Die F1 ist zurück aus der kurzen Sommerpause und bringt in der zweiten Saisonhälfte insgesamt elf Rennen.
Viel hat sich in der Sommerpause nicht getan. Die interessantesten Meldungen gab es in den vergangenen Tagen. Bei Williams unterzeichneten sowohl Sainz als auch Albon neue Verträge, die bis Ende 2027 laufen. Das Albon verlängert kommt nicht unerwartet, unsicherer war die Lage da schon bei Carlos Sainz. Aber viele Alternativen hatte der Spanier nun auch nicht. Realistisch wären Alpine und eventuell Aston Martin gewesen, aber bei Letzterem scheint Alonso gewillt zu sein, noch ein Jahr dranzuhängen. Und ob Alpine jetzt die bessere Lösung ist, sei mal dahingestellt.
Für Williams ist das gut, ebenso für James Volwes, dessen Image als Retter des Teams aufgrund der miserablen Saison einige Kratzer abbekommen hat. Zwar hatte man jetzt nicht erwartet, dass das Team dieses Jahr das Mittelfeld dominiert, aber dass man zumindest regelmäßig in die Punkte kommt, entsprach den selbst gesetzten Zielen des Teamchefs. Dass er zumindest Sainz im Team halten konnte, kann daher als Erfolg verbucht werden. Dass im Sainz-Lager die Geduld nicht unendlich ist, erkennt man aber an der kurzen Laufzeit des Vertrags.
Verstappen verlängert bis 2030
Ebenfalls nicht so wirklich überraschend ist die Vertragsverlängerung von Max Verstappen bei Red Bull. Eventuell ist die Länge des Vertrags (bis Ende 2030) bemerkenswert. Verstappen hatte aber auch wenig realistische Optionen. McLaren oder Mercedes standen vielleicht zur Wahl. Aber bei beiden Teams hätte Verstappen sich daran gewöhnen müssen, dass die Marke vor dem Fahrer steht. Was er bei Red Bull nicht befürchten muss. Verstappen hat sich da ein Nest gebaut, das er bei anderen Teams nicht bekommt.
Ein wenig schade ist das schon, dass der Niederländer keine Ambitionen zeigt, das Team zu wechseln. Es gibt ja die Wahrnehmung, dass ein Fahrer sich dann besonders auszeichnet, wenn er in zwei unterschiedlichen Teams einen WM-Titel einfährt. Die Liste der Fahrer, denen das in den letzten 50 Jahren gelungen war, ist allerdings auch kurz: Lauda, Piquet, Prost, Schumacher, Hamilton.
Verstappen mag auch die Beispiele von Alonso und Vettel im Blick gehabt haben, deren Wechsel zu anderen Teams nicht gut gelaufen ist. Gut, beide waren auch bei Ferrari in einer Zeit, in der das Team nicht sonderlich gut aufgestellt war. Aber man sieht eben auch die Schwierigkeiten, die man haben kann, wenn man das Team wechselt und man eben nicht mehr die automatische Nummer 1 ist. Das mag dann etwas sein, was Verstappen zumindest im Moment vermeiden möchte.
Hadjar verletzt – Lawson übernimmt
In Zandvoort wird Verstappen temporär eine neuen, alten Teamkollegen haben. Isaac Hadjar hat sich in der Sommerpause an der Hand verletzt. Wie schwer die Verletzung ist, hat Red Bull nicht gesagt. Ersetzt wird er durch Liam Lawson, Tsunoda, der eigentlich der Ersatzfahrer bei Red Bull ist, darf Lawson bei RB ersetzen. Ich bin etwas überrascht, dass man nicht Lindblad in den Red Bull gesetzt hat, aber Lawson hat durchaus eine neue Chance verdient, nachdem er ja im letzten Jahr schon nach vier Rennen wieder vor die Tür gesetzt wurde.
Die “silly season” ist mit den Vertragsunterzeichnungen von Sainz und Verstappen auch beendet. Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren, Audi, Williams. RB und vermutlich Aston Martin sind gesetzt. Unsicherheiten gibt es noch bei Alpine, Haas und Cadillac.
Finanzsorgen bei Cadillac
Letztere haben über den Sommer den Teamchef ausgetauscht. Graeme Lowdon ist raus, der Ex-Alpine und FIA-Angestellte Marcin Budkowski übernimmt. Lowdon stand eh eben ganz oben auf meiner Liste der Teamchefs, deren Job stark gefährdet ist, insofern ist das keine Überraschung. Die Wahl von Budkowski dagegen schon. Der Pole bringt aber viel Erfahrung mit und ist einer der wenigen Teamchefs in der F1, der einen konkreten technischen Hintergrund hat. Bei Ferrari und McLaren arbeitete er in diversen Rollen als Aerodynamiker. Bei der FIA hatte er für vier Jahre die Rolle als Technical & Sporting Coordinator inne, bevor er 2021 für ein Jahr Alpine übernahm.
Bei Cadillac bewegt sich im Moment zusätzlich einiges hinter den Kulissen. Teambesitzer Mark Walter verscherbelt gerade diverse Beteiligungen an anderen Sport-Teams. Das Basketballteam der LA Lakers hat er nach nur 14 Monaten für 12,5 Milliarden Dollar verkauft und es gibt Berichte, dass er seinen Anteil am FC Chelsea abstoßen will. Der Grund für die Verkäufe liegt bei seinen Versicherungsunternehmen.
Im Kern geht es um die Frage, ob Walters Versicherungen Delaware Life Insurance Co. und Clear Spring Life and Annuity Co. (beide Teil der Holding Group 1001/TWG Global) Milliardenkredite an andere Walter-nahe Unternehmen so strukturiert und bilanziert haben, dass sie als „unabhängige“ Investitionen erschienen, obwohl es sich faktisch um verbundene Parteien handelte. Das ist per se nicht illegal, wird es aber dann, wenn man die Regulierungsbehörden nicht informiert, was hier wohl der Fall war.
Die Versicherer versuchen jetzt, diese Verflechtung wieder aus ihren Bilanzen herauszubekommen, was bedeutet, dass man die Kredite entweder ablösen oder weiterverkaufen muss. Er benötigt sehr viel frei verfügbares Kapital, um Milliarden Dollar an Geschäften zwischen seinen Versicherungen und seinem übrigen Firmenimperium rückabzuwickeln. Bekannt sind bisher Kredite in Höhe von 21 Milliarden Dollar, die neu klassifiziert werden müssen. Medien berichten zudem von Beschlagnahmungen von Mobilgeräten/Laptops bei Walter und einem engen Mitarbeiter sowie von einem Whistleblower, der die Ermittlungen angestoßen haben soll.
Die betroffenen Unternehmen geben an, dass sie mit der Staatsanwaltschaft vollumfänglich kooperieren, aber der Umfang der hin- und hergeschobenen Kredite ist nicht klar. Allerdings ebenso wenig, ob es eine Anklage geben wird. Ein einmaliger “Buchungsfehler” scheint aber ausgeschlossen, weil die Gelder angeblich über vier verschiedene Zwischenunternehmen geleitet wurden. Was die Untersuchung besonders pikant macht. Ob Walter davon wusste, ist dann wieder eine andere Frage.
Zum Sport
Zandvoort sah im letzten Jahr einen überaus dominanten Sieg von Lando Norris und nach dem guten Auftreten beim letzten Rennen in Ungarn sollte McLaren auch in den Niederlanden wieder vorn sein. Aber Vorhersagen nach einer langen Pause sind in diesem Jahr schwer. Pause hin oder her, viele Teams werden mit diversen Updates am Auto kommen, was die Rangordnung schnell verändern kann. Sicher ist aber weiter, dass die vier Top-Teams unter sich bleiben werden und Mercedes mit Kimi Antonelli auf WM-Kurs ist. Ich gehe nicht davon aus, dass sich daran so schnell etwas ändern wird.
Das größte Update kommt von Aston Martin. Nach Phase Eins in Ungarn mit der recht erfolgreichen Einführung des B-Spec-Autos, folgt in Zandvoort Phase Zwei. Neben weiteren aerodynamischen Updates will Honda am kommenden Wochenende den überarbeiteten Motor einsetzen. Gelaufen ist der Motor im Chassis schon. Nach dem Rennen in Ungarn gab es Reifentests, die Honda dazu nutzte den neuen Motor auszuprobieren. In welchen Bereichen der Motor verbessert wurde, sagt Honda nicht. Aber da es vor allem dem Verbrenner an Leistung fehlte, dürfte das Update sich darauf konzentriert haben.
Der Start in die zweite Hälfte der Saison kann auch ein Reset für einige Teams sein, wenn die Upgrades funktionieren. Erfahrungsgemäß trudeln die letzten großen Updates zwischen September und Anfang Oktober ein, danach konzentriert man sich dann schon auf die neue Saison. Größere Verschiebungen vorwiegend im Mittelfeld sind also möglich.
Strategie
C2, C3 und C4 gibt es in Zandvoort. Damit will Pirelli eine Zwei-Stopp-Strategie erzwingen, was im letzten Jahr auch gelungen ist. Die Belastung für die Reifen ist in Zandvoort besonders hoch, auch dank der “Steilkurve” vor Start- und Ziel. Ein Problem in Zandvoort ist das Überholen. Es ist schlichtweg enorm schwierig, weil die langen Geraden fehlen. Man benötigt einen Offset von rund 1,5 Sekunden, um an einen Gegner sauber vorbeizukommen, also frische Reifen. Das setzt dann den Undercut prominent in Szene, aber gerade gegen Ende des Rennens will man dann auch nicht mit abgenagten Reifen unterwegs sein.
Erschwert wird die Lage in diesem Jahr, dass wir ein Sprint-Wochenende haben und es Freitag und Samstag nass sein soll. Es kann also gut passieren, dass die beiden einzigen Trainingssessions am Wochenende verregnet sind. Am Sonntag soll es aber trocken bleiben. Die Strecke wird dann mehrheitlich grün sein, was die Verschleißwerte primär mit vollem Tank erhöht.
Eine gute Position haben damit Teams, deren Reifenverschleiß besonders niedrig ist. An der Spitze sind das vor allem McLaren und Mercedes, im Mittelfeld sind RB und Audi in diesem Jahr mit guten langen Stints aufgefallen.
Bilder: Pirelli




