Bei der vorletzten Saisonstation der diesjährigen BTCC-Saison krönte sich Ashley Sutton vorzeitig und in perfektem Stil mit einem Rennsieg zum diesjährigen Champion. Mit nunmehr fünf Meisterschaften ist der Ford-Pilot zugleich alleiniger BTCC-Rekordchampion. Die beiden anderen Siege in Silverstone gingen an Aiden Moffat und Tom Ingram.
Keine andere Strecke im BTCC-Kalender profitiert so sehr vom Zusatzboost wie Silverstone. Dementsprechend taten sich die in der Meisterschaft vorne liegenden Piloten in der Qualifikation und im Race to Pole schwer.
Ash Sutton, dessen eine Sekunde Zusatzboost auf den langen Geraden von Silverstone im Nichts verpuffte, legte mit Startplatz 17 sein schlechtestes Qualifikationsergebnis in diesem Jahr hin. Für Suttons Teamkollege Dan Cammish auf Meisterschaftsplatz zwei und Tom Ingram, dessen Hyundai in dieser Saison ohnehin in Sachen Beschleunigung schwach auf der Brust ist, lief es mit den Startplätzen 18 und 14 kaum besser.
Stattdessen waren es etwas überraschend die Audis von PMR, die zunächst den Ton angaben. Mikey Doble sicherte sich die Pole Position und Aiden Moffat holte Startplatz fünf. Dazwischen platzierten sich die beiden WSR-BMW von Daryl DeLeon auf Startplatz zwei und Charles Rainford auf Startplatz vier sowie, ebenfalls etwas überraschend, Tom Chilton auf Startplatz drei.
Chilton hatte in Silverstone im Gegensatz zu Ingram und den beiden anderen Hyundai von Nic Hamilton und BTCC-Neuzugang Osamu Kawashima, der Ricky Collard für die beiden letzten Saisonstationen ersetzt, nicht den Hyundai-Motor von Swindon unter der Haube, sondern das TOCA-Einheitsaggregat von M-Sport.
Laut Team sollte das kein Experiment sein, um den TOCA-Motor grundsätzlich mit dem hauseigenen Aggregat zu vergleichen. Der Wechsel soll vielmehr ausdrücklich auf Wunsch Chiltons zustande gekommen sein, der der Ansicht ist, dass die Charakteristik des TOCA-Motors in Sachen Ansprechverhalten besser zu seinem Fahrstil passt.
In Silverstone ging diese These jedenfalls zunächst auf: Neben dem starken Qualifying-Resultat schien Chilton grundsätzlich happy und führte zudem sämtliche Top-Speed-Wertungen im freien Training und der Qualifikation an.
Race to Pole: Doble macht die Audi-Pole perfekt
Beim Start zum Race to Pole im Anschluss an die Qualifikation musste sich Pole-Sitter Mikey Doble zunächst BMW-Pilot Daryl DeLeon geschlagen geben. Die ursprüngliche Reihenfolge stellte Doble dann aber in der dritten Runde mit einem erfolgreichen Ausbremsmanöver in Brooklands wieder her, während sich dahinter Teamkollege Moffat beim Start zunächst an Rainford und schließlich auch an Chilton vorbeigearbeitet hatte.
Nach einer Safety-Car-Phase zur Bergung des im Kies gestrandeten Autos vom dezent überforderten BTCC-Newcomer Kawashima schnappte Moffat sich dann auch noch DeLeon und stellte somit eine Audi-Doppelführung her, die bis zur Zielflagge halten sollte.
In der vorletzten Runde gelang es dann auch noch Tom Chilton an DeLeon vorbeizugehen, der seinen gesamten Zusatzboost zu diesem Zeitpunkt bereits aufgebraucht hatte. Der Hyundai-Pilot sicherte sich damit den dritten Platz im Endklassement.
DeLeon belegte somit am Ende Platz vier hinter Doble, Moffat und Chilton. Dahinter überquerte etwas überraschend Dan Lloyd im Hyundai von Restart Racing die Ziellinie vor Josh Cook, der sich stark von Startplatz zwölf nach vorne gearbeitet hatte, Charles Rainford, Adam Morgan, Árón Taylor-Smith und Gordon Shedden.
Tom Ingram, der zwischenzeitlich trotz seines Boost-Nachteils die Top Ten erreicht hatte, rieb sich in einigen Zweikämpfen auf, die ihn anschließend wieder einige Positionen kosteten, und wurde am Ende Zwölfter. Ash Sutton und Dan Cammish belegten die Plätze 14 und 15.
Für Sutton stellte der 14. Platz immerhin noch insofern ein erfolgreiches Resultat dar, als dass er gleich nach dem Start von Gordon Shedden touchiert und in einen spektakulären 360-Grad-Dreher geschickt worden war, der ihn zwischenzeitlich ans Ende des Feldes zurückgeworfen hatte.
Lauf 1: Moffat gewinnt – nach kurzem Umweg über Doble
Beim Start zum ersten Lauf am Sonntag lag dann pünktlich zur Einführungsrunde leichter Nieselregen in der Luft. Insgesamt war es aber zu trocken, um noch spontan einen Regenreifen-Poker zu wagen.
Pole-Sitter Doble kam schlechter weg als Teamkollege Moffat und fiel auf Platz zwei zurück, den er in den ersten Kurven zudem gegen den fulminant gestarteten DeLeon verteidigen musste. Der hatte sich zuvor beherzt an Chilton vorbeigedrückt, was es wiederum DeLeons Teamkollegen Charles Rainford erlaubte, ebenfalls am Hyundai vorbeizuziehen.
Während Moffat sich an der Spitze dann etwas absetzen konnte und Doble nach hinten abschirmte, holte Chilton sich zunächst die gegen Rainford verlorene Position zurück und attackierte zu Beginn der zweiten Runde in Copse auch erfolgreich DeLeon, womit er wieder Dritter war.
In der Folge schaffte Chilton es dann, an den beiden souverän führenden Audi dranzubleiben und sich von den beiden BMW abzusetzen, kam aber nie ernsthaft in den Bereich einer aussichtsreichen Attacke.
DeLeon und Rainford konnten das Tempo dagegen nicht ganz mitgehen und gerieten im letzten Renndrittel zudem unter Druck von Toyota-Pilot Josh Cook. Der boostete sich in Runde 15 zunächst auf der Wellington Straight an Rainford vorbei und konnte sich zu Beginn der vorletzten Runde auf Start und Ziel schließlich auch DeLeon schnappen.
Aiden Moffat holte sich am Ende seinen lang ersehnten ersten Sieg seit Donington 2024 vor Teamkollege Doble und Tom Chilton. Etwas kurios: Den Siegerpokal bekam nach dem Rennen zunächst Mikey Doble überreicht, da kurz vor Rennende gegen Moffat eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen Überschreitens der Track Limits ausgesprochen worden war, die ihn im Endklassement zunächst auf Platz vier zurückwarf. PMR legte jedoch erfolgreich Einspruch gegen die Strafe ein – Moffat musste mehr oder minder neben der Strecke beim Überrunden dem langsamen Kawashima ausweichen – und Moffat bekam den Sieg nachträglich wieder zugesprochen.
Josh Cook belegte Platz vier vor Daryl DeLeon und Gordon Shedden, der kurz vor Rennende ebenfalls noch Charles Rainford überholen konnte, der diesen Lauf auf den langsameren Medium-Reifen angetreten hatte.
Rainford und die ebenfalls Medium-bereiften Adam Morgan, Árón Taylor-Smith und Dan Rowbottom komplettierten die Top Ten. Rowbottom legte dabei in den ersten Runden eine starke Aufholjagd von Startplatz 17 hin, bevor er sich anschließend rundenlang mit Taylor-Smith duellierte.
Pechvogel des Rennens war derweil Dan Lloyd, der nach dem aussichtsreichen fünften Startplatz früh im Rennen mit Motorschaden ausfiel, wodurch er auch den zweiten Lauf verpassen sollte.
Ash Sutton sowie Tom Ingram und Dan Cammish, die beide im engen Kampf um die Vizemeisterschaft verstrickt sind, absolvierten den ersten Lauf dagegen vornehmlich unter dem Radar. Sutton und Cammish hatten ohnehin mit der Absicht, erst später am Tag anzugreifen, den Lauf auf den Medium-Reifen gestartet, während Ingram auf die Softs setzte.
Zum Ende der ersten Runde lagen Ingram und Sutton dann zunächst auf den Plätzen neun und zehn, wurden aber in der zweiten Runde, als sie im Infight miteinander sowie mit dem vor ihnen fahrenden Gordon Shedden verstrickt waren, vom Toyota-Piloten in Brooklands neben die Strecke geschickt und verloren mehrere Positionen. Am Ende belegten beide in der Reihenfolge Sutton vor Ingram hinter Chris Smiley die Plätze zwölf und 13.
Sutton musste in diesem Lauf fünf Punkte mehr holen als Teamkollege Cammish, der mit einem technischen Defekt ausfiel, um die Meisterschaft bereits vorzeitig perfekt zu machen. Da Sutton für Platz zwölf lediglich vier Punkte erhielt, verpasste er den vorzeitigen Titelgewinn dadurch um genau einen Punkt.
Den ersten Titel des Wochenendes holte sich derweil Dexter Patterson. Der eher enttäuschende 18. Platz reichte aus, um sich die diesjährige Jack Sears Trophy für den besten Fahrer zu sichern, der vor Beginn der Saison noch nie auf dem Podium gestanden hatte.
Lauf 2: Sutton stürmt zum historischen fünften Titel
Eventuell war Sutton das aber auch ganz recht so, dass er den Titel nicht mit einem langweiligen zwölften Platz rein rechnerisch holte. Denn der zweite Lauf versprach mit Soft-Reifen und nun vollem Zusatzboost beste Chancen, die Meisterschaft mit einem Top-Resultat zu garnieren – und diese Gelegenheit ließ Sutton sich dann auch nicht nehmen.
Während Mikey Doble erneut schlecht startete und hinter Chilton und DeLeon auf Platz vier zurückfiel, konnte Audi-Teamkollege Moffat zunächst die Führungsposition behaupten. Über den drei Erstplatzierten des ersten Laufs schwebte aber ohnehin das reglementsbedingte Damoklesschwert, dass sie den zweiten Lauf nun auf den langsameren Medium-Reifen absolvieren mussten und – fast noch erschwerender – nur noch eingeschränkten Zusatzboost zur Verfügung hatten.
Zu Beginn der zweiten Runde lag Ash Sutton dann bereits auf Platz sieben, schnappte sich in Copse zunächst Shedden und anschließend Rowbottom und war somit schon Fünfter hinter Moffat, Chilton, DeLeon und Doble, womit mit dem Soft-bereiften DeLeon eigentlich nur noch ein wirklich ernt zunehmender Konkurrent vor ihm lag.
In der dritten Runde holte DeLeon dann den zweiten Platz von Chilton, während Sutton dahinter relativ mühelos an Doble vorbeiging. Zwei Runden später musste sich dann auch Chilton Sutton geschlagen geben und in der sechsten Runde schnappte DeLeon sich die Führung von Moffat.
DeLeon versuchte anschließend sein Heil in der Flucht, während Sutton nur einen Umlauf später ebenfalls an Moffat vorbeigehen konnte. Und es sollte keine zwei weitere Runden dauern, bis Sutton schließlich an der Stoßstange des BMW hing und mit einem sehenswerten Manöver in Copse die Führung von DeLeon übernehmen konnte.
Sutton war anschließend auf und davon, während DeLeon ein weiteres Mal zu früh seinen Zusatzboost aufgebraucht hatte und in den letzten Rennrunden unter Druck von Mercedes-Pilot Adam Morgan geriet. Der hatte sich sukzessive nach vorne gearbeitet, die Medium-bereiften drei Erstplatzierten des vorherigen Laufs ebenfalls mühelos überholt und konnte in der 14. Runde schließlich auch am Boost-losen BMW vorbeiziehen. Kurz vor Rennende verlor DeLeon dann noch eine weitere Position gegen Teamkollege Rainford.
Ash Sutton siegte somit hochverdient und holte sich zugleich seinen fünften BTCC-Titel, der ihn zum alleinigen Rekordchampion der Serie macht. Sutton hat dieser Saison vom Start weg seinen Stempel aufgedrückt und mit bis jetzt neun Siegen ein mehr als eindrucksvolles Jahr hingelegt, das mit dem vorzeitigen Titelgewinn sein vorläufiges Highlight erlebte.
Adam Morgan und Charles Rainford komplettierten hinter Sutton das Podium vor dem etwas enttäuschten Daryl DeLeon. Dan Rowbottom, Dan Cammish nach starker Aufholjagd aus der letzten Startreihe, Árón Taylor-Smith sowie die Medium-bereiften Tom Ingram, Aiden Moffat und Josh Cook komplettierten die Top Ten.
Lauf 3: Ingram schlägt im Regen zurück
Stark einsetzender Regen machte dann sämtliche Reifenstrategien mit aufgesparten Soft-Reifen für den letzten Lauf des Tages zunichte. Auf die Pole Position wurde im Reverse-Grid-Draw Lauf-1-Sieger Aiden Moffat gelost, der mit Tom Ingram neben sich in Reihe eins und Dan Cammish auf Startplatz vier aber zwei ernstzunehmende Konkurrenten direkt im Rückspiegel hatte, die zudem im engen Kampf um die Vizemeisterschaft verstrickt waren.
Zum Kampf Ingram gegen Cammish sollte es aber dann gar nicht erst kommen, denn Cammish vergeigte den Start und fiel direkt mehrere Positionen zurück. Auch Ingram und Moffat kamen nicht sonderlich gut weg und mussten sich vor Copse dem von Platz drei gestarteten Toyota von Árón Taylor-Smith geschlagen geben, der die Führung übernahm.
Als Ingram und Moffat sich dann zudem in Copse bei einer leichten Berührung in die Quere kamen, öffnete das eine Lücke für Mercedes-Pilot Dan Rowbottom, der Platz zwei übernehmen konnte.
Noch in der ersten Runde attackierte Rowbottom dann Taylor-Smith und übernahm seinerseits die Führung. In der zweiten Runde schnappten sich dann auch Moffat und Ingram den Toyota, während dahinter bereits Ash Sutton auftauchte, der kurz darauf ebenfalls an Taylor-Smith vorbeigehen konnte.
Rowbottoms Führung sah zunächst relativ stabil aus, aber der Mercedes-Pilot, der weiterhin auf seinen ersten Saisonsieg wartet, bekam zunehmend Probleme mit beschlagenen Scheiben und musste sich schließlich in der sechsten Runde Moffat geschlagen geben.
Dahinter hatte Ingram alle Hände voll mit Sutton zu tun. Der war zum einen erpicht darauf, sein Meisterschaftswochenende mit einem weiteren Podiumsresultat zu schmücken, und wollte zum anderen Ingram möglichst viele Punkte im Kampf um die Vizemeisterschaft gegen Suttons Teamkollegen Cammish abnehmen.
Ein kleiner Fehler von Sutton in Brooklands verschaffte Ingram dann kurzzeitig etwas Luft, was dieser sofort nutzte, um erfolgreich Rowbottom für Platz zwei zu attackieren. Eine Runde später konnte dann auch Sutton mit einem hübschen Aussteiger-Manöver in Luffield an Rowbottom vorbeigehen.
Ingram hatte weiterhin etwas Vorsprung gegenüber Sutton und fuhr anschließend die Lücke zum führenden Moffat zu, den er schließlich in der elften Runde in Luffield attackieren konnte. Moffat probierte zwar noch zu kontern, aber in Copse war Ingram schließlich endgültig vorbei und somit in Führung.
Zwei Runden später musste Moffat sich dann auch Sutton geschlagen geben, der gegen den Audi exakt dasselbe Manöver vollführte wie wenige Runden zuvor gegen Rowbottom.
Ingram war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits zu weit enteilt, sodass Sutton die Lücke nicht mehr schließen konnte. Der alte Champion Ingram holte sich somit seinen dritten Saisonsieg vor dem neuen Champion Sutton.
Für Aiden Moffat, der eines seiner stärksten Rennwochenenden seit Langem hinlegte, blieb immerhin noch der letzte Platz auf dem Podium, den er knapp gegen Gordon Shedden verteidigen konnte. Dahinter komplettierten Dan Cammish, Tom Chilton, Josh Cook, Árón Taylor-Smith, Dan Rowbottom und Adam Morgan die Top Ten.
Meisterschaft und Ausblick: Ingram und Cammish kämpfen um Platz zwei
Mit 132 Punkten Vorsprung ist Ash Sutton also wie geschildert uneinholbar und hochverdient BTCC-Champion des Jahres 2026.
Spannend bleibt es aber weiterhin im Kampf um die Vizemeisterschaft, in dem Tom Ingram vor dem Saisonfinale aktuell fünf Punkte Vorsprung auf Dan Cammish hat. Cammish wird mit Unterstützung von Sutton alles daransetzen, beim Saisonfinale nicht nur die Team- und Herstellerwertung für NAPA Racing UK beziehungsweise Ford zu sichern, sondern auch die Saison mit den beiden ersten Plätzen in der Fahrerwertung abzuschließen.
Ingram wiederum wird darauf brennen, die für ihn eher unter den Erwartungen verlaufene Saison wenigstens mit der Vizemeisterschaft abzuschließen.
Eng ist es zudem auf den weiteren Positionen in der Meisterschaft: Auf Rang vier liegt nach den Rennen in Silverstone nun wieder Adam Morgan, der gerade einmal vier Punkte Vorsprung auf Josh Cook und zehn auf Dan Rowbottom hat.
In der Independent-Wertung führt noch immer Audi-Pilot Mikey Doble. Sein Polster von 25 Punkten auf Gordon Shedden und 28 auf Charles Rainford ist zwar komfortabel, lässt aber zugleich keinen Raum für Fehler oder gar eine Nullnummer in einem der drei Läufe beim Saisonfinale.
Die vollständigen Meisterschaftsstände sowie die einzelnen Ergebnisse der Rennen in Silverstone können auf der Website der BTCC und bei TSL Timing im Detail studiert werden.
Das Finale der diesjährigen BTCC-Saison steigt am kommenden Wochenende traditionsgemäß auf dem altehrwürdigen GP Circuit von Brands Hatch. Im Vorjahr sicherte sich hier Tom Ingram bei seiner Fahrt zur Meisterschaft einen Laufsieg, während die beiden anderen Siege an Dan Cammish und Josh Cook gingen.
Bilder: btcc.net
