdem der in Silverstone dezent überforderte Kawashima zurückgezogen hatte. Collard dankte es mit dem starken vierten Startplatz vor Teamkollege Tom Ingram und Ash Sutton. Ingrams Rivale um den Vizetitel, Dan Cammish, der zum Saisonfinale ebenso wie Sutton in einer NAPA-Sonderlackierung antrat, kam derweil nur auf den zehnten Startplatz.
Race to Pole: Moffat macht die Audi-Pole perfekt
Beim Start zum Race to Pole kam Doble dann schlecht weg und fiel hinter Sutton zurück, während Josh Cook in Druids einen weiten Bogen fahren musste, was es den Hyundais von Collard und Ingram ermöglichte, auf die Plätze zwei und drei vorzufahren. Auf dem GP-Loop schnappte Ingram sich dann direkt Collard und machte Jagd auf den führenden Moffat. Collard wiederum geriet in der dritten Runde in Paddock Hill Bend ins Übersteuern und anschließend in den Kies, was ihn mehrere Positionen kostete.
Im weiteren Verlauf konnten sich die ersten drei, Moffat, Ingram und Cook, dann ein wenig absetzen, während dahinter Ash Sutton erstaunlicherweise keine rechte Pace fand und unter Druck von Mikey Doble geriet. In der sechsten Runde schaffte es der Audi-Pilot dann schließlich, sich vor Hawthornes am Ford vorbeizuboosten. Sutton geriet kurz darauf zudem unter argen Druck von Ricky Collard, dem wiederum BMW-Pilot Daryl DeLeon und Dan Rowbottom im Mercedes im Nacken saßen, konnte seine Position aber bis zur Zielflagge halten. Allerdings sprach die Rennleitung kurz vor Rennende eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen wiederholtem Überfahren der Track Limits (ein mehr als leidiges Thema in dieser Saison) gegen Sutton aus, die ihn im Endklassement auf den elften Platz zurückwarf.
Der Sieg im Race to Pole ging am Ende an Aiden Moffat, der Tom Ingram und Josh Cook auf Distanz halten konnte. Mikey Doble wurde im zweiten Audi Vierter vor Ricky Collard, Daryl DeLeon, Dan Rowbottom, Laser-Tools-Toyota-Pilot Árón Taylor-Smith, dem dritten Audi mit Dexter Patterson sowie Ford-Pilot Dan Cammish, für den im Race to Pole nicht viel nach vorne ging.
Lauf 1: Ingram ringt Moffat nieder
Für den ersten Lauf am Sonntag entschieden sich ausschließlich Aiden Moffat und Tom Ingram in der ersten Startreihe für den weichen Optionsreifen, der in einem der drei Läufe gefahren werden durfte, während der Rest des Feldes geschlossen auf die als Standardreifen zum Einsatz kommenden Medium-Reifen setzte. Generell war der Performance-Unterschied zwischen Medium und Soft in Brands Hatch nicht sonderlich groß und es gab ganz im Gegenteil sogar Unsicherheit darüber, ob der Soft-Reifen seinen Performance-Vorteil über die volle Distanz halten konnte. Die Reifenwahl unterstrich jedoch die klaren Ambitionen von Moffat und Ingram auf einen möglichen Sieg, was sich dann auch im Rennen widerspiegeln sollte.
Gleich beim Start kam Ingram besser weg und holte sich die Führung. Moffat blieb jedoch am Hyundai dran und nachdem beide sich ein wenig von den Verfolgern, angeführt von Josh Cook und Ricky Collard, abgesetzt hatten, begann der Audi-Pilot, dem acht Runden mehr Zusatzboost zur Verfügung standen, den zweifachen BTCC-Champion zu attackieren.
In der dritten Runde setzte Moffat dann schließlich beim Anbremsen von Westfield innen eine Attacke, die ihm die Führung einbrachte. Ingram blieb jedoch dicht dran und probierte mehrere Konter, wodurch die Verfolger kurzzeitig wieder näher an die beiden Führenden herankamen.
Dann schaffte Moffat, der nun jede Runde seinen Zusatzboost einsetzte, es, sich für ein paar Runden etwas Luft zu verschaffen, hatte Ingram aber sofort wieder formatfüllend im Rückspiegel, als er für zwei Runden einmal nicht den Boost einsetzte. In der elften Runde war Ingram schließlich direkt an Moffats Stoßstange, setzte sich dann zum Ende der Runde beim Anbremsen von Clearways außen neben den Audi und setzte beim Herausbeschleunigen auf Start-Ziel seinerseits eine seiner zwei zur Verfügung stehenden Boost-Attacken ein, um sich die Führung sehenswert zurückzuholen.
Kurz danach kam es für Moffat, der zwar den Anschluss an Ingram halten konnte, aber keine Möglichkeit mehr für eine Attacke fand, noch bitterer: Wegen wiederholten Überschreitens der Track Limits (once gain …) verhängte die Rennleitung eine Fünf-Sekunden-Strafe gegen den Audi-Piloten.
Tom Ingram siegte schließlich im ersten Lauf und holte sich somit seinen ersten Saisonsieg in diesem Jahr, der nicht in einem dritten Lauf mit Reverse Grid zustande gekommen war. Zugleich brachte ihm der Sieg wichtige Zähler im Kampf um die Vizemeisterschaft gegen Dan Cammish ein. Josh Cook und Ricky Collard komplettierten das Podium vor dem unglücklichen Aiden Moffat, Ash Sutton, Mikey Doble, Daryl DeLeon, Dan Cammish, Dexter Patterson und Dan Lloyd.
Und nicht nur für Ingram war dieser erste Lauf ein Erfolg: Mikey Doble verpasste zwar den Independent-Sieg, der an Teamkollege Moffat ging, holte sich mit dem zweiten Platz in der Independent-Wertung aber weitere wichtige Zähler im Kampf um den Independent-Titel.
Wichtig und sehenswert war dabei unter anderem eine erfolgreiche Attacke gegen den ebenfalls in der Independent-Wertung antretenden Daryl DeLeon, gegen den Doble beim Start zunächst eine Position verloren hatte. Zudem kam ihm zugute, dass seine bis dato engsten Verfolger in der Independent-Wertung, Gordon Shedden und Charles Rainford, bereits kurz nach dem Start in Probleme gerieten: Shedden krachte beim Anbremsen von Druids in das Heck von Tom Chilton und fiel aus und Rainford wurde vor Sheene von Taylor-Smith abgeräumt, schlug in die Streckenbegrenzung ein und beendete den Lauf nach längerer Reparatur außerhalb der Wertung..
Vor dem zweiten Lauf führte Doble nun mit 40 Punkten Vorsprung auf Teamkollege Moffat, 42 auf Shedden und 43 auf DeLeon, was den vorzeitigen Titelgewinn im zweiten Lauf in greifbare Nähe rückte.
Lauf 2: Doble krönt sich mit spektakulärem Manöver zum Independent-Champion
Folgerichtig trat Mikey Doble den zweiten Lauf dann auch auf den Soft-Reifen an – eine Entscheidung, die außer ihm innerhalb der Top Ten nur noch Independent-Rivale Daryl DeLeon traf. Im Kampf um den Independent-Sieg und den Titel musste Doble beim Start aber erst einmal eine kleine Niederlage hinnehmen, als er sich DeLeon beim Losfahren geschlagen geben musste.
An der Spitze konnte derweil Tom Ingram seine Führungsposition gegenüber Josh Cook und Ricky Collard behaupten, während sich dahinter Ash Sutton in Druids Platz vier von Aiden Moffat schnappte. Moffat rodelte dann zu Beginn der zweiten Runde obendrein in den Kies und fiel zunächst hinter Teamkollege Doble zurück, verlor in der Folge aber rasch weitere Positionen.
Sutton auf Platz vier geriet in den ersten Runden derweil kurz unter Druck von DeLeon, konnte dann aber in der vierten Runde erfolgreich an Ricky Collard vorbeigehen und sich Platz drei sichern. Collard, dem es in diesem Lauf sichtlich an Pace mangelte, musste nur eine Runde später auch DeLeon und schließlich Doble und Cammish passieren lassen.
Während an der Spitze die Positionen in der Reihenfolge Ingram vor Cook und Sutton bezogen waren und Tom Ingram sich letzten Endes seinen zweiten Sieg in Folge holte, entbrannte dahinter im letzten Renndrittel ein Kampf zwischen Daryl DeLeon und Mikey Doble um den Independent-Sieg.
Um den Titel zu holen, hätte Doble bei Weitem nicht gewinnen müssen. Sein Punktevorsprung wäre auch mit dem zweiten Platz mehr als ausreichend gewesen, da sein nun engster Verfolger, Teamkollege Moffat, hinter ihm lag und Gordon Shedden mittlerweile nach einer Kollision mit seinem Teamkollegen Taylor-Smith und den beiden BMW von Charles Rainford und Lewis Gilbert ausgeschieden war.
Doch ähnlich wie Sutton zwei Wochen zuvor in Silverstone wollte Doble sich den Titel mit Stil holen und setzte den vor ihm fahrenden BMW unter Druck. In der allerletzten Runde schob er sich schließlich auf dem schnellen Bergabstück von Hawthornes Hill neben den BMW und ging mit zwei Reifen im Gras spektakulär an diesem vorbei.
Mikey Doble holte somit auf Gesamtrang vier nicht nur die hochverdiente Independent-Meisterschaft, sondern auch den Independent-Sieg. Für Doble und die Power-Maxed-Mannschaft rund um Adam Weaver, die im vergangenen Jahr so gut wie alles bei einem verheerenden Werkstattbrand verloren hatte und über den Winter vier nagelneue Autos aufgebaut hatte, ein mehr als verdienter Erfolg, vor dem man nur den Hut ziehen kann.
Hinter DeLeon auf Platz fünf komplettierten Dan Cammish, Ricky Collard, Aiden Moffat, Dexter Patterson und Sam Osborne die Top Ten.
Ingrams Sieg und Cammishs sechster Platz reichten zudem aus, um Ingram die Vizemeisterschaft zu sichern. Nach einer für den Hyundai-Piloten eher enttäuschenden und hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Saison waren die zwei Siege zum Saisonende und der Vizetitel sicherlich ein wohltuendes Trostpflaster.
Lauf 3: Collard verspielt seinen Premierensieg
Für den dritten und letzten Lauf des Tages und der Saison wurde dann der in Silverstone frisch gekrönte Jack-Sears-Trophy-Champion Dexter Patterson auf die Pole Position gelost, der für diesen Lauf zudem passenderweise über die Soft-Reifen verfügte. Mit Ricky Collard und Dan Cammish hinter sich in Reihe zwei sowie Ash Sutton und Josh Cook auf den Startplätzen sieben und acht hatte Patterson aber mehr als ernstzunehmende Konkurrenz, die ebenfalls über Soft-Reifen verfügte, hinter sich.
Insbesondere Collard, der nach wie vor seinem ersten BTCC-Sieg hinterherfährt und genau damit eine offene Rechnung begleichen will, nachdem ihm sein erster vermeintlicher Sieg auf dem Indy-Circuit von Brands Hatch 2023 nachträglich wegen einer Track-Limits-Strafe aberkannt worden war, brannte darauf, seine bis dato stärkste BTCC-Saison mit einem Sieg zu krönen – insbesondere nachdem er nun doch noch unverhofft beim Saisonfinale antreten konnte.
Entsprechend aggressiv ging Collard dann auch ins Rennen, ging zunächst innen an Aiden Moffat auf Platz zwei vorbei und schob den führenden Dexter Patterson Stoßstange an Stoßstange vor sich her durch Paddock Hill Bend, bis er schließlich in Druids innen vorbeigehen und die Führung übernehmen konnte.
Dahinter katapultierte sich Ash Sutton bis auf den dritten Platz nach vorne, bekam dann aber ausgerechnet von Teamkollege Cammish in Graham Hill Bend einen Schlag aufs Heck, der ihn wiederum eine Position zurückwarf.
Noch bevor Sutton zum Konter ansetzen konnte, wurde das Rennen jedoch durch eine Safety-Car-Phase unterbrochen. In Paddock Hill Bend hatte es kurz nach dem Start im Mittelfeld ordentlich gekracht, als die beiden Team VERTU-Hyundai von Tom Chilton und Tom Ingram rechts und links am Ford von Sam Osborne vorbeigehen wollten und sich in die Quere kamen. Sowohl Chilton als auch Ingram schlugen daraufhin in die Streckenbegrenzung ein und mussten das Rennen vorzeitig aufgeben.
Während es Ingram heftiger traf und er nach dem Unfall zunächst im Medical Center versorgt und anschließend für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht wurde, wo glücklicherweise keine ernsthaften Verletzungen festgestellt wurden, endete für Chilton eine mehr als 24 Jahre lange Karriere im Profi-Rennsport mit 20 Saisons in der BTCC ausgerechnet im Kiesbett. Kurz vor dem Saisonfinale hatte der beliebte Hyundai-Pilot sein Karriereende verkündet und verbeugte sich, nachdem er aus dem Auto ausgestiegen war, vor der Tribüne.
Parallel zur Kollision der beiden Hyundai mit Sam Osborne, der ebenfalls verkündet hatte, zum Ende der Saison den Helm an den Nagel hängen zu wollen, waren ausgangs Paddock Hill Bend Dan Rowbottom und Lewis Selby aneinandergeraten, wodurch Letzterer ebenfalls in die Streckenbegrenzung einschlug. Zudem parkte der von den Vorkommnissen vor ihm offenbar irritierte Nick Halstead seinen Audi ebenfalls zwischen den beiden in Paddock Hill Bend gestrandeten Hyundai, was längere Aufräumarbeiten erforderlich machte.
Beim Restart konnte Ricky Collard dann seine Führung erst einmal gegen Dexter Patterson verteidigen, während sich dahinter Ash Sutton seine gegen Teamkollege Cammish verlorene Position zurückholte. Keine volle Runde später presste Sutton sich dann in Paddock Hill Bend an Patterson vorbei und machte anschließend Jagd auf den zu diesem Zeitpunkt einige Wagenlängen enteilten Ricky Collard.
Binnen eines weiteren Umlaufs war Sutton dann mit aufgeblendeten Scheinwerfern am Hyundai dran, dessen Fahrer mit allem, was er hatte, verteidigte. Collard wollte diesen Sieg, und das war klar. In der neunten Runde wurde es auf der kurzen Geraden zwischen Hawthornes und Westfield jedoch zu eng: Sutton setzte sich beim Herausbeschleunigen innen neben Collard, der machte sogleich zu und schob Sutton auf die Wiese, wo dieser hilflos entlangrodelte, dann nach Kreuzen der Strecke einen Abstecher durch das Kiesbett machen musste und sich schließlich als Neunter wieder einreihen konnte.
Man musste schon die Luft anhalten – zum einen, weil ein größerer Unfall gerade so noch verhindert werden konnte, zum anderen, weil Collards Zumachen mindestens grenzwertig war und eine Strafe durchaus im Bereich des Möglichen lag.
Durch die Aktion lag nun Patterson, ebenfalls noch ohne Sieg in der BTCC, in Schlagdistanz und attackierte Collard zu Beginn der zehnten Runde in Paddock Hill Bend, was es wiederum Cammish erlaubte, den Audi-Piloten zu attackieren und ihm den zweiten Platz abzunehmen. Nun schickte Cammish sich an, Collard zu jagen, wurde aber von einer weiteren Safety-Car-Phase zur Bergung des mit brennenden Bremsen stehen gebliebenen Mercedes von Dan Rowbottom unterbrochen.
War Collards Aktion gegen Sutton schon im Bereich einer möglichen Strafe, verspielte er seinen Sieg dann endgültig beim Safety-Car-Restart. Ultralangsam führte der Hyundai-Pilot das Feld in Richtung Startlinie, beschleunigte dann kurz und – eine klare Red Flag – verzögerte wieder, um erst dann voll durchzustarten. Ein Teil des eng zusammengestauchten Feldes geriet angesichts der plötzlichen Verzögerung in arge Probleme und Josh Cook schlug beim Ausweichen fast in die Boxenmauer ein, während Ash Sutton klarer Nutznießer war und mehrere Positionen zurückgewann.
So oder so war Collards Schicksal damit besiegelt. So sehr man ihm seine starke Saison anerkennen muss und ihm einen Sieg gönnen mag, das war zu viel des Guten. Zwar überquerte Collard zunächst als Führender die Ziellinie und stand auch auf dem Siegerpodest, noch am selben Abend wurde er jedoch wegen seines Verstoßes gegen das Safety-Car-Restart-Verfahren mit einer fast noch gnädigen Fünf-Sekunden-Strafe belegt, die ihn auf den achten Platz zurückwarf. Somit hat Ricky Collard nun schon zum zweiten Mal einen möglichen ersten BTCC-Sieg durch eine Strafe verspielt.
Der Sieg ging somit am Ende an Dan Cammish, der sich nach der verpassten Vizemeisterschaft immerhin noch den letzten Saisonsieg holte. Und dabei hatte Cammish in den letzten Runden sogar noch hart für den Sieg arbeiten müssen. Teamkollege Sutton hatte sich nach dem Safety-Car-Restart weiter nach vorne gearbeitet, ein weiteres Mal in diesem Rennen Dexter Patterson in Paddock Hill Bend überholt und lag zwei Runden vor Schluss schließlich an der Stoßstange von Cammish.
Als würde es noch immer um den Titel gehen, prügelte der nie ermüdende Sutton sein Auto in Paddock Hill Bend innen über den Randstein und zog an seinem Teamkollegen vorbei. Cammish, von Suttons plötzlicher Attacke eventuell etwas überrumpelt, ließ aber nicht locker, blieb dran und konnte sich auf dem Bergabstück vor Hawthornes wieder vorbeischieben.
Somit endete die von NAPA Racing UK dominierte Saison mit einem Doppelsieg der beiden in NAPA-Sonderlackierung fahrenden Ford in der Reihenfolge Cammish vor Sutton. Den letzten Platz auf dem Podium erbte nach Collards Strafe Dexter Patterson, der sich somit zugleich den letzten Sieg in der Independent-Wertung holte.
Dahinter belegten Aiden Moffat, Adam Morgan, Josh Cook, Dan Lloyd, der strafversetzte Collard, Gordon Shedden und Mikey Doble die Top Ten.
Endstand in der Meisterschaft
Wie schon vor den Rennen beim Saisonfinale feststand, ist Ash Sutton der BTCC-Champion des Jahres 2026. Sein fünfter Titel ist Rekord in der BTCC, den er zugleich mit einem rekordverdächtigen Vorsprung von 129 Punkten vor Vorjahreschampion Tom Ingram und Teamkollege Dan Cammish eingefahren hat.
Auf Meisterschaftsrang vier landet nach zwei zweiten Plätzen beim Saisonfinale Josh Cook, der im Toyota eine starke und konstante Saison hingelegt hat, die von zwei Siegen gekrönt wurde. Dahinter belegt Adam Morgan, der im Sommer im Mercedes ein wahres Hoch feierte, einen respektablen fünften Meisterschaftsrang vor Independent-Champion Mikey Doble und Ricky Collard.
Die Teamwertung geht mit deutlichem Vorsprung und zum fünften Mal in Folge an NAPA Racing UK beziehungsweise Alliance Racing vor Team VERTU/Excelr. Meisterschaftsrang drei geht überraschend, aber hochverdient an die Independent-Champions von Power Maxed Racing, die dabei von der Insolvenz von Plato Racing zur Saisonmitte profitieren, da das Team anschließend unter neuer Nennung antreten musste. Hätte Plato Racing unter derselben Nennung weitergemacht, wäre man am Ende punktgleich mit Power Maxed gewesen.
Die Herstellerwertung geht ebenfalls an Ford/NAPA Racing UK, während sich Hyundai im Kampf um Platz zwei etwas überraschend Mercedes geschlagen geben muss.
In der Independent-Wertung ist, wie bereits geschildert, Mikey Doble verdienter Champion vor Teamkollege Aiden Moffat, Daryl DeLeon, Charles Rainford und Gordon Shedden, der nach einem Saisonfinale zum Vergessen vom zweiten auf den fünften Rang abrutschte.
Das war es mit der BTCC-Saison 2026. Die gesamten Ergebnisse der drei Läufe des Saisonfinales sowie die finalen Stände in allen Meisterschaftswertungen können wie üblich auf der Website der BTCC und bei TSL Timing im Detail studiert werden.
Zum Abschied: Danke, Louise Goodman!
Zu guter Letzt noch etwas Persönliches: Seitdem ich die BTCC regelmäßig schaue, führt Louise Goodman sämtliche Interviews mit Fahrern und Teammitgliedern – egal ob vor dem Start, nach den Rennen oder zwischendurch im Paddock.
Louise ist dabei weit mehr als nur die Reporterin, die nach den Rennen den Fahrern das Mikrofon unter die Nase hält. Sie ist eine Institution im britischen Motorsport und eine jener Konstanten, die für mich einfach untrennbar zur BTCC dazugehören.
Man spürt ihren direkten Draht zu den Fahrern, nimmt geradezu bewundernd wahr, wie sie immer die richtigen Fragen stellt und für die passenden Informationen sorgt – und wie sehr sie das liebt, was sie da macht.
Louise Goodman hat nun nach einer langen Karriere im Motorsportjournalismus, die sie von ihrer Tätigkeit als Pressesprecherin des Jordan-F1-Teams über die Formel-1-Berichterstattung für ITV ab 1997 und schließlich ab 2007 in die BTCC führte, kurz vor dem Saisonfinale ihr Karriereende verkündet.
Louise Goodman wird fehlen, aber es ist angebracht, ihr Danke zu sagen für alles, was sie für die BTCC und darüber hinaus geleistet hat. Mit ihr verlässt eine Vorbildjournalistin die Bühne, die eine große Lücke hinterlassen wird.
Die BTCC dankte ihr passend, indem sie noch vor der Meisterschaftsehrung zusammen mit allen Fahrern auf das Podium geholt wurde.
Bilder: btcc.net
