Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Italien – Antonelli auf dem Weg zur WM?

Formel Eins: Analyse GP von Italien – Antonelli auf dem Weg zur WM?

von DonDahlmann
0 Kommentare 8 minutes read

Wer soll Kimi Antonelli auf dem Weg zum WM-Titel noch stoppen? Das Rennen in Monza war eine einzige Demonstration des jungen Italieners.

Ein sehr abwechslungsreiches Wochenende in Monza brachte einige Überraschungen. Die erste gab es am Samstag, als Pierre Gasly die gesamte Weltspitze düpierte und den Alpine auf die Pole stellte. Die Franzosen hatten aber auch alles auf die Karte “kein Abtrieb” gesetzt und das eh wenig Abtrieb ausgestattete Chassis mit dem kleinsten verfügbaren Heckflügel ausgestattet.

Der Alpine, ausgestattet mit dem in Monza dominierenden Mercedes-Motor, zeigte in den Händen von Pierre Gasly seine Stärke. Gasly, Sieger des Rennens in 2020, schaffte die Überraschung und bewies damit gleich zweierlei. Erstens, dass er weiterhin zu den unterschätzten Fahrern im Feld gehört, und zweitens, dass Alpine sich unter Briatore deutlich stabilisiert hat.

Dass er das Rennen aber nicht würde gewinnen können, war auch klar. Immerhin gelang es ihm aber, die erste Runde als Führender abzuschließen, bevor dann Russell und Verstappen über ihn herfielen. Aber für einen winzigen Moment hatten wir mal etwas Abwechslung an der Spitze. Dass am Ende nur P7 herauskam, mag enttäuschend sein, entspricht aber dem eigentlichen Leistungsniveau von Alpine.

Eigentlich hatte man Ferrari auf der Pole erwartet. Die hatten in den letzten Rennen zumindest zeitweise das beste Auto auf der Strecke und für Monza gab es ein weiteres Update des Motors, das im Bereich von 10 PS liegen soll. Doch das Wochenende sollte für die Italiener eher katastrophal verlaufen. Während am Freitag die Sache noch gut aussah, zerstreuten sich alle Hoffnungen auf einen Sieg beim Heimrennen schon am Samstag.

Mehr als zwei Zehntel fehlten den Ferraris auf den Alpine an der Spitze. Zu Russell auf P2 waren es 0,150 Sekunden. Das war angesichts der ganzen Updates, die Ferrari speziell für Monza mitgebracht hatte, mehr als enttäuschend. Auch die Zeiten aus den Trainings ließen wenig Raum für Hoffnung. Die Long-Runs sahen nicht besser aus.

Das Rennen der Ferrari fiel dann schon in den ersten zwei Runden komplett auseinander. Hamilton versuchte es mit einem extrem optimistischen Bremsmanöver ganz innen in T1, was schon eher nach Brechstange aussah. Leclerc war ob des Manövers unzufrieden und er drückte den Briten dann am Ausgang in den Kies. Zwar hatte er Untersteuern, aber das setzte auch nur ein, weil er einfach zu viel Gas gegeben hatte, was den Ferrari auf den kalten Reifen nach außen trieb. Andere Fahrer hinter den Ferrari, die ebenfalls zu zweit durch die Schikane gingen, passierte das nicht.

Hamilton fiel bis auf P10 zurück und er war dementsprechend sauer. Allerdings war sein Manöver, wie erwähnt, auch extrem optimistisch. Zu hoffen, dass sein Teamkollege schon Platz machen würde, obwohl es im Team, wie er später selbst zugab, keine “Rules of Engagement” gibt, war keine gute Entscheidung. Der Fehler lag bei beiden Fahrern, aber auch beim Team, das vor dem Rennen in Monza immer noch keine Entscheidung darüber getroffen hatte, wen man auf die WM ansetzt.

Ende der zweiten Runde hatte Leclerc dann seinen Abflug in der Parabolica, der nicht nur merkwürdig aussah, sondern auch sehr heftig war. Der Tankslapper bugsierte den Ferrari fast ungebremst in die Reifenstapel. Nebenbei bemerkt: Es dauerte erstaunlich lange, bis das Medical Car da war. Das lag daran, dass das Medical am Boxenausgang stand und dann erst mal eine ganze Runde in Monza fahren musste. Hier wäre es dann vielleicht auch mal eine Überlegung wert, ob man nicht ein zweites Auto an der Strecke positioniert.

Beim Restart konnte Hamilton ein paar Plätze gut machen und er lag dann sogar für einen Moment auf dem dritten Platz. Aber statt eines Podiums rutschte Hamilton dann immer weiter nach hinten. Erst musste er Verstappen wieder passieren lassen, dann lieferte er sich einen langen Zweikampf mit Piastri um P4. Ferrari leistete sich zudem den strategischen Fehler, während der kurzen VSC-Phase nicht an die Box zu kommen.

Fred Vasseur meinte nach dem Rennen, dass ein Stopp nichts gebracht hätte. Hamilton lag vor dem Stopp von Verstappen zehn Sekunden dahinter, im Ziel betrug der Abstand dann ebenfalls wieder zehn Sekunden. Ein Stopp hätte Hamilton hinter beide McLaren geworfen, die aber auf der Geraden schneller als der Ferrari waren. Auf der anderen Seite war der zweite Stint von Verstappen im Median rund eine Sekunde schneller als sein erster Stint auf den Mediums.

Auffällig ist auch, dass die Median-Stintzeiten von Hamilton gegenüber beiden McLaren zwar geringfügig schneller waren, er aber am Ende hinter beiden landete. Der Grund auch hier: Topspeed. Dem Ferrari fehlten rund 8-10 km/h auf den Geraden. Kombiniert mit dem Overtake-Boost, war Hamilton dann chancenlos. Ein Reifenwechsel hätte den Nachteil zumindest teilweise aufgehoben, weil der Brite dann mehr Grip am Ausgang der Kurven gehabt hätte.

Das Rennen wurde klar von den Mercedes beherrscht, die ganz offensichtlich auf den energiehungrigen Strecken das beste Batteriemanagement hatten. Russell musste sich zwar zunächst mit Verstappen herumschlagen, distanzierte den Red Bull aber dann doch schnell. Er sah dann zwischenzeitlich wie der sichere Sieger aus. Doch dann kam Kimi Antonelli, der in Italien eine Art Meisterstück zeigte.

Der Italiener musste aus der letzten Reihe starten, weil er einen neuen Motor nehmen musste. Der hat aber bisher nicht das neue Upgrade, das Mercedes wohl erst in Baku bringen wird. Was bedeutet, dass er vermutlich im Verlauf der restlichen Saison noch mal von hinten starten muss. Der erste Start spülte Antonelli von P19 auf P14, der Neustart brachte ihn dann direkt in die Top Ten. Damit war dann auch klar, dass er durchaus noch eine Chance, zumindest auf ein Podium, haben würde. Er schnitt aber derartig schnell durchs Feld, dass er 25 Runden vor Schluss schon auf P2 direkt hinter Russell lag.

Mercedes entschied sich dann für eine etwas riskante Strategie. Nachdem Stroll seinen Aston abstellen musste und ein VSC das Rennen kurz unterbrach, entschied sich Mercedes dazu, Antonelli an die Box zu holen, um ihm neue Medium zu geben. Damit verlor man zwar Positionen auf der Strecke, aber man war selbstbewusst, zu glauben, dass man an beiden McLaren und dem Ferrari vorbeikommen würde. Das gelang dann auch recht zügig und 14 Runden vor Schluss lag Antonelli dann 8 Sekunden hinter Russell.

Mit den frischen Medium hatte er wenig Probleme, die Lücke zuzufahren. Der erste Versuch, die Spitze zu erobern, endete zwar in einem kurzen Ausrutscher ins Kiesbett, aber der zweite gelang dann problemlos. Was die Fans in Monza natürlich in Ekstase brachte.

Die Frage war allerdings: Warum hatte Mercedes nicht Russell an die Box geholt? Er hätte als Führender eigentlich die erste Option haben müssen. Die Antwort: Mercedes hat sich offenbar schon dazu entschieden, dass der WM-Kampf zugunsten Antonellis ausgefallen ist. Das war in Zandvoort so, Monza bestätigte das nur. Russell blieb nicht mehr, als ein Schulterzucken.

Tatsächlich wirkt Antonelli vor allem im Rennen seit Miami stärker als Russell. Er geht mehr Risiken ein, er wird aber auch dafür belohnt. Er erlaubt sich kaum Fehler, hinzu kommt die Unterstützung des Teams. Die Aussicht, den jüngsten Weltmeister aller Zeiten zu stellen, scheint durchaus eine Motivation im Team zu sein. Davon abgesehen scheint der 20-Jährige das Talentniveau von Verstappen zu haben. Zumindest in der Formel Eins.

Ein interessanter Nebenschauplatz im Rennen war das Rennen der McLaren. Die waren für einen Sieg zu langsam, weil das Chassis zu viel Abtrieb generiert. Aber zwischen Piastri und Norris entwickelte sich ein schöner Zweikampf, den Norris in der letzten Runde für sich entscheiden konnte. Norris hatte das deutlich schwierigere Rennen, weil er lange Zeit hinter Pierre Gasly feststeckte. Dessen Alpine war auf der Geraden schneller und Norris benötigte das halbe Rennen, um an ihm vorbei zukommen. Einmal vom Alpine befreit war er dann schneller als Piastri, was in diesem Jahr schon Normalität geworden ist.

Der Rest hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Die RB waren erwartungsgemäß stark, mussten sich aber den Alpine beugen. Dass Lindblad am Ende vor Colapinto lag hing mit einem Ausrutscher des Argentiniers zusammen. Der war nach dem zweiten Start in der ersten Lesmo vom Kurs abgekommen und rutschte auf P17 zurück. Dass er am Ende noch P9 erreichte, rettete sein Rennen zumindest einigermaßen. Ohne den Ausrutscher hätte er allerdings deutlich vor Lindblad gelegen.

P10 ging an Yuki Tsunoda. Und das, obwohl der Japaner für einen Startabbruch beim zweiten Start gesorgt hatte, weil er schräg in seiner Startbox stand. Die Rennleitung untersuchte den Vorfall, sprach aber überraschenderweise keine Strafe aus. Wogegen Audi nun Protest eingelegt hat, da Bortoletto auf P11 landete.

Audi war in Monza allerdings auch schwächer, als man erwarten konnte. Das liegt einerseits am Chassis, andererseits am Motor, der einfach nicht genug Leistung erzeugt. Es gibt Gerüchte, dass Audi für 2028 einen komplett neuen Motor bringen wird. Für 2027 reichte es zeitlich nicht mehr.

In der WM führt Antonelli jetzt mit 66 Punkten vor Russell. Hamilton hat 76 Punkte Rückstand und ist nach eigenem Bekunden damit raus aus dem WM‑Kampf. Es stehen allerdings auch noch zehn Rennen auf dem Programm (evtl. nur acht, wenn Katar und Abu Dhabi ausfallen). Zwei Ausfälle von Antonelli und zwei Siege von Russell und schon sieht die Sache wieder anders aus. Aber die Zuverlässigkeitsprobleme von Mercedes scheinen im Moment ja beseitigt zu sein und der neue Motor, den Antonelli in Monza erhalten hat, dürfte auch noch etwas halten.

Nächste Woche geht es schon weiter. Es geht zum ersten Mal in Madrid auf den “Madring”. Mehr dazu dann am Donnerstag in der Vorschau.

Bilder: Pirelli

Das könnte Dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Wenn Du einen Kommentar abgibst, werden einige Deiner Daten gespeichert. Mehr Infos im Impressum.

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.